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KINDERKRANKENSCHWESTER: Anthroposophische Pflege des Frühgeborenen


Kinderkrankenschwester - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 10.10.2019

1. Was kann der pflegerische Auftrag bei der Versorgung eines zu früh geborenen Menschen und seiner Familie sein?

Bei der Geburt eines Kindes kommen viele neue Herausforderungen auf die Eltern zu. Verantwortung für einen kleinen Menschen zu tragen, ihn mit Nahrung, Wärme und Liebe zu versorgen. Selbst bei der Geburt eines reifen gesunden Neugeborenen, können Sorgen und Unsicherheiten auftreten. Kommt allerdings ein krankes oder frühgeborenes Kind auf die Welt, so ist dies für die Eltern oft eine überwältigende Situation. Sorgen um die Gesundheit des Babys, Trauer um den frühen Verlust des Babys aus dem ...

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... Mutterleib, eventuell Schock zwecks eines überwältigenden Geburtserlebnisses müssen von der Familie bewältigt werden. Sorgen wie geht es jetzt weiter, wie lange braucht das Kind medizinische Unterstützung beschäftigen die Eltern. Insbesondre die Mütter fühlen sich oft als hätten Sie in Ihrer Mutterrolle versagt, da Sie das Kind nicht bis zum Schluss austragen konnten. Die Frage warum ein Kind zu früh auf die Welt kommt, bleibt für die Eltern, häufig über lange Zeit ein Thema, die Mutter bewegt diese Frage häufig im Sinne einer Schuldfrage, ob Sie irgendwas falsch gemacht hat, und dadurch das Kind zu früh den Mutterleib verlassen hat. Auch wir in der Pflege begegnen ähnlichen Fragen, wenn wir mit der Individualität eines zu frühgeborenen Kindes in Kontakt kommen. Wir begegnen Kindern die geboren werden, die sofort alles was ihnen zur Verfügung steht einsetzen, selbstständig atmen, trinken wollen, interessiert und neugierig die Welt beobachten und absolut eindeutig zeigen was ihnen gefällt und was nicht. Dann gibt es Kinder, die mit Ihrer Geburt offensichtlich nicht viel zu tun haben, die Atmung fällt ihnen schwer, sie machen oft Pausen und würden am liebsten einfach nicht weiteratmen und müssen von uns durch Stimulation erinnert werden. Die neue Umgebung stellt eine Überforderung für Sie dar und Sie verbleiben in einer Welt, zu der wir scheinbar erstmal keinen Zugang haben. Dies macht schon deutlich, dass die Tatsache, ob trotz Frühgeburt schon eine Bereitschaft zum Übergang ins extrauterine Leben da war oder nicht, den Verlauf einer Frühgeburt beeinflussen kann. Wollte das Kind schon kommen? Hat das Kind die Geburt ausgelöst oder wurde die Geburt aufgrund einer Problematik der Mutter eingeleitet. Was hat das Kind während der Schwangerschaft erlebt? In welcher familiären Umgebung ist es in der Schwangerschaft gediehen? Durch den oft langen Aufenthalt auf der Station und dem engen Kontakt zu der Familie in der Pflege, werden wir häufig durch die Problematiken beim Kind, dem Bindungsaufbau zwischen Eltern und Kind und beim Stillen auf die Themen, die vorgeburtlich prägend waren, gestoßen. Wenn wir also das Frühgeborene und seine Familie ganzheitlich unterstützen wollen, braucht es den Bogen von der vorgeburtlichen Zeit ins hier und jetzt, um die Problematiken, denen wir begegnen, besser verstehen und passende pflegerische Maßnahmen anbieten zu können.

Abb. 1: Beim Baden, darf das Baby, wenn es möchte nochmal richtig embryonal werden. Wir geben ihm zusätzlich dafür eine Hülle mit Waschlappen.

Abb. 2: Wir sind genauso offen für die Begegnung mit der Welt der Eindrücke die durch die Sinne wahrgenommen werden.

