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Klar bei Theodor Fontane


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segeln - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 19.10.2022

REISE Westpolen

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Bildquelle: segeln, Ausgabe 11/2022

Wolin liegt im ganz im Osten des Stettiner Haffs auf der polnischen Seite

Mit seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ hat Theodor Fontane den Seen- und Hügellandschaften zwischen Elbe und Oder (Odra) ein literarisches Denkmal der Extraklasse gesetzt. Für die Recherchen seines fünfbändigen Werks nutzt der Romancier neben der Eisenbahn auch gern das Passagierschiff. Von einer Dampferfahrt über die Oder (Odra) nach Stettin allerdings rät er seinen Lesern ab. Bei niedrigem Wasserstand – so seine Erfahrung – werde die Reise nicht selten für Stunden unterbrochen oder müsse gar eingestellt werden. Zur Schiffbarkeit des Stettiner Haffs (Zalew Szczeciński) äußert sich Fontane nicht. Das viel zitierte „kleine Meer“ im Rücken der Ostsee ist für ihn weniger ein Wasserverkehrsweg als ein überzeitlicher Inbegriff von Ruhe und Beschaulichkeit.

Unser Schlüssel zu seinem Literaturvermächtnis ist eine Jeanneau Sun Legende 41. Die Fahrtenyacht zählt zu den älteren ...

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... Semestern und hat das Licht der Werft erblickt, als Polen noch eine (realsozialistische) Volksrepublik war und im 150 Kilometer entfernten Ost-Berlin Erich Honecker das Sagen hatte. Aber das Alter der Yacht ist kein Manko. Im Gegenteil, die schneeweiße Lady ist gut in Schuss, hat neue Segelkleider und macht mit ihren sportlich ambitionierten Proportionen auch im Jahr 2022 noch eine Bella Figura. Gleiches gilt für das Stadtpanorama der 400.000-Einwohner-Stadt Stettin (Szczecin). Mit den Mittagsglocken der markanten Johanneskirche lassen wir die Stettiner NorthEast Marina im Achterwasser, motoren auf die Oder und genießen den Blick auf die rund 500 Meter lange Haker‘sche Prachtpromenade mit ihren Open-Air-Cafés, Wasserspielen und Neorenaissancepalästen. Unten am Pier dieser in Sandstein gemeißelten Augenweide liegt die Brigg Fryderyk Chopin. Ein paar Schiffslängen hinter dem Großsegler setzen sich Werftanlagen, Containerterminals und Speicherhallen in Szene. Wenige Hundert Meter weiter dann prägt Mutter Natur das Bild.

Segel setzen? Ja? Nein? Roberts Frage ist akademisch. Zwar ist die Oder hier und jetzt rund eineinhalb Kilometer breit, aber erstens weht uns der Wind direkt auf die Nase, wir müssten also kreuzen, kreuzen, kreuzen ... und zweitens ist der Fluss im Grunde nichts anderes als eine elf Meter tief ausgebaggerte Seeschifffahrtsstraße. Damit sind hier vor allem dicke Berufspötte unterwegs. Und die kennen – wie man weiß – kein Pardon in Sachen Wegerecht. Mit der roten Backbordtonne 30 dann reicht uns die Nagelei des Selbstzünders. Zwar sind es nur noch vier Seemeilen bis zu unserem Tagesziel Stepnica, aber was soll‘s? Also, das Groß aus der Lazybag und ab an die Winschen ... doch halt, wer denkt, das ginge locker und bequem vom Cockpit aus, der irrt. Bei unserer Jeanneau sind die Zugkraft-Helferlein nämlich am Großmast angeschlagen. „Nichts für Einhandsegler“, kommentiert Robert mei- nen Gang zum Vorschiff. Kurz darauf schickt er die 39 Perkins-Pferde per Knopfdruck zurück in die Koppel. „Endlich Ruhe im Boot!“

