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Kleine Bildträger


ColorFoto - epaper ⋅ Ausgabe 12/2018 vom 14.11.2018

Trotz Cloud und WLAN bleiben Speicherkarten unverzichtbar. Doch wenn es auf schnelle Serien ankommt, erweist sich die Karte gerne mal als Flaschenhals. Wir testen 34 aktuelle Modelle und prüfen, wann sich die Investition in teure Karten lohnt.


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Bildquelle: ColorFoto, Ausgabe 12/2018

Wer Serien im RAW-Format fotografiert, benötigt eine schnelle Karte. Doch noch immer beschreiben die Hersteller die Leistung von Speicherkarten mit mehreren, zum Teil veralteten und redundanten Geschwindigkeitsangaben. Das macht es nicht leicht, die richtige Karte zu wählen. Die Info-Kästen in diesem Artikel erklären die verschiedenen Geschwindigkeitssymbole ...

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Wer Serien im RAW-Format fotografiert, benötigt eine schnelle Karte. Doch noch immer beschreiben die Hersteller die Leistung von Speicherkarten mit mehreren, zum Teil veralteten und redundanten Geschwindigkeitsangaben. Das macht es nicht leicht, die richtige Karte zu wählen. Die Info-Kästen in diesem Artikel erklären die verschiedenen Geschwindigkeitssymbole genau.
Grundsätzlich sollte man bei der Wahl der Speicherkarte zuerst einen Blick auf die technischen Daten der Kamera werfen. Falls sie den schnelleren UHSII- Standard nicht unterstützen, kann man diese Speicherkarten außer Acht lassen. Man sollte auch über die eigenen Fotogewohnheiten nachdenken. Wer nur JPEG nutzt oder nur selten im Serienmodus aufnimmt, der braucht sich über das Speichertempo keine Gedanken zu machen. Dieses wird erst dann aktuell, wenn die Datenmengen groß sind – also beim Speichern von RAWs und langen Serien. Während für einen Architekturfotografen auch mittelschnelle Speichermedien völlig ausreichen, muss ein Sportfotograf, um den entscheidenden Moment nicht zu verpassen, immer das Maximum aus seinem System herausholen. Wir haben insgesamt 34 unterschiedlich schnelle Speicherkarten, davon 16 microSDHC- Modelle, an der Fujifilm X-H1 und an der Sony A7 III getestet.

Kartentypen

Aktuell sind SDHC-, SDXC-, SDUC-, SDund Express-Karten mit UHS-I-, UHS-IIoder UHS-III-Interface erhältlich. Bei diesem Buchstabensalat geht es um die Speicherkapazität und um die Datentransferraten. Die Abmessungen der SD-Karten haben sich seit ihrer Einführung im Jahr 2001 trotz der Kapazitätszunahmen und den höheren Geschwindigkeiten nicht verändert. Das ist wichtig, denn so sind auch die modernsten Karten abwärtskompatibel. Allerdings koexistieren im Moment unterschiedliche Kartentypen sowie mehrere Standards, was nicht gerade für Klarheit sorgt. Im Grunde geht es dabei immer um Kapazität und Geschwindigkeit.

Speicherplatz

Sofern es die Kapazität betrifft, spielen heute SDHC und SDXC die wichtigste Rolle im Markt. Die SDHC-Karten erreichen maximal 32 GB und nutzen das FAT32-Dateisystem. Für reine Fotoanwendungen mag das noch reichen, für Video nicht. Um mehr Speicherplatz verwalten zu können, setzen neuere SDXC-Karten daher auf das exFat-Dateisystem und erreichen so theoretisch Speicherkapazitäten von maximal 2 TB. In der Praxis ist momentan bei 512 GB Schluss, auch wenn SanDisk bereits vor Jahren eine 1-TB-Version vorgestellt hat, die aber nicht wirklich am Markt verfügbar ist.
Noch mehr Speicherplatz sollen SDUC-Karten (exFat) erreichen – nämlich bis zu 128 Terabyte. Allerdings ist dieser Kartentyp noch sehr neu und momentan lediglich als Spezifikation vorhanden.