Abb. 3: Wir gehen bewusst den Schritt aus dem Wasser in die Welt, die Stabilität und Wärme vermittelt.

Abb. 4: Gestaltung einer hüllenden Umgebung für die Einreibung. Während das Öl genommen und unter der Wärmelampe warm gemacht wird, ist ein guter Zeitpunkt für den Pflegenden sich einzustimmen, ruhig zu werden und nochmal sich selber zwischen Erde und Himmel wahrzunehmen.

Abb. 5 und 6: Die Hände beginnen mit der hüllenden Geste, sie ist der Einstieg, die feste Konstante und eine innige Begegnung. Sie dient dazu, den kleinen Menschen mit allem, was er gerade mitbringt wahrzunehmen. In diesem Moment zu verharren und noch nicht ins Tun zu gehen, ermöglicht es uns genau wahrzunehmen unter welchem Aspekt unsere Einreibung stehen wird. Das erste Bild zeigt ein Frühgeborenes, das die Einreibung offensichtlich erkennt und es spiegelt uns Neugierde und Freude auf Kontakt wider. Hier kann die Einreibung mehr unter dem Aspekt der Sinnespflege, des Entdeckens der Welt und der Entwicklung stehen. Bei dem Kind im zweiten Bild, können Erschöpfung, überfordert sein und ein Körper der sich noch kaum der Schwerkraft entheben kann, wahrgenommen werden. Hier wird die Einreibung eher unter dem Aspekt der Hülle Halt geben, und willkommen heißen auf der Erde stehen. Im Folgenden werden diese zwei Einreibungen dargestellt.

2.2.1 Einreibung unter dem Aspekt der Sinnespflege

Wenn wir beim Neugeborenen über Sinnespflege sprechen, dürfen wir uns immer auch dem Aspekt der Sinne unter der Geburt annähern. Die Stimulation der Sinne unter der Geburt ist so tief und einzigartig, dass wir bei Geburten, in der es in irgendeiner Weise Eingriffe gab, Folgen der Sinnesentwicklung erleben. Am besten ist dies bei Kindern, die einen Kaiserschnitt hatten, untersucht. Bei den Einreibungen sprechen wir in besonderer Weise die Sinne an und können somit über diese, die Entwicklung unterstützen.

Der Tastsinn

Das Augenscheinlichste bei der Einreibung ist das Ansprechen des Tastsinns. Durch den Tastsinn erfahren wir unter anderem die Grenzen unseres Körpers, bekommen also eine Vorstellung unseres Physischen Leibes. Das erst neu geborene Kind hat einer der essentiellsten Tasterfahrungen gemacht, nämlich die Geburt selbst. Beim Durchgehen des Kindes durch den engen Geburtskanal hat es seinen physischen Leib deutlich wahrgenommen sowie das Verhältnis seines Leibes zum Geburtskanal seiner Mutter. Es erhält also eine deutliche taktile Simulation, und dadurch ein deutliches Erleben: „Ich bin“. Wird ein Kind per Kaiserschnitt entbunden fehlt diese Stimulation des Tastsinns, das Erleben seiner eigenen Person unter der Geburt fehlt ihm: „Bin ich schon da?“. Manchmal wirken diese Kinder ein bisschen so, als wären Sie noch nicht richtig geboren.

Bei der Einreibung können wir durch die taktile Stimulation den physischen Leib wahrnehmbar machen, das Kind kann spüren, das bin ich, und ich werde gehalten. Dies stärkt das Urvertrauen.

Bewegungssinn

Der Sinn der beim Durchgehen durch den Geburtskanal auch deutlich angesprochen wird, ist der Bewegungssinn, wie kann ich mich im Verhältnis zum Geburtskanal bewegen, bringen mich meine Bewegungen vorwärts und bringen mich die Kontraktionen der Gebärmutter vorwärts. Hinter einer Bewegung steht ein Ziel ein Gedanke, ich bewege mich um in einer bestimmten Richtung voran zu kommen, in diesem Fall, um geboren zu werden. Der Bewegungssinn nimmt diese Körperbewegungen wahr, gibt eine Information über die Lage im Raum. Geht es voran, erfahre ich Bestätigung, das was ich tue ist wirksam. Gibt es Schwierigkeiten bei der Fortbewegung durch den Geburtskanal können Gefühle der Frustration entstehen. Das Kind hat sich zum Beispiel verkeilt und kann sich nicht mehr fortbewegen, oder der Kopf ist noch nicht richtig eingestellt und die Wehen drücken es gegen das Becken. Bei einem Kaiserschnitt kann es die schnellen Bewegungen die mit ihm gemacht werden und den Weg nach „draußen“ nicht nachvollziehen.

