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„Kinder, die mit Waffen spielen, brauchen klare Regeln“


Leben & erziehen - epaper ⋅ Ausgabe 9/2021 vom 26.08.2021

Spielzeugforscher und Erziehungswissenschaftler Volker Mehringer fühlte sich an seine eigene Kindheit erinnert, als er mit seinen beiden Kindern in diesem Spielzeuggeschäft stand, um Wasserpistolen zu kaufen. Besonders die knallbunten Ausgaben, mit mehreren Tanks sowie ordentlich Druck und Reichweite, hatten es ihnen angetan. „Den Laden verließen wir mit drei Stück“, gibt er zu.

So geht es vermutlich vielen Vätern: Wir haben selbst früher ausgiebig gekämpft, Schlachten um die Playmobil- Ritterburg, das LEGO-Piratenschiff oder Weltraum-Stationen, Schwertkämpfe am Nachmittag, Gefechte mit Stöcken oder ...

Artikelbild für den Artikel "„Kinder, die mit Waffen spielen, brauchen klare Regeln“" aus der Ausgabe 9/2021 von Leben & erziehen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Leben & erziehen, Ausgabe 9/2021

Volker Mehringer? arbeitet als Erziehungswissenschaftler und Spielzeugforscher an der Universität Augsburg. Er untersucht u. a., welche Bedeutung Spielzeuge für Kinder, aber auch für Erwachsene haben.
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... Spielzeugpistolen. Doch nun sind wir Eltern und blicken teils mit Sorgen auf eine auf keimende Waffen-Begeisterung des eigenen Nachwuchses. Wir haben uns doch so viel Mühe mit einer gewaltfreien und pazifistischen Erziehung gegeben. Doch was fasziniert Kinder eigentlich an Waffen?

EIN THEMA VOM TITEL

Dazu kommt, dass Kinder in der Regel sehr genau zwischen Fantasiewelt und Wirklichkeit unterscheiden können und genau wissen, dass sie im „echten“ Leben eben keine Polizistin, Superheldin oder ein Ritter sind. Und nach einigen Jahrzehnten leidvoller Killerspieldebatte herrscht selbst in der Wissenschaft nun Einigkeit: Langfristig gewalttätig werden Kinder sicher nicht durch Spiele oder Medien, sondern vor allem durch das Erleben von Gewalt im Alltag, zum Beispiel, wenn sie selbst geschlagen werden oder erleben, dass die Mutter oder der Vater regelmäßig Opfer von Gewalt werden.

Keine Angst um den Frieden im Kinderzimmer

Vielleicht ist das die beste Erkenntnis meiner Recherche: Wir Eltern können uns beim Thema Waffen ruhig entspannen und müssen nicht gleich um den friedvollen Charakter unseres Nachwuchses fürchten, nur weil er so gerne Burgen erobert oder Schlachten ausficht. Zugegeben, das ist gar nicht so leicht.

Als mein Sohn sich plötzlich weniger für Dinosaurier als für die Kanonen und Gefahren von Jägern und Piraten interessierte, war das für mich im ersten Moment ein großer Schock. Ich klagte meiner Mutter mein Leid, und sie sagte nur: „Na, dann siehst du mal, was wir mit dir alles erlebt haben.“

Und tatsächlich, in meinem Kinderzimmer wurden unzählige Schlachten geschlagen, lange kannte ich kein anderes Thema als Ritterturniere, Western-Duelle und Drachenkämpfe. „Wir tun gut daran, uns an unsere eigene Kindheit zu erinnern und auch mal am Ritterspiel oder Wasserschlacht im Garten teilzunehmen. Das macht viel Spaß und gibt uns die Chance, auch aktives Vorbild zu sein“, sagt Mehringer.

Denn auch im Umgang mit Waffen braucht es Regeln, zum Beispiel „Stopp heißt auch Stopp“. Und die Grenzen von anderen Mitspielenden sind zu respektieren. Wichtige Grundsätze eines friedvollen Miteinanders also. Auch Gespräche – altersangemessen, versteht sich – über Kriege und Gewalt sollten geführt werden.

Dabei kann man seinem Kind durchaus erklären, welche Folgen Waffen und kriegerische Konflikte haben können. Welche Spielzeugwaffen man am Ende zulässt, ist natürlich allen Eltern selbst überlassen. Nur so viel: Ein rigoroses Nein wird vermutlich die Begeisterung und den Reiz nur steigern. Der bessere Weg ist wie so oft das gemeinsame Aushandeln und die Suche nach Kompromissen.

BIRK GRÜLING