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Kennzeichen D


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Vital - epaper ⋅ Ausgabe 1/2023 vom 30.11.2022

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Unser Darm ist ein wirklich erstaunliches Organ: Etwa sieben bis acht Meter schlängelt sich der Muskelschlauch durch unseren Torso. Mit seinen zahllosen Zotten und Ausstülpungen bringt er es auf die Oberfläche von unglaublichen 300 Quadratmetern – größer als ein Tennisplatz. Im Laufe eines 75-jährigen Lebens reisen etwa 30 Tonnen Nahrung und 50 000 Liter Flüssigkeit durch den Darm. Neben dem Gehirn ist er die mächtigste Schaltzentrale unseres Körpers.

Erst vor Kurzem hat die Forschung die wundersamen Fähigkeiten unseres größten Organs entdeckt. Das zweite Gehirn wird der Darm auch genannt, denn er übernimmt und steuert viele Prozesse im Körper. Mit dem Gehirn kommuniziert er über den Vagusnerv – 90 Prozent der Informationen funkt der Darm über diese Verbindung nach oben.

Ein Netz aus mehreren Hundert Millionen Nervenzellen umspannt die Muskeln der Darmwand von der Speiseröhre bis zum Anus. ...

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... Diese Nervenzellen fühlen und wissen, welche Bakterien sich gerade im Darm vermehren, welche Substanzen ausgeschieden werden sollen und in welchem Verdauungsstadium sich die Nahrung befindet. Jede Sekunde trifft unser zweites Gehirn völlig selbstständige Entscheidungen – es passt den Blutfluss an, hält Nachbarorgane auf dem Laufenden, stellt klar, welche Stoffe abtransportiert werden und produziert bei Bedarf Immunzellen – in der Schleimhaut des Dickdarms sitzen mehr als 70 Prozent der Abwehrzellen des Immunsystems. Der Darm ist also unerlässlich für unsere Gesundheit.

Das Mikrobiom ist immens wichtig für die Gesundheit

Und dann gibt’s da auch noch das Mikrobiom. Rund zwei Kilo wiegen die 100 Billionen Keime, die auch ein wichtiges Wörtchen mitreden bei allem, was da so in unserem Inneren passiert. Unter dem Mikrobiom – oder auch der Darmflora – versteht man die Gesamtheit aller

Morbus Crohn

Was ist das? Die chronische Darmentzündung verläuft meist in Schüben. Ein bis zwei von 1000 Patientinnen und Patienten sind betroffen. Gesunde Darmabschnitte wechseln sich mit erkrankten ab. Morbus Crohn kann den gesamten Verdauungstrakt vom Mund bis zum After betreffen. Die Forschung geht davon aus, dass es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt.

Wie äußert sich das? Erbrechen, Durchfall und kolikartige Schmerzen im rechten Unterbauch, dazu in vielen Fällen ungewollter Gewichtsverlust. Bei einem Drittel der Betroffenen kommen unter anderem entzündliche Hautveränderungen, Müdigkeit und Gelenkschmerzen dazu.

Wie wird behandelt? Bei einem leichten Verlauf können Medikamente gegen Schmerzen, Durchfall oder Krämpfe helfen. Bei schweren Krankheitsschüben werden Kortison oder andere Medikamente eingesetzt, um die Autoimmunreaktion zu unterdrücken. In beschwerdefreien Zeiten kann eine antientzündliche Ernährung den nächsten Schub hinauszögern. Manchmal müssen in einer OP Abszesse oder erkrankte Darmpartien entfernt werden.

Colitis ulcerosa

Was ist das? Ein chronisch entzündeter Dickdarm. Colitis ulcerosa zählt ebenfalls zu den Autoimmunerkrankungen, und zusammen mit Morbus Crohn gehört sie zu den häufigsten chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen bei uns. Mindestens 150 000 Menschen sind betroffen, die Dunkelziffer ist doppelt so hoch. Morbus Crohn befällt nur den Dickdarm. Auslöser können Stress, psychische Probleme und ungesunde Ernährung sein – aber auch genetische Faktoren spielen eine große Rolle.

Wie äußert sich das? Die Krankheit beginnt schleichend mit Bauchschmerzen, Blähungen und Krämpfen. In der Darmschleimhaut bilden sich Entzündungen und eitrige Geschwüre. Auch Colitis ulcerosa verläuft in

Schüben. Typisch sind blutig-schleimige Durchfälle, die bis zu 40-mal täglich vorkommen können. Der Körper verliert Blut, Wasser, Vitamine und Mineralien. Das hat oft Gewichtsverlust, Abgeschlagenheit und Infektanfälligkeit zur Folge.

