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KINDER & FAMILIE // TEST SPIELSCHLEIM: KEIN HARMLOSER GLIBBER


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 11/2018 vom 25.10.2018

In jüngster Zeit mehren sich Produktwarnungen zu Spielschleim. Zu Recht: Alle 13 Wabbelmassen in unserem Test enthalten schädliches Bor. Ein Schleim überschreitet den gesetzlichen Grenzwert, viele andere sind sehr hoch belastet.


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Foto: jarabee123/getty images

Fluffy Glibber- und Wabbelmassen üben besonders auf Kinder und Jugendliche eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus. Das bezeugen Tausende von verrückten Anleitungsclips auf Youtube, in denen Schleimfans allerlei Zutaten zu Glibber kneten. Auch gibt es Bücher voller Schleimrezepte und Tipps zum Selbermachen auf Webseiten für Kinder von Kika, Geolino, ...

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... Toggo und Co. Die erste kommerzielle Wabbelmasse kam bereits in den 1970er-Jahren auf den Markt: der Slime (engl. Schleim) des amerikanischen Spielzeugherstellers Mattel, eine giftgrüne, zähflüssige Masse. Aktuell rücken Warnmeldungen die beliebten Schleimmassen in ein schlechtes Licht. In diesem Jahr war Spielschleim bereits neun Mal Gegenstand im europäischen Schnellwarnsystem Rapex. Und im Juli warnte die britische Testorganisation Which? vor etlichen Produkten, weil sie nicht die Sicherheitsvorgaben der Europäischen Union erfüllten. Sie enthielten verbotene Gehalte an Bor. Das Bor stammt aus schädlicher Borsäure und das Problem ist den Behörden schon länger bekannt. Die Vorläuferinstitution des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) warnte bereits 1995 vor dem Einsatz von Borsäure in Spielzeug in Form von Schleimeiern. Auch andere Produkte, etwa die beliebte Hüpfknete, geriet wegen ihrer Borgehalte in die Kritik. Doch selbst nachdem im Jahr 2009 der Gesetzgeber endlich Grenzwerte für Bor in Spielzeug eingeführt hatte, stößt die amtliche Überwachung immer wieder auf belasteten Schleim.


Borsäure macht unfruchtbar. Im Tierversuch verschlechterte sie die Spermienqualität und verhinderte den Eisprung.

ÖKO-TEST RÄT

► Wir raten vom Kauf von Spielschleim ab. Unser Test zeigt: Sie enthalten häufig eine ordentliche Portion an schädlichem Bor.
► Verwenden Sie keine Kontaktlinsenpflegemittel oder Waschmittel, die in vielen Rezepten zum Selbermachen empfohlen werden. Solche Produkte können Borverbindungen und weitere Chemikalien enthalten, die nicht auf die Haut gehören. Auch Klebstoffe sind nicht zum Kneten mit nackten Händen zu empfehlen.
► Schleim muss sein? Dann empfehlen wir Rezepte auf Basis von Lebensmitteln etwa aus Speisestärke, Öl und Wasser.

Warum bekommen die Hersteller das Problem mit dem Glibber nicht in den Griff? Zwar empfahl in den 1990er-Jahren der Vorläufer des BfR, eine Alternative zu Borsäure in den Schwabbelmaterialien einzusetzen. Aber bis heute mischen die Hersteller weiterhin Borsäure in den Schleim. Denn erst diese Substanz verleiht dem Material seine schleimige und dehnbare Konsistenz. Daher basieren auch viele Do-it-yourself-Rezepte auf borhaltigen Reinigungsmitteln wie etwa Kontaktlinsenpflegemitteln.

Aus dem Angebot an fertigen Wabbelmassen auf dem deutschen Markt haben wir eine Stichprobe von 13 Produkten auf lösliches Bor untersuchen lassen.

Bor über dem Grenzwert. Der von uns getestete Ufo-Schleim Galaxy mit Alien-Figur von Fun Trading hätte aus unserer Sicht so nicht verkauft werden dürfen: Die Wabbelmasse überschreitet den gesetzlichen Grenzwert für lösliches Bor in flüssigen und haft enden Spielzeugmaterialien. Acht weitere Wabbelmassen sind sehr hoch mit Bor belastet. Bei ihnen wird der Grenzwert zu mehr als 50 Prozent ausgeschöpft. Auch aus allen restlichen Produkten löste sich Bor. Das werten wir ab. Das eingesetzte Bor stammt aus der enthaltenen Borsäure. Die Substanz ist als fortpflanzungsgefährdend eingestuft und gehört unserer Ansicht nach überhaupt nicht in Artikel für Kinder.

ÖKO-TEST

Christine Throl , ÖKO-TEST-Redakteurin.


Foto: Anja Wägele

„Mit Zutaten aus der Küche können Kinder ganz einfach unbedenkliche Wabbelmassen kneten.“

Kaum Infos für Verbraucher. Wer Schleimmassen kauft, erfährt nicht, woraus sie hergestellt sind. Denn das müssen die Hersteller nicht auf der Verpackung angeben. Lediglich auf 3 der 13 getesteten Wabbelmassen gibt es Hinweise zu problematischen Inhaltsstoffen. Beispielsweise steht auf der Verpackung des Noisy Slime ein Aufdruck: „Achtung! Enthält Borsäure. Kontakt mit offenen Wunden vermeiden.“ „Rechtlich vorgeschrieben ist dieser Warnhinweis nicht“, erklärt Doris Schmissas vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe. Bevor Bor durch die Spielzeugrichtlinie geregelt war, haben die amtlichen Kontrollbehörden einen solchen Hinweis empfohlen, denn das fortpflanzungsgefährdende Potenzial von Borsäure war lange bekannt. Auf dem vom Anbieter als „natural & safe“ bezeichneten Slimy Mega Elastic findet sich zumindest noch ein Hinweis, dass Bor enthalten ist.

