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KLIMAKILLER FLEISCH?


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FIRE & FOOD - epaper ⋅ Ausgabe 2/2022 vom 29.04.2022

NACHHALTIGKEIT IN DER ERNÄHRUNG

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Bildquelle: FIRE & FOOD, Ausgabe 2/2022

Die BBQ-Szene ächzt. Können wir überhaupt bei all den hitzigen Diskussionen zum Klimawandel unsere Grills noch wie gewohnt belegen oder gelten wir zukünftig per se als „Klimaschänder“? Die Forderungen sind schließlich weitreichend. Nach dem Pariser Klimaschutzabkommen müssen die Treibhausgasemissionen bis 2030 halbiert werden, um die Klimaerwärmung auf maximal 1,5 °C zu beschränken. Der Land-und Ernährungswirtschaft wird dabei ein großer Einfluss zugemessen. Von ihr erwartet man Maßnahmen und Verbesserungen. Doch wie folgende Ausführung zeigt, bringt eine einseitige Fokussierung hier wenig.

Nimmt die Landwirtschaft wirklich mehr CO2 auf als sie verursacht?

Der Weltklimarat (IPCC) zeigt auf, dass der Landnutzungssektor einen Speicher von weltweit 5 Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr darstellt. Das bedeutet, dass Landwirtschaft, Forstwirtschaft und die sonstige Landnutzung ...

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... in den letzten zehn Jahren auf globaler Ebene jährlich deutlich mehr CO2 aufgenommen haben, als aus dem Sektor emittiert wurden. Denn die Land-Ökosysteme emittieren nicht nur, sondern absorbieren auch fast ein Drittel der gesamten, kontinuierlich steigenden CO2-Emissionen durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe und der Industrie. Auch konnte eine Reduktion der Treibhaus- Emissionen in der deutschen Landwirtschaft von 1990 bis 2018 von 79 auf 63 Mio t/Jahr (also um ca. 20 %) erreicht werden. Diese machen heute noch ca. 7,4% der gesamten CO2-Emissionen aus. (2)

Eines der Gase, das in der Landwirtschaft freigesetzt wird, ist Methan, welches sich im Gegensatz zu CO2 aus fossilen Quellen (Kohle, Öl etc.) in der Atmosphäre grundlegend anders verhält. Methan baut sich nach 9 bis 12 Jahren zu CO2 ab und wird von Pflanzen im Rahmen des biogenen Lebenszyklusses wieder umgewandelt. Bei gleichbleibenden Rinderherden bleibt also der Methananteil durch die Nutztierhaltung in der Atmosphäre stabil (5). Ein neuer Sonderbericht des Weltklimarates unterstreicht die Bedeutung der Landnutzung, der Ressourcenverschwendung, aber auch unserer Ernährungsgewohnheiten für das Klima und gibt dazu mitunter zweifelhafte Handlungsempfehlungen. Es ist schon fast ein Stereotyp, wenn man meint, dass zur Rettung des Weltklimas nur der Verzicht auf (Rind)-Fleisch und eine möglichst vegetarische – besser noch vegane – Ernährung hilft. Dass uns dies als „Schlüssel zur Klimarettung” präsentiert wird, ist gelinde gesagt einseitig und einfallslos!

Nahrungsmittelkonkurrenz beleuchtet den Umstand des Einsatzes von Nahrungsmitteln bei der Tierfütterung, welche auch für die menschliche Ernährung geeignet wären. Dies ist etwa der Fall, wenn Weizen an Kühe verfüttert wird, das sollte vermieden werden. Flächenkonkurrenz entsteht dann, wenn Futtermittel aus Mais für Biogasanlagen von Anbauflächen stammen, auf denen sonst Nahrungsmittel angebaut werden könnten. Mit Hilfe von ressourcenschonenden Fütterungsmethoden und einer raufutterbasierten Milchwirtschaft sollen diese unerwünschten Wechselwirkungen vermindert werden. Unweigerlich sind die Flächen-Fußabdrücke unserer insgesamt sehr fleischbetonten Ernährung hoch. Diesem Thema widmet sich Microsoftgründer Bill Gates und empfiehlt in seinem Buch „Wie wir die Klimakatastrophe verhindern”, dass sich die reichsten Länder der Erde vom Fleischkonsum verabschieden und auf künstlich hergestellte Produkte (Fleisch aus dem Reaktor) umsteigen sollten. Allerdings ist trotz der Vorteile im Bereich der Flächen, der Emissionen und des Wasserverbrauches eine ausschließliche und einseitige Bevorzugung pflanzlicher Lebensmittel nicht angebracht. Denn wie immer hat das zwei Seiten!

