Lesezeit ca. 5 Min.
arrow_back

KLASSISCHER DREIKAMPF


Logo von Auto Bild
Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 41/2022 vom 13.10.2022
Artikelbild für den Artikel "KLASSISCHER DREIKAMPF" aus der Ausgabe 41/2022 von Auto Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Auto Bild, Ausgabe 41/2022

Schöne Rücken, aber die Endrohre sind nur beim BMW beide echt. Beim Audi ist das rechte eine Attrappe, beim Mercedes sind beide Fakes

BMW 330d Touring

286 PS 6,9 l D/100 km* ab 59 200 Euro

Audi A4 Avant 50 TDI quattro

286 PS 8,0 l D/100 km* ab 55 900 Euro

*Testverbrauch

Mercedes C 300 d T-Modell

265 PS 6,1 l D/100 km* ab 56 317 Euro

SIE SIND GEBORENE RIVA-LEN wie Pepsi und Coca-Cola. Jeder der drei schnellen Diesel-Kombis will der optimale Kilometerfresser sein. Und sie sind sich in vieler Hinsicht ähnlich: alle mit Wandlerautomatik, alle per Startergenerator mild hybridisiert, alle mit Stahlfederung und verstellbaren Dämpfern, alle mit riesigen Reichweiten und Testwagenpreisen um 65 000 Euro – das ist nicht mehr gutbürgerlich, das ist schon Businessclass.

Einheitsbrei gibt’s dennoch nicht. Der Audi A4 50 TDI setzt als Einziger auf einen V6-Diesel mit Single-Turbo und Allrad (Serie). Der frisch geliftete BMW kommt mit dem markentypischen Reihensechszylinder. Der Mercedes holt seine 265 PS aus nur 2,0 Litern und vier Zylindern, kommt ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 2,49€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Auto Bild. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1050 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 41/2022 von GLOBALISIERUNG IST ALTERNATIVLOS. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
GLOBALISIERUNG IST ALTERNATIVLOS
Titelbild der Ausgabe 41/2022 von ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT
Titelbild der Ausgabe 41/2022 von DAS KLEINSTE M HAT GROSSES VOR. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
DAS KLEINSTE M HAT GROSSES VOR
Titelbild der Ausgabe 41/2022 von „LEUTE, DAS IST ERST DER ANFANG“, SAGT DE POLESTAR-CHEF. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
„LEUTE, DAS IST ERST DER ANFANG“, SAGT DE POLESTAR-CHEF
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
VERBRENNER ODER E-AUTO KAUFEN? EINE KLARE SACHE!
Vorheriger Artikel
VERBRENNER ODER E-AUTO KAUFEN? EINE KLARE SACHE!
Ist das wirklich ein elektrischer VW?
Nächster Artikel
Ist das wirklich ein elektrischer VW?
Mehr Lesetipps

... als Einziger mit Allradlenkung (1250 Euro Auf preis), die sich um 2,5 Grad einschlagen und den Wendekreis auf 10,7 Meter schrumpfen lässt; der A4 etwa braucht 12,1 Meter.

Zentrale Neuerung des BMW 3er ist das Cockpit mit Curved Display, eine Art Tablet im Breitformat, das die Bayern 2021 mit dem Elektro-SUV iX einführten – und das für Kontroversen sorgen wird. Denn a) hat BMW einige der ergonomisch wie ästhetisch besten Cockpits der Autogeschichte geschaffen, und b) bietet die schöne neue Autowelt nicht nur Vorteile. Dass etwa die Sitzheizung ins Zentralmenü wanderte, ist so ein Beispiel. Die sichelförmigen Skalen für Tacho und Drehzahl erinnern entfernt an das „Fieberthermometer“ im Heckflossen-Benz der 1960er und lassen in Sachen Ablesbarkeit Wünsche offen. Wäre da nicht die numerische Tempo- angabe, wüssten viele nicht, wie schnell sie fahren. Es gibt auch keinen Schnellzugriff mehr auf die Assistenzsysteme; der Fahrer muss ins Menü eintauchen. Angenehmerweise greift etwa der Spurhalteassistent derart dezent ein, dass ihn auch betont selbstbestimmte Fahrer ertragen. Auf der Habenseite steht die Spracherkennung modernster Sorte, die auf Befehl die Seitenfenster schließt – das kann nicht einmal der Daimler.

BMW 3er TOURING

1 Unser Exemplar hatte Serien-Sportsitze mit Seitenwangenverstellung, aber ohne Lendenwirbelstütze (150 Euro).

2 Im Fond sitzt man nicht zu tief und auf straffen Polstern.

3 Adaptive LED-Scheinwerfer (1000 Euro).

4 Relativ hoher Laderaum, Volumen etwa wie Mercedes.

5 BMW-typisches Detail seit 1991.

Der iDrive-Drehdrücksteller blieb erhalten, bravo! Leider bietet er keinen schnellen Pfad zum Temperaturregler. Denn die Klima-Knöpfe sind abgeschafft und wanderten ins Zentralmenü. Beim Mercedes wie beim BMW ist die Klimabedienung zumindest immer angezeigt.

Der 3er brilliert erwartungsgemäß auf kurviger Landstraße. Leise und vibrationsfrei dreht der 3,0-Liter-Reihensechser hoch, spurtet aus dem Stand in 5,4 Sekunden auf 100 km/h. Die Lenkung im Sportwagen-Stil erfordert festes Zupacken, was zum dicken M-Lenkrad passt. Kurze Anregungen wie Kopfsteinpflaster reitet der 3er akzeptabel ab, trotz 19-Zoll-Rädern und trotz der stark progressiven Federung mit kurzen Wegen. Auf langen Wellen wollten die Bayern Karosseriebewegungen offenbar auf keinen Fall zulassen, was mit einer gewissen Straffheit erkauft ist.

