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KLASSIK


Rondo - epaper ⋅ Ausgabe 4/2018 vom 07.09.2018

Johann Sebastian Bach

Bach
(Arien und Sinfonias)

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Bildquelle: Rondo, Ausgabe 4/2018

●●○○○

Benjamin Appl, Concerto Köln Sony (68 Min., 4/2018)

Gemeinsam mit Andrè Schuen, Samuel Hasselhorn und Martin Häßler bildet Benjamin Appl eine neue Generation sehr attraktiver junger Baritöne, die zu Recht für Aufsehen sorgt. Auch künstlerisch atmet man auf. Denn Appl hatte nach einer problematischen Brahms-CD (mit Graham Johnson), bei der Unbeteiligtheit, Vokalverfärbungen und ein Eindunkeln der Stimme störten, einiges gutzumachen.

Tatsächlich wird bei „Willkommen, werter Schatz“ aus BWV 36 kein A mehr zu O. Die Diktion bleibt klar, die Emphase ...

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... gezügelt. Schon im Rezitativ „Am Abend, da es kühle war“ aus der Matthäu-assion muss Appl indes bei tiefen Tönen arg drücken. Die Arie „Mache dich, mein Herze, rein“ singt er gewohnt hell timbriert, doch hängt manche Verzierung gefährlich in der Luft.

Dass Appl stilistisch an seinen Lehrer Dietrich Fischer-Dieskau erinnert, erschwert die Sache zusätzlich. Dies ist eine Art Fische-ieskau light – ohne Legatismus und Konsonantenwuchern, aber doch mit der Anmutung eines gestärkten Oberhemds. Was bei Fische-ieskau für Aplomb sorgte, bleibt bei Appl blass und temperamentsarm. Um keinen Zweifel aufkommen zu lassen: Dies ist ein guter Konzertsänger, der in Gesamtaufnahmen ohne weiteres passieren könnte. Auch wurde mit dem Concerto Köln, das fünf Sinfonias beisteuert, ein erstrangiges Ensemble verpflichtet. Sehr ordentlich: „Kron und Preis gekrönter Damen“ BWV 214. Katastrophal: „Siehe, ich will viel Fischer aussenden“ BWV 88, da Appl mit den endlosen Melismen nicht klar kommt. Mit der Arien-Sammlung, hauptsächlich aus neun Bac-antaten, mag Benjamin Appl seine bislang beste CD vorlegen. Reicht das? Robert Fraunholzer
• Abonnenten-CD: Track 2

Johann Sebastian Bach

Six Evolutions
(Sechs Suiten für Violoncello solo BWV 1007-12)

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Yo-Yo Ma Sony (133 Min., 2 CDs, 12/2017)

Eine sentimentale Reise rückwärts und ein Aufbruch nach vorn. Mag Yo-Yo Ma nicht nur der berühmteste Cellist der Welt sein, ein wohlmöglich noch bekannterer Musiker und ein grandioser Kommunikator wie Erfinder, auch für ihn gilt: Die sechs Solosonaten von Johann Sebastian Bach, entstanden zwischen 1717 und 23 in der kleinen mitteldeutschen Residenz Köthen, sie sind nicht nur eine Weltmusik-Inkunabel. Seit des vehementen Einsatzes von Pablo Casals sind sie auch wieder das A und O, das Yin und Yang, das Alte wie Neue Testament für jeden Meister dieses Instruments. Und so spielt Yo-Yo Ma sie natürlich nicht nur regelmäßig, öffentlich oder als Training und Meditation, er hat sie jetzt auch zum dritten Mal aufgenommen. Zuerst tat er das mit Ende Zwanzig, das zweite Mal mit Mitte Vierzig, begleitet von sechs Filmen, in denen sechs unterschiedliche Künstler vom Architekt über den Eisläufer, den Gärtner und den Choreografen ihren Bach-Beitrag leisteten. Jetzt ist Ma 63 Jahre alt und wollte es noch einmal wissen. „Sechs Evolutionen“ nennt er seinen Ansatz. Und der ist vor allem ein Resümee von fast sechs De-

Vielstimmig: Im Ensemble Dialoghi kommen ein paar genialische Querköpfe miteinander ins Gespräch


Klassik-CD des Monats

Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven

Quintette für Klavier und Bläser

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Ensemble Dialoghi harmonia mundi
(51 Min., 11/2015)

Fast schmerzhaft in seiner Intensität ist der erste Tutti-Akkord des Mozart-Quintetts: Die historischen Blasinstrumente (Oboe, Klarinette, Horn und Fagott) erzeugen gemeinsam mit dem Hammerklavier einen ungeheuer dichten, obertonreichen Klang, der ein sinnliches Faszinosum erster Güte ist. Augenblicklich erwacht die Freude auf die kommenden 50 Minuten, die man in dieser Klangwelt verbringen darf. Mozarts Quintett, von ihm selbst sehr hoch geschätzt, ist ein kammermusikalisches Kleinod par excellence. Die Begeisterung der Musiker ist in jedem Moment zu spüren: Cristina Esclapez lässt die Läufe des Klavierparts in brillanter Non-Legato-Manier förmlich explodieren, und ein jeder Bläser scheint das markante Timbre, das er beizutragen hat, in jeder Sekunde zu genießen.

Beethovens Quintett gilt als Jugendwerk, obwohl Beethoven bei der Komposition nur zwei Jahre älter (nämlich 28) war als Mozart, der sein Quintett 1784 als 26-Jähriger auf dem Zenit seines Könnens verfasst hat. Im Tonfall ist Beethovens Stück feinnerviger, aggressiver und affektiv wechselhafter als dasjenige von Mozart – es bringt für die Musiker andere dramaturgische Herausforderungen mit sich: weniger Klangschwelgerei, mehr kleingliedriges Artikulieren, hochaufmerksames Reagieren, nachdrückliches Insistieren … Wen wundert‘s? Auch diese Nummer gelingt perfekt. Eine fulminante Produktion!

• Abonnenten-CD: Track 8