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Kleiner König


ColorFoto - epaper ⋅ Ausgabe 5/2018 vom 11.04.2018

Panasonic beschreitet den Königsweg der Qualität ganz konsequent: Die neue Lumix DC-GX9 bietet in ihrem schnuckelig kleinen Body jede Menge Spitzentechnik – und das zu einem Gehäusepreis von rund 800 Euro.


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Bildquelle: ColorFoto, Ausgabe 5/2018

Blitzschnell
Der Ausklappblitz ist im Gehäuse versenkt und springt auf Tastendruck heraus. Die Rändelräder lassen sich schnell und bequem mit dem Daumen bedienen.


Aufgeräumt
Das Gehäuse ist klar und zurückhaltend gestaltet, der Griff dürfte etwas ausgeprägter sein. Insgesamt ist die GX9 aber schön griffig.


Mit der G9 hat Panasonic im letzten Jahr neue Maßstäbe bei Micro-Four-Thirds (MFT) gesetzt und ...

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... eine gelungene Kombination aus Bildqualität und Handlichkeit präsentiert. Einziger Wermutstropfen: der Gehäusepreis von rund 1700 Euro. Mit der GX9 erhält man viel Technik der G9 zum halben Preis. Auch hier kommt der 20,2 Megapixel auflösende CMOS-Sensor ohne Tiefpassfilter zum Einsatz. Er ist beweglich gelagert, sodass die GX9 die Dual-IS-Stabilisierung mit Ausgleich in fünf Bewegungsrichtungen unterstützt.

Gehäuse und Ausstattung

Das Gehäuse ist 124 x 73 x 45 mm groß und wiegt 450 Gramm. Zusammen mit dem Lumix G Vario f3,5-5,6 / 12-60 mm wiegt die Ausrüstung tragefreundliche 660 Gramm. An der Gehäuserückseite bietet eine deutliche „Nase“ die Möglichkeit, mit dem Daumen Gegendruck beim Halten der Kamera auszuüben. Zur Verwendung von längeren und schwereren Brennweiten würden wir uns wünschen, dass der angedeutete Griff an der rechten Kameraseite etwas ausgeprägter wäre.
Aber das ist Jammern auf hohem Niveau: Abseits der Telebrennweiten ergeben Größe, Form und Gewicht eine kompakte Einheit, die gut in der Hand liegt, zumal die Kameraoberfläche im Griffbereich mit Strukturmaterial überzogen ist.
Auf den Spritzwasserschutz muss man verzichten, was angesichts des Preises verständlich ist. Weniger verständlich finden wir, dass die USB-Schnittstelle nur den 2.0-Standard unterstützt, auch wenn sie in erster Linie zum Aufladen dient. Dank WLAN und Bluetooth 4.2 LE (Low Energy) ist die GX9 mit Werkzeugen für eine drahtlose Konnektivität ausgestattet, kann Bilder an externe Geräte weitergeben und lässt sich mit Tablet und Smartphone steuern.
Auf Tastendruck schnellt der integrierte kleine TTL-Blitz aus dem Gehäuse. Reicht dessen Blitzleistung nicht aus, kann am Blitzschuh ein Aufsteckblitz angebracht werden. Eine Besonderheit sei nicht unerwähnt: Statt der üblichen Gummilappen, die nach einem halben Jahr das Zeitliche segnen, spendiert Panasonic der GX9 einen Schnappmechanismus, der den Schacht mit einer kleinen Klappe verschließt – wie mit einer hochwertigen Schiebetür.