Abb. 7 und 8: Bei der Einreibung kann mit dem Rücken begonnen werden, das Kind ist präsent und geht mit dem Rückenabstrich mit. Flächiges Verdichten am oberen Rücken, Lösen Richtung Kreuzbein, flächig den ganzen Rücken wahrnehmend. Eigenbewegungen des Kindes ermöglichen, die Zentrierung auf die Körpermitte ermöglicht dem Kind ein besseres Saugen.

Abb. 9: Nach dem Rücken folgt die Brusteinreibung. Wir verdichten und Lösen am Platz mit den umhüllten Armen. Die Vorderseite ist empfindsamer, weicher und verletzlicher als der Rücken, dort in die Bewegung zu gehen erfordert zuvor einer Einstimmung und ist bei sehr schreckhaften unruhigen Kindern oft zu überfordernd.

Abb. 10 bis 13: Ist das Kind durch das Verdichten und Lösen am Platz zur Ruhe gekommen und signalisiert es uns, ich bin bereit für neues, können die Arme ausgestrichen werden. Verdichten in der Gesamtheit des Oberarms und Lösendes ausstreichen bis zu den Fingern. Ein Kind, das die Bewegungen kennt und diese rhythmische sind, kann sich hineingeben und mit seinem Inneren Ohr entspannt lauschen.

Abb. 14: Die Einreibung des Bauches erfolgt wieder am Platz mit Verdichten und Lösen. Eine Hand unter dem Rücken eine Hand auf dem Bauch. Geübte Einreiber können mit der wanderenden Aufmerksamkeit das Colon entlang gehen. Verdichten am aufsteigenden Colon, Lösen am quer-und absteigenden Colon.

Abb. 15: Bei den Beinen erfolgt das gleiche Vorgehen wie am Arm/Brustkorb. Verdichten und Lösen am Platz mit einer umfassenden Geste, dann bei Bedarf Ausstreichen der Beine. Verdichten am Oberschenkel, Lösen Richtung Unterschenkel Füße.

Abb. 16 bis 18: Zum Schluss wird das Kind am Kopf und an den Füßen gehalten. Wir nehmen nochmals das Kind als Ganzes wahr.

Abb. 19: Verweilen in der hüllenden Geste und Ermöglichen der Kontaktaufnahme. Wahrnehmen der Situation ist hier besonders heilsam. Wir sind besonders langsam, wir warten bei jeder Bewegung die wir tun, wann das Kind sich darauf eingestellt hat. Die Einreibung ist langsam und im Tempo des Kindes.

Abb. 20: Verdichten und Lösen am Platz am Brustkorb. Der Brustraum mit seiner Lunge, dem Aus- und Einatmen schafft Verbindung mit der Welt. Das Kind verbindet sich mit dem Einatmen mit der Welt und mit dem Ausatmen gibt es ein Stück von sich in die Welt. Bei der Einreibung können wir durch Verdichten und Lösen diesen Prozess unterstützen, ihn in ein Gleichgewicht bringen.

Abb. 21: Der Bauch wird mit Verdichten und Lösen am Platz gehalten. Hier öffnet das Kind das erste Mal während der Einreibung die Augen, Kräfte zur Kontaktaufnahme werden frei.

Bei unserer Einreibung lassen wir die Möglichkeit für Bewegung offen, das Kind darf sich mitbewegen und erfährt das seine Bewegungen wirksam sind. Durch unsere langsamen Bewegungen beim Umlagern lassen wir dem Kind Zeit, durch den Bewegungssinn nachzuvollziehen was passiert.

