Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 4 Min.

Kleine AFFEN in GEFAHR


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 22/2021 vom 28.05.2021
Artikelbild für den Artikel "Kleine AFFEN in GEFAHR" aus der Ausgabe 22/2021 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 22/2021

Für ein junges Affenbaby zahlen Käufer bis zu 250.000 U S-DOL L A R


IN DEN BLICKEN DER AFFEN SPIEGELT SICH DIE MENSCHHEIT. MAN ERKENNT SICH SELBST DARIN.«
Michel Abdollahi, Journalist


WEIT GEREIST Der Journalist Michel Abdollahi recherchierte in neun Ländern, um die Hintergründe des kriminellen Handels mit Primaten aufzudecken


EINGESPERRT Illegal verkaufte Affen enden oft in nicht artgerechter Haltung, die den Tieren nicht nur körperlich, sondern auch seelisch schwer schadet


Der kleine Bonobo ist etwa ein Jahr alt. Eigentlich sollte der Zwergschimpanse im zentralafrikanischen Regenwald mit seinen Artgenossen herumtollen und mit seiner Mutter kuscheln. Doch Wilderer haben ihn seiner Familie entrissen, um ihn auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen. Der Handel mit Menschenaffen ist weltweit verboten, aber überaus einträglich. Und weil viele daran mitverdienen wollen, sind die Verstrickungen ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 1,09€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von HÖRZU. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 22/2021 von Liebe Leserinnen und Leser,. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Liebe Leserinnen und Leser,
Titelbild der Ausgabe 22/2021 von Ennedi-Massiv im Tschad KUNSTWERK DES WINDES. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Ennedi-Massiv im Tschad KUNSTWERK DES WINDES
Titelbild der Ausgabe 22/2021 von Immer am BALL. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Immer am BALL
Titelbild der Ausgabe 22/2021 von Europas schönste Flusslandschaften. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Europas schönste Flusslandschaften
Titelbild der Ausgabe 22/2021 von Mieten-Wahnsinn in Deutschland. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Mieten-Wahnsinn in Deutschland
Titelbild der Ausgabe 22/2021 von Liebe nach Anleitung. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Liebe nach Anleitung
Vorheriger Artikel
Mieten-Wahnsinn in Deutschland
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Liebe nach Anleitung
aus dieser Ausgabe

... undurchsichtig. In dem bereits auf zwei US-Festivals ausgezeichneten Dokumentarfilm „Planet ohne Affen“ (siehe TV-Tipp Seite 18) deckt TV-Moderator und Journalist Michel Abdollahi die Hintergründe auf.

Verschleppt und eingesperrt

„Die Dreharbeiten waren emotional sehr aufwühlend“, sagt Abdollahi im Gespräch mit HÖRZU. „Insgesamt haben wir an dem Projekt vier Jahre gearbeitet. Dafür reisten wir in neun Länder.“ Neben mehreren Stationen in Europa filmte das Team in den USA, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Thailand und Kenia. Und in der Demokratischen Republik Kongo, denn nur dort kommen Bonobos in freier Wildbahn vor. Es gibt nach Schätzungen maximal noch 20.000 von ihnen. In Freiheit leben die Menschenaffen in Gruppen von bis zu 80 Mitgliedern und sind für ihr harmonisches und sehr soziales Miteinander bekannt. Ausgerechnet das wird ihnen zum Verhängnis, wenn Wilderer in den Urwald vordringen, um ein Jungtier zu kidnappen: „Für ein entführtes Affenbaby sterben laut Naturschützern bis zu zehn Familienmitglieder“, so Abdollahi. „Es ist wie bei uns Menschen. Wir würden unsere kleinen Verwandten auch bis in den Tod verteidigen.“

Haben die Kriminellen, was sie wollen, verschleppen sie den kleinen Bonobo und sperren ihn zunächst in einem Zwischenlager in einen Käfig. „Sie halten das Tier ruhig, indem sie ihm Futter und Spielzeug geben. So wie man auch ein Menschenbaby behandeln würde“, erklärt Abdollahi. Anschließend bieten Händler die „Ware“ über ihre Netzwerke zum Kauf an. Gibt es einen zahlungsfähigen Interessenten, schaffen sie das Tier außer Landes. „Schmuggel kennt keine Grenzen. Sie packen die Tiere einfach in Sporttaschen oder als Fracht in Flugzeuge und bestechen Grenzbeamte“, sagt Michel Abdollahi.

