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Kinderkrankenhäuser: Ein Platz zum Wohlfühlen


ÖKO-TEST Kompakt Kinder & Eltern - epaper ⋅ Ausgabe 12/2008 vom 08.10.2008

Keiner geht gern ins Krankenhaus, aber für Kinder ist das besonders schlimm. Zumal Kleinkinder noch nicht verstehen, weshalb sie in die Klinik müssen und sie der Krankenhausaufenthalt oft zum ersten Mal aus dem vertrauten Umfeld ihres Zuhauses reißt.


Artikelbild für den Artikel "Kinderkrankenhäuser: Ein Platz zum Wohlfühlen" aus der Ausgabe 12/2008 von ÖKO-TEST Kompakt Kinder & Eltern. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: Hexal

Krankenhäuser sind Angsträume für Kinder. Schon von außen schrecken sie ab“, meint die Koblenzer Architekturpsychologin Rotraut Walden. In einer Studie hat sie sich mit Kinderkrankenhäusern beschäftigt und Kriterien für die Kinderklinik der Zukunft entwickelt. Mit Hilfe des Bonner Vereins „Die kleinen Patienten“, der sich aus Spenden ...
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Krankenhäuser sind Angsträume für Kinder. Schon von außen schrecken sie ab“, meint die Koblenzer Architekturpsychologin Rotraut Walden. In einer Studie hat sie sich mit Kinderkrankenhäusern beschäftigt und Kriterien für die Kinderklinik der Zukunft entwickelt. Mit Hilfe des Bonner Vereins „Die kleinen Patienten“, der sich aus Spenden finanziert, sind in mehr als 20 pädiatrischen Kliniken und Abteilungen Deutschlands Waldens Forderungen nach einem Krankenhaus zum Wohlfühlen schon verwirklicht. Dazu gehören zum Beispiel bunte Wände und Gardinen, kindgerecht gestaltete Möbel, Türen mit Guckfenstern in Kinderhöhe, Spielgeräte drinnen und draußen und nicht zuletzt Orientierungshilfen, zum Beispiel durch beleuchtete Schilder, Lagepläne und Bilder oder Symbole. Dass man sich in Krankenhäusern verloren fühlt und verloren geht, sei eines der größten Handicaps, so Walden: „Man verliert die Orientierung, lebensrettende Maßnahmen werden oft erschwert, Wege schlecht gefunden, und für Kinder ist das noch in besonderem Maße der Fall.“
Mit kindgerechter Ausstattung kann man natürlich nur rechnen, wenn man sein Kind in einem pädiatrischen Haus versorgen lässt, und nicht „fachfremd“ in einer Klinik oder auf einer Station für Erwachsene. Jochen Scheel, Vorstandsvorsitzender der Gesellschaft für Kinderkrankenhäuser und Kinderabteilungen in Deutschland, moniert, dass 40 Prozent der kranken Kinder und Jugendlichen in „Erwachsenenkrankenhäusern“ stationär behandelt werden. Kritisch sieht der Fachmann das aus mehreren Gründen: Zum einen sind Kinder medizinisch betrachtet keine kleinen Erwachsenen, für ihre Behandlung sind deshalb Spezialkenntnisse erforderlich. Kleine Patienten brauchen aber auch eine besondere soziale und psychologische Betreuung. Zum Beispiel muss das Klinikpersonal damit umgehen können, wenn Kinder vor einer Behandlung Angst haben, toben oder schreien.

Kindgerechtes Technikdesign lockert die Atmosphäre in der Klinik auf.


Foto: Die kleinen Patienten e.V.

Eltern sind willkommen

Besonders wichtig ist jedoch, dass die meisten Kinderkrankenhäuser heute einem Elternteil ermöglichen, die ganze Zeit über mit im Krankenhaus zu bleiben, auch nachts. Wo das nicht möglich oder von den Eltern nicht gewünscht ist, sollte es wenigstens uneingeschränkte Besuchszeiten geben. In 90 Prozent der Kinderkrankenhäuser oder -abtei lungen ist die Besuchszeit völlig frei, ergab eine im letzten Jahr veröffentlichte Studie der Bundesarbeitsgemeinschaft Kind und Krankenhaus (BaKuK) zur Situation der stationären Kinder-und Jugendmedizin in Deutschland.

Bei 40 Prozent der Kinderpatienten wird eine Bezugsperson gleich mit ins Krankenhaus aufgenommen, ermittelte die BaKuK. In fast allen Fällen bescheinigen die Kliniken eine medizinische Notwendigkeit der Mitaufnahme – und ermöglichen es damit den Eltern, gesetzliche Regelungen in Anspruch zu nehmen, die außerhalb der allgemeinen Krankenhausleistungen gewährt werden. Hierunter fallen Lohnfortzahlungen und Haushaltshilfen. Viele Kinderhospitäler lassen auch soziale und psychologische Gründe gelten, um ein Elternteil kostenlos mit aufzunehmen. Zum Beispiel, wenn die Klinik weit entfernt vom Wohnort der Familie liegt oder das Kind noch klein ist.

Häufig können im Krankenhaus „wohnende“ Eltern aber keinen großen Komfort erwarten. Oft wird ihnen eine Liege im Zimmer des Kindes angeboten. Besser ausgestattete Eltern-Kind-Zimmer gibt es in etwa 60 Prozent der pädiatrischen Kliniken.