Wie wird behandelt? Da nur die Schleimhaut des Dickdarms entzündet ist, können lokale Schmerzmittel und Kortison gut helfen. Auch Gerb- und Bitterstoffe in Myrrhe, Weihrauch und Kamille zeigen Wirkung. Eine Stuhlstransplantation (Darmbakterien von gesunden Menschen) lässt die Symptome fast verschwinden – leider ist der Erfolg nicht immer von langer Dauer. Wenn Medikamente nicht mehr helfen, die Lebensqualität des Patienten massiv eingeschränkt ist, dann wird der Dickdarm entfernt.

Zöliakie

Was ist das? Zöliakie zählt zu den häufigsten nicht infektiösen Darmkrankheiten, und sie kann in jedem Alter auftreten. Auslöser ist Gluten, das Klebereiweiß im Getreide. Es verursacht eine chronische Entzündung der Dünndarmschleimhaut – die Zotten des Dünndarmes bilden sich zurück und sterben ab. Diese Zotten filtern Vitamine und Nährstoffe aus dem Essen und geben sie ins Blut ab. Bei einer Zöliakie wird der Körper deshalb nicht mehr ausreichend mit den lebenswichtigen Vitaminen und Nährstoffen versorgt. Viele Menschen glauben, unter einer Gluten-Unverträglichkeit zu leiden – tatsächlich ist aber nur etwa ein Prozent der Bevölkerung von der unheilbaren Autoimmunkrankheit betroffen. Die Diagnose erfolgt mit einem Blutbild und einer Magenspiegelung, bei der die Schleimhaut im Zwölffingerdarm untersucht wird.

Wie äußert sich das? Durchfall ist wohl das häufigste Symptom, auch Blähungen und Magenschmerzen bis hin zu Krämpfen können die Krankheit anzeigen. Selbst kleinste Mengen an Gluten können zu ernsten Beschwerden führen: Migräne, Gelenkentzündungen, Konzentrationsstörungen, Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse, Rheuma können unter anderem Folgen der Zöliakie sein.

Wie wird behandelt? Ein Medikament gibt es bisher noch nicht – Verzicht ist die einzige Therapie, die helfen kann, den Darm zu beruhigen und die Entzündung ausheilen zu lassen. Betroffene sollten deshalb alles meiden, was Gluten enthält –und das ist eine ganze Menge. Es steckt in den Getreidearten Weizen, Roggen, Gerste und Dinkel. Neben Pizza, Backwaren und sämtlichen Nudeln gehören auch Frikadellen, Bier, Cornflakes, Fruchtshakes, Sojasoße, Ketchup, Fischstäbchen und diverse Fertiggerichte dazu. Infos für die richtige Ernährung bei dieser Krankheit liefert die Deutsche Zöliakie Gesellschaft unter

ILLUSTRATION: / SAHS94

Kleinstlebewesen wie Bakterien, Pilze oder Viren, die den Darm bevölkern. Die Zusammensetzung wird uns von Geburt an mitgegeben, aber im Lauf der Zeit verändert sie sich – die Art unserer Nahrung und unser Lebensstil spielen eine entscheidende Rolle dabei. Außerdem sind auch die Gene wichtig, die individuelle Umgebung und auch Medikamente, allen voran Antibiotika. Diese Zusammensetzung übrigens ist von Mensch von Mensch ganz verschieden. Sie ist so einzigartig wie ein Fingerabdruck. Das ganze Leben spiegelt sich darin wider: ob Hund oder Katze im Haushalt leben, ob Sport getrieben wird, und ob wir im Job viel sitzen oder stehen müssen – und was wir essen.

Unsere Ernährung spielt eine ganz große Rolle

Weil der Darm und seine kleinen Bewohner so immens wichtig für unsere Gesundheit sind, müssen wir gut auf sie achtgeben. Denn nicht immer flutscht alles reibungslos – er ist anfällig für verschiedene Krankheiten, das Mikrobiom möchte gut gefüttert werden und freut sich über Ballaststoffe, etwa 30 Gramm am Tag, empfehlen die Mediziner. Dazu probiotische Lebensmittel wie Joghurt mit lebenden Milchsäurebakterien und Fermentiertes – zum Beispiel in Salzlake ei ngelegtes Gemüse. Manchmal ist der Darm auch schon von Geburt an krank – aber auch dann kann die Ernährung eine Menge helfen.

