Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 4 Min.

KINDERKRANKENSCHWESTER: Neue Strategien zur Prävention Katheter-assoziierter Infektionen: Zentrale Venenkatheter und transurethrale Harnblasenkatheter


Kinderkrankenschwester - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 10.04.2019

In nahezu allen Statistiken zur Häufigkeit nosokomialer Infektionen auf der Intensivstation stehen Katheter-assoziierte Infektionen an erster Stelle. Die Ursache hierfür ist, dass transkutane oder transurethrale Katheter eine Art Gleitschiene für eindringende Haut- und Hospitalkeime bilden. Gerade bei längerer Liegedauer von Kathetern wandern die Keime in die Blutbahn bzw. die Harnblase ein und lösen dort Infektionen aus. Zugleich bilden sie auf der Kunststoff-Oberfläche der Katheter einen Biofilm, der auch bei erfolg- © chanawit – stock.adobe.com reicher Therapie der Infektion dauerhaft bestehen bleibt und eine nachfolgende, erneute Infektion auslösen kann. In der Regel ist eine Katheter-assoziierte Infektion daher nur mit einem gleichzeitig stattfindenden Katheterwechsel dauerhaft sanierbar. In einer kürzlich publizierten Übersichtsarbeit aus dem Universitätsklinikum in Ann Arbor, Michigan, USA, wurden aktuelle Präventionsansätze für die beiden wichtigsten Arten Katheter-assoziierter Infektionen zusammenfassend dargestellt(1).

Gefäßkatheter-assoziierte Blutstrominfektionen

Einleitend stellen die Autoren die in den letzten Jahren in den USA erzielten Erfolge dar. Nationale Hygieneinitiativen haben sich auf die Fahnen geschrieben, die Rate Gefäßkatheter- assoziierter Infektionen auf Werte nahe 0 abzusenken. Obwohl dieses hohe Ziel in den meisten Zentren nicht erreicht wurde, war doch feststellbar, dass zwischen 2005 und 2015 in den USA etwa 25.000 Katheter-assoziierte Blutstrominfektionen und ca. 6.000 dadurch bedingte Todesfälle vermieden werden konnten. Ökonomisch gesehen senkte dies die Behandlungskosten um 414 Millionen US-Dollar. Obwohl für Harnwegskatheter-assoziierte Harnwegsinfektionen im Prinzip die gleichen Präventionsmaßnahmen gelten sollten wie für Gefäßkatheter, stellen die Autoren fest, dass die Literatur hierzu deutlich dürftiger ist. Vermutlich spielen die niedrigeren Kosten einer Infektion und der geringere Einfluss auf die Mortalität eine Rolle dafür, dass klinische Studien meist nur von minderer Qualität sind und technische Innovationen bei Harnwegskathetern fehlen.

Artikelbild für den Artikel "KINDERKRANKENSCHWESTER: Neue Strategien zur Prävention Katheter-assoziierter Infektionen: Zentrale Venenkatheter und transurethrale Harnblasenkatheter" aus der Ausgabe 4/2019 von Kinderkrankenschwester. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Kinderkrankenschwester, Ausgabe 4/2019

© chanawit – stock.adobe.com

Artikelbild für den Artikel "KINDERKRANKENSCHWESTER: Neue Strategien zur Prävention Katheter-assoziierter Infektionen: Zentrale Venenkatheter und transurethrale Harnblasenkatheter" aus der Ausgabe 4/2019 von Kinderkrankenschwester. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Kinderkrankenschwester, Ausgabe 4/2019

Für Gefäßkatheter wurden mittels internationaler Literaturrecherche von den Autoren 102 Arbeiten aufgefunden. Im Einzelnen handelte es sich um 88 Vorher-Nachher-Studien und 14 randomisierte kontrollierte Studien zu einzelnen Präventionsmaßnahmen. 51 davon fanden in Maximalversorgungskliniken statt, der Rest in akademischen Lehrkrankenhäusern. 31 Studien waren multizentrisch. Die Studien unterschieden sich durch unterschiedlich hohe Raten Gefäßkatheter-assoziierter Septikämien. Diese lagen vor Studienbeginn zwischen 1,1 und 12,1 Katheter-assoziierter Septikämien pro 1000 Katheterliegetage.

Nach der Intervention bzw. in der Interventionsgruppe konnten die Raten auf im Mittel 2,8 Septikämien pro 1.000 Katheterliegetage abgesenkt werden. Dies entsprach einer mittleren Reduktion von 65 %. Die einzeln oder im Bündel angewandten Maßnahmen sind in Tabelle 1 zusammengefasst. Insgesamt zeigte sich in Studien, die Checklisten und Bündelprogramme beinhalteten, eine stärkere Reduktion Katheterassoziierter Septikämien als in Studien, in denen lediglich einzelne der oben genannten Komponenten eingeführt und umgesetzt wurden.

Katheter-assoziierte Harnwegsinfektionen

In die Auswertung flossen 28 klinische Studien ein, die über eine Literaturrecherche aufgefunden wurden. Es handelte sich um zwei randomisierte prospektive und 26 Vorher-Nachher-Studien. Die Rate symptomatischer Katheter-assoziierter Harnwegsinfektionen lag vor Studienbeginn im Mittel bei 12,5 Episoden pro 1.000 Katheterliegetage. Nach der Intervention betrug die Rate im Mittel 7,0 pro 1.000 Liegetage, somit war eine Reduktion um 49 % zu verzeichnen. Die eingeführten Interventionsmaßnahmen waren in erster Linie funktionel- ler Art. Beispielsweise handelte es sich um Schulungen zur korrekten Anlage/Einführung des Katheters sowie zur Meatuspflege. In 16 Studien wurde auch eine elektronische „Erinnerungsfunktion“ etabliert, mit der täglich die Frage gestellt wurde, ob die Indikation für den Harnblasen-Verweilkatheter noch gegeben war. Solche Erinnerungsfunktionen können in der Online-Patientenkurve angelegt werden. Es meldet sich dann täglich ein optisches und/oder akustisches Warnsignal, mit dem abgefragt wird, ob der Harnwegskatheter noch erforderlich ist. Diese Frage muss durch anklicken mit „Ja“ beantwortet werden, andernfalls sind weitere Eintragungen in die Akte nicht möglich. Eine andere Möglichkeit ist es, von vornherein eine tägliche Arztanweisung zum Ziehen des Katheters im Computer anzulegen, die dann umgekehrt abgeschaltet werden muss, wenn der Katheter weiter liegen bleiben soll. Im Einzelnen wurden die Erinnerungsfunktionen wie folgt in den Studien etabliert: In 25 Studien (89 %) kam es durch die Etablierung der Präventionsmaßnahmen zu einer Absenkung der Rate von Harnwegsinfektionen.

ALS KINDERKRANKENSCHWESTER STILLEN NOCH BESSER VERSTEHEN

• Ausbildung zur Still- und Laktationsberaterin IBCLC

• interdisziplinäre Fachtagungen und Praxistage

• kostenloses Fachwissen auf unserer Homepage

Artikelbild für den Artikel "KINDERKRANKENSCHWESTER: Neue Strategien zur Prävention Katheter-assoziierter Infektionen: Zentrale Venenkatheter und transurethrale Harnblasenkatheter" aus der Ausgabe 4/2019 von Kinderkrankenschwester. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Kinderkrankenschwester, Ausgabe 4/2019

Kommentar des korrespondierenden Referenten Prof. Dr. med. Matthias Trautmann, Institut für Krankenhaushygiene, Klinikum Stuttgart

Artikelbild für den Artikel "KINDERKRANKENSCHWESTER: Neue Strategien zur Prävention Katheter-assoziierter Infektionen: Zentrale Venenkatheter und transurethrale Harnblasenkatheter" aus der Ausgabe 4/2019 von Kinderkrankenschwester. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Kinderkrankenschwester, Ausgabe 4/2019

Die Autoren fassen die ausgewerteten Studien leider nur summarisch zusammen, so dass der Effekt einzelner Maßnahmen nicht ablesbar wird. Besonders bedauerlich ist es, dass spezielle Medizinprodukte wie antiseptische Verbände für Gefäßkatheter-Insertionsstellen oder nahtlose Fixierpflaster nicht bewertet werden können. Hier wäre eine Schlussfolgerung wünschenswert gewesen, ob diese Produkte geeignet sind, die Rate Gefäßkatheter- assoziierter Septikämien abzusenken, und ob dieser Effekt mit vertretbaren Mehrkosten erreicht werden kann. Es sei daher an dieser Stelle auf eine eigene Studie hingewiesen, mit der unsere Arbeitsgruppe für eine große chirurgische Intensivstation untersucht hat, ob ein chlorhexidinhaltiger Transparentverband kosteneffektiv eingesetzt werden kann.

Wir gingen dabei von der Studie von Timsit et al. aus, die auf französischen Intensivstationen im Mittel eine Reduktion Gefäßkatheter- assoziierter Septikämien um 1 Episode pro 1.000 Venenkatheter-Liegetage beschrieben hatte (2). Wandte man diesen Wert auf die eigene Intensivstation an, so wurden in einem Jahr 8,9 Septikämiefälle mit potentiellen Mehrkosten von ca. € 64.000 vermieden. Demgegenüber betrug die zusätzliche Ausgabe für die chlorhexidinhaltigen Transparentverbände nur ca. € 19.000, so dass ein rechnerischer Gewinn, auf jeden Fall aber eine volle Kosteneffektivität erreicht wurde(3).

Derartige Kalkulationen wären für viele der heute zur Verfügung stehenden Medizinprodukte sinnvoll. Bei zentralen Venenkathetern reicht das Spektrum der Möglichkeiten von antiseptikahaltigen Kappen für Dreiwegehähne über antiseptische oder antimikrobielle Gefäßkatheter bis hin zu täglichen Körperwaschungen mit chlorhexidinhaltigen Waschlösungen. Als evidenzbasiert, und demzufolge auch in einer aktuellen Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert-Koch-Institut aufgeführt, kann die Behandlung der Insertionsstelle mit einem alkoholischen Kombinationspräparat, welches zusätzlich einen Remanenzwirkstoff enthält, angesehen werden(4). Die Evidenz für diese Maßnahme wurde zwar aktuell von Kategorie IA auf Kategorie IB (für chlorhexidinhaltige Präparate) bzw. Kategorie II (für octenidinhaltige Präparate) herabgestuft. Dennoch blieb die KRINKO bei ihrer eindeutigen Empfehlung, zur Vorbereitung der Insertionsstelle kein reines Alkoholpräparat zu verwenden

Literatur

1 Patel PK et al. Review of strategies to reduce central-line associated bloodstream infection (CLABSI) and catheter-associated urinary tract infection (CAUTI) in adult ICUs. J Hosp Med 2018;13: 105-116.
2 Timsit JF et al. Randomized controlled trial of chlorhexidine dressing and highly adhesive dressing for preventing catheter-related infections in critically ill patients. Am J Resp Crit Care Med 2012;186: 1272-1278, and supplementary online data.
3 Trautmann M, Saatkamp J. Kosten-Nutzenanalyse eines neuen Transparentverbands für Kathetereintrittsstellen. Hyg Med 2016;51-5: 65-70.
4 Prävention von Infektionen, die von Gefäßkathetern ausgehen. Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert-Koch-Institut. Prävention von Infektionen, die von Gefäßkathetern ausgehen. Bundesgesundheitsbl 2017;60: 171-206.
5 Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert-Koch-Institut. Erratum zu: Prävention von Infektionen, die von Gefäßkathetern ausgehen. Bundesgesundheitsbl 2018;61: 446.

AUTOR

Hardy-Thorsten Panknin ht.panknin@berlin.de Berlin

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 4/2019 von KINDERKRANKENSCHWESTER: Die unbekannte Gefahr – Vancomycin-resistente Enterokokken Die neue Richtlinie des Robert-Koch-Instituts. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
KINDERKRANKENSCHWESTER: Die unbekannte Gefahr – Vancomycin-resistente Enterokokken Die neue Richtlinie des Robert-Koch-Instituts
Titelbild der Ausgabe 4/2019 von Sepsis bei Kindern in oder kurz nach der Neonatalperiode. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Sepsis bei Kindern in oder kurz nach der Neonatalperiode
Titelbild der Ausgabe 4/2019 von Gesetzlich geregelte Ausbildungswege sichern!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Gesetzlich geregelte Ausbildungswege sichern!
Titelbild der Ausgabe 4/2019 von Warum die Pflege in Not ist: Erfahrungsberichte eines Gesundheitsund Kinderkrankenpflegers. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Warum die Pflege in Not ist: Erfahrungsberichte eines Gesundheitsund Kinderkrankenpflegers
Titelbild der Ausgabe 4/2019 von Erste Fach-Weiterbildung „Pflege bei Cystischer Fibrose“ nach dem GuK-WV, BGBI.II Nr. 453/2006. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Erste Fach-Weiterbildung „Pflege bei Cystischer Fibrose“ nach dem GuK-WV, BGBI.II Nr. 453/2006
Titelbild der Ausgabe 4/2019 von NEU: HiPP Babysanft Extra Weiche Windel – so fühlen sich Babys rundum wohl. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
NEU: HiPP Babysanft Extra Weiche Windel – so fühlen sich Babys rundum wohl
Nächster Artikel KINDERKRANKENSCHWESTER: Die unbekannte Gefahr – Vancomycin-…
aus dieser Ausgabe