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KIND UND HUND:Klare Regeln führen zu tiefer Freundschaft


Mein Hund & Ich - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 14.08.2019

Seit jeher haben Menschen zu Tieren emotional enge beziehungen, besonders zu Hunden. Der beste Freund des Menschen begleitet uns schon seit Jahrhunderten und hat mittlerweile in unserer Gesellschaft einen hohen Stellenwert eingenommen

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Bildquelle: Mein Hund & Ich, Ausgabe 5/2019

DIE EXPERTIN

MAG. ALEXANDRA SCHWEIGER eröffnete nach zwei Jahren spannender und aufschlussreicher Ausbildung bei Martin Rütter DOGS ihre Hundeschule für Menschen, Tirol. In Innsbruck und Wörgl bietet sie Kurse zum Umgang mit aggressiven Hunden, Agility, Alltag und Leben mit Hund, Angst und Traumata, Apportiertraining, Clickertraining, Fährtenarbeit, Flyball und mehr an. ...

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MAG. ALEXANDRA SCHWEIGER eröffnete nach zwei Jahren spannender und aufschlussreicher Ausbildung bei Martin Rütter DOGS ihre Hundeschule für Menschen, Tirol. In Innsbruck und Wörgl bietet sie Kurse zum Umgang mit aggressiven Hunden, Agility, Alltag und Leben mit Hund, Angst und Traumata, Apportiertraining, Clickertraining, Fährtenarbeit, Flyball und mehr an.www.martinruetter.com/tirol

Gerade in der Familie ist ein Hund ein großer Gewinn und bereichert das Leben sehr. Denn was gibt es Schöneres als Kinder, die zusammen mit Haustieren, insbesondere mit Hunden, aufwachsen können? Die Freundschaft zwischen Kind und Hund kann für beide Seiten eine tolle Erfahrung sein.

Warum Hunde so wichtig sind

Es gibt viele wissenschaftliche Nachweise, die belegen, dass Hunde bei Kindern im sozialen Bereich die Entwicklung der Kommunikationsfähigkeit, des Verantwortungsbewusstseins und der Empathie fördern, für emotionales Wohlbefinden sorgen und das Selbstvertrauen steigern.

Denn mit einem Hund in der Familie lernen Kinder, welche Bedürfnisse ein Hund hat sowie auf diese entsprechend einzugehen, indem sie in die Versorgung und Erziehung des Hundes mit einbezogen werden. Wird ein Hund in die Familie aufgenommen, setzen Eltern und Kind sich auch automatisch mit „Tabu-Themen” wie Sexualität und Tod auseinander. Denn bereits mit dem Einzug des Welpen kommt von Kindern oft die Frage „Wie entsteht eigentlich ein Hundebaby?” Das Gespräch über solche Themen in Bezug auf den Hund fällt Eltern dann auch meist viel leichter.

Hunde sind für Kinder aber auch der alltägliche Begleiter, der immer für sie da ist. Dies liegt vor allem daran, dass Hunde in ihren sozialen Strukturen, wie z. B. dem Zusammenleben im Familienverband, denen des Menschen sehr ähneln und sich immer über die Anwesenheit ihrer Menschen freuen. Denn gerade wenn Freunde keine Zeit haben oder weiter weg wohnen, ist der Hund der beste Freund und Spielkamerad. Hunde lassen sich in der Regel gern zum Spielen motivieren und in das Spiel der Kinder mit einbeziehen. Gleichzeitig sind sie aber auch der Seelentröster, der verständnisvoll zuhört und dem man seine Geheimnisse anvertraut. Denn sie kritisieren und mahnen nicht, sie lachen nicht über das Kind, sie sind einfach für das Kind da. Und wie man mittlerweile weiß, reicht allein schon die Anwesenheit eines Hundes, um den Gemütszustand eines Menschen zu verbessern. Gerade deshalb werden Hunde mittlerweile vielfach im therapeutischen Bereich eingesetzt.
Durch den Hund wird es für viele Kinder auch einfacher, Anschluss zu finden und neue Freundschaften zu schließen. Denn Hunde sind faszinierende Wesen, über die Kinder gerne sprechen. Bei all diesen Vorteilen gibt es aber auch ganz klar einiges zu berücksichtigen, damit der Familienalltag mit Hund harmonisch verläuft.