Unikliniken bieten viele Extras

Wichtig für die Genesung ist aber nicht nur die Präsenz von Mutter oder Vater, sondern auch der Besuch von Geschwistern und Spielkameraden. Während Kindern unter zwölf Jahren früher der Zugang zu Kinderstationen meist verwehrt blieb, haben sich die Dinge auch hier zum Positiven gewandelt. Drei Viertel der Kinderkrankenhäuser lassen mittlerweile kleine Besucher jeden Alters zu.

Bei langen Klinikaufenthalten ist es für ältere Kinder wichtig, den Anschluss in der Schule nicht zu verpassen. In gut der Hälfte der Kinderkliniken gibt es deshalb Schulen; Unikliniken bieten sogar durch die Bank Schulunterricht an. Die Unikliniken bieten auch das breiteste Spektrum an medizinischer Spezialisierung. Allerdings können auch kleinere Häuser durch die Zusammensetzung des Ärzteteams aus unterschiedlichen Fachrichtungen eine gute Spezialisierung bieten. Das ist für den Außenstehenden natürlich nur schwer herauszufinden. Man sollte sich also fachlichen Rat einholen, zum Beispiel beim Kinderarzt. Ebenso schwer zu durchschauen ist für den Laien die Ausstattung mit Pflegepersonal. Bei einer geplanten Klinikaufnahme sollte man im Vorfeld um ein Gespräch nicht nur mit den behandelnden Ärzten, sondern auch mit dem Pflegepersonal bitten und sich die Station zeigen lassen. Dazu sind heute die meisten Kliniken bereit. Generell sind die Krankenhäuser um Offenheit bemüht. Viele veranstalten regelmäßig einen „Tag der offenen Tür“ oder laden Kindergarten-oder Schulgruppen zur Klinikbesichtigung ein. Es empfiehlt sich, solche Gelegenheiten zu nutzen. Zur Vorbereitung eines Krankenhausaufenthalts eignen sich auch Kinder-oder Bilderbücher, die auf altersgerechte Weise erklären, was in einer Klinik geschieht. Auch das Spielen mit einem Kinderarztkoffer kann Ängste reduzieren. Kinderärzte raten außerdem dazu, nie mit dem Krankenhaus zu drohen, sondern es stets als etwas Positives darzustellen: als einen Ort, an dem kranke Menschen gesund gemacht werden.

Die Mitarbeit der Eltern ist wichtig

Im Ernstfall können Eltern ihren Kindern auf vielfältige Weise den Klinikaufenthalt erträglicher machen – besonders durch ihre Anwesenheit oder durch häufige Besuche. Dabei sollte man viel von zu Hause erzählen, damit sich das Kind nicht ausgeschlossen fühlt.

Kinder haben eine gute „Antenne“ für die Gefühle der Eltern. Unsicherheiten und Ängste der Erwachsenen über-tragen sich auf sie. Bei aller Sorge sollten Eltern deshalb Zuversicht ausstrahlen und dem Kind Mut machen: „Du schaffst das.“ Wichtig ist ein guter Draht zum Klinikpersonal, damit man weiß, welche Behandlungen anstehen und sie dem Kind erklären kann. Dabei ist Ehrlichkeit oberstes Gebot: Wenn die Prozedur unangenehm oder schmerzhaft wird, muss man dem Kind das sagen. Sonst verliert es das Vertrauen. Wichtige Gespräche mit dem Arzt sollte man nicht im Beisein des Kindes führen, denn wenn zwei Erwachsene über seinen Kopf hinweg über es reden – und dann auch noch Unverständliches –, fühlt sich das Kind zu Recht nicht ernst genommen und verunsichert.

Foto: AOK Mediendienst

Die Nähe zu den Eltern hilft den kleinen Patienten.


Foto: Johann Saba/Universitätsklinikum Bonn

Auch nach der Entlassung aus dem Krankenhaus brauchen Kinder oft noch besondere Zuwendung, denn sie müssen das Erlebte erst verarbeiten.

Kompakt

Checkliste Kinderkrankenhaus
• Ein Elternteil sollte die ganze Zeit über beim Kind bleiben können, auch nachts. Auf den Komfort der Unterbringung achten: Gibt es Eltern-Kind-Zimmer?
• Sind die Besuchszeiten für Eltern frei?
• Dürfen Kinder unter zwölf Jahren zu Besuch kommen?
• Besteht die Möglichkeit, sich im Vorfeld mit dem Kind gemeinsam das Krankenhaus oder die Station anzusehen?
• Gibt es einen Besuchskindergarten?
• Können Kinder im Krankenhaus die Schule besuchen?
• Ist die Gestaltung des Hauses freundlich und kindgerecht? Gibt es Spiele und Unterhaltungsmöglichkeiten für Kinder? Fällt die Orientierung im Haus leicht? Sind die Zimmer kindgerecht möbliert?
• Kann das Kind im Krankenhaus der Wahl bestmöglich behandelt werden? Sind die nötigen Spezialabteilungen dafür vorhanden oder muss das Kind zum Beispiel für chirurgische Eingriffe verlegt werden?
• Ist auf der Intensivstation 24 Stunden lang ein Arzt präsent? • Geht das Personal auf die Kinder ein? Erklären Ärzte und Schwestern, was sie tun?
• Verfügt das Haus über einen pädagogischen Dienst?
Kinderkliniken finden
Listen von Kinderkrankenhäusern findet man im Internet unterwww.dgkj.de/34.html undwww.gkind.de