Ohne Wiederkäuer kein Grünland, keine Kulturlandschaft

Selbstverständlich müssen wir alle zur Klimarettung an einem Strang ziehen. Kein Wirtschaftszweig, weder die Politik noch die Konsumentinnen und Konsumenten sind davon ausgenommen. Man verwehre sich aber dagegen, die Land-und Forstwirtschaft pauschal als Klimasünder darzustellen. Im Gegenteil: Die Land-und Forstwirtschaft leistet einen gewichtigen Beitrag zum Klimaschutz, nämlich mit auf den jeweiligen Naturraum optimal abgestimmten, nachhaltigen Bewirtschaftungskonzepten. Ohne eine effektive Grünlandbewirtschaftung mit Wiederkäuern wie Kühen, Schafen und Ziegen ist es nicht möglich, die Bevölkerung mit Nahrung zu versorgen. Tierhaltung ist zudem für das Offenhalten von Flächen und den Erhalt der Kulturlandschaft unverzichtbar. Außerdem gibt es Böden, die aufgrund ihrer Bodenqualität nur als „Grünland” sinnvoll bewirtschaftet werden können und das schon seit tausenden von Jahren. Wo keine Ackerfrucht gedeiht, stellt der Wiederkäuer keinen Nahrungskonkurrenten dar. Denn nur die Wiederkäuer können das Grünland (Gras) als Futter verwerten. Man stelle sich das mal global vor, in vielen Gegenden ist die ländliche Bevölkerung auf die Schaf-und Ziegenhaltung angewiesen.

Schweine-und Geflügelfleisch

Schweine-und Geflügelfleisch aus konventioneller Produktion steht bei den CO2-Äquivalenten in etwa gleichauf und liegt deutlich unterhalb von Rindfleisch. Dabei spielt auch die Futtereffizienz (Gewichtszunahme pro Kilogramm Futter) eine entscheidende Rolle. So konnte durch stetige Intensivierung des Umweltschutzes die Umweltauswirkung pro Schwein seit 1985 halbiert werden. Bei einem Gesamtfleischverzehr von 60 kg/Bürger (aktuell liegt dieser bei 57,3 Kiloramm) ergibt sich bei 82,2 Millionen Bürgern eine CO2-Freisetzung von 26,6 Millionen Tonnen (lt. LWK-Niedersachsen von 2016). Die oft geforderte Halbierung des Fleischkonsums würde somit ca. 13,3 Millionen Tonnen CO2 einsparen. Doch dabei sollte man berücksichtigen: Ein Schweinekotelett verursacht circa 350 Gramm CO2, ungefähr so viel wie:

• 4 Tassen Kaffee

• 1 km Autofahrt

• 4,75 Stunden Fernsehen

• 25 Minuten Staubsaugen Jedoch entstehen bei einem Flug von Hannover nach Gran Canaria und zurück pro Fluggast mehr als zwei Tonnen CO2. Man kann es als gesellschaftlichen Trend abtun oder bekritteln, dass in den entwickelten Ländern der Fleischkonsum (zu) hoch ist. In den Entwicklungs-und Schwellenländern wird der Fleischkonsum aber noch weiter steigen. Mit dem Anstieg des Einkommens der Menschen verbessern sich die Lebensumstände und deren Fleischkonsum erhöht sich. Trotzdem ist eine Umstellung von traditionellen Ernährungsmustern sinnvoll und so plädiere auch ich für eine Rückbesinnung vom täglichen „Werktagsbraten“ zum „Sonntagsbraten“.

