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KLÄNGE AUS DEM HÖ(H/L)LENSCHLUND


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Metal Hammer - epaper ⋅ Ausgabe 11/2021 vom 13.10.2021

PROPHECY FEST

Balve: Balver Höhle

Artikelbild für den Artikel "KLÄNGE AUS DEM HÖ(H/L)LENSCHLUND" aus der Ausgabe 11/2021 von Metal Hammer. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Dornenreich

Groß ist die Freude, als das Prophecy Fest Ende August die Running Order verkündet. Teilnehmen darf, wer geimpft beziehungsweise genesen ist oder einen aktuellen PCR-Test vorweist – so die Regelung in Nordrhein-Westfalen. Dadurch entfällt sogar die Maskenpflicht. Das fühlt sich fast wie Normalität an; befreiend und befremdlich zugleich. Zum fünften Mal findet das Festival in der Balver Höhle statt, und zweifelsohne passt das malerische Gewölbe perfekt zu dem, was die 999 Besucherinnen und Besucher aus 19 Ländern in den kommenden Tagen erwartet: Ein dunkelsüßer Reigen außergewöhnlicher Künstlerinnen und Künstler aus Black Metal, Dark Rock und Neofolk. Was einst mit der Veröffentlichung des Debütalbums von Empyrium begann, ist heute ein etabliertes, in der Szene bedeutendes Label mit einem Katalog von über 500 Releases. Da darf sich gerne mehr als einmal anerkennend ...

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Freitag, 10. September

Vrîmuot läutet wenige Stunden später mit seinem von Dark Folk geschwängerten Minnesang den Beginn des Prophecy Fests ein. Umrahmt von zwei schwarzen Kerzen und in Begleitung eines vermummten Trommlerduos wünscht Sänger T.S. zur Mittagszeit einen guten Morgen und reibt mit ‘Erwachen’ den letzten Schlaf aus den Augen. Das Hamburger Duo St. Michael Front hat erst kürzlich bei Prophecy eingecheckt, beherrscht die Bühne aber mit angenehmem Selbstbewusstsein.

Schade, dass der Auftritt auch aufgrund technischer Probleme in Erinnerung bleibt. Es folgt der erste Aufschlag von Prophecy- Instanz und Ausnahmekünstler Markus Stock alias Schwadorf, der eine seiner zahlreichen musikalischen Facetten in Form des Ambient-Black Metal-Projekts Sun Of The Sleepless auslebt. Auch wenn der Sound hier und da besser sein könnte, ziehen Stocks pure Leidenschaft und stimmliche Varianz die Zuhörenden unausweichlich in den Bann. Da braucht es weder große Gesten noch unnatürliche Allüren. Die Musik ist schonungslos aggressiv und ehrlich melancholisch – von ‘Romanze zur Nacht’ bis zum letzten Ton des All-Time- Klassikers ‘Phoenix Rise’. Der Auftritt von Hekate im Anschluss spricht sogleich mehrere Sinne an. Neben den gemütlichen vollen Klängen des sehr perkussionsreichen Sets, in dem eine große Trommel, zwei Schlagzeug-Kits und ein Gong bespielt werden, flammen zudem romantische Fackellichter von der Bühne. Außerdem verteilen sich sanfte Weihrauchnoten im Publikum. Das zum großen Teil akustische

Set bietet eine willkommene, zum Teil etwas Ruhe bringende Abwechslung. Leider zeigt sich während des Auftritts immer wieder, dass diese Art der Location schiefe Töne im Gesang absolut nicht verzeiht – im Gegenteil: Sie werden in all ihrer Pracht von sämtlichen Höhlenwänden zurückgezimmert. Die Rumänen Dordeduh beglücken das Prophecy Fest mit zwei Auftritten, verteilt auf beide Tage. Heute stehen Songs wie ‘Cunoașterea Tăcută’, ‘Norilor’ oder ‘Țesarul De Lumini’ im Zeichen der Nostalgie und ihrer früheren Band Negură Bunget. Seit der komplizierten Spaltung dieser in zwei Lager scheinen die Wogen noch immer nicht geglättet. So distanziert sich Edmond „Hupogrammos“ Karban ausdrücklich vom neuen Album seiner ehemaligen Band.

Am Highlight-Faktor des Streifzugs durch die Vergangenheit kratzt das wenig. Für die nächsten Gänsehautmomente sorgen Dornenreich, die zur Verwunderung vieler auf eine Metal-Show verzichten und ihre Songs in rein akustischem Gewand darbieten. Die Reise von Eviga und Inve beginnt mit ‘Liebes dunkle Nacht’ vom aktuellen Album DU WILDE LIEBE SEI und empfiehlt ein sofortiges Augenschließen und Genießen bis zum Ende, was leider nur bedingt möglich ist. Zwischen Evigas eindringlichen Flüsterattacken und Inves magischen Geigenklängen sollte man eine Stecknadel fallen hören können, um dem Auftritt den angemessenen Tribut zu zollen. Das ist bei einem ausverkauften Festival mit permanenter Geräuschkulisse aber kaum möglich. Danach wartet Arthur Brown mit heftigem Kontrastprogramm auf. Der 79-Jährige (!) wirbelt die Höhle ordentlich durch, sorgt für offene Münder und beackert die Bühne motiviert und mit zahlreichen Outfit-Wechseln – die schönsten Kopfbedeckungen des Festivals inklusive.