Bedienung

Die Anordnung der Bedienelemente beschränkt sich auf die rechte Oberund Rückseite der Kamera, so lässt sie sich mit Daumen und Zeigefinger bestens bedienen. Platzsparend sind das Moduswahlrad und das Rad für die Belichtungskorrektur übereinander angeordnet. Beide Rändelräder rasten satt und kräftig. Daneben befinden sich die beiden Auslöser für Foto und Video. Während der Fotoauslöser ein wenig aus der Umrandung herausragt, ist der Videoauslöser zum Schutz vor unbeabsichtigtem Auslösen in der Umrandung versenkt. So ist eine Verwechslung nahezu ausgeschlossen, auch wenn man nicht hinsieht. Der Rändelring um den Fotoauslöser herum rastet ebenfalls. Damit werden angewählte Menüpositionen eingestellt oder verstellt.
An der Kamerarückseite befindet sich als weiteres mechanisches Bauteil: eine kleine Schwinge mit drei Positionen zur Auswahl der Fokusmethode. Die übrigen Bedienelemente sind Tasten mit ausreichendem Kontakthub und ein – nicht drehbarer – Taster mit vier im Kreis angeordneten Tasten sowie einer Taste in der Mitte. Verarbeitung und Präzision aller Bedienelemente sind gut, die Kennzeichnung spartanisch und sehr filigran.
Das Moduswahlrad bietet die Einstellvarianten intelligente Automatik, P, A, S, M, Creativ Video Mode, Customer, Panorama, Scene Mode und Creativ Mode. Das Hauptmenü mit sechs Untermenüs erlaubt sehr viele Einstelloptionen, für eine schnelle Veränderung einzelner Werte helfen Quick-Menüs, die Zugriff auf relevante Einstellungen gewähren. Zudem können acht Fn-Tasten nach eigenem Bedarf konfiguriert werden. An einem Piktogramm werden entsprechende Zuordnungen auf einfache Weise festgelegt.

Gute Feinzeichnung
Bei niedrigen Empfindlichkeiten – bei der abgedruckten Aufnahme war ISO 200 eingestellt – zeigen auch die JPEGs eine überzeugende Feinzeichnung. Dass die leicht gelblichen Federn am Hals des Schwans detailreich im Bild erscheinen, darf man erwarten. Aber auch in den schneeweißen, sehr hellen Strukturen im Flügel ist die Zeichnung gut sichtbar.


Sucher und Display

Auf den Riesen-Sucher der G9 (Vergrößerung 0,83x) hat Panasonic bei der GX9 verzichtet. Der 0,7fach vergrößernde elektronische Sucher lässt sich nach oben schwenken, bis 90 ° ist jede Position möglich. Da muss auch nichts einrasten oder geschoben werden. Sogar während einer Bewegung des Suchers wird das Motiv ununterbrochen angezeigt. Die Auflösung von 920 000 RGBBildpunkten liefert ein ordentliches Bild. Farbe und Helligkeit sind stufenlos einstellbar. Das Einstellrad für den Dioptrienausgleich ist an der rechten Sucherseite positioniert und erlaubt eine Korrektur von -4 bis +3 Dioptrien. Das 3 Zoll große Touch-Display hat eine Auflösung von 413 334 RGB-Bildpunkten und ist klappbar, nach oben ca. 80 °, nach unten ca. 45 °. Selbst bei extremen Betrachtungswinkeln zeigen sich keine Veränderungen, Helligkeit und Farbe sind stufenlos verstellbar. Auch wenn die Symbole und Texte am Display klein sind, die Touch-Funktion ist sensibel und zuverlässig. Sie erlaubt es dem Benutzer, die Kamera weitgehend nach eigenen Bedürfnissen zu konfigurieren, da viele Bedienschritte per Touch und per Taste möglich sind.

Belichtung und Autofokus

Beim Verschluss setzt Panasonic auf den elektromagnetischen der GX80. Mit 1/4000 s ist die kürzeste Verschlusszeit auf dem Papier nicht berauschend, in der Praxis hat das aber immer gereicht. Dafür arbeitet der Verschluss sehr leise und erzeugt kaum Vibrationen. Wer kürzere Belichtungszeiten benötigt, kann sich für den elektronischen Verschluss (bis zu 1/16 000 s) entscheiden. Bildserien kann die GX9 mit mehr als 9 B/s sowohl im JPEG- als auch im RAW-Format speichern, bis die Karte voll ist. Mit kontinuierlichem AF sind es 6 B/s – vorbildlich.

Variantenreich
Auch die Bedienelemente auf der Rückseite sind übersichtlich und funktional angeordnet. Mit der TouchFunktion kann der Fotograf viele Einstellungen auch am Display vornehmen.


Lichtschacht de luxe
Der 0,7fach vergrößernde elektronische Sucher lässt sich nach oben schwenken, bis 90 ° ist jede Position möglich. Da muss auch nichts einrasten oder geschoben werden. Es genügt, den Sucher einfach in die gewünschte Position zu schwenken, und das Motiv wird sogar während einer Bewegung des Suchers ununterbrochen angezeigt.