VORGEFÜHRT In einem thailändischen Tierpark kämpfen Orang- Utans vor Publikum. Die auf Sumatra und Borneo heimische Art gilt als vom Aussterben bedroht


ENGAGIERT Tierschützer Adams Cassinga und sein Team spüren in der Demokratischen Republik Kongo illegale Affenhändler auf


VERMARKTET Abdallah Baki (l.) betreibt einen privaten Zoo in der Nähe von Dubai. Der Unternehmer lockt Besucher auch mit einem Orang-Utan-Weibchen


DRESSIERT Der US-amerikanische Tiertrainer, der sich „Doc Antle“ (l.) nennt, brachte seinem Schimpansen das Schwimmen bei. Die Tierart gilt als Nichtschwimmer


GESPRÄCHIG Biologe Ian Redmond (l.) und Michel Abdollahi (M.) machen auf der Artenschutzkonferenz in Genf auf den Handel mit Menschenaffen aufmerksam


AFFEN GEHÖREN NICHT HINTER GITTER. SIE GEHÖREN IN DIE FREIHEIT.«
Michel Abdollahi, Journalist


Wie viele Bonobos, Schimpansen, Gorillas oder Orang-Utans jährlich Opfer von illegalem Handel werden, können Tierschützer nur schätzen. Zwischen 2005 und 2011 sollen es rund 22.000 gewesen sein. In dieser Zahl enthalten sind auch Primaten, die als „Bush Meat“ getötet wurden, also wegen ihres Fleisches. Deutlich lukrativer aber ist das Geschäft mit lebenden Affen: Die Wilderer erhalten etwa 300 US-Dollar für ein Junges. Dessen Wert steigt auf dem langen Weg zum Käufer immer weiter. Bis zu 250.000 US-Dollar zahlen Abnehmer in Europa, dem Mittleren Osten oder in China.

Wütend und ohnmächtig

Die verkauften Affen vegetieren in Tiershows, Zoos oder als Haustiere vor sich hin. Die Doku zeigt schockierende Beispiele: In Thailand müssen Orang-Utans vor Publikum Boxkämpfe aufführen. In den USA trifft Abdollahi auf einen dressierten Schimpansen, der schwimmen kann – ein Verhalten, das laut Primatologen in Freiheit lebende Affen niemals zeigen würden. Und in einem Privatzoo in den Vereinigten Arabischen Emiraten tritt ein einsames Orang-Utan-Weibchen in die Pedale eines Spielzeugautos.

„So etwas zu beobachten macht einen verrückt“, sagt Abdollahi. Besonders bewegt hat ihn ein Besuch in Bangkok: Mitten in der Millionenmetropole befindet sich auf dem Dach eines Einkaufszentrums der „Pata-Zoo“. Zwischen Beton und Stahl leben auch ein Gorilla und ein Bonobo. „Als ich in die Augen der Affen blickte, kamen mir die Tränen“, erzählt der 40-Jährige. „Diese Tiere zählen zu den wenigen Lebewesen auf diesem Planeten, die sich ihrer Existenz bewusst sind. Sie wissen ganz genau, dass sie seit 30 Jahren in Gefangenschaft leben. Ganz allein.“

VORBILDLICH Michel Abdollahi im Gespräch mit Jane Goodall. Die Britin hat eine globale Schutzorganisation gegründet, die sich für Menschenaffen einsetzt


Der Film zeigt nicht nur die Missstände, er sucht auch nach Lösungen. Abdollahi trifft Experten, etwa die berühmte Primatologin Jane Goodall. Er spricht mit Beamten, die eigentlich die Einhaltung des Washingtoner Artenschutzübereinkommens überwachen sollten. Die Konvention reguliert den internationalen Handel mit seltenen Tierarten zwischen 183 Staaten. Doch die Gespräche sind ernüchternd, denn die Behörden sind entweder nicht willens oder nicht berechtigt zu handeln: „Ich fühlte mich wütend und ohnmächtig. Ein offensichtliches Unrecht geschieht, aber niemand tut etwas dagegen.“ Michel Abdollahis Fazit: „Diese Tiere spiegeln die Vergangenheit der Menschheit. Was gibt uns das Recht, sie einzusperren? Sie gehören nicht hinter Gitter, sie gehören in die Freiheit.“

MO 7.6. TV-TIPP

20.15 DAS ERSTE

PLANET OHNE AFFEN DOKU Über den weltweiten illegalen Handel mit jungen Menschenaffen


FOTOS: S. 16-17: STONE/GETTY (GR.), MESCHEDE/NDR (2) ; S. 18: AZUBEL/PICTURE ALLIANCE, MESCHEDE/NDR (5)