2.2.2 Einreibung unter dem Aspekt der Hülle und Stabilität

Diese Einreibung erfolgt unter dem Aspekt der Stabilisierung, es passt für Kinder die durch die Geburt überwältigt wurden und schockartige Symptome zeigen. Wir können uns fragen, welchen Sinn wir hier besonders ansprechen bzw. entlasten, ich denke es ist der Lebenssinn.

Der Lebenssinn

Der Lebenssinn nimmt die Verfassung des Körpers wahr, sozusagen die leibliche Gestimmtheit, ein Sinn also der Wahrnehmung innerhalb des Organismus ermöglicht. Ist alles in Ordnung fühlen wir uns behaglich und wohl in unserer Leiblichkeit. „Ich und mein Leib sind eins.“ Den Lebenssinn nehmen wir meistens erst dann wahr, wenn in der Leiblichkeit die Ordnung durchbrochen wird. Disharmonie in Lebensvorgängen wie Atmung, Ausscheidung und Ernährung können Empfindungen, wie Mattigkeit, Übelkeit, Schmerz und Schwäche auslösen. Diese Empfindungen sind für ein Neugeborenes neu, wenn es keinen Noxen, eine ausreichende Ernährung und Ruhe in der Schwangerschaft erlebt hat. Ein Frühgeborenes, das zu früh seine Organfunktionen aufnehmen muss, ist nun mit solchen Empfindungen konfrontiert, man könnte sagen ein bisschen zu früh in die bewusst, leibliche Wahrnehmung seines Körpers gezwungen. Wir können durch die Rhythmische Einreibung eine Harmonisierung der Lebensvorgänge unterstützen, und dadurch mehr Wohlbehagen schaffen. Der Lebenssinn wird sozusagen entlastet, es können in anderen Bereichen wieder Kräfte zur Verfügung gestellt werden.

Abb. 22: Beine werden mit Verdichten und Lösen am Platz gehalten, ebenso die beiden Füße. Die Beine als Extremität, die mit Ihrer Bewegung auch Ausdruck des astralischen sind. Wir sind offen für Eigenbewegungen des Kindes, wenn diese kommen.

Abb. 23 und 24: Das Kind kommt nach dem Halten der Füße mit Verdichten und Lösen am Platz, in die Bewegung. Es streckt seine Beine kraftvoll, wir gehen bewundernd mit der Bewegung mit. Auch zum Ende der Geburt stößt sich das Kind mit den Beinen ab. Dieses Kind wurde ohne Eigenaktivität ins Leben geholt, so dass wir die gezielte Eigenaktivität seiner Beine mit Freude unterstützen: Schau wie kräftig Du bist und wie gut Du Dich abstoßen kannst.

Abb. 25 und 26: Zum Ende wieder Kontakt zwischen Kopf und Fußen, zum Wahrnehmen des Gesamten.

2.2.3 Einsatz der Körperöle bei der rhythmischen Einreibung

Die Haut beim Frühgeborenen ist das größte Organ, bei einem sehr kleinen Frühgeboren macht der Anteil 13% aus im Gegensatz zum Erwachsenen mit 3-5 %. In den ersten beiden Lebenswochen eines Frühgeborenen ist die Haut noch offen, die Epithelisierung ist noch nicht abgeschlossen, die die Haut vor insensiblen Wasserverlusten und mechanischen Einflüssen schützt. Das heißt das Aufbringen des Öles hat mehrere Gesichtspunkte, es schützt vor insensiblen Wasserverlust, pflegt die sensible Haut, es hilft, die Wärme besser zu halten und es nährt. Das in der Pflanze durch Sonnenwärme gebildete Öl ist stofflich gewordene Wärme, diese Wärme kann das Öl über einen längeren Zeitraum hinweg abgeben. Die fetten Öle verkörpern den nährenden Aspekt des Öles. Das Öl hat also einen schützenden, wärmenden und nährenden Aspekt. In den ersten zwei Wochen eines Frühgeborenen unter der 34. SSW sollten nur Basisöle eingesetzt werden, da die Haut wie beschrieben noch offen ist und das ätherische Öl in hohen Konzentrationen aufnehmen kann. Zwei Öle zum Einsatz beim Frühgeborenen sollen im weiteren vorgestellt werden. In der Anthroposophischen Pflege sind zur Auswahl des passenden Öles nicht nur seine Inhaltsstoffe wichtig, sondern auch die Besonderheit der Ölpflanze in Bezug auf Wachstum, Fruchtbildung und Erscheinungsbild, diese Betrachtung gibt uns Hinweise auf den individuellen Einsatz beim Kind.

