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KLEIN UND GEMEIN


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Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 14/2022 vom 07.04.2022

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Bildquelle: Auto Bild, Ausgabe 14/2022

FORD FIESTA ST 200 PS ab 28 900 Euro

HYUNDAI i20 N PERFORMANCE 204 PS ab 27 490 Euro

WER HAT NOCH NICHT, wer will noch mal?! Zur neuen Runde treten zwei absolute Spaßgaranten an. Der Hyundai i20 N, der sich in der Klasse der kleinen Krawallmacher schon öfter nach vorn gespielt hat, und der Ford Fiesta ST. Im letzten Vergleich noch unterlegen, verleihen dem Kölner ein grundlegendes Facelift und mehr Drehmoment jetzt ein breites Kreuz. Um den Duellanten ausreichend Leine lassen zu können, ziehen wir vom Rummelplatz direkt um aufs Contidrom, klären dort die Frage: Wer ist der schnellste Zwerg im ganzen Land?

Schon äußerlich machen beide klar, wohin die Reise geht. Ausladende Schürzen, Schweller und Spoiler mixen sich mit den bulligen 18-Zoll-Alus zu einem selbstbewussten Sportdress, der jede Verwechslung mit den Rutschen des örtlichen Pflegedienstes im Keim erstickt. Die wollen nur spielen. ...

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Die neuen Ford-Performance-Sitze begeistern auf Anhieb. Gegenüber den alten – keineswegs schlechten – Recaros sind sie ein Hammer. Gut zupackend, Halt in jeder Lage und dabei so komfortabel, dass man sie nicht nach den ersten 200 Kilometern verflucht. Deutlich unaufgeregter, wenn auch alles andere als schlecht, fällt das i30-Gestühl aus. Etwas schwächer in der Abstützung, etwas weniger konturiert – Leiden auf hohem Niveau. Zudem kommt der Fiesta jetzt mit dem neuen Sync-3-Bediensystem mit deutlich ver- besserter Sprachsteuerung und digitalen Instrumenten. Die Verarbeitung ist hier wie da ordentlich, die Platzverhältnisse für diese Vier-Meter-Klasse mehr als ausreichend.

Genug der Theorie. Chip, Pardon, Schlüssel rein und ab auf die Piste. Stimmgewaltig sind sie beide und stürmen heiser fauchend los. Der Dreizylinder im Fiesta kann mit dem Vierzylinder im i20 dank Drehmoment-Booster von 20 Nm erstaunlich gut mithalten. Wie Autoscooter sind sie eigentlich immer gleich schnell. Den etwas besseren Antritt des Hyundai kontert der Ford mit mehr Drehfreude oben raus, die ihn ab Tempo 160 langsam, aber bestimmt davonziehen lässt. Hier wirkt der N am Drehzahllimit etwas zugeschnürter. Bei der Spitze von 230 km/h herrscht wieder Einigkeit, der Ford wirkt insgesamt aber minimal munterer.

Ford Fiesta ST

Der Auftritt fällt beim ST deutlich zurückhaltender aus, auch wenn Doppelrohr, 18-Zoll-Räder und Schriftzüge den sportlichen Anspruch glaubhaft vermitteln. Überarbeitetes Cockpit mit weniger Schaltern, digitalen Instrumenten und neuem Bediensystem. In Reihe zwei wird es etwas enger als im Hyundai. Der 1,5-Liter kann trotz nur drei Zylindern problemlos mithalten

Hyundai i20 N

Die krawallige Optik wird von der auffälligen Farbe „Performance Blue“ unterstützt. Cockpit mit kurzem Schaltknauf, digitalen Instrumenten und blauen „N“-Knöpfen im Lenkrad. Auf der Rückbank herrschen angenehme Platzverhältnisse. Der 1,6-Liter-Turbo wirkt mit seinen 204 PS in jeder Lebenslage souverän und klingt gut. Unter Last wird er aber zum Säufer

Doch vor dem Sieg kommen die Kurven. Und die sind Hyundai-Revier. Trotz der aus der Mittellage etwas synthetisch ansprechenden Lenkung ist der i20 die Messlatte seiner Klasse. Er beißt sich in engen Kehren fest, um dann dank Differenzialsperre am Ausgang brutal Grip aufzubauen. In lang gezogenen Kurven bleibt er trotz abschaltbarem ESP immer gut beherrschbar und untersteuert im Grenzbereich nur leicht. Besser geht es kaum. Aber spaßiger. Der Ford ist ein Fall für geübte Fahrer. In Kurven knickt der Vorderwagen weit ein, und der ST hebt schon mal das Beinchen. Durch vorsichtige Gaswegnahme lässt sich mit dem Heck spielen, der ganze Wagen in eine völlig neue Spur stellen. Was für Profis der größte Spaß ist, endet für Anfänger schnell im Kiesbett. Fairerweise sei erwähnt, dass beide Kontrahenten mit eingeschaltetem ESP nichts anbrennen lassen. Mehr Hilfe würden wir uns von der Differenzialsperre wünschen. In engen Kehren scharrt der ST hilflos mit beiden Rädern Richtung Außenrand und verschenkt so wertvolle Zeit und Punkte. Am Ende liegt er 1,25 Sekunden hinter dem i20. Im Rennsport eine Ewigkeit.

Abseits der Piste zeigt der Ford die bessere Beinarbeit. Gerade auf welligen Oberflächen wirkt sein Fahrwerk mit klar definierten Zugund Druckstufen und feinfühliger Abstimmung dem trockenen i20 überlegen. Mit weniger Federweg auf groben Bodenwellen ist der Koreaner schneller am Ende und fährt sich deutlich weniger geschliffen.

Zu guter Letzt wird der ST dann aber doch wieder vom N ausgebremst. Und zwar im Wortsinn. Während der i20 mit fetten 320er- Bremsscheiben vorn und 262 mm hinten nach 32,9 Metern steht, segelt der Fiesta mit standardmäßigen 278/253-mm-Scheibchen glatte zwei Meter weiter, verunsichert mit matschigem Pedalgefühl.

Große Nähe demonstrieren die beiden wieder an der Kasse. Im Testtrimm werden für den i20 N 28 970 Euro fällig, beim Fiesta ST sind es glatte 30 000 Euro. Auch wenn eine Fahrt im Autoscooter sicherlich deutlich günstiger ist – beim Preis-Fahrspaß-Verhältnis liegen diese beiden ganz weit vorn.

PLATZIERUNG

Punkte maximal 800

280 Punkte

Hyundai i20 N Auf die Spitze getriebener Sportler mit viel Dampf und ohne echte Schwächen. Dazu passt der faire Preis.

275 Punkte

Ford Fiesta ST Leichtes Heck und tolles Einlenkverhalten machen Laune. Traktionsprobleme und schwache Bremsen weniger.

FAZIT

MALTE BÜTTNER, MIRKO MENKE

Der Hyundai leistet sich einfach keine Schwächen. Der i20 N ist auf dem Trockenhandlingkurs über eine Sekunde schneller und liegt am Ende verdient vorn. Am Fiesta ST lieben wir seine ungestüme Art, die uns mehr fordert. Wir fordern allerdings schnell eine besser zupackende Bremse.