Punkt 17 Uhr schlummert das Groß wieder fachgerecht verpackt in seinem Baumkleid. Wir liegen in der Kapitan-Hilgendorf Marina, halten einen netten Smalltalk mit dem Skipper eines Daysailers und machen uns dann auf den Weg ins Zentrum. Exorbitant Weltbewegendes gibt es in dem 2.500-Seelen-Örtchen nicht zu entdecken. Die zweite Marina, ein zwei Kilometer langer, wind- und wettergeschützter Kanal, ist interessant, das kleine Dorfkirchlein auch und die Infotafel über den Namensgeber der 2015 eröffneten Marina erst recht. Robert Hilgendorf – lese ich – erblickte hier 1851 das Licht der Welt, war in jungen Jahren bereits Kapitän auf großer Fahrt, hatte das Kommando über die vormals weltgrößte Fünfmastbark und umrundete das Kap Horn – man höre und staune – insgesamt 66- mal. Die Hauptattraktion von Stepnica aber ist – zumindest für unsere kalorische Bedürfnislage – die Tawerna Panorama. Wenige Meter vom Anleger, kredenzt die Küche solide polnische Hausmannskost. Wir ordern gebackenen Dorsch mit Bratkartoffeln und Spinat. Dazu gibt es lokales Craft-Bier und als Hommage auf den fantastischen Sonnenuntergang einen vierfach destillierten, herrlich weichen Vodka.

Mit dem ersten Morgenlicht kommt Leben ins Hafenbecken. Zwei Fischer hieven ihre Stellnetze ins Boot, packen das entsprechende Gestänge dazu, starten den Außenborder und tuckern Richtung Haff. Eine halbe Stunde später füllt sich der Salon unserer Legende mit dem Duft von frisch gebrühtem Kaffee, wir frühstücken und legen ab. Nach rund 40 Motorminuten rückt die Marina Trzebież ins Bild. Robert hatte uns beim Hafenmeister angekündigt. Filip – so der Name des Liegeplatzchefs – weist uns einen Stegplatz am Hauptgebäude zu.

„Trzebież“, deutet er auf gut zwei Dutzend 470er, „ist Polens größtes Segelschulzentrum.“ Während die sportlichen Jollen auf ihren nächsten Einsatz warten, restauriert Marcin Węgier in der nahen Werkhalle eine historische 8mR-Yacht. Wie lange denn so eine Restaurierung dauere, erkundige ich mich. „In einem Jahr,“ schätzt Marcin, „ist das Schmuckstück wieder auf dem Wasser.“ Meine Frage, was das Ganze koste, bleibt unbeantwortet ... über Preise spricht man (auch) in dieser Branche nicht.

13 Uhr: Die Mündung der Oder ins Haff verabschiedet sich im Heck, wir legen den Bug der Jeanneau auf Nord-Nordwest-Kurs, bleiben mit unseren knapp zwei Metern Tiefgang exakt im Fahrwasser und genießen bei eitel Sonnenschein den CO2-freien Vortrieb. Nach sechs Seemeilen kommt das Leuchtfeuer Brama Torowa 2 in Sicht; Robert lässt die 25 Meter hohe Stabwerkkonstruktion steuerbord querab, geht auf Kurs 260 Grad, passiert die Tonnen TW1 bis TW4 und nimmt dann Dolphin No 7 ins Visier. Der weiß lackierte Blitzer liegt direkt vor der Hafeneinfahrt des Dörfchens Altwarp und markiert die Grenze zwischen Polen und Deutschland. Wir lassen den „Schlagbaum“ steuerbord, bleiben also auf der polnischen Seite des Haffs und legen nach einer Viertelstunde in Nowe Warpno, dem polnischen Pendant von Altwarp an. Während sich Altwarp über die letzten Jahrzehnte zu einer charmanten Reiseempfehlung für Camper und Ferienhausfreunde entwickelt hat, scheint Nowe Warpno aus der Zeit gefallen. Bei unserem Spaziergang durch den hübsch renovierten Dorfkern treffen wir – nein, nein, nicht Theodor Fontane – sondern Stefan Behme. Der 53-jährige Berliner ist stolzer Besitzer eines rund 60 Jahre alten Mahagoni-Folkeboots. Dieser unpretiose, aber seetüchtige Langkieler – wenn man so will, der VW Käfer der nordischen Gewässer – ist sozusagen der Schlüssel seiner Work-Life-Balance. „Beruflich“, erklärt der promovierte Ingenieur, „bin ich in der Hightech-Kommunikation unterwegs. Bei mir an Bord dagegen gibt es nur Karte und Kursdreieck. Schließlich sind Heyerdahl und Columbus ja auch ohne Satellitennavigation zurecht gekommen.“

