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KLIMANEUTRAL HEIZEN: MIT GUTEM RAUMKLIMA DAS WELTKLIMA SCHÜTZEN


Mein schönes Zuhause Sonderheft - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 18.09.2019

Erneuerbare Energiequellen, CO2 -freie Verbrennung, kombinierte Strom- und Wärmeproduktion – so sehen klimaschonende und zukunftsfähige Heizsysteme aus


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Bildquelle: Mein schönes Zuhause Sonderheft, Ausgabe 1/2019

Heizen mit natürlicher Umweltwärme: Eine Luftwärmepumpe, hier in Split-Bauweise mit einer Außen- und einer Inneneinheit, entzieht der Außenluft Wärme, bringt sie mittels Verdichtung auf ein höheres Temperaturniveau und gibt sie ans Heizsystem ab.


Mehr als die Hälfte aller CO2 -Emissionen, die im Haushalt entstehen, werden laut Bundesumweltamt durchs Heizen verursacht. Um die Ziele des Klimaschutzplans der Bundesregierung zu erreichen, müssten wir ...

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Mehr als die Hälfte aller CO2 -Emissionen, die im Haushalt entstehen, werden laut Bundesumweltamt durchs Heizen verursacht. Um die Ziele des Klimaschutzplans der Bundesregierung zu erreichen, müssten wir spätestens 2040 ganz ohne Erdöl, Erdgas, und Kohle auskommen. Eine Lösung ist die Wärmepumpe. Bei den 2018 genehmigten Wohngebäuden war sie mit einem Marktanteil von 43,7 Prozent das beliebteste Heizsystem. Ihren Vorsprung vor der zweitplatzierten Gasheizung konnte sie damit weiter ausbauen. Ein guter Trend, aber noch nicht genug.

Die Wärmepumpe, die sich aus kostenfreier Umweltwärme aus der Erde oder der Luft speist, ist zwar Trendsetter, aber nicht die einzige Option für eine klimafreundliche Heizung im Neubau. Eine andere Möglichkeit ist das Heizen mit Holz, dem ältesten Brennstoff der Welt. Bei seiner Verbrennung wird nur so viel CO2 freigesetzt, wie der Baum zuvor aus der Atmosphäre aufgenommen hat – es heizt also klimaneutral. Eine weitere Alternative zu den Auslaufmodellen Öl- und Gasbrenner ist die Kraft-Wärme-Kopplung. Die Kleinstkraftwerke für den Heizungskeller kommen zwar größtenteils noch nicht ganz ohne fossile Antriebsenergie aus, gehen damit aber höchst effizient um und erzeugen gleichzeitig Wärme und Strom.


ZurKlimabilanz einer Heizung gehört auch der Strom, der sie antreibt


Wenn es um den Klimaschutz geht, müssen Heizung und Stromversorgung ohnehin stets gemeinsam betrachtet werden. Das gilt nicht nur für die Kraft-Wärme-Kopplung, sondern auch für die mit Strom betriebene Wärmepumpe. Idealerweise kommt die elektrische Energie für ihren Antrieb von der Photovoltaikanlage auf dem eigenen Hausdach. Erst damit wird das System Wärmepumpe tatsächlich klimaneutral.

Auf den folgenden Seiten stellen wir verschiedene klimafreundliche Heizungen vor, und erläutern, unter welchen Voraussetzungen sich welches System für den Neubau besonders eignet.

WÄRMEPUMPE: Die Nummer eins im Neubau

Die Wärmepumpe ist längst kein technisches Neuland mehr, sondern ein ausgereiftes Produkt. In Sachen Technik und Effizienz hat sie sich in den letzten Jahren erheblich weiterentwickelt

Eine Wärmepumpe funktioniert ohne Verbrennung. Sie nutzt Wärme aus dem Erd reich, dem Grundwasser, der Außen- oder Abluft, die sie dann mit Hilfe elektrischer Energie durch Verdichtung auf ein höheres Temperaturniveau bringt, und gibt sie dann ans Heizsystem wieder ab. Wie effektiv eine Wärmepumpe arbeitet, bestimmt sich aus dem Verhältnis von eingesetzter elektrischer Energie und der erzeugten Wärmeleistung. Dafür gibt es verschiedene Kennzahlen. Für den Verbraucher am wichtigsten ist die Jahresarbeitszahl (JAZ). Sie misst die Effektivität der Wärmepumpe nicht unter speziellen Prüfbedingungen, sondern bezogen auf das betreffende Gebäude im Jahresverlauf. Damit eine Wärmepumpe als energieeffizient gilt, muss sie mindestens eine JAZ von 3 erreichen, das heißt, sie macht aus einem Teil Strom drei Mal so viel Wärme. Eine Wärmepumpe im gut gedämmten Neubau sollte jedoch eine JAZ von 4 oder mehr erreichen. Wärmepumpen mit Erdsonde schaffen sogar Jahresarbeitszahlen bis 5, weil die Ausgangstemperatur der Wärmequelle im tieferen Erdreich höher ist und sie sich daher weniger „anstrengen“ muss als eine Luft-Wärmepumpe bei kalter Außenluft im Winter. Zunehmend werden die Heizungen im Sommer auch zum Kühlen genutzt.

Die Luft-Wasser-Wärmepumpe Logatherm WLW196i AR eignet sich zur Wärmeversorgung von Ein- und Zweifamilien häusern. Die Inneneinheit gibt es als Stand- oder wandhängendes Gerät, auch mit integriertem Warmwasserspeicher.


