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Kinderkrankenpflege-Ausbildung in Zeiten der Pandemie


Kinderkrankenschwester - epaper ⋅ Ausgabe 1/2021 vom 15.01.2021

Wie Corona meine Ausbildung beeinflusst hat


Zum Zeitpunkt des ersten Lockdowns war ich auf einer Kinder- und Jugendpsychiatrischen Station eingesetzt. Am 11.März bekamen wir zur Übergabe einen Umschlag in die Hand gedrückt: „Vorläufiger Passierschein“. Es war soweit: Covid-19 wurde offiziell zur Pandemie ausgerufen. Was hatte das nun zu bedeuten? Schnell wurden so viele Patient*innen wie möglich entlassen. Die Mundschutzpflicht wurde eingeführt und ein Besuchsverbot verhängt. Mittlerweile Alltag in jedem deutschen Krankenhaus - damals ein Schock.

Da sich in den Stations- und Pausenräumen nur noch maximal fünf Personen aufhalten dürfen, hieß es schon bald für Pflegeschüler*innen, während der Übergaben draußen zu bleiben. Das war schade, da einem so ein tiefgründiger Einblick in die Krankheitsverläufe der Patienten verwehrt blieb, wenn man sich nicht intensiv mit den Patientenakten beschäftigte. Natürlich versuchten die Examinierten uns trotzdem noch, so viel es ging, in die Therapiemaßnahmen mit einzubinden. Schließlich war das für alle eine neue Situation, mit der zunächst keiner so recht umzugehen wusste. Vor den Patienten galt es natürlich, „cool“ zu bleiben und deren Sorgen und Ängste wahrzunehmen. Denn gerade für Menschen mit psychischen Erkrankungen kann eine Ausnahmesituation wie eine Pandemie eine besonders schwierige Zeit bedeuten.

Eine Mitauszubildende von mir wurde von der psychiatrischen Station abgezogen und stattdessen wieder auf einer pädiatrischen Station eingesetzt. Dadurch hat sich ihr Einsatz in der Psychiatrie leider um einiges verkürzt. Ich selbst hatte Glück und konnte meinen Einsatz planmäßig zu Ende bringen, wenn auch anders als geplant. Gruppentherapien und Gruppenaktivitäten fanden im weitesten Sinne nicht mehr statt, wodurch ich von dem gesamten Stationsablauf nur ein verzerrtes Bild wahrnehmen konnte.

Als schließlich der Schulblock begann, wurden wir von unserer Kursleitung in eine Videokonferenz eingeladen und haben die Gestaltung des bevorstehenden Schulblocks besprochen. Wir erhielten einen Stundenplan, der gegliedert war in Unterricht per Videokonferenz und verschiedenen Arbeitsaufträgen zu den jeweiligen Themenkomplexen. Die Arbeitsaufträge sollten dann in einem vorgegebenen Zeitrahmen bearbeitet und an die entsprechende Lehrkraft gesendet werden. Außerdem hat unsere Pflegeschule eine E-Learning Plattform etabliert, auf die alle Schüler*innen und auch Lehrkräfte einen Zugang haben. Über die Plattform ist jeder Nutzer in seinen Klassenverband eingeteilt und hat somit jederzeit Einsicht in die von den Lehrkräften hochgeladenen Arbeitsmaterialien. Innerhalb der E-Learning Plattform gibt es auch einen Chatroom, in dem Schüler*innen zu Unterrichtszeiten stets Kontakt zu einer Lehrkraft aufnehmen können. Dadurch kann ganz bequem von zu Hause aus gearbeitet werden. Altbekannte Fort- und Weiterbildungsplattformen wie www.cne.thieme.de wurden von vielen Lehrkräften ebenfalls zur Unterrichtsgestaltung genutzt. Vielen fällt es trotzdem ohne den Klassenverband schwerer, diszipliniert zu arbeiten. Soziale Isolation, das Gefühl „in den eigenen Vier-Wänden eingesperrt zu sein“ und die Angst vor einer Corona Infektion, raubte vielen Schüler*innen die gewohnte Motivation. Glücklicherweise wurden die Modulabschlussklausuren des ersten Lockdown-Schulblocks nicht gewertet. So dienten sie lediglich als Leistungskontrolle für einen selbst. Trotz erschwerter Bedingungen fielen sie verhältnismäßig gut aus! Als im Sommer die allgemeinen Lockerungen der Corona-Maßnahmen bekannt gegeben wurden, fand teilweise wieder Präsenzunterricht in kleinen Gruppen statt. Gruppe 1 hätte dann zum Beispiel von 8:00-11:00 Uhr Präsenzunterricht und von 11:00-15:00 Uhr einen Online-Arbeitsauftrag. Bei Gruppe 2 wäre der Stundenplan dann genau andersherum, damit sich die Gruppen nicht begegnen. Im Klassenraum mussten dann mindestens 1,5 Meter Abstand zwischen den Schüler*innen gewahrt- und Maske getragen werden. Für uns Pflegeschüler*innen war die Einhaltung der strengen Hygieneauflagen der Schule eine Selbstverständlichkeit, die meisten von uns haben den Präsenzunterricht schmerzlich vermisst. Durch die gelockerten Maßnahmen konnten zum Glück die für den Sommer geplanten praktischen Examens- oder Zwischenprüfungen stattfinden. Die Zwischenprüfungen, die im März, April und Mai hätten stattfinden sollen, mussten jedoch größtenteils verschoben werden. Manche sogar bis in den Januar 2021, was bei einigen Prüflingen Unmut hervorgerufen hat. Viele von ihnen fürchten nun, dass sich die Ausgabe ihres Zwischenzeugnisses und damit auch ihre Bewerbungen auf Station verzögern könnten. Wie für alle Pflegekräfte stellt die Covid-19 Pandemie auch für uns Auszubildende eine große körperliche und emotionale Herausforderung dar. Dennoch hat sich das Arbeitsklima wieder entspannt. Klare Strukturen und Anweisungen geben Sicherheit und Zuversicht, die Pandemie, zumindest auf Station, in den Griff zu bekommen. Man hat das Gefühl, dass alle am selben Strang ziehen, egal ob Examinierte, Pflegeschüler*innen, Ärzt*innen, Physiotherapeut*innen oder Service-Kräfte. Jede*r gibt sein/ihr bestes, Arbeitsabläufe auf Station reibungslos zu gestalten. Nicht zu vergessen sind auch die potenziellen Risikopatienten unter Auszubildenden und Examinierten, die trotz Vorerkrankung jeden Tag voller Tatendrang zur Arbeit kommen. Bis jetzt gibt es niemanden aus unserem Kurs, der/die aufgrund der Pandemie die Ausbildung abgebrochen hat. Ich finde, Corona kann von uns Auszubildenden als Chance gesehen werden, schon während der Ausbildungszeit das Berufsrisiko kennenzulernen, systemrelevant zu sein. Das bedeutet gerade für uns Pflegeschüler*innen, mehr Verantwortung für die eigene Ausbildung zu übernehmen, indem man sich an die gesetzlichen Verhaltensregeln und Kontaktbegrenzungen hält. Denn, nur wer sich auch privat seiner Verantwortung bewusst ist, kann den Patienten optimale Versorgung und Schutz vor dem Virus gewährleisten. Schlussendlich ist genau das oberste Priorität. Das hat die Pandemie uns allen wieder vor Augen geführt.

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Ausbildung während des Lockdown

AUTORIN

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Constanze Ernd
Auszubildende zur
Gesundheits- und
Kinderkrankenpflegerin
24105 Kiel


Foto: privat

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