Gleich stark (286 PS), aber mit ganz anderem Fahreindruck: der Audi A4 50 TDI quattro. Die Bedienung muss seit 2019 ohne MMI-Drücksteller auskommen. Leider ist die Position des Monitors nicht die griffgünstigste, Eintippen erfordert einen ausgestreckten Arm – unbequem. Das Cockpit birgt noch viele physische Schalter und Drehregler, mit separater Klimaregelung. Der Spurhalteassistent lässt sich per Taste am Blinkerhebel ausschalten, die Sprachbedienung das Alter des A4 durchschimmern; sie kann weder Klima noch Sitzheizung, erst recht nicht auf Befehl das Fenster schließen.

AUDI A4 AVANT

1 Audi-Sportsitze mit viel Seitenhalt. Elektrische Verstellung (400 Euro) und Lordosenstütze (280 Euro) kosten extra.

2 Im Fond etwas enger als die Konkurrenten. Sitzposition nicht zu tief.

MERCEDES C 300 d T-MODELL

1 Vorne bietet der Mercedes das generöseste Platzangebot, aber die Mittelkonsole mauert ein.

2 Bequemster Fond; die Lehne ist am wenigsten steil.

Das Fahren im Audi hat etwas Locker-Leichtes wegen der leichtgängigen, stark entkoppelten Lenkung. Die Federung wirkt wie ein Kompromiss aus 3er und C-Klasse – durchaus gelungen, aber die Karosserie ist mehr in Bewegung als etwa die des BMW. In Tateinheit mit dem gefühlsecht vibrierenden, bärigen V6 entsteht echter Fahrspaß, solange kein Kopfsteinpflaster kommt. Dann arbeitet und klopft es von unten, die Lenksäule vibriert mehr als bei den Konkurrenten. Das Fahrwerk harmoniert nicht mit den 19-Zoll-Rädern; mehr Reifenflanke würde dieses leicht Lose, Trampelige mildern.

Der Allrad des Audi gleicht seine Frontlastigkeit aus. Er setzt die 620 Nm Drehmoment verlustfrei um und dämpft das Untersteuern. Der A4 quattro fährt einfach stur eine runde, saubere Linie, ohne dass Regeleingriffe der Elektronik nötig wären.

Der Mercedes bietet klar den höchsten Komfort. Im Comfort-Modus lässt er mehr Karosseriebewegung zu als die Konkurrenten. Ist das Adaptivfahrwerk mit zwei sportiveren Modi mitgeordert, lässt sich das Schaukeln via Sport-Modus einfach wegkonfigurieren. Der Komfort geht auch niemals auf Kosten der Sicherheit; die Räder verlieren nie den Bodenkontakt. Beim Ausweichtest erlaubt er sich einen kleinen Sidestep – harmlos.

Der Mercedes müsste wegen der zwei fehlenden Zylinder leichter sein als die Konkurrenten, ist er aber nicht. Sparsamer ist er schon: 6,1 Liter Testverbrauch. Mit dem 66-Liter-Tank sind mehr als 1000 Kilometer Reichweite zu schaffen. Brummiger ist er aber leider auch – ein Eindruck, der teils auf das Konto der extrem leisen Karosserie geht. Selbst bei 240 km/h, zu denen sich dieser Kombi mit größter Selbstverständlichkeit aufschwingt, sind kaum Windgeräusche zu vernehmen. Dafür dröhnt der Lüfter nach dem Abstellen. So ganz Mercedes-like klingt das nicht.

Festzuhalten ist: Alle drei sind gewissenhaft in die Welt ge- setzte Qualitätsautos. Bei wichtigen Testkriterien wie Karosseriesteifigkeit, Fahrstabilität und Bremsen gibt sich keiner der drei eine Blöße.

An witzigen Details mangelt es dem Trio auch nicht: Im Audi etwa verbirgt sich unter den Lichtschaltern links der Lenksäule ein Geheimfach von erstaunlicher Tiefe. Das Mercedes-Menü beantwortet mit allerlei Wellness- und Fitness-Programmen Fragen, die wohl nie jemand gestellt hat. Und der BMW hat noch immer die mit dem 1980er-Jahre-5er E34 eingeführte separat aufschwenkende Heckscheibe – unverändert praktisch.

Der geliftete 3er bietet nicht so viel Neues, dass er die Karten neu mischt, aber der Vorsprung des Mercedes von 2021 ist geschrumpft – de facto ist das Gleichstand.

Allerdings hat vor allem BMW kräftig an der Preisschraube gedreht. Der Grundpreis unseres 330d von 2021 lag fast 4000 Euro niedriger– trotz xDrive-Allrad!

PLATZIERUNG Punkte maximal 800

TESTSIEGER

1. Mercedes C 300 d T-Modell Komfort-König. Besonders sparsam, Top-Infotainment. Nicht mal der Teuerste. 576 Punkte

2. BMW 330d Touring Der Sportler in diesem Trio, straff abgestimmt, höchste Laufkultur. Teuerste Alternative. 574 Punkte

3. Audi A4 Avant 50 TDI quattro Starker V6-Diesel mit Charakter, hochwertiger Allrad. Hält gut mit trotz seines Alters. 553 Punkte

FAZIT

ROLF KLEIN, BEREND SANDERS

Die Punktedifferenzen vor allem zwischen Mercedes und BMW bewegen sich im Bereich der Nuancen und der Geschmacksache. Schön: Obwohl ungefähr gleich gut, sind diese drei Erzrivalen keineswegs gleich – jeder zeigt eigenen Charakter. Es ist nur zu befürchten, dass den Kunden die Preise allmählich davongaloppieren.