Ein wichtiger Fortschritt bei modernen Wärmepumpen ist die Invertertechnologie. Sie sorgt dafür, dass die Leistung der Wärmepumpe dem Heizbedarf angepasst wird. Das bedeutet: Bei geringer Wärmeanfor derung kann ein solches Gerät mit geringerer Leistung weiterlaufen, während die herkömmliche Wärmepumpe sich abschalten müsste. Mit Inverter kann die Wärmepumpe mehr Strom aus einer Photovoltaikanlage nutzen.

Kompakt und platzsparend: Dank Invertertechnik passt die Erdwärmepumpe Vitocal 333-G ihre Leistung dem Wärme bedarf des Gebäudes an und ist daher für sehr gut gedämmte Neubauten geeignet. In der Warmwasserversorgung erreicht sie die Energie-Effi zienzklasse A+.


INNOVATIV: Wärmepumpe mit Eisspeicher als Energiequelle

Eine Alternative zur Erdwärmepumpe bietet die Firma Viessmann mit dem „Vitofriocal Eisspeicher-System“ an. Es besteht aus drei Komponenten:

• einerSole-Wasser-Wärmepumpe (1) , die auch für Erdwärme genutzt wird
• mehrerenSolar-Luftabsorbern (2) auf dem Dach, die Wärme aus der Umgebungsluft und aus der Sonnen einstrahlung sammeln
• einem im Boden eingebautenWasserspeicher (3)

So funktioniert das System:
Ein Wärmetauscher führt dem Wasser Energie aus den Solar-Luftabsorbern zu. Ein zweiter Wärmetauscher entzieht dem Wasser Energie und stellt sie der Heizung zur Verfügung. Wenn es kalt wird, nutzt die Wärmepumpe zunächst die Wärme aus den Solar-Luftabsorbern.
Sinkt die Außentemperatur unter 0 Grad, reicht das nicht mehr aus. Dann wird auch dem Wasser im Speicher Energie entzogen und der Heizung zugeführt. Dadurch kühlt sich das Wasser immer weiter ab, bis es gefriert. Während des Vereisungsprozesses wird viel Energie freigesetzt, bei einem Wasserinhalt von 10 Kubikmetern entspricht das dem Energiegehalt von etwa 100 Litern Heizöl. Wenn es wieder wärmer wird, nutzt das System wieder die Wärme aus den Solar-Luftabsorbern. Das gespeicherte Eis kann im Sommer zur Kühlung des Hauses genutzt werden. Das Zusammenspiel aller Komponenten wird von einem smarten Energiemanagement gesteuert. Vorteil des Systems: Der Eisspeicher ist einfach einzugraben, es sind keine aufwendigen Bohrungen oder umfangreichen Erdarbeiten notwendig wie bei der Nutzung von Erdwärme. Man braucht auch keine behördlichen Genehmigungen.

WÄRMEPUMPE PLUS PHOTOVOLTAIK

Die Wärmepumpe braucht Strom, die Photovoltaikanlage braucht Stromabnehmer – eine Win-win-Situation für Hausbesitzer und Klimaschutz

Kraftwerk auf dem Hausdach: Innerhalb eines Jahrzehnts haben sich die Kosten für Photovoltaikanlagen um rund 70 bis 80 Prozent verringert. Wegen der gesunkenen Kosten ist Stromproduktion für den Eigenverbrauch sehr attraktiv, insbesondere wenn damit eine Wärmepumpe betrieben werden kann.


Klimaneutral ist die Wärmepumpe als Heizung nur dann, wenn es auch der Strom ist, mit dem sie betrieben wird. Das heißt, entweder Sie kaufen den Strom von einem zertifizierten Öko stromunternehmen, von denen einige mittlerweile auch Wärmepumpentarife anbieten, oder Sie produzieren ihn selber mit einer hauseigenen Photovoltaikanlage. Letzteres bietet Ihnen nicht nur die Sicherheit, tatsächlich 100-prozentigen Ökostrom zu verwenden, sondern lohnt sich auch finanziell. Dank gesunkener Anlagenpreise betragen die Selbstkosten für Photovoltaikstrom im Privathaushalt nur noch etwa 11 bis 13 Cent pro Kilowattstunde – das ist viel günstiger, als Strom zu kaufen. Am wirtschaftlichsten ist es daher, möglichst viel Strom aus Eigenproduktion gleich im Haushalt zu verbrauchen. Mit einer Wärmepumpe und einem Batteriespeicher, der den Sonnenstrom aufnimmt, bis er wieder gebraucht wird, lässt sich der Eigenverbrauch erheblich steigern. So muss kaum noch überschüssiger Strom ins öffentliche Netz eingespeist werden, was sich bei einer ständig sinkenden Vergütung (derzeit um die 10 Cent per Kilowattstunde) immer weniger lohnt.

Systemlösung für Strom und Wärme: Die PV-Anlage liefert Strom für die Wärmepumpe, die über eine Flächenheizung die Räume mit Wärme versorgt. Überschüssige Energie fließt zum späteren Gebrauch in den Stromspeicher. Zusätzlich kann ein Durchlauferhitzer für Warmwasser oder ein E-Auto versorgt werden.


Fotos: Bien-Zenker, IBC Solar, Stiebel Eltron (