Während Stefan Behme zusammen mit Tochter Charlotte anderntags gegen 9 Uhr Richtung Greifswald ablegt, steuern wir die Insel Wollin (Wolin) an. Rund 20 Seemeilen ausgetonnte Strecke liegen zwischen dem bronzenen Fischerdenkmal am Anleger von Nowe Warpno und dem Yachthafen Wapnica im Nordwesten der größten Insel Polens. Eine Kaffeefahrt dachten wir, bei leichtem Wind und – flachwasserbedingt – konzentriertem Blick auf Seekarte und Echolot bis, ja bis der Himmel rabenschwarz wird. Jetzt heißt es reffen, Sprayhood in Arbeitsposition und rein in die Offshore-Klamotten. Kaum sind die Reißverschlüsse zu, öffnet Petrus die Schleusen. Von Wollins (Wolin) bezaubernder, bis zu 90 Meter hoher Steilküste ist so gut wie nichts zu sehen. Eine Dreiviertelstunde später ist der Spuk vorbei. Unsere Jeanneau liegt wohlvertäut in der Marina Wapnica und wir sind zu Fuß auf dem Weg zum Aussichtspunkt Grodzisko. Angekommen,

grüßt unter uns das Erbe der letzten Eiszeit. Riesige Gletscher und Endmoränen haben den Grundstein für ein Sammelsurium aus Haffabbrüchen, Hügeln, Steilklippen und 40 Liliputinselchen gelegt. Keine geringere als die UNESCO hat den Blick auf das Naturspektakel zu einer der schönsten Panavisionen Europas gekürt.

Der Legende nach existierte auf Wollin (Wolin) einst eine Stadt namens Vineta. Sie soll reich, dekadent und lasterhaft gewesen sein, war, wenn man so will, so etwas wie das Sodom und Gomorra der Ostsee. Ein böser Fluch spülte die Sünderin ins Meer. Ob Vineta, wie Überlieferungen Glauben machen, an der Stelle des kleinen Städtchens Wolin stand, ist reine Spekulation. Wie dem auch sei, wir erweisen der Namensgeberin der Insel am Ufer der Dziwna unsere Reverenz, lassen uns im Restaurant Ka La Fior die Spezialitäten der Region auftischen und steuern dann via Brama Torowa 2 den Kanał Piastowski Richtung Swinemünde (Świnoujście) an. Die zwölf Kilometer lange Wasserstraße hatte Wilhelm I. als Schnellverbindung vom Haff zur Ostsee bauen lassen. 1880 wird der navigable Highway unter dem Namen Kaiserfahrt eröffnet. Zu dieser Zeit schreibt Fontane bereits den vierten Band seiner

Informationen

Anreise

Mit dem PKW via Berlin nach Stettin (A11, ab Berlin circa 140 km). Alternativ mit der DB (Fahrzeit z. B. Frankfurt – Stettin ab 6,7 h) oder mit dem Flieger via Umstieg in Warschau ()

Charterfirma

Die von uns gefahrene Jeanneau Sun Legende 41 wurde bei Perfekt Czarter in Stettin gechartert. Die Yacht kostet in der NS umgerechnet circa 158 Euro/Tag, in der HS (11. Juni bis 10. September 2022) circa 242 Euro/Tag ()

Revier

Das Stettiner Haff (polnisch: Zalew Szczeciński) ist ein knapp 700 Quadratmeter großes inneres Küstengewässer mit einer mittleren Tiefe von 3,8 Metern. Der deutsche auch als Kleines Haff (Mały Zalewk) bezeichnete Teil umfasst 277 Quadratmeter, der polnische auch als Großes Haff (Wielki Zalew) bezeichnete Part 410 Quadratmeter. Das Haff selbst ist ein familienfreundliches Segelgebiet ohne große navigatorische Herausforderung, sofern man – bei entsprechendem Tiefgang – in den recht gut ausgetonnten Fahrwassern bleibt. Der Hauptzufluss des Haffs ist die Oder. Diese teilt sich bei Flusskilometer 704 in einen Ost- und einen Westarm. Der Westarm, oder korrekter gesagt: die Westoder (Odra Zachodnia), erreicht nach 35 Kilometern Stettin (Szczecin) und wird hier zur Seeschifffahrtsstraße. Die Ostoder (Odra Wschodnia) dagegen speist den Dammscher See (Jezioro Dąbie). Über den Kamelstrom (Kanał Iński Nurt) vereinen sich die beiden Arme im Norden der Stadt, der Fluss wird breiter und hinter der Insel Wielki Karw zum seeartigen, rund 30 Quadratmeter großen Papenwasser (Roztoka Odrzańska). Bei Flusskilomter 866 mündet die Oder ins Stettiner Haff. Dieses wird von den Inseln Usedom und Wollin (Wolin) begrenzt, die Entwässerung in die Ostsee erfolgt über den Peenestrom sowie die Flüsse Swine (Świna) und Dievenow (Dziwna). Da die Durchfahrtshöhe der Bogenbrücke (Most w Wolinie) über die Dievenow im Norden der Inselhauptstadt Wollin wasserstandsabhängig etwa zwölf Meter beträgt, verunmöglicht die eigene Masthöhe in der Regel die Fahrt über den Fluss via Kamién Pomorski beziehungsweise Dziwnów Richtung Ostsee. Unproblematisch ist der Zugang zur Ostsee über die Kaiserfahrt (Kanał Piastowski) und damit Swinemünde (Świnoujście)