Mandelöl: Nährend – vermittelt Geborgenheit – harmonisiert – schützt und hüllt

Der Mandelbaum ist bis 8 Meter hoch, kahl und frostempfindlich, hat eine graue Rinde, er gehört zu den Rosengewächsen, also eng verwandt mit Kirsche, Pfirsich, Aprikose und eben der Rose. An den rosafarbenen, in den Mittelmeerländern bereits im Januar aufbrechenden Blüten mit den gelben Staubblättern lässt sich diese Verwandtschaft ablesen. Das Öl wird aus dem Mandelkern gewonnen, genauer gesagt ist es der Mandelsamen, das Innere des harten Kerns. Der Mandelkern hat viele schützende Hüllen bevor man an den nährreichen Samen herankommt. Das Mandelöl hat sehr pflegende Inhaltsstoffe, es beruhigt und pflegt gereizte und empfindliche Haut. Es nährt nicht nur die Haut, sondern unterstützt durch seinen nährenden Aspekt das Gedeihen von Neuund Frühgeborenen. Der Duft des Mandelöls erinnert an Marzipan, er ist mild und warm und lässt ein Gefühl von Geborgenheit und Harmonie entstehen.

Die Mandel, Mandorla gibt es auch als Fachbegriff in der Kunstgeschichte, sie bezeichnet die Aura rund um eine ganze Figur. In der sakralen Kunst, bleibt vor allem Christus und Maria die Mandorla vorbehalten.

Ein weiterer Zugang zur Mandorla kann folgender sein: die Mandorla entsteht aus der Schnittfigur zweier gleichgroßer Kreise. Die Kreise können den Umkreis des Universums und die sphärische Kugel der Erde repräsentieren. Die Schnittfigur, die Mandorla bildet einen geschützten Raum zwischen Himmel und Erde. Die Geburt als Übergang zwischen Himmel und Erde braucht auch so einen geschützten Raum. Wenn Verletzungen in dieser Phase stattfanden, wie z.B. Sectio, Forceps, Frühgeburt oder Verlust, kann die Mandel einen geschützten Raum anbieten, um Verletzungen darin heilen zu lassen. Die Mandel ist also für Kinder geeignet, die durch die frühe Geburt verletzt wirken, die Harmonie wurde zerstört. Die Kinder denen Mandel hilfreich sein könnte, zeigen sich eher sensibel, schwach und schutzbedürftig.
• nährend
• vermittelt Geborgenheit, Schutz und Hülle
• harmonisiert
• für die Haut pflegend, reizlindernd