Die Auswahl des Familienhundes

Viele Menschen haben oft ganz bestimmte Rassen als den perfekten Familienhund im Kopf. Ob ein Hund als Familienhund geeignet ist, hängt aber nicht so sehr von der Rasse ab, sondern von den Eigenschaften, die ein Hund mitbringen muss. Dass ein in der Familie lebender Hund entspannt und freundlich gegenüber Menschen sein muss, ist jedem sofort klar. Ein Hund, der Aggressionsverhalten gegenüber Menschen zeigt, birgt im Haushalt mit Kindern viel zu viele Gefahren, denn Kinder können Hunde und ihr Verhalten noch nicht so gut einschätzen. Der Familienhund sollte jedoch auch sozialverträglich sein, also auch gegenüber Artgenossen kein starkes aggressives Verhalten zeigen, sonst wird jeder Spaziergang und Ausflug schnell zum Spießrutenlauf. Da Kinder sich gern mit dem Hund beschäftigen wollen, hat der Familienhund idealerweise starkes Interesse an der Zusammenarbeit mit dem Menschen und geht gerne auf Spielangebote ein. Eine hohe Reizschwelle ist von Vorteil, der Familienhund sollte nicht sofort auf den kleinsten Reiz reagieren, sondern eher gelassen sein. In Alltagssituationen soll er entspannt bleiben und souverän auf Umweltreize reagieren. Da Kinder ihre Bewegungen noch nicht hundertprozentig kontrollieren können, sollte er körperlich robust sein. Er darf weder so sensibel sein, dass er sofort traumatisiert ist, wenn das Kind ihm versehentlich auf die Rute tritt, aber auch eine Korrektur des Kindes durch einen Biss ist nicht erwünscht.

Baby und Hund dürfen sich nur in Anwesenheit eines Elternteils begegnen


„Für Kind und Hund müssen klare Strukturen und Regeln gelten”

Die Rolle des Hundes in der Familie

Aus Hundesicht sind Kinder schwer einzuschätzen. Kinder bewegen sich dynamisch und abrupt, sind unvorhergesehen laut, wenn sie sich freuen, und wechseln im Spiel oft in ihren Handlungen, wenn sich etwas Neues und Spannendes ergibt.

Hunde erkennen ganz klar anhand des Umgangs der Eltern mit dem Kind sowie der Motorik, Körpersprache und Handlungen des Kindes, dass es sich um ein noch nicht erwachsenes Lebewesen handelt. Damit entsteht für den Hund als erwachsenes Lebewesen ein Konflikt: Soll er sich aktiv an der Erziehung der Kinder beteiligen, indem er unerwünschtes Verhalten korrigiert, wie er das bei einem Welpen machen würde?
Doch Korrekturen von Hunden gegenüber Kindern können zu gefährlichen Verletzungen führen, ein korrigierendes Abschnappen in Richtung Gesicht kann das Kind fürs Leben zeichnen, von seiner Traumatisierung ganz abgesehen. Daher müssen die Eltern dem Hund klarmachen, dass er keinerlei Erziehungsfunktion gegenüber den Kindern der Familie hat. Dies bedeutet, dass die Eltern dem Hund klar signalisieren müssen, dass für Kinder – genauso wie für den Hund – Strukturen und Regeln gelten und die Eltern die Verantwortung für das Kind tragen sowie für dessen Erziehung zuständig sind. Dies bedeutet auch, dass die Eltern gegenüber dem Hund die Elternrolle übernehmen müssen, sodass dieser lernt, sich in seinen Wünschen und Bedürfnissen einzuschränken und Begrenzungen zu akzeptieren. Denn Strukturen und ein klares Regelpaket vermitteln Orientierung und zeigen Grenzen auf, welche Sicherheit geben. Gibt es klare Regeln für alle, gibt es für den Hund keinen Grund, in Konkurrenz zu den Kindern zu treten.

Die werdende Mutter sollte Spaziergänge mit Kinderwagen und Hund üben, dann klappt es später mit entspannten Runden


Wie Hunde Kinder wahrnehmen

Hunde nehmen Kinder in ihren unterschiedlichen Entwicklungsphasen entsprechend anders wahr.

