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Klassenzimmer auf großer Fahrt


Sportschipper - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 29.05.2019
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Bildquelle: Sportschipper, Ausgabe 6/2019

Ein Schiff wird kommen: Nach sieben Monaten, zwei Atlantiküberquerungen und einem langen Karibikaufenthalt legt das segelnde Klassenzimmer, der Toppsegelschoner „Johann Smidt“, in Bremerhaven an – sehnsüchtig erwartet von Eltern und Angehörigen der Schüler.


Er hält es kaum aus. Der schmucke Toppsegelschoner „Johann Smidt“ ist noch ein gutes Stück entfernt von der Seebäderkaje in Bremerhaven, doch Thorsten Trappschuh kann vor Aufregung kaum noch stillstehen. Ehefrau Susanne geht es nicht anders. Sie fiebern dem Moment entgegen, an dem sie ihre Tochter nach langen sieben Monaten endlich wieder in die Arme ...

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... schließen können. Kaum hat das Schiff festgemacht und die Gangway ist gelegt, stürmt Josephine von Bord und fällt ihren Eltern um den Hals. Tränen der Freude fließen. „Auch wenn es viel zu tun gab: Ich habe so oft an meine Eltern gedacht“, schluchzt die 16-Jährige. Vater Trappschuh ist ebenfalls ergriffen. Gleichzeitig schwingt aber auch Stolz in seiner Stimme mit: „Wenn man 16 Jahre alt ist, ist das eine so schöne Chance, viel zu sehen. Das kann man später nicht mehr wiederholen.“


Projekt High Seas High School: Nach sieben Monaten und zwei Atlantiküberquerungen kehrt der Großsegler „Johann Smidt“ mit 30 Gymnasiasten und vier Lehrern an Bord aus der Karibik zurück nach Bremerhaven


Josephine kommt aus Köln und hat an der 26. Reise der High Seas High School teilgenommen – einem Projekt, bei dem jedes Jahr im Herbst bis zu 30 Schüler der Klassen 10 und 11 teilnehmen können. Mitfahren dürfen bis zu vier Schüler der Hermann Lietz-Schule Spiekeroog und weitere 26 Gymnasialschüler aus ganz Deutschland. Begleitet werden sie von vier Lehrern. Die Reise mit dem segelnden Klassenzimmer ist jedoch nicht gerade preiswert – pro Schüler kostet sie mehr als 20.000 Euro.

Doch trotz des stolzen Preises handelt es sich hierbei keineswegs um eine Luxuskreuzfahrt. Auf der faulen Haut liegen die jungen Mitreisenden eher selten. Neben den Aufgaben, die das Leben an Bord mit sich bringt, haben sie natürlich auch Unterricht. Spanisch, Mathematik, Meeresbiologie oder Physik, unter anderem erklärt anhand des Segelns. Und auch Erdkunde steht auf dem Stundenplan, aber eben nicht in der grauen Theorie, sondern praktisch vor Ort. Was aber vielleicht am wichtigsten ist: Die Jugendlichen übernehmen Verantwortung und verändern sich durch die Erfahrungen an Bord, erklärt Hartwig Henke, Gründer des Projektes High Seas High School. „Das Entscheidende ist das Gefühl, etwas zu machen, was für die ganze Gruppe von Bedeutung ist. Das Gefühl, sich bewährt zu haben. Das nehmen die Schüler mit.“

Am 13. Oktober 2018 nahm die Reise ihren Anfang. Am Sandtorhöft in Hamburg lief der Zweimaster aus. Schon zu dem Zeitpunkt ein emotionaler Moment, der nicht nur die Schüler, sondern auch die Eltern bewegt hat. Zum ersten Mal mussten sie ihre Kinder ziehen lassen und darauf vertrauen, dass auf der langen Reise über den Atlantik schon alles gut gehen würde.

Zunächst ging es von Hamburg in Richtung Kanarische Inseln. Auf Teneriffa legte die Gruppe einen mehrtägigen Stopp ein. Sie erkundete die Insel und bereitete sich auf die Atlantiküberquerung vor. Es folgten drei lange Wochen, in denen sie nichts anders umgab als die scheinbar unendliche Weite des Ozeans. Dann erreichte das Schiff die Karibikinsel Martinique. Nach drei Tagen Aufenthalt setzte die „Johann Smidt“ wieder Segel, weiter ging es nach Grenada, Panama und Costa Rica. Dort blieben die Schüler einen Monat. Sie lebten in Gastfamilien und lernten Spanisch. Mitte Februar folgte die Überfahrt nach Kuba – Zeit für einen weiteren zweiwöchigen Aufenthalt, um Land und Leute zu erkunden. Nach einem Zwischenstopp in St. George‘s auf den Bermudas stand schließlich der lange Törn über den Ozean zurück nach Europa an. Auf den Azoren mitten im Atlantik wurde Mitte April noch einmal Proviant gebunkert, bevor es auf die letzte Etappe ging.

In Bremerhaven geht für Josephine Trappschuh und ihre Mitseglerinnen und Mitsegler nun eine wichtige Etappe ihres Lebens zu Ende. Für ein Fazit der langen Reise sei es aber noch zu früh, meint die 16-Jährige. Die Eindrücke seien zu vielfältig und zu frisch, um alles bereits jetzt begreifen zu können. Und außerdem ist in diesem Moment ohnehin nur eines wichtig: Die Eltern fest in den Arm zu nehmen.

Endlich wieder zuhause: Susanne und Thorsten Trappschuh schließen ihre Tochter Josephine in die Arme. Für ein Fazit der Reise ist es noch zu früh – zu vielfältig und zu frisch sind die Eindrücke.


(Fotos: Maus)