WIE GEFÄHRLICH IST SCHLEIM?

Müssen Eltern, deren Kinder die klebrige Masse stundenlang in den Händen kneten, sich jetzt Sorgen machen? Schließlich kann die enthaltene schädliche Borsäure über verletzte und aufgeraute Haut in den Körper gelangen – wenn der Schleim von der Hand in den Mund kommt, ohnehin. Klar ist: Schleimmassen mit Bor machen nicht unmittelbar krank. Doch wie hoch ist das Risiko? Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist selbst eine Überschreitung des Grenzwerts nicht „unmittelbar mit dem Auftreten gesundheitlicher Effekte verbunden“. Bei erheblicher Grenzwertüberschreitung wäre eine einzelfallbezogene Risikobewertung notwendig. ÖKO-TEST vertritt die Ansicht, im Sinne des vorbeugenden Verbraucherschutzes, dass borhaltige Artikel grundsätzlich nicht in Kinderhände gehören. Auch borhaltige Kontaktlinsenpflegemittel für Erwachsene sehen wir kritisch.
Die Borsäure, die den Glibber so schön schwabbelig macht, gehört zu den sogenannten CMR-Gefahrstoffen. Borsäure kann die Fortpflanzung beeinträchtigen und das ungeborene Baby schädigen. Im Tierversuch tötete die Substanz ungeborene Nachkommen und machte unfruchtbar, sie verschlechterte die Spermienqualität und verhinderte den Eisprung in den Eierstöcken. Wird die Substanz grammweise aufgenommen, kann sie Erbrechen, Durchfall und Krämpfe verursachen. Aus flüssigem und anhaftendem Spielzeugmaterial dürfen sich laut Gesetz nicht mehr als 300 Milligramm Bor pro Kilogramm lösen. Auch sind Borverbindungen in Kosmetika für Kinder unter drei Jahren verboten. In Arzneimitteln dürfen sie seit den 1980er-Jahren nicht mehr enthalten sein. Zu den wenigen Ausnahmen gehört ihr Einsatz als Puffermittel in Augenpräparaten. Für den Beipackzettel solcher Mittel schlägt die Europäische Arzneimittelagentur EMA aktuell jedoch neue Warnhinweise vor. Darunter ein Hinweis, dass borhaltige Präparate nicht für Heranwachsende unter 18 Jahren geeignet seien, weil Bor die künftige Fruchtbarkeit verschlechtern könne.

VERBRAUCHERSCHÜTZER INTERNATIONAL GEGEN SCHLEIM

Grenzwertüberschreitungen von Bor in Spielschleim haben auch Verbraucherschutzorganisationen im Ausland festgestellt, so Which? in Großbritannien, UFC-Que Choisir in Frankreich und Altroconsumo in Italien. Die Tester von Which? raten,allen Schleimen mit Vorsicht zu begegnen. „Beenden Sie die Gesundheitslotterie!“, fordern die französischen Kollegen von UFC-Que Choisir. Mit Blick auf die zahlreichen Produktrückrufe rät Que Choisir komplett vom Kauf von Spielschleimen ab. Die Belastung könne offenbar von Produktionscharge zu Produktionscharge einer Marke variieren.Vor den gängigen Rezepten zum Selbermachen von Schleimmassen mit Waschmitteln, Klebstoffen und Kontaktlinsenreinigern warnen die Verbraucherschüzter im Ausland einhellig. Laut der französischen Verbraucherschutzbehörde ANSES haben Betroffene in Vergiftungszentren bereits etliche Fälle von Verätzungen, Ekzemen, Rötungen und Juckreizen an Händen und Nägeln gemeldet.

SO TESTET ÖKO-TEST

Foto: ÖKO-TEST

Wir haben13 Spielschleime in Spielzeuggeschäften, Supermärkten, Kiosken und Dekoläden eingekauft. Darunter war auch einer mit Pulver zum Selbstanrühren. Alle Produkte haben wir im Labor auf die Migration von schädlichem Bor untersuchen lassen.

Achtung! Auf manchen Fertigschleimen wird vor schädlicher Borsäure gewarnt. Meistens gibt es jedoch keinen Hinweis auf den Schadstoff.

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf der Seite 192.Anmerkungen: 1) Der Schleim wurde nach Packungsanleitung zubereitet und getestet. Getestet wurden beide enthaltenen Farben.2) Getestet wurden beide enthaltenen Farben.Legende: Produkte mit dem gleichem Testergebnis Bor sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt.
Unter dem Testergebnis Bor führt zur Abwertung um fünf Noten: mehr als 300 mg/kg lösliches Bor (Grenzwert in flüssigem und haftenden Spielzeugmaterialien gemäß Spielzeugrichtlinie). Zur Abwertung um vier Noten führt: mehr als 150 bis 300 mg/kg lösliches Bor (in der Tabelle „sehr hoch“). Zur Abwertung um zwei Noten führt: bis zu 150 mg/kg lösliches Bor (in der Tabelle „hoch“). Da nur ein Parameter untersucht wurde, haben wir kein Gesamturteil vergeben.
Testmethoden undAnbieterverzeichnis finden Sie unteroekotest.de → Hefte → ÖKO-TEST Magazin. Wählen Sie die Ausgabe aus und scrollen Sie ans Seitenende.Einkauf der Testprodukte: September 2018.
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