Divertikulitis

Was ist das? Man unterscheidet zwischen einer Divertikulose und einer Divertikulitis. Bei einer Divertikulose bilden sich Ausstülpungen der Darmwand. Diese Ausstülpungen Divertikel – müssen meist nicht behandelt werden. Aber: Etwa fünf Prozent der Menschen mit Divertikulose bekommen eine Entzündung der Divertikel, eine Divertikulitis. Durch kleinste Lücken in den Darmmuskulatur kann dann die innere Schleimhaut des Darms nach außen gedrückt werden, sodass sackförmige Ausstülpungen in den Bauchraum ragen. Diese kleinen Muskellücken sind natürliche Schwachstellen, denn dort verlaufen Blutgefäße.

Wie äußert sich das? Plötzliche und heftigen Unterbauchschmerzen deuten auf eine Divertikulitis hin, dazu kommen oft Durchfall oder Verstopfung. Die Schmerzen werden durch Essen verstärkt, manchmal verschwinden sie nach dem Stuhlgang. Gelegentlich treten auch Übelkeit und Erbrechen auf. Fieber ist ein deutliches Zeichen für eine Entzündung.

Wie wird behandelt? Manchmal reichen schon körperliche Schonung und die Umstellung auf flüssige Kost wie Tee oder Brühe aus, um den Darm zu beruhigen. Bei einer akuten Divertikulitis werden Antibiotika gegeben, in schweren Fällen die entzündeten Teile des Darms operativ entfernt.

Lebensmittelallergien

Was ist das? Zwei bis drei Prozent der Erwachsenen reagieren allergisch auf spezielle Lebensmittel oder bestimmte Bestandteile (Allergene) im Essen. Dabei handelt es sich um eigentlich harmlose Proteine, die das Immunsystem von Allergikern als Bedrohung wahrnimmt. Es bildet Antikörper, welche die Symptome auslösen. Eine Lebensmittelallergie sollte nicht verwechselt werden mit einer Lebensmittelintoleranz. Hierbei ist das Immunsystem nicht beteiligt. Und: Menschen mit Intoleranzen können häufig – im Gegensatz zu Allergikern – kleine Mengen des betreffenden Stoffs vertragen.

Wie äußert sich das? Ekzeme, Niesreiz, Dauerschnupfen, geschwollene und tränende Augen sind häufig Symptome, ebenso wie akute Atembeschwerden oder Anschwellen der Mundschleimhäute. Die heftigste allergische Reaktion ist der lebensgefährliche anaphylaktische Schock, der zum Versagen des Herz-Kreislauf-Systems führt. Bei einer Intoleranz hingegen kommt es „nur“ zu Durchfällen, Bauchschmerzen und Blähungen.

Wie wird behandelt? Patienten mit Nahrungsmittelallergien erhalten ein Notfallset mit Medikamenten. Bei leichteren Reaktionen – wie zum Beispiel Hautausschlag – werden in der Regel ein Antihistaminikum und Kortison verordnet.

Reizdarm

Was ist das? Bis die Diagnose gestellt wird, ist es oft ein langer Weg Der Reizdarm ist eine sogenannte Ausschlussdiagnose – das bedeutet, Intoleranzen oder Darmerkrankungen sind nicht die Ursache der Beschwerden. Beim Reizdarm geraten bei manchen Menschen die Darmnerven in eine Art Dauererregungszustand und verursachen so die Symptome. Mitverantwortlich kann auch eine gestörte Darmflora sein: Antibiotika oder schwere Magen-Darm-Infekte bringen die natürliche Mixtur der Bakterien im Darm komplett durcheinander. Aber auch Stress kann der Auslöser für die Beschwerden sein. Frauen sind übrigens öfter vom Reizdarm betroffen als Männer.

Wie äußert sich das? Die Symptome reichen von Übelkeit, Bauchschmerzen, Blähungen, Druck- und Völlegefühl bis zu Durchfall oder Verstopfung.

Wie wird behandelt? Australische Studien haben ergeben, dass auch hier der Verzicht gut helfen kann. Betroffene meiden für ein paar Wochen Fertigprodukte, Süßigkeiten, Brot, Milchprodukte, Steinobst und Kohl. Nach vier bis acht Wochen sollten die Nahrungsmittel (außer den Fertigprodukten) nach und nach wieder auf den Tisch kommen, sonst können Mangelerscheinungen auftreten. Zur Darmberuhigung haben sich auch Pfefferminzöl, Kümmel oder Extrakte aus Melisse bewährt.

Buch -Tipps

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