Geschwindigkeit

Bei der Geschwindigkeit spielt technisch gesehen das verwendete BUS-Interface die entscheidende Rolle. Dies beschreibt die UHS-Angabe.
Die Speicherkarten ohne UHS-Zeichen sowie solche mit UHS I haben 9 Kontaktpins auf der Rückseite und erreichen theoretisch 25 bzw. 104 MB/s. Bei Speicherkarten nach dem neueren UHS-II-Standard findet man unterhalb der üblichen 9 Pins eine zweite Reihe mit weiteren 8 Kontakten. UHS-II-Karten erreichen theoretisch eine Datendurchsatzrate von bis zu 312 MB/s. Praktischen Nutzen hat man davon allerdings nur, wenn auch die Kamera diesen Standard unterstützt, was aber mittlerweile immer öfter der Fall ist.
Anfang 2017 veröffentlichte die SD-Organisation den UHS-III-Standard, der eine theoretische, maximale Geschwindigkeit bis 624 MB/s erlaubt. Noch sind keine Geräte auf dem Markt, weder Speicherkarten noch Kameras, die diesen modernen Standard unterstützen. Ganz frisch, vorgestellt im Juni 2018, ist der SD-Express-Standard nach der SD-Spezifikation 7.0. Diese Speicherkarten sollen Datentransferraten bis zu 985 MB/s erreichen. Neu ist hier die Verwendung von PCIe- und NVMe-Protokollen: Die Anzahl der Pins auf der Rückseite bleibt die gleiche wie bei den UHS-II-Karten, doch dank der entsprechenden Software, kann die Karte eine höhere Transferrate erreichen. Die neuen Protokolle erweitern auch die Verwendungsmöglichkeiten Richtung mobiler Festplatten. Ob die neuen SD-Express-Karten bereits im kommenden Jahr verfügbar sein werden, ist fraglich. Für Fotografen ist ihre Leistung derzeit um ein Vielfaches höher als nötig.

Geschwindigkeitsstandards

Neben den UHS-Klassen verwenden die Hersteller noch weitere unterschiedliche Standards, um die tatsächliche Geschwindigkeit der Karte anzugeben. Grundsätzlich ist die Unterscheidung zwischen maximaler Schreib- und Lesegeschwindigkeit sowie konstanter Mindestschreibgeschwindigkeit wichtig: Erstere ist vor allem für Fotografen, letztere eher für die Filmer interessant.

Maximalgeschwindigkeit (Foto)

Die maximale Geschwindigkeit wird in der Regel etwa mit „40 MB/s“ oder „1000x“ angegeben. Grundsätzlich gilt: je höher, desto besser. Man sollte jedoch genau hinsehen, denn meist handelt es sich um die höhere Lesegeschwindigkeit. Die für Fotografen entscheidende Schreibgeschwindigkeit liegt aber teilweise deutlich darunter, bei günstigeren Karten wird sie mitunter gar nicht genannt. Es kommt zudem vor, dass SDH-Cund SDXC-Modelle derselben Linie bei gleicher Lesegeschwindigkeit unterschiedliche Schreibgeschwindigkeiten haben.

Mindestgeschwindigkeit (Video)

Die Mindestgeschwindigkeit wird momentan mithilfe drei verschiedener Klassifizierungen beschrieben. Am ältesten sind die Klassenangaben, die Sie auf der Karte in einem kleinen grafischen Kreis finden. Es gibt unter anderem Klasse 4, Klasse 6 und Klasse 10, wobei die angegebene Zahl jeweils für MB/s steht.
Neuer sind die U3- und die U1-Klassen (UHS Speed Class), die nur für UHS-I- und UHS-II-Speicherkarten gelten. Die 1 steht für 10 und die 3 für 30 MB/s. Die U-Klassen sind nicht mehr im älteren Kreissymbol zu finden, sondern innerhalb eines „U“. Mit Blick auf die weiter wachsenden Anforderungen bei Videoaufnahmen wurden zudem neue Klassen definiert, die mit einem „V“ gekennzeichnet sind: V6, V10, V30, V60 und V90 für die Mindestschreibgeschwindigkeiten von 10 bis 90 MB/s. Diese neue V-Klassifizierung ist momentan die klarste, sie ist aber noch wenig verbreitet und hat es bisher nicht geschafft die älteren zu verdrängen.

A(App) Klasse

Diese Zertifizierung ist neu. Sie definiert die minimale Anzahl der Schreib- und Lesezugriffe. Für A1 sind es respektive 1500 bzw. 500 IOPS (inputs/outputs per second), für die Klasse A2 4000 bzw. 2000 IOPS. Diese Klassifizierung ist für die Smartphone-Anwender gedacht, die microSD-Karten in ihren Geräten verwenden. Für Fotografen sind A-Klassen nicht hilfreich.

