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Kerne statt Plastik


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ÖKO-TEST Jahrbuch Kosmetik - epaper ⋅ Ausgabe 12/2020 vom 10.12.2020

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RATGEBER

Rubbelsubstanzen aus Kunststoff werden kaum noch in Peelings eingesetzt. Frei von Kunststoffen sind die Produkte dennoch nicht. Wer ohne synthetische Polymere peelen möchte, achtet am besten auf unser Testurteil. „Sehr gut“ heißt: plastikfrei. 

Körperpeelings besser nicht im Gesicht anwenden: Die Partikel könnten zu scharfkantig und grob für die feine Haut im Gesicht sein. 

Keine Lust auf zu viele Produkte im Bad? Ein-, zweimal die Woche einfach ein bisschen Kaffeesatz unter die Reinigungslotion mischen – fertig!

Die freiwillige Selbstverpflichtung der Kosmetikindustrie zur Reduzierung von ...

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... Mikroplastik zeigt Wirkung. Statt Polyethylen, Nylon oder Polyamid enthalten die meisten Gesichtspeelings inzwischen Schleifkörnchen aus Mineralien und Pflanzenbestandteilen. Und das ist auch gut so.

Aber was steckt sonst noch so drin in den peelenden Gels und Lotionen fürs Gesicht? Wir haben 24 Gesichtspeelings eingekauft, darunter sechs Naturkosmetikprodukte und vier, die sich vor allem an eine männliche Kundschaft richten.

Mehr als die Hälfte „sehr gut“ 

13 von 24 Peelings schneiden „sehr gut“ ab: sechs Naturkosmetikprodukte sowie sieben konventionell hergestellte Peelings. Die Schleifpartikelchen in Peelings waren in der Vergangenheit ins Gerede gekommen – als winzig kleine Kügelchen aus hartem Kunststoff, die wenige Sekunden im Gesicht verbringen und dann eine halbe Ewigkeit in den Meeren. Inzwischen sind die Peelings umweltfreundlicher geworden. Am häufigsten setzen die Hersteller mittlerweile gehärtetes Jojobaöl – auch schick „Jojobaperlen“ genannt –, Kieselsäure und Zellulosepulver ein. Auch gemahlene Aprikosenkerne oder Sand dienen als Rubbelteilchen. Was Schleifpartikel angeht, sind die Unternehmen erfinderisch geworden.

Mikroplastik: eine Frage der Definition 

Ganz plastikfrei sind die getesteten Peelings jedoch nicht. Jedes zweite konventionelle Peeling enthält flüssige Kunststoffverbindungen, denn die Branche will unter „Mikroplastik“ nur die festen Kunststoffteilchen verstehen. Dabei landen die flüssigen Kunststoffe, also synthetische Polymere wie Silikone und Acrylate, auch im Abwasser. Nicht alles können die Kläranlagen herausfiltern. Zudem landet der Klärschlamm teilweise als organischer Dünger direkt auf den Feldern.

Der Anbieter Müller-Drogeriemarkt wirbt auf seinem CV Cadea Vera Hydro Hautverfeinerndes Peeling Gel mit einem „Ohne Mikroplastik“-Siegel. Die Peelingkörper bestehen aus Poly milchsäure (Polylactic Acid), kurz PLA. Hört sich zunächst einmal gut an: Schleifpartikel aus nachwachsenden Rohstoffen wie Mais oder Zuckerrohr.

Auch Bio-Kunststoff ist Kunststoff 

Doch gleich, woraus das Polymer im Labor zusammengebaut wird: PLA ist ein Kunststoff – ein Polyester, dessen Abbaubarkeit stark von der Umgebungstemperatur abhängig ist. In einer Kompostieranlage kein Problem. Aber gelangt es ins Wasser, gleich ob Süß-oder Salzwasser, so zeigte sich in Untersuchungen kaum ein Abbau. Das Umweltbundesamt stuft PLA zweifelsfrei als Mikroplastik ein. Auf der Verpackung finden Verbraucher einen Verweis auf die Website mueller.de/ mikroplastik. Dort erläutert Müller, dass man sich am Einkaufsratgeber Mikroplastik und andere Kunststoffe in Kosmetika des Bundes für Umwelt-und Naturschutz Deutschland (BUND) orientiere. Eine Liste, auf der PLA fehlt – noch. „Der BUND-Einkaufsratgeber wird in Zukunft in den ToxFox übergehen, und im Rahmen dessen werden wir auch PLA aufnehmen“, erklärt BUND-Sprecherin Nadja Ziebarth.

Fehlender Hinweis auf Nanopartikel 

Eine wirklich winzig kleine Angelegenheit zum Schluss: Das Bioré Peeling Rosenquarz + Aktivkohle enthält Titandioxidpartikel im Nanogrößenbereich. Über 70 Prozent hat das von uns beauftragte Labor gemessen. Die EU empfiehlt in diesem Fall – also wenn die enthaltenen Teilchen zu mehr als 50 Prozent im Bereich von 1 bis 100 Nanometer liegen – einen „Nano“-Hinweis auf der Zutatenliste. Hätten wir auch sinnvoll gefunden, deshalb werten wir hier, weil noch nicht alle Risiken durch Nanopartikel geklärt sind, unter den Weiteren Mängeln ab.

Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: Umkarton, der kein Glas schützt. 2) Weiterer Mangel: fehlende Angabe „nano“ bei Titandioxid in der Liste der Inhaltsstoffe. 3) Weiterer Mangel: weitere Kunststoffverbindungen. 4) Enthält PEG/PEG-Derivate. 5) Enthält PEG/PEG-Derivate. Weiterer Mangel: weitere Kunststoffverbindungen. Legende: Produkte mit gleichem Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um eine Note führen: PEG/ PEG-Derivate. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: weitere synthetische Polymere als weitere Kunststoffverbindungen (hier: Acrylates/C10-30 Alkyl Acrylate Crosspolymer, Acrylates Copolymer, Acrylates Crosspolymer-4, Polylactic Acid, Polyquaternium-4, Polyquaternium-39, Sodium Acrylates/C10-30 Alkyl Acrylate Crosspolymer). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) Umkarton, der kein Glas schützt; b) fehlende Angabe „nano“ bei Titandioxid in der Liste der Inhaltsstoffe gemäß EU-Kosmetik-Verordnung 1223/2009 und der Empfehlung 2011/696 der EU-Kommission zur Definition von Nanomaterial, wenn das in den Produkten enthaltene Titandioxid zu mehr als 50 Prozent nanoförmig vorliegt. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die von den Herstellern versprochenen Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben. 

Testmethoden, Glossar und Anbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de/J2012 Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST Magazin 9/2020. Aktualisierung der Testergebnisse/ Angaben, sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.

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