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Klare Worte – glückliche Kinder


Baby & Co. - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 05.06.2019

Halbherzige Botschaften überfordern Kinder. Ein eindeutiges Nein dagegen gibt ihnen Sicherheit, ein ebenso klares Ja stärkt ihr Selbstvertrauen


Dieses Wischiwaschi-Reden, ich erwische mich immer wieder dabei: Da frage ich meinen fünfjährigen Sohn beim Abschied im Kindergarten: „Na, soll Mama jetzt mal zur Arbeit gehen?“ Was für eine Frage. Natürlich nicht! Ich soll mit ihm in der Bauecke Klötzchen stapeln. Ein eindeutiges „Tschüss, ich gehe jetzt“ wäre einfacher und weniger konfliktreich gewesen. Denn kleine Menschen, die gerade erst lernen, wie die Welt, die Sprache und das Miteinander funktionieren, ...

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Bildquelle: Baby & Co., Ausgabe 2/2019

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... brauchen Klarheit und keine kommunikativen Verwirrspiele, sonst verstehen sie nämlich nur eines: Bahnhof.

Fühlt ein Kind sich geliebt, verkraftet es auch ein Nein


Kurz und klar, das bedeutet auch: Nein zu sagen, wenn man Nein meint. Und dabei zu bleiben. Das macht den Alltag leichter, für Eltern genauso wiefür Kinder. Denn mit ausweichenden Formulierungen oder halbherzigen Verboten kommen Kinder am Ende schlechter zurecht als mit einer eindeutigen Ansage. „Ein Nein bedeutet immer Frustration und Enttäuschung. Aber es ist etwas, das Kindern, wenn sie erwachsen geworden sind, täglich im Leben begegnen wird“, sagt der Wiesbadener Pädagoge Dr. Holger Schlageter. „Und wenn Erziehung einen Sinn hat, dann doch den, die Kleinen auf ihr Leben später möglichst optimal vorzubereiten.“

Ein Nein der Eltern bietet dem Kind die Möglichkeit, zwei Dinge zu lernen:

1. Nicht jedes meiner Bedürfnisse muss sofort erfüllt werden; ich kann warten oder auch mal ganz verzichten.

2. Ich bin in der Lage, Frustration und Enttäuschung auszuhalten.

Aber auch das Nein braucht seine Regeln, um eine positive Wirkung entfalten zu können. Es sollte wohldosiert und niemals aus einer bloßen Laune heraus eingesetzt werden – oder gar als Liebesentzug gemeint sein.

„Iss jetzt bitte!” Klare Ansagen sind wichtig


Die mächtige Wirkung des kleinen Wortes beeindruckt Kinder natürlich. Und es dauert nicht lange, da trompeten sie es uns selbst entgegen: „Nein, das will ich nicht!“ Mein Sohn hat zum Beispiel kürzlich beschlossen, dass er seinen Teller nach dem Essen nicht mehr in die Küche tragen will. Jeden Tag das gleiche Spiel. So etwas kann, je nach Stresslevel und Laune, ganz schön an den Nerven zerren. Die folgenden Strategien können Eltern helfen, in solchen Situationen gelassen zu bleiben. Reagieren Sie unaufgeregt und lassen Sie sich nicht provozieren. Diskussionen oder großer Ärger bewirken vor allem, dass das Kind abspeichert: „Wenn ich rebelliere, beschäftigen sich meine Eltern mit mir.“

Geben Sie möglichst nicht nach: Es ist verführerisch, das trotzige Nein des Kindes zu akzeptieren, damit Ruhe ist. Das Kind lernt so allerdings, dass Protestund Widerstand ein wirksames Mittel sind, um Wünsche durchzusetzen. Seien Sie selbstkritisch: Haben Sie Ihre Aufforderung vielleicht als Frage formuliert? Dann darf ein Kind auch Nein sagen. Wenn es aber keine Entscheidungsmöglichkeit gibt, sollten Sie das auch genau so ausdrücken. und Widerstand ein wirksames Mittel sind, um Wünsche durchzusetzen. Seien Sie selbstkritisch: Haben Sie Ihre Aufforderung vielleicht als Frage formuliert? Dann darf ein Kind auch Nein sagen. Wenn es aber keine Entscheidungsmöglichkeit gibt, sollten Sie das auch genau so ausdrücken.