Olivenöl: Wärmend – stärkend – inkarnierend

Knorrig und uralt, so kennt man den Olivenbaum (Olea europea), der so typisch für den Mittelmeerraum ist. Ein Olivenbaum kann mehrere hundert Jahre alt werden. Er ist voller Anmut und Würde und vereint in sich die Urkraft der vier Elemente: Festgewurzelt steht er da und ist nicht umzubringen, weder durch Wasser, noch durch Feuer und Sonneein richtiger Lebenskünstler. Nur Kälte hält er nicht aus. In der Frostzone geht er ein, wenn man versucht, ihn zu kultivieren. Zu allen Zeiten war der Oliven- oder Ölbaum für die Mittelmeervölker Sinnbild für Glück, Segen und Frieden. Er gilt als jener Baum, der die Gottesnähe und Gottes Weisheit in sich birgt, warum man ihn im Süden oft in der Nähe von Kirchen pflanzte und auch für Ölungen und Salbungen verwendet. Die Pressung erfolgt aus dem Fruchtfleisch. Es hat eine durchwärmende Wirkung, das Fruchtfleisch der Olive hat doch Wärme und Sonne über Monate gespeichert und in Öl umgewandelt. Durch den hohen Gehalt an Ölsäure und Vitamin Eist es sehr hautpflegend und regenerierend. Der Einsatz von Olivenöl in der Neonatologie wurde mehrfach untersucht und die hautpflegenden Eigenschaften in Studien belegt. Des Weiteren hat es schmerzstillende und entzündungshemmende Wirkung durch das enthaltene Oleocanthal. Die schmerzstillende Wirkung hat sich sehr zu Einreibungen nach Beckenendlagen-Saugoder Zangengeburten bewährt. Insgesamt hat das Olivenöl eine stärkende Wirkung auf den Gesamtorganismus und ist immer auch ein Öl der Übergänge und Lebenskrisen. Der Olivenbaum hat unglaublich alte knorrige Äste, sie zeigen sich majestätisch weise und darunter verbirgt sich doch in sogenannten schlafenden Augen eine enorme Keimkraft. Zu jeder Zeit kann aus diesen Augen was Neues, Zukünftiges im Trieb entstehen. Das Kind kommt aus den Weiten des Kosmos, aus einem allwissenden Bewusstsein, also großer Weisheit, lässt dies bei der Inkarnation zurück bekommt dafür einen jungen, voller Lebenskraft und Energie getankten Körper. Die Geburt ist ein Übergang zwischen diesen beiden Seelenzuständen, diesen kann die Olive durch Ihr Pflanzenwesen unterstützen.
• Wärmend, schmerzstillend
• Stärkend, inkarnierend, Unterstützung bei Übergängen
• Für die Haut regenerierend, entzündungshemmend

Abb. 27: Verwandlungskraft der Olive in Bezug zur Geburt (N. Hurst)


2.3 Wärme beim Frühgeborenen

Die Wärme ist eines der wichtigsten Aspekte der Pflege eines Frühgeborenen. Aspekte wie Thermoneutralpflege im Inkubator, Schutz vor insensiblen Wasserverlusten durch Anfeuchtung und Aufbringen von Öl sind in der Literatur ausreichend beschrieben. Hier sollen noch ein paar zusätzliche Aspekte der Wärme erläutert werden.

Wärmesinn

Wärme kann nicht nur als körperlicher Prozess verstanden werden, Wärme entsteht auch durch die Berührung zweier oder mehrerer Seelen, sogenannte Herzenswärme. Diese seelische Wärme, oder innere Wärme spielt eine Rolle bei der Durchwärmung bis hin in die Peripherie, beim Halten der Wärme und somit auch beim Gedeihen des Kindes. Durch eine von uns geschaffene Hülle, die Geborgenheit, Stabilität und Zuversicht vermittelt, kann zwischen Eltern und Kind diese Wärme entstehen.

Ein weiterer Aspekt ist, dass das warme Blut unter anthroposophischem Gesichtspunkt der Träger des Ichs ist. Das Ich als geistige Ebene des Menschen, es macht jeden Menschen zu einem Individuum mit seinen eigenen Gedanken und Lebensaufgaben. Das Ich wirkt über die Wärme in den Menschen. Bei einem neugeborenen Kind wird dieses Ich noch zu einem großen Teil von den Eltern gehalten, d.h. nur Eltern, die sich selbst sicher fühlen, die die Möglichkeit haben beim Kind zu sein, es zu versorgen und mit ihm engen Hautkontakt zu haben, können dieses Tragen des kindlichen Ichs und somit seiner Wärme optimal gestalten. Wenn wir aufmerksam sind, können wir bei Kindern, deren Mutter nicht oft anwesend ist, häufig eine verminderte Durchblutung der Peripherie beobachten, Sie sind oft leicht marmoriert und Sie gedeihen manchmal zögerlicher. Die Wärme halten, sie ganz in die Peripherie zu bringen braucht also neben den rein physikalisch optimalen Bedingungen der Umgebung, auch den herzenswarmen Kontakt und das Getragen sein durch die Eltern. Dies ist eine sehr feine Facette der Wärmebildung, die im Trubel des Alltags einer neonatologischen Intensivstation ein geschultes Auge und hin spüren braucht, die aber wenn Sie erschlossen wird nicht nur die Wärme optimiert.