Führerschein

Voraussetzung für die Anmietung und das Führen einer Yacht ist der amtliche Sportbootführerschein See.

Häfen/Marinas

Die nautische Infrastruktur in den größeren Städten ist gut; kleinere Orten wie Nowe Warpno oder Wolin verfügen im Zweifelsfall über solide Kaimauern. Informationen zu den Yachthäfen beziehungsweise Marinas bieten: (Übersetzungssoftware: www. deepl.com) bzw. www.skipper.adac.de

Seekarten & Reiseliteratur Seekarten DK-Sportbootkarten Satz 13: „Polen und Litauen“, 5 Übersegler, 16 Revier- und Detailkarten sowie 44seitiger Revierführer (inkl. 365-Tage-Lizenz für offline Smartphone/PC-Nutzung). Ausgabe 2022/23, 19,90 EUR. Anm. Deutscher Teil des Stettiner Haffs nicht inkludiert! Westpommersche Segelroute Unter den Suchbegriffen „Westpommersche Segelroute“ bzw. „Lotsenbuch der Westpommerschen Segelroute“ sind im Netz diverse Publikationen/Downloads zu finden. Reiseführer „Stettiner Haff“. Das Sehenswerteste inkl. Stettin auf 144 Seiten. Via Reise Verlag, 2. Auflage 2020, 14,95 EUR. Im gleichen Verlag ist „Stettin, Swinemünde, Insel Wollin“ erschienen. 4. Auflage 2020, 192 S. 14,95 EUR. Reiseführer „Polnische Ostseeküste“. Die Region aus kundiger Feder mit vielen Detailinformationen. Dumont Verlag, 1. Auflage 2020, 296 S. 18,95 EUR.

Reisezeit, Wind & Wetter Die Saison reicht von Anfang Mai bis Ende Oktober, Juni und Juli sind klimatologisch die besten Segelmonate, entspannter in Sachen Touristentrubel ist der Zeitraum zwischen Ende August und Anfang Oktober. Das Klima ist gemäßigt maritim. Statt klassischer Regenmonate ist mit acht bis zehn Tagen monatlichem Niederschlag zu rechnen, Stürme oder gar Orkane sind im Sommer selten, häufiger dagegen sind Starkwinde mit stürmischen Böen. Der Hauptwind kommt im Sommer aus Westen (3 bis 4 Beaufort), die durchschnittlichen Tagestemperaturen liegen knapp unter bzw. um 20° C, die Wassertemperatur um 17/18° C. Drücken Wind und Wetter Ostseewasser ins Haff, ist mit entsprechenden Pegeln zu rechnen.

Wetterbericht

Deutscher Seewetterdienst sowie. Bei den Hafenmeistern gibt es in der Regel eine Zwei-Tage-Wettervorhersage.

Navigation

Terrestrisch. Der Kartenplotter dient der Kontrolle.

Törn-Route

Start unseres rund 140 sm langen Sechs-Tage-Törns ist die NorthEast Marina in Stettin. Von dort geht es nach Stepnica (ca. 16 sm), dann nach Trzebież (ca. 5 sm) und weiter nach Nowe Warpno (ca. 16 sm). Von dort zur Marina Wapnica auf Wolin (ca. 23 sm), dann zur Inselhauptstadt Wollin (ca. 17 sm) und schließlich via Kaiserfahrt nach Swinemünde (ca. 21 sm). Von dort dann über die Ostsee nach Kolberg (ca. 50 sm).