Bedachtes Lob und herzliche Worte ermutigen Kinder und helfen ihnen, Grenzen und Frus trationen besser zu akzeptieren


Humor hilft: Kinder haben eine gehörige Lust am Provozieren – schon die ganz kleinen. Solchen Grenzüberschreitungen begegnet man oft am besten mit Humor – oder indem man sie locker und entspannt übersieht.

In den ersten beiden Lebensjahren können Kinder den Sinn eines Neins nicht verstehen, sondern nur reflexhaft darauf reagieren. Sie erkennen am Tonfall oder am harten Klang des Wortes, dass etwas nicht stimmt – und halten vielleicht inne. Doch bei nächster Gelegenheit werden sie wieder schauen wollen, was passiert, wenn man einen Wasserbecher umdreht. Die Überlegung, „Papa hat einmal Nein gesagt – also soll ich grundsätzlich kein Wasser ausschütten“, kann ein Kleinkind überhaupt noch nicht leisten. Wenn es seine „Missetaten“ wiederholt, dann nicht, weil es ungehorsam ist oder um die Eltern zu ärgern, sondern aus Neugier. Es erledigt schlicht seine Entwicklungsaufgabe. Die Überlegung, „Papa hat einmal Nein gesagt – also soll ich grundsätzlich kein Wasser ausschütten“, kann ein Kleinkind überhaupt noch nicht leisten. Wenn es seine „Missetaten“ wiederholt, dann nicht, weil es ungehorsam ist oder um die Eltern zu ärgern, sondern aus Neugier. Es erledigt schlicht seine Entwicklungsaufgabe.

BESTÄRKEN UND LOBEN

„Strafen sind in solchen Situationen ganz unangemessen. Statt zu einem Lernprozess führen sie nur zu Frustration und beschädigen die Beziehung zwischen Eltern und Kindern“, sagt die Rosenheimer Kinderpsychologin Dr. Christine Kaniak-Urban. Also einfach alles geschehen lassen? Natürlich nicht. Doch weil der Erkundungsdrang eines Babys grundsätzlich etwas sehr Positives ist, sollten Eltern so viel wie möglich mit Lob arbeiten und richtiges Verhalten positiv bestärken, so die Expertin. Und diese Empfehlung gilt über die ganze Kindheit hinweg. Denn ein herzliches, zugewandtes Ja zu all den wunderbaren Lebensäußerungen, den drolligen Ideen und großen und kleinen Heldentaten ist genauso bedeutsam für die Entwicklung eines Kindes wie die Konsequenz beim Nein. Positive Rückmeldungen bestärken und ermutigen Kinder. Das hilft ihnen dann auch, Grenzen leichter zu akzeptieren.

EIN NEIN – VIELE JA

Der amerikanische Beziehungsexperte John Gottman rät Paaren: „Wer einmal kritisiert, sollte seinen Partner danach fünfmal loben. Für Kinder gilt die 1:5-Regel genauso: Auf ein Nein sollten sie mindestens fünfmal hören, dass sie eine prima Idee hatten, etwas fein hinbekommen haben oder einfach, dass sie ein rundherum wunderbares Kind sind.“ Zum Glück geben sie uns jeden Tag ganz viele Anlässe, das festzustellen.

ZUGEWANDT UND SPIELERISCH

Die niederländische Kindertherapeutin Martine F. Delfos verrät einfache Regeln, die dabei helfen, mit kleinen Kindern ins Gespräch zu kommen

DAS KIND IMMER ANSCHAUEN, WÄHREND ES SPRICHT

Gerade bei kleinen Kindern ist die nonverbale Kommunikation wichtig, die Gesten, die Mimik, die ihre Worte begleiten. Daher sollte man sein Kind anschauen, wenn man verstehen möchte, was in ihm vorgeht.