Fujifilm X-H1

Schaffen es die UHS-I-Speicherkarten an der Fujifilm 21-22 JPEG+RAW Paare in Folge aufzunehmen, so sind mit UHS-II-Karten bis zu 29 Auslösungen möglich. Allerding erreichen nur die Topmodelle mit Schreibraten von 250 bis 299 MB/s dieses Maximum.
Die Zeitmessungen ermittelten für die schnellsten Karten ca. 8 Sekunden für 40 Bilder (20 JPEG + 20 RAW), während die langsamste für dieselbe Datenmenge länger als eine Minute brauchte. In der Regel reicht eine Schreibgeschwindigkeit von 80-90 MB/s, um Zeiten von weniger als 20 Sekunden zu erreichen – ein für die Praxis akzeptabler Wert. An der Fujifilm haben diese Aufgabe die Sony G und die Toshiba Exceria Pro N502 am schnellsten bewältigt, dicht gefolgt von Panasonic UHS II, SanDisk Extreme Pro UHS II, Lexar Prof. 2000x und Transcend 700S.

MicroSDHC/SDXC-Karten

Positiv fielen auch einige microSDs auf: Toshiba M501, Lexar Prof. 1800x und SanDisk Exreme Pro. Speziell an der Fujifilm sind auch Sony M, Kingston Canvas Go! und SanDisk Extrem Pro UHS I sowie microSD Toshiba Exceria Pro M401, Kingston Canvas Go! und SanDisk Extreme Plus mit guten Zeiten bis 16 Sekunden empfehlenswert.
Etwas überrascht hat uns die Kingston Canvas-React-Serie: Die zwei Karten schnitten im Test an beiden Kameras schlechter ab als die eigentlich langsameren Canvas Go!-Modelle.

Sony A7 III

Die Zeitdiskrepanz von Karte zu Karte fiel an der Sony nicht so deutlich aus wie an der Fujifilm: 8,5 bis ca. 41 Sekunden. Die Führungsgruppe reduzierte sich auf drei Karten: Sony G, Toshiba Exceria Pro N502 und SanDisk Extreme Pro UHS II. Panasonic UHS II und Lexar Prof. 2000x blieben zusammen mit Transcend 700S ca. 2 Sekunden zurück. Bei den microSDs lagen erneut Toshiba M501 und Lexar Prof. 1800x vorn. Leider gab es auch einen Problemfall: SanDisk Extreme Pro UHS II hatte mit der Kamera Schwierigkeiten und brauchte zum Speichern 24 Sekunden. Damit landete sie im hinteren Feld. Auch in der zweiten Hauptgruppe mit Zeiten bis 15-16 Sekunden finden sich die gleichen Kartenmodelle. Neu dazu sind an der Sony noch die SD-Modelle Kingston React, Lexar 1000x, Panasonic UHS I, Sony UHS-I sowie microSDs Kingston React, Sony und Transcend 500S.
Bei den Serien betrug der Unterschied maximal 11 Paare. Während die meisten UHS-II-Speicherkarten 37-39 Bilder in Folge schafften, nahmen San-Disk Exreme Pro UHS II, Sony G und Toshiba M501 bis zu 42-43 Bilder auf.

Fazit

Wer wirklich hohe Geschwindigkeit braucht, kommt an den Topmodellen aus der UHS-II-Liga nicht vorbei. Drei Karten erwiesen sich in unserem Vergleich als die schnellsten und zeigten ihre Performance zudem an beiden Kameras: SanDisk Extreme Pro UHS-II, Sony G und Toshiba N502 – Testsieger. Bei den microSDs bekommen Toshiba M501 und Lexar 1800x die gleiche Auszeichnung. Der Kauftipp Preis/Leistung geht an die Transcend 700S, die beinahe dieselbe Topleistung zum halben Preis liefert, und an die ebenfalls günstige Canvas Go! von Kingston. Bei den microSDXCs bieten Toshiba M401 und erneut Canvas Go! viel Leistung furs Geld.

XQD – wenn es schnell sein muss

XQD-Karten sind noch kein Massenphänomen – sie sind teuer und werden erst von wenigen Kameras unterstützt: von Nikon D5 und D500 und seit der photokina auch von Nikon Z6, Z7 und Panasonic S1R. Aber bei Fotografen mit Neigung zu schnellen Motiven oder zum Bleifinger sind sie wegen ihrer Geschwindigkeit beliebt. Wir haben 2017 einen kurzen Test mit der Nikon D500 und der älteren Sony XQD S Series gemacht. Die Schreibgeschwindigkeit war mit 168 MB/s angegeben – das ist weniger als bei den schnellsten SD-Modellen nach UHS-IIStandard. Dennoch brauchte die XQD mit 4 Sekunden etwa eine halbe Sekunde weniger als die schnellsten SD-Karten im Test. Aktuell sind XQD-Karten mit bis zu 440 MB/s Schreibgeschwindigkeit erhältlich. Für das Frühjahr 2019 planen wir deswegen einen XQD-Test.


Fotos: Hersteller, SD Association