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Kerstin Hack lebt ihren Traum: Dieses Schiff ist ihr Zuhause: Willkommen an Bord!


Bild der Frau - epaper ⋅ Ausgabe 37/2018 vom 07.09.2018

Enten beobachten statt Rasen mähen: Kerstin Hacks Haus schwimmt auf der Spree. Fünf Jahre hat die 51-Jährige gebraucht, um aus einem verrotteten Marine-Kahn ihr ganz persönliches Traumschiff zu machen. Unsere Reporterin Erika Krüger durfte an Bord


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Bildquelle: Bild der Frau, Ausgabe 37/2018

Stammgäste: Die Enten-Familie lässt sich gern von „Kapitänin“ Kerstin füttern


Auf dem Vorderdeck hat sich Kerstin Hack (51) einen Fitnessraum eingerichtet. Da federt sie gerade auf dem Mini-Trampolin auf und ab: Frühsport an Bord der „Anna Grace“ – während steuerbords eine Entenfamilie vorbeischnattert. Ansonsten ist die Ruhe himmlisch, die ...

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... Sonne lacht vom knallblauen Himmel. Kerstin strahlt auch: „Ist das nicht wunderbar hier? Mein Umzug auf dieses Schiff, das fühlt sich an wie das Hinübergleiten in ein neues Leben.“

Seit gut einem Jahr lebt Autorin und Coach Kerstin Hack jetzt schon auf ihrem Hausboot in Berlin-Oberschöneweide. Das war mal ein Torpedofangboot der Volksmarine der DDR. Fünf Jahre hat die Wahl-Berlinerin gebraucht, daraus ein zauberhaft-schunkelndes 100-Quadratmeter-Heim zu machen. Entdeckt hat sie den Kahn 2012 auf Ebay – ein Hamburger Ehepaar bot das alte Marineboot an, das zuletzt als Ostseedampfer unterwegs war. 60 Jahre hat die „MS Triton“ auf dem Schiffsbuckel, ist 26 Meter lang und 4,5 Meter breit. Und

Liebe auf den allerersten Blick war es nicht …

BUCH-TIPP
Kerstin Hack: „Leinen los. Wie ich mitten in Berlin ein Hausboot baute, um meinen Traum zu leben.“ bene!-Verlag, 16,99 Euro

So gemütlich. Kerstin liebt ihr helles Wohnzimmer. In der Bauphase war hier alles vollgestopft (Foto o. r.)


Jahrelange Knochenarbeit: Tonnen an Schutt und Rost musste Kerstin entsorgen. Heute liegt das Schiff blitzblank samt Seminarraum (unten) fest vertäut auf der Spree


Mein Traumschiff! Unserer Reporterin Eri Krüger (o.) erzählte Kerstin vom steinigen Weg dahin


Als Kerstin die „MS Triton“ an einem eisigen Februarmorgen besichtigt, ist sie erst mal skeptisch. Die Schiffswände sind feucht und rostig, die Schrauben verrostet, die Seile hart geworden, innen stapeln sich Tonnen an defekten Maschinen. Aber die Größe ist perfekt, und die Verkäufer kommen ihr mit dem Preis entgegen. „Und ganz ehrlich: Vom technischen Aufbau so eines Schiffes hatte ich gar keine Ahnung …“

Wer das Schiff heute erkundet, ahnt, wie viel Arbeit drinsteckt: Ein helles Wohnzimmer gibt es jetzt an Bord, eine offene Küche, einen Seminarraum, zwei Gästekajüten, ein Schlafzimmer – und in der früheren Steuerkabine ein Minibüro. „Ich habe ewig davon geträumt, auf so einem Schiff zu leben, auf dem ich auch Seminare leiten und Gäste einquartieren kann“, erzählt Kerstin Hack. „Aber zwischendrin dachte ich schon oft, das wird nichts mehr. Ich habe mit Freunden tonnenweise Rost und Schrott weggeräumt, so viele Tränen vergossen und unfassbaren Behördenstarrsinn ertragen.“

Sie kratzt Rost ab, malt, streicht, isoliert, repariert, bis die Schultern schmerzen. Der erste Riesenrückschlag kommt nach einem halben Jahr: Das Schiff hat mehrere Lecks, muss in eine Werft transportiert werden. Dort läuft die untere Ebene mit Wasser voll. Die Kosten steigen. Kerstin kämpft um ihren Mut – aber sie macht weiter.

Auch weil sich immer wieder Helfer finden, die mit anpacken und ihr mit Geldspenden helfen. Dann das nächste Desaster: Die Überfahrt mit einem Schubschiff nach Berlin droht an einem fehlenden Behördenstempel zu scheitern. Eine Tagesreise vor Berlin stoppt ein Beamter der Wasserschutzpolizei Kerstins Fahrt. „Gleichzeitig rief mich meine Mutter an, dass mein Vater ins Krankenhaus eingeliefert worden war. Das war eine Nacht voller Angst und Schrecken.“ Am nächsten Morgen ist der Vater überm Berg und sie darf weiterschippern – erreicht endlich ihr Ziel Berlin. Geschafft!

„Manchmal“, sagt Kerstin Hack, „muss man alles wagen, damit ein Traum Wirklichkeit wird. Ich bin glücklich.“


Fotos: Andreas Friese (6), Privat (2)