ENTWICKLUNGSPHASE 1 – BABY

Diese Entwicklungsphase ist für unsere Hunde ganz klar – aus Hundesicht handelt es sich um einen „Welpen”, der Erziehung und Pflege braucht. Die Beziehung zwischen Baby und Hund ist eine Sondersituation, denn das Baby bewegt sich noch nicht eigenständig fort. Dadurch sind Beaufsichtigung sowie ein kontrollierter Kontakt zwischen Baby und Hund für die Eltern in der Regel gut machbar.
Wie bereits zuvor geschrieben, muss dem Hund von Anfang an klargemacht werden, dass er keine erzieherische Funktion gegenüber dem Baby hat. Gerade dann, wenn das Baby etwas älter ist, wird der Hund für das Baby sehr spannend, da sich dieser bewegt. Das Baby wird versuchen, nach dem Hund zu greifen, was für diesen schmerzhaft werden kann. Babys sind noch sehr ungeschickt und haben keine ausgepräg-te Feinmotorik. Deshalb müssen die Eltern dafür Sorge tragen, dass das Baby nicht zu fest zugreift und dem Hund wehtut. Der Hund muss wissen, dass die Eltern hierfür Sorge tragen und das Baby erziehen, sodass er keine erzieherische Korrektur gegenüber dem Baby ausüben muss. Fühlt sich der Hund für das Baby verantwortlich, kann dies zur Folge haben, dass der Hund das Baby gegenüber anderen Personen verteidigt. Nähert sich ein Besucher dem im Kinderwagen schlafenden Baby, kann der vor dem Kinderwagen liegende Hund dem Besuch deutlich machen, dass eine weitere Annäherung absolut unerwünscht ist.

ENTWICKLUNGSPHASE 2 – KLEINKIND

Kleinkinder werden ebenso wie Babys vom Hund als „Welpe” angesehen. Gerade im Kontakt mit dem Kleinkind kann es für den Hund zu stressigen Situationen kommen.
Viele Kleinkinder wollen den Hund umarmen und streicheln. Dies kann für den Hund unangenehm oder schmerzhaft werden, wenn das Kind zu fest zudrückt oder sich bei den ersten wackligen Schritten am Hund festhalten möchte. Viele Kleinkinder binden den Hund gerne in ihr Spiel ein, vor allem bei sogenannten „So-tun-als-ob”-Spielen. Solange der Hund dabei ledig-lich am Spieltisch sitzen und „eine Tasse Tee” mit dem Kind trinken soll, ist das unproblematisch. Wenn aber der Hund auch „passend gekleidet” sein soll und das Kind ihm ein neues Kleid anziehen will, muss aus Hundesicht ein solch „übermütiger Welpe” erzogen werden, der Hund korrigiert das Kind z. B. mit einem Schnauzgriff.

Verhaltensregeln für den Hund
• Der Hund darf das Kind nicht anspringen
• Der Hund darf das Kind nicht jagen
• Der Hund darf das Kind nicht korrigieren
• Der Hund darf dem Kind nichts aus der Hand klauen

Verhaltensregeln für Kinder im Umgang mit dem eigenen Hund
DEN HUND NICHT BEDRÄNGEN
• Nicht über den Hund beugen
• Dem Hund nicht in die Augen schauen
• N icht über den Hund klettern oder auf den Hund legen
DEN HUND ZU NICHTS ZWI NGEN
• Den Hund nicht hochheben oder tragen
• Den Hund nicht verkleiden
• Den Hund nicht ärgern
• Dem Hund nicht wehtun
• Den Hund nicht bestrafen
STR EICH ELN LERNEN
• Den Hund sanft an der Seite oder am Bauch streicheln
• Den Hund nicht auf dem Kopf streicheln
• Den Hund nicht „abklopfen”
GEMEINSAM SPIELEN
• Je nach Vorliebe des Hundes gemeinsame Spiele wählen
• B eim Spiel nicht wild und laut werden
• Spielabbruch bei bedrängendem Verhalten des Hundes, Eltern zu Hilfe holen
• Keine Zieh-und Zerrspiele
• Dem Hund nicht hinterherlaufen
RUH EZONEN EINHALT EN
• Den Hund nicht ohne Erlaubnis der Eltern mit ins Kinderzimmer nehmen
• Den Hund nicht beim Schlafen stören
• Den Hund nicht beim Fressen stören

Hierbei greift die Hundemama mit ihrem Maul einmal fest über die Schnauze des Welpen. Beim Kleinkind führt diese hündische Erziehungsmaßnahme im Gesicht jedoch schnell zu schweren Verletzungen, weshalb Eltern den Umgang des Kleinkindes mit dem Hund immer beaufsichtigen müssen. Denn auch dem gutmütigsten Hund wird es irgendwann zu viel. Bei der

„Aus Sicht des Hundes sind kleine Kinder Welpen”

Versorgung und Pflege des Hundes können Kleinkinder kaum einbezogen werden.
Dennoch können sie einmal gemeinsam mit Mama die Bürste halten, wenn Mama den Hund bürstet, oder aber zusammen mit Papa den Hund auf dem Spaziergang an der Leine halten. Dabei müssen die Eltern darauf achten, dass das Kind die Leine nicht zwischen dem Erwachsenen und dem Hund hält, da es sonst umfallen kann, wenn der Hund doch einmal in die Leine springt. Das Kind hält also das Ende der Leine, während die Eltern den Hund mittig führen. Alternativ kann man auch eine zweite Leine am Geschirr des Hundes befestigen, während die Eltern den Hund mit der am Halsband befestigten Leine führen.