ZEIGEN, DASS ES EINEN EFFEKT HAT, WAS DAS KIND SAGT

Es ist für Kinder ein schönes, motivierendes Gefühl zu erfahren, dass das, was sie uns sagen, auch eine Wirkung hat. Zum Beispiel: „Gut, dass ich nun weiß, wie gern du mit dem Puzzle spielst. Jetzt holen wir es häufi ger aus dem Regal.“

SPIELEN UND SPRECHEN KOMBINIEREN

Auf direkte Fragen wie „Wie war es im Kindergarten?“, reagieren Kinder meist einsilbig, da sie eine Antwort darauf nicht umgehend abrufen können. Beim Vorlesen oder Spielen jedoch bieten sich Gesprächsanlässe und dann sprudelt es nur so aus ihnen heraus.

FEST VERSPROCHEN!

Manchmal gar nicht so einfach: Die Diplom-Psychologin Dr. Angelika Faas erklärt, warum es so wichtig ist, dass Eltern ihr Wort halten

„Nach dem Einkaufen können wir noch ein Eis essen gehen.“ Unter Erwachsenen ist so ein Satz schnell dahingesagt. Für Kinder ist das Eis (oder das Vorlesen oder das gemeinsame Baden) eine ganz wichtige Sache. „Deshalb sollte man nur versprechen, was man sicher erfüllen kann. Nicht nur um Geschrei und Tränen zu vermeiden, sondern auch um das kindliche Vertrauen in die elterliche Verlässlichkeit nicht zu erschüttern“, sagt die baby&co-Expertin Dr. Angelika Faas. Das gilt auch für „negative Versprechen“ wie etwa „Wenn du mich weiter pikst, nehme ich dir den Stock weg“. Wenn ein Kind die Erfahrung macht, dass Mama und Papa in aller Regel tatsächlich tun, was sie zuvor angekündigt haben, reichen über die Zeit immer weniger Ermahnungen. Sind es nur leere Worte, lernt es: „Es passiert doch nichts. Ich kann ruhig weitermachen.“

BUCHTIPPS

Holger Schlageter: DAS GEHEIMNIS GELASSENER ERZIEHUNG.Fischer, 9,95 Euro


Ein warmherziges Buch darüber, wie Eltern das rechte Maß finden.

Trudi Kühn (Hrsg.): STEP – DAS ELTERNBUCH: DIE ERSTEN 6 JAHRE.Beltz, 16,95 Euro


Kleine Kinder in ihrer Entwicklung besser verstehen.

M. F. Delfos: „SAG MIR MAL …“ – GE SPRÄCHSFÜHRUNG MIT KINDERN.Beltz, 16,95 Euro


Was versteht ein Kind? Welche Antworten schenken Vertrauen?

INTERVIEW

Dr. Holger Schlageter ist Psychologe, Pädagoge und Fachautor


„NEIN GEHÖRT ZUM LEBEN DAZU“

BABY&CO:Warum fällt es Eltern schwer, Nein zu sagen?

HOLGER SCHLAGETER:Eltern, die schlecht Nein sagen können, haben vor allem Angst. Vor der Ablehnung ihrer Kinder, vor dem Wutanfall, der vielleicht ausbricht und sie blamieren könnte, oder davor, mit ihrem Nein die freie Entwicklung ihres Kindes zu stören. Manchmal wollen sie es sich auch nur ein bisschen einfacher machen. Ab und zu ist das auch völlig in Ordnung.

Und wenn es zu oft passiert? Dann sprechen wir von einem „überversorgten Kind“. Es lernt schlecht, mit Frustration umzugehen oder Aufgaben selbstständig zu bewältigen.

Manchmal wüten Kinder, wenn es gar nicht passt … Mal einem Konflikt aus dem Weg zu gehen ist völlig okay. Bedenklich ist es, wenn Eltern Angst haben, die Liebe ihres Kindes durch ein Nein zu verlieren. Das sind jene Eltern, die hoffen, durch die Liebe ihres Kindes die Liebeslücken der eigenen Kindheit füllen zu können. Aber es ist nicht die Aufgabe der Kinder, ihre Eltern zu lieben, sondern die der Eltern, ihre Kinder zu lieben.


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