Auswirkung deutscher CO2-Bepreisung auf Imund Exporte

Der CO2-Preis (zur Zeit 25 €/t) verteuert die Lebensmittelproduktion und macht Deutschland als Standort für viele Hersteller zunehmend unattraktiv. Dem Klima ist damit nicht geholfen, denn mit der einseitigen CO2-Bepreisung der deutschen Ernährungsindustrie wird das Problem der klimaschädlichen Treibhausgase ohnehin nur verlagert (Wettbewerbsverzerrung). Sie verschafft Deutschland zwar ein umweltfreundlicheres Image. Die ohnehin im Ausland oft billiger produzierten Produkte treiben aber dort den fossilen Energieverbrauch in die Höhe und müssen zudem wieder nach Deutschland importiert werden, um den hiesigen Markt zu versorgen. Das erhöht den CO2- Ausstoß zusätzlich durch lange Transportwege. Klimaschutz wird auf diese Weise konterkariert. Derartige Abwanderungen stehen außerdem im Widerspruch zu dem gesellschaftlichen Wunsch nach heimischer Lebensmittelproduktion, kurzen Lieferketten sowie all den Nachhaltigkeitsbemühungen.

Trotz der Transportbelastungen trägt der Export deutschen Fleisches sogar zur Nachhaltigkeit bei. Viele Teile eines Tieres werden im Inland oft gar nicht mehr nachgefragt. Denken wir doch nur an Rüssel, Pfoten, Innereien etc. In anderen Ländern stellen diese aber durchaus Delikatessen dar, welche dort veredelt werden. Dazu passt auch die Forderung „from nose to tail” gut, welche die Nachhaltigkeit verbessert. Umgekehrt werden gefragte „Edelteile” importiert. Selbstverständlich verursacht jeder Transport, egal von welchen Produkten (nicht nur Lebensmitteln), CO2-Emissionen.

Auswirkungen durch den Verkehr

Zur Versorgung der Bevölkerung mit Nahrung sind heute umfangreiche Transporte erforderlich. Obwohl die pro Person verbrauchte Lebensmittelmenge kaum Veränderungen zeigte, verdoppelte sich das Transportaufkommen der insgesamt transportierten Lebensmittel in den vergangenen zwei Jahrzehnten. Gründe dafür sind vor allem Konzentrationsprozesse in Lebensmittelhandel und -industrie sowie die Preisaggressivität und die daraus folgende Konzentration und Spezialisierung im Bereich der Landwirtschaft.

Besonders umweltbelastend sind Transporte mit dem Flugzeug:

Bei Übersee-Importen entstehen pro Kilogramm Lebensmittel bis zu 170-mal mehr Emissionen als bei einem Transport mit Seeschiffen. Als Konsequenz hieraus sollten flugimportierte Lebensmittel möglichst nicht gekauft werden. Leider hört man kein Wort über den täglichen Wahnsinn des Flugverkehrs. Die Billigairlines und subventioniertes Flugbenzin machen es mög- lich, dass jeder und jede von uns selbst entfernte Destinationen zum Schnäppchenpreis ansteuern kann. Der Verzicht auf eine vierstündige Flugreise bringt dem Klima mehr als eine einjährige vegane Ernährung (3). Es ist auch keine Rede davon, dass die schnellwachsende Kreuzfahrtbranche mit ihren Schiffen pro Stunde bis zu 5 Tonnen minderwertigen Treibstoff verheizt. Es findet sich keine Kritik am weiterwachsenden Individualverkehr und Massentransport per LKW, der in Deutschland wie ein Sargnagel in der Treibhausgasbilanz steckt. Und hat schon einmal jemand berechnet, dass der dramatisch steigende Online-Handel millionenfache Paketzustellungen (per LKW und Kastenwagen) notwendig macht, die wiederum zusätzliche Treibhausgase nach sich ziehen? Es scheint, man ist beim Weltklimarat zu feige, um die Konsumenten auf diese unangenehmen Wahrheiten hinzuweisen.