Allgemeine Informationen Polen: Offizieller Internetauftritt des polnischen Fremdenverkehrsamts : Stettin: www.visitszczecin.eu/de

„Wanderungen“. 15 Jahre später, 1894, wird Swinemünde (Świnoujście) zum Schauplatz seines bedeutendsten Werks. Auf mehr als 350 Seiten hält der Romancier mit dem literarischen Doppelleben seiner „Effi Briest“ dem prüden Bürgertum den Spiegel vor die Nase. Nach eingehender Inaugenscheinnahme der Ostseestadt mit ihren Seehäfen, weitläufigen Hotelanlagen und feinsandigen Premiumstränden tauchen wir mit der Festung Gerhard in die dunkelste Geschichte Swinemündes ein. Ein Ausrufezeichen der ganz anderer Art setzt die wenige Meter von den Kasematten der Festung entfernte Latarnia Morska Świnoujście. Der Zungenbrecher wurde 1859 in Dienst gestellt, ist 64,8 Meter hoch und damit Polens höchster Leuchtturm. 307 Stufen führen hinauf. Der schweißtreibende Aufstieg wird mit einem traumhaft schönen Blick über die – wie sich die Stadt werbewirksam gerne nennt – „vierte“ der (nur wenige Kilometer entfernten) Usedomer Kaiserbäder Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin belohnt.

Nein, die Ostsee ist kein lammfrommes Sonntagsgewässer. Vor allem im Winter führen Sturmfluten immer wieder zu großen Verwüstungen. Die wohl katastrophalste spaltet Fontane‘s Lieblingsinsel Usedom im November 1872 in zwei Teile. An der gesamten Ostseeküsten sterben damals mehr als 270 Menschen. Welche Priorität der Küstenschutz heute hat, sehen wir bei der Ansteuerung von Kolberg (Kołobrzeg). Nach 50 gute Laune machenden Wind-querein-Seemeilen entlang endloser Sandstrände, umtriebiger Badeörtchen und dichter Kiefernwälder zieht Kolbergs (Kołobrzeg) Hafeneinfahrt alle Sicherheitsregister. So wurden die weit ins Meer ragenden, halbkreisförmigen Molen nicht nur durch massige Betonblöcke verstärkt, an den Innenseiten der Molen sind auch kräftige „Stoßdämpfer“ montiert. Sie sollen einlaufende Schiffe bei schwerem Wetter vor folgenschweren Kollisionen mit dem Mauerwerk bewahren. Hier und jetzt aber zeigt sich Neptun von seiner lammfromm(st) en Seite, die See ist glatt und die beiden Molen sind ein Hotspot für Möwen, Kormorane und schaulustige Touristen, die sogleich ihre Telefone zücken. Eine Viertelstunde später liegen wir im Yachthafen der Stadt. Die Formalitäten sind schnell erledigt, Józef, seines Zeichens Hafenmeister, drückt uns einen Stadtplan in die Hand, erzählt, was wir uns in dem größten Bade- und Kurort der polnischen Ostsee ansehen sollten und legt uns dann das Restaurant Domek Kata ans Herz. Kolberg (Kołobrzeg) selbst entpuppt sich als bunter Mix aus Nizza, Rimini und Rothenburg. Józefs Restaurantempfehlung war – sofern man der Überlieferung Glauben schenken mag, vormals ein Gerichtssaal mit einem Anbau (Domek), in dem der Henker (Kat) den Übeltäter nach der Verurteilung vom Diesseits ins Jenseits zu befördern pflegte. Ob die Geschichte wahr oder ein PR-Gag der Gastronomiebetreiber ist, steht dahin. Die Frage, was ich zu Essen bestelle, ist eine andere Sache. Zur Wahl stehen Wildschweinbraten in Waldpilzssoße mit Buchenweizengrütze und gebratener Zander mit Meeresfrüchten. Theodor Fontane wäre die Entscheidung leicht gefallen. Er war kein Kostverächter, aß und trank gerne und vor allem viel. Mit anderen Worten: Er hätte sich beides auftischen lassen. Bleibt nur die Frage in welcher Reihenfolge.