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Das Scharfstellen funktioniert per Kontrastautofokus mit DFD-Unterstützung. Letztere kann aus zwei unscharfen Fotos die Richtung und den Verstellweg errechnen und somit die AF-Zeit verkürzen. Das Motiv springt dabei förmlich in die Schärfe, die AFZeiten von 0,14/0,18 s (300/30 Lux) sind Spitze. Die Fokussierung erfolgt mit bis zu 49 Messfeldern, die sich auch frei kombinieren lassen. Im Praxistest hatte die Kamera bei schneller (fahrende Autos) und bei unregelmäßiger Bewegung (rennende Kinder) kein Problem, den AF-Punkt zu finden. Tracking, Gesichts- und Augenerkennung sowie ein Touch-AF sind ebenfalls an Bord.
Filmen kann die GX9 mit 4K-Auflösung (3840 x 2160 Pixel) mit 30 Voll bildern/s. Interessant sind 4K-Fotofunktionen wie Standbildexport, Post Focus, Focus Stacking und – das ist neu – Auto-Markierung sowie Sequenz- und Lichtkomposi tion. Die Auto-Markierung erleichtert die Auswahl von Standbildern: Man kann damit zum nächsten Bild mit größeren Veränderungen springen.

Bildqualität

Die GX9 setzt beim Sensor und der Bildverarbeitungs-Engine auf die Technik der großen Schwestermodelle G9 und GH5. Wir waren also nicht erstaunt, hier ähnliche Bildqualität vorzufinden. Die Auflösung bei ISO 100 beträgt für MFT sehr gute 1894 LP/BH, die Werte bleiben bis ISO 1600 über 1800 LP/BH und bis ISO 6400 über der 1700er-Marke. Die Dead-Leaves-Kurven steigen bei ISO 100 und 400 über 1, auch die GX9 hebt also den Kontrast in der JPEG-Bildverarbeitung deutlich an.
Die VN-Messung liegt bei ISO 100 mit 1,1 etwas höher als bei der G9 und steigt bis ISO 1600 auf 1,8 an. Allerdings sind die Detailverluste ab ISO 800 deutlicher sichtbar, sodass wir JPEGs dann nur noch eingeschränkt empfehlen können. Wer höhere Empfindlichkeiten braucht, ist mit RAW besser bedient, bei ISO 100 und 400 können auch die JPEGs durchaus überzeugen.

Fazit

Panasonic hat bei der GX9 fast alles richtig gemacht: Mit ihrem aktuellen 20-Megapixel-Sensor bietet die GX9 4 Megapixel mehr als die GX80, das doppelstöckige Belichtungsrad macht die Bedienung zuverlässiger, und der Autofokus kann rundum überzeugen. Zwar muss man auf ein paar Features der großen Schwester G9 verzichten, das macht sich bei der Bildqualität und in der Alltagspraxis aber kaum bemerkbar. Dafür kostet die GX9 nur die Hälfte – mehr Kamera fürs Geld werden Sie aktuell kaum finden. Kauftipp Preis/ Leistung.

Bildqualität

JPEG ISO 200


JPEG ISO 400


JPEG ISO 800


JPEG ISO 1600


Mit dem Sensor und der Engine ihrer großen Schwestermodelle G9 und GH5 kann die GX9 bei der Bildqualität punkten. Bei den Empfindlichkeiten ISO 100 und 400 sind schon die JPEGs vorbildlich: Steine und Grashalme sind akzentuiert, ohne dass größere Artefakte sichtbar werden. Auch ihr Rauschverhalten ist gut. Ab ISO 800 und verstärkt ab ISO 1600 werden die Detailverluste deutlicher, sodass wir JPEGs dann nur noch eingeschränkt empfehlen. Wer mit höheren Empfindlichkeiten arbeiten will, ist mit RAW besser bedient.


Fotos: Hersteller, Image Engineering, Erich Baier, shutterstock.com

Bei Auflösung, DeadLeaves (DL) und Dynamik stehen hohe Zahlen für gute Messwerte. Das Rauschen (VN) sollte möglichst klein sein.