Umweltschädliche Subventionen

Mindestens 65,4 Milliarden Euro hat Deutschland nach einer neuen Studie des Umweltbundesamts im Jahr 2018 in umweltund klimaschädliche Subventionen investiert. Knapp die Hälfte, insgesamt 30,8 Milliarden Euro, entfielen auf den Straßen-und Flugverkehr, etwa auf Steuernachlässe für die Nutzung von Flugbenzin und Dieselfahrzeugen. Diese umweltschädlichen Subventionen sind in den Jahren vor Corona trotz größerer Klimaschutzbemühungen sogar angestiegen (lt. UBA).

Gekaufter Klimaschutz und langjährige Umweltsünder

„Greenwashing“ oder „grüne Werbelügen“ auf unökologische Produkte sind in der Ernährungsbranche ein zentraler Parameter im Wettbewerb sowie in der Werbung und beschäftigen bereits die Gerichte. Auch hier wäre die Politik gefordert!

Neben der Vernichtung von Wäldern wie beispielsweise in Südamerika (mehr als 4 Mio ha/Jahr lt. FAO) wird der Anbau von Ölpalmen seit Jahren heftig kritisiert. Die steigende Nachfrage nach mehr pflanzlichen Nahrungsfetten, nach Energie aus alternativen Quellen und die Bedeutung von Palmöl für die Non- Food-Branche führen dazu, dass erheblich mehr Flächen benötigt werden. So sind die Anbauflächen für Ölpalmen seit dem Jahr 1985 um mehr als das Zehnfache gestiegen. Und das hinterlässt Spuren: Regenwälder wurden in großem Stil abgeholzt und gerodet. Vor allem bei Torfböden, auf denen häufig neue Ölpalmen gepflanzt werden, setzen die umweltschädlichen Brandrodungen viel gespeichertes CO2 frei. Der Anbau von Ölpalmen ist in den Anbauländern aber wiederum ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und sichert Arbeitsplätze, denn zahlreiche Kleinbauern sind darauf angewiesen.

Lebensmittelverschwendung und Verpackung

Von den Lebensmitteln, die weltweit für den menschlichen Verzehr produziert werden, gehen jährlich ungefähr ein Drittel (1,3 Milliarden Tonnen) verloren. In Entwicklungsländern entstehen häufig Verluste direkt nach der Ernte, noch bevor die Lebensmittel auf den Markt kommen. Hier bei uns in Deutschland sind es etwa 11 Millionen Tonnen, die jedes Jahr in den Müll geworfen werden. Neben Gaststätten, Kantinen sowie der Lebensmittelindustrie sind die privaten Haushalte daran allein zu rund zwei Dritteln beteiligt (80 Kilogramm pro Jahr im Wert von 235 Euro pro Haushalt). Rund zwei Drittel davon wären noch verzehrfähig. Da jedes weggeworfene Lebensmittel während seiner Erzeugung Energie, Rohstoffe, Wasser und Landfläche benötigt und Klimagase verursacht hat, sollte es verzehrt und nicht weggeworfen werden. Besonders angesichts weltweit etwa 840 Millionen Hungernder ist diese Verschwendung von Lebensmitteln ethisch nicht verantwortbar. Nur mit Schulung und Information kann mehr Sensibilität und Wertschätzung zu einem bewussteren Umgang mit Lebensmitteln erreicht werden. Es gilt, das Verschwenden endlich zu beenden!In Deutschland werden jährlich rund 12 Millionen Tonnen Verpackungsmüll weggeworfen, was etwa 145 Kilogramm pro Person entspricht. Die Verpackungen von Lebensmitteln tragen nicht nur erheblich zu unseren Müllbergen bei, sondern davon landet ein beträchtlicher Teil in Landschaften, Flüssen, Seen und Meeren – und gefährdet dort wiederum Menschen und Tiere. Müllvermeidung und Reduktion von Verpackungen müssen intensiver angegangen werden. Nur spielen hier oft der hygienische Schutz und die Haltbarkeit eine limitierende Rolle.