Kleinkinder spielen gern mit Hunden. Sie müssen aber lernen, diesen nicht zu bedrängen


Verhaltensregeln für den Umgang von Kindern mit fremden Hunden
• Den Halter des Hundes immer fragen, ob der Hund gestreichelt werden darf. Ein Nein auch akzeptieren.
• Angeleint wartende Hunde, etwa vor einem Geschäft, auf keinen Fall streicheln.
• An Hunden niemals dicht vorbeirennen, da sonst der Hund zum Hinterherrennen animiert werden könnte.
• Vor einem heranstürmenden Hund nicht weglaufen. Ruhig stehen bleiben, ohne die Arme hochzureißen, und sich eventuell wegdrehen.
• Ein Grundstück mit frei laufendem Hund niemals ohne Erlaubnis betreten.
• Den Hund hinter einem Zaun nicht ärgern.
• Nicht frontal auf den Hund zulaufen.
• Den Hund nicht fixieren oder umarmen.
• Den Hund Kontakt aufnehmen lassen und vorsichtig an der Seite streicheln.

Verhaltensregeln für Eltern im Umgang mit dem Hund
• Hund und Kleinkind dürfen NIE allein gelassen werden
• Positiver und respektvoller Umgang mit dem Hund
• Keine Korrektur des Hundes in Anwesenheit des Kindes

Die werdende Mutter bereitet den Hund schon während der Schwangerschaft auf den veränderten Tagesrhythmus vor


ENTWICKLUNGSPHASE 3 – SCHULKIND

Kinder im Schulalter werden vom Hund schon als Spielgefährte oder auch gleichrangiger „Kumpel” wahrgenommen. Das Schulkind kann von den Eltern in die Erziehung und das Training des Hundes mit einbezogen werden. So darf es beim Füttern den Napf auf den Boden stellen und den wartenden Hund zum Futter schicken, das – gepfl egte, also von den Eltern zuvor bereits gebürstete – Fell bürsten oder das Spielzeug werfen oder verstecken und den Hund zum Apportieren schicken. Das alles ist aber immer nur in Anwesenheit der Eltern und bei entsprechendem Trainingsstand des Hundes erlaubt. Der Hund soll die Signale, die das Kind ihm gibt, bereits zuverlässig ausführen. Die Eltern müssen ihm diese Signale also zuvor bereits beigebracht haben. Zudem sollen alle Pfl egemaßnahmen vom Hund als angenehm empfunden werden. Ist das Fell verfi lzt und voller Knoten, wird das Entwirren ziepen und dem Hund wehtun. Eine solche Tätigkeit gehört nicht in den Aufgabenbereich von Kindern! Kinder in diesem Alter mit dem Hund allein spazieren gehen zu lassen, ist übrigens nicht nur gefährlich, sondern auch grob fahrlässig. Kommt es zu einer Auseinandersetzung des eigenen Hundes mit einem Artgenossen, kann ein Schulkind weder souverän den Streit unterbinden noch entscheiden, wann es besser nicht dazwischengeht. Selbst dann, wenn der eigene Hund freundlich und gut erzogen ist, kann dieser bei einem Angriff eines anderen Hundes verletzt oder sogar getötet werden. Das führt schnell zu einer dauerhaften Traumatisierung des Kindes. Auf dem Spaziergang mit den Eltern darf das Schulkind in bestimmten ungefährlichen Bereichen/Situationen die Leine des Hundes übernehmen, wenn der Hund gelernt hat, an lockerer Leine zu laufen.

„Schulkinder können mit dem Hund spielen, aber nicht allein Gassi gehen”

Mit einem gut erzogenen Hund, der ihre Signale befolgt, können Teenager spazieren gehen


Das Buch zum Thema: Martin Rütter, Andrea Buisman: „Hund und Kind”, Kosmos, 19,99 Euro


ENTWICKLUNGSPHASE 4 – TEENAGER

Teenager, ab dem 12. Lebensjahr mit dem Eintreten der Geschlechtsreife, können schon so gut wie alle Aufgaben übernehmen, da sie vom Hund meistens als gleichwertiges Familienmitglied angesehen und auch in angespannten Situationen ernst genommen werden. Dieser Zeitpunkt variiert je nach Entwicklungsstand des Teenagers. Teenager dürfen durchaus auch Zeit allein mit dem Hund verbringen, jedoch sollte hierbei genau zwischen Eltern und Teenager abgestimmt werden, was erlaubt und was verboten ist. Ob dies auch für