Als Pflanze steht uns die Rose für die Bildung einer Wärmehülle in dem oben genannten Sinne zur Verfügung. Die ätherische Ölmischung sollte erst ab vollendeten 2 Wochen postpartal eingesetzt werden, zwecks der am Anfang noch nicht ganz ausgebildeten Hornschicht der Haut und somit erhöhten Resorption des ätherischen Öls. Es wird hoch verdünnt, angelehnt an die Empfehlungen der Aromapflege für Säuglinge.

Rosenöleinreibung

Rosenöl
(1 Tropfen reines ätherisches Rosenöl = z. b. Rose Absolue von Primavera auf 100ml Mandelöl oder Olivenöl)

Die Rose nimmt im Pflanzenbereich durch das Gleichmaß ihrer Kräfte eine zentrale Stellung ein. Die Rose gilt als Sinnbild einer vollendeten Pflanze. Rosengewächse verbinden sich fest und dauerhaft mit der Erde, sie bilden holzige Wurzeln. Im Wurzelbereich repräsentiert die Rose also das irdisch Feste. Auf der anderen Seite bildet die Rose im Blütenbereich als Ergebnis von Wärme-Licht-Prozessen einen außergewöhnlichen Duft und die Verbindung zum Kosmos. Der Rosenduft ist die Quintessenz dieses Blütenprozesses, das Wesentliche überhaupt an ihr. In der Blüte prägt die Pflanze ihr Wesen am vollkommensten aus. Die Blüte ist ein Fünfstern, der sich selbst in sich abschließt. Das Pentagramm ist das Symbol des Mikrokosmos, wo Weltenkräfte zusammenfließen, um eine kleine, aber selbstständige und in sich geschlossene Welt entstehen zu lassen. So vermag die Rose, dem sich entwickelnden kleinen Menschen eine Hülle zu bilden, indem er gedeihen und sich entwickeln kann. Alles, was die Rose bildet, geschieht im ausgeglichenen Zusammenwirken von oben und unten, von Himmel und Erde.
• Hüllend, fördert das Gedeihen
• Harmonisierend
• Wärmend

Literatur:

Anthroposophische Pflegepraxis: Grundlagen und Anregungen für alltägliches Handeln – 2017 von Rolf Heine (Herausgeber)
Rhythmische Einreibungen: Handbuch aus der Ita Wegman Klinik – 2012 von Monika Fingado
Praxishandbuch Rhythmische Einreibungen nach Wegman/Hauschka – 2014 von Monika Layer
Frühgeborenezu klein zum Leben?: Geborgenheit und Liebe von Anfang an – Die Methode Marcovich –2008 von Marina Marcovich, Theresia Maria de de Jong
Lehrbuch der Pränatalen Psychologie, herausgegeben von Klaus Evertz, Ludwig Jaus und Rupert Linder, Mattes Verlag Heidelberg 2014
Individuelle Pädiatrie: Leibliche, seelische und geistige Aspekte in Diagnostik und Beratung. Anthroposophisch-homöopathische Therapie – 2011 von Soldner, Stellmann
Heilpflanzenkunde: Der Mensch und die Heilpflanzen I–III – 2012 Wilhelm Pelikan
Therapiemöglichkeiten nach gestörtem Geburtsverlauf – Merkurstab 3/1998 von Georg Soldner, Michael Stellmann
Die Mandelmistel – Merkurstab 1/2010 – von Johannes Wilkens

AUTORIN

Natalie Hurst Fachkinderkrankenschwester 71155 Altdorf