Der Griff ins Regal beeinflusst das Klima

Mit der Entscheidung der Konsumentinnen und Konsumenten, regionale und saisonale Produkte zu bevorzugen, haben sie es ein stückweit in der Hand, Einfluss auf den Klimawandel zu nehmen. Auch wenn heute oft Vielfältigkeit, Verfügbarkeit und zum Teil finanzielle Möglichkeiten keine Grenzen setzen. Dadurch ließen sich lange Transporte um den gesamten Globus sowie die Produktion in beheizten Gewächshäusern, und unter abgedeckten und/oder in stark bewässerten Äckern vermeiden. Der Einkauf von saisonalen Produkten bedeutet, bei frischem Gemüse und Obst solche Arten auszuwählen, die in unserer Klimazone während der gerade aktuellen Saison ausreifen können. Im Winter sollte man auf grünen Salat und Tomaten aus dem Anbau in beheizten Treibhäusern oder Folientunneln weitestgehend verzichten. Denn für das Heizen der Treibhäuser wird 34-mal mehr Primärenergie verbraucht als im Freiland, im Folientunnel sogar 200-mal mehr. Die entsprechenden CO2- Emissionen liegen 18-bzw. über 100-mal höher. Trotz nicht tierischen Ursprungs weisen derartige Produkte somit oftmals schlechtere Bilanzen als Fleisch auf (z. B. Avocados).

Wie klimafreundlich sind unsere Essgewohnheiten?

Ein Gespür dafür konnten Verbraucher bereits in besonderen Läden und Testmärkten entwickeln. Es wurde der jeweilige CO2- Fußabdruck in Euro umgerechnet. Dabei verzichtete man auf die herkömmliche Preisauszeichnung, denn je klimaschädlicher der Artikel, desto höher war sein „Preis“. Das sieht jedoch sehr nach „klimahysterischer Steuerung“ aus. Die Ernährungsökologie stellt weitreichende Ansprüche an die Ernährungsweise. Bei aller Vernunft in Bezug auf die Umwelt, so ist doch der Genuss beim Essen besonders wichtig. Denn gutes Essen macht glücklich und schafft Lebensfreude. Wie wir gesehen haben, kann jeder auf vielschichtigem Wege seinen Teil zur Reduzierung der CO2-Emissionen beitragen und muss trotzdem nicht auf genussvolle Grillabenteuer verzichten.

Quellen:

(1) Hochrechnungen auf CO2-Äquivalente gem. Tabelle Umweltbundesamt

(2) Bezifferung der Treibhausgasemissionen (Kohlenstoffdioxid (CO2), Methan (CH4), Lachgas (N2O) etc.) erfasst man sämtliche Umwelt-/Klimawirkungen in Form einer Öko-/Umweltbilanz oder Lebenszyklusbewertung (Life Cycle Assessment – LCA). Die Klimawirkung aller Treibhausgase fasst man dann zu CO2-Äquivalenten zusammen

(3) Berechnungen auf Basis von Durchschnittswerten des Umweltbundesamtes Quelle: Fokus Fleisch

(4) Vergleich der Abbaueigenschaften von CO2 und Methan. Quelle: Fokus Fleisch

(5) Johann Heinrich von Thünen-Institut (TI) im Auftrag des Bundesernährungsministeriums zusammen mit der Universität Stuttgart in der Studie „Lebensmittelabfälle in Deutschland – Baseline 2015“. Veröffentlicht 09/2019

(6) Nationaler Brennstoffemissionshandel: Hier zahlen die Produzenten für den Ausstoß klimaschädlicher fossiler Emissionen aus Erdölprodukten, Erdgas oder Kohle aktuell eine CO2-Abgabe von 25 Euro pro Tonne, Verdoppelung bis 2025. Ziel von Bündnis 90/Die Grünen: Erhöhung des nationalen CO2-Preises im Bereich Wärme und Verkehr 2023 auf 60 €/t, um den Kohleausstieg zu beschleunigen.