Spaziergänge gilt, hängt zum einen vom Verantwortungsbewusstsein des Teenagers und der Umsetzung der besprochenen Regeln ab, zum anderen von rechtlichen Vorgaben bzw. Vorgaben der Haftpflichtversicherung des Hundes. Gegebenenfalls ist ein Spaziergang ohne erwachsene Begleitpersonen erst mit 16 oder 18 Jahren erlaubt.
Teenager dürfen dem Hund im Training auch neue Signale beibringen. Viele Jugendliche haben großen Spaß daran, dem Hund unzählige Tricks beizubringen oder mit ihm auf Agility-Turnieren zu starten. Dennoch soll das Training nicht zu einem Konkurrenzkampf ausarten. Gerade in Bezug auf Rüden und männliche Teenager geschieht es manchmal, dass der Jugendliche als gleichgeschlechtlicher Konkurrent wahrgenommen wird. Hier müssen die Eltern wieder eingreifen und vermitteln.
Denn in der Pubertät spielen die Hormone verrückt und Jugendliche sind oft ungeduldig und haben Stimmungsschwankungen.
Der Teenager muss lernen, dass der Hund hierunter nicht leiden darf!

Viele ältere Kinder lieben es, Sport mit ihrem Hund zu betreiben


„Mit der richtigen Vorbereitung ist das Zusammenleben von Hund und Kind eine Bereicherung im Leben beider”

Ein Baby wird erwartet

Wird das erste Baby erwartet, ist es notwendig, den in der Familie lebenden Hund auf die kommenden Veränderungen vorzubereiten. Hunde wissen sehr früh, wenn eine Frau schwanger ist, da sie die damit einhergehende hormonelle Veränderung riechen. Viele Hunde zeigen bereits dann anderes Verhalten gegenüber Besuch und fremden Menschen. Sie setzen oder stellen sich etwa unauffällig vor die Schwangere und zeigen damit bewachendes Verhalten.
Dieses sollte die zukünftige Mutter unterbinden, indem sie den Hund zu Hause auf seine Decke schickt oder unterwegs ein Stück hinter sich absetzt. Damit signalisiert sie ihm, dass sie auf sich selbst aufpassen kann und der Hund auch künftig nicht für den Nachwuchs zuständig ist.
Man sollte zudem vorab überlegen, welche Regeln zukünftig in Bezug auf Liegestellen gelten sollen. Durfte der Hund bisher auf der Couch liegen und im Bett schlafen, ist dies vielleicht nicht mehr erlaubt, da das Kind hier liegen wird und man auch unbeabsichtigte Verletzungen des Kindes durch den Hund – wenn dieser mit Schwung auf Bett oder Couch springt – vermeiden will.
Diese Regeln sollte man bereits einige Zeit vor der Geburt des Kindes einführen, damit der Hund sie zuverlässig einhält und diese Veränderungen nicht als Einschränkung seiner Privilegien, die das Kind ausgelöst hat, empfindet. Auch das zukünftige Kinderzimmer sollte bereits lange vorher tabuisiert oder aber mit einem Kindergitter versperrt werden, denn es ist der Rückzugsbereich des Kindes. Dieser ist für den Hund genauso tabu wie der Liegeplatz des Hundes für das Kind. Der Hund sollte zudem lange vorher Gelegenheit haben, sich an neue Gegenstände wie Kinderwagen, Wippe etc. zu gewöhnen. Auch die Leinenführigkeit am Kinderwagen trainiert man viel entspannter, wenn statt des Babys zunächst noch eine Puppe im Kinderwagen liegt. Je intensiver die Vorbereitung auf das Baby erfolgt, desto entspannter wird es dann auch nach Einzug des Babys werden.
Das Zusammenleben von Kindern und Hunden kann für beide Seiten eine große Bereicherung sein. Doch auch wenn die Eltern sich gut vorbereiten und Regeln für Kind und Hund festlegen, besteht immer ein gewisses Restrisiko. Sollte es jemals zu einer angespannten Situation zwischen Kind und Hund kommen, die Sie nicht einschätzen können, holen Sie sich professionellen Rat und kontaktieren Sie einen erfahrenen Hundetrainer.


Fotos: Shutterstock (3), Trio Bildarchiv, Westend61,Klaus Grittner (2)