Primordial sind als starke Liveband bekannt und untermauern diesen Status eindrucksvoll. Satte anderthalb Stunden lang zocken sich die Iren durch ein spannend abgestecktes Diskografiefeld: von gefallenen Größen über endlose Gräber bis zu brennenden Städten. Zwar geht die Reise nicht bis in die Neunziger, aber noch mehr als die Song-Auswahl – die Band hat genügend Hits in petto – zählen die Dynamik und Atmosphäre. Während Alan wie gewohnt herumtigert, flankieren ihn seine Musiker vergleichsweise statisch als kräftige Säulen. Auch stimmlich ist der Fronter blendend unterwegs – trotz oder wegen des Weins, den er sich (vermutlich nicht nur) auf der Bühne genehmigt.

Samstag, 11. September

Da Fvnerals ihren Auftritt absagen mussten, startet Tag zwei mit dem Melo-Pop der Italiener Spiritual Front. Anschließend sind Fronter Alboîn und seine Kollegen an der Reihe: Früher waren sie Geïst, heute fehlen zwei Buchstaben. Der musikalischen Qualität nimmt das aber nichts – zumal Eïs aus dem gesamten schöpferischen Fundus der Band- Geschichte fischen können. Das tun sie auch und liefern mit ‘Spätsommer abende’ ein Stück vom 2005er-Debüt PATINA. Da lange Nummern bei Eïs als Qualitätsmerkmal gelten, muss die Song-Auswahl für das Liveset mit Fingerspitzengefühl erfolgen. Das gelingt den Nordrhein-Westfalen allemal. Wir segeln ‘Unter toten Kapitänen’ und begegnen final dem ‘Mann aus Stein’.

Gehüllt in blutrotes Licht wenden sich E-L-R aus der Schweiz öfter einander als dem Publikum zu. Dabei kreieren sie eine packende Performance und versetzen die Balver Höhle in eine doomige Post Rock-Trance. Klimt 1918-Sänger Marco Soellner schaut ein wenig so, als wäre ihm die Höhle noch nicht ganz geheuer; diese zaghafte Zurückhaltung zeigt sich auch in der Musik. Sehr bedacht und vorsichtig bespielt die italienische Post Rock-Gruppe ihre Instrumente. Um mit ihren sehr atmosphärischen Klängen vollkommen in den Bann zu ziehen, fehlt es der Band noch ein wenig an Energie – zur Begleitung des einsetzenden Nachmittagstiefs passt die musikalische Beschallung jedoch bestens.

Danach holen Dordeduh zum zweiten Streich aus. Unter anderem mit einem Hackbrett bewaffnet, spielt die Band an diesem Abend nun Lieder, die in der aktuellen Band-Konstellation entstanden sind. Zuletzt erschien dieses Jahr das zweite Album HAR. Der zweite Auftritt bietet weitaus mehr Harmonie und Abwechslung als das Negură Bunget-Set zuvor. Dass Dool ein neues Album auf den Markt gebracht haben, ist schon etwas länger her. Über ein Jahr ist SUMMERLAND bereits alt. Auf eine Erprobung ihres Materials auf einer Live-Bühne musste die niederländische Band aber bis jetzt warten. Und das hat sich wahrlich gelohnt: Dool arbeiten sich gekonnt durch ruhige Melodien und kraftgeladene Energiemomente. Ein imposanter Flügel beherrscht das Bühnenbild von Deine Lakaien und bittet zum nächsten Akustikgenuss. Sänger Alexander Veljanov und Multiinstrumentalist Ernst Horn wandeln als eingespielte Einheit quer durch ihr bisheriges Schaffen. Die zwei begeistern mit fachlicher Raffinesse und viel Charme.

Veljanovs Stimme, getragen von Horns traumhafter Instrumentierung, hüllt Herz und Seele in eine kuschelweiche Decke und bettet alle Anwesenden in ein klangliches Paralleluniversum zum Verweilen, wäre da nicht der finale Akt des diesjährigen Prophecy Fests: Was vor 25 Jahren mit Empyriums Erstwerk A WINTERSUNSET... begann, kann heute nur auf diese Weise enden. Vom gegenwärtigen ‘A Lucid Tower Beckons On The Hills Afar’ bis zu ‘A Gentle Grieving Farewell Kiss’ und ‘Many Moons Ago’: Markus Stock und sein All-Star-Line-up bringen ein Vierteljahrhundert Band-Geschichte ins Jetzt und zaubern manch eine Träne in die Gesichter der Anwesenden. Erhabener und ergreifender hätte das Prophecy Fest 2021 nicht ausklingen können. Wir sagen hochachtungsvoll: Dankeschön!

LISA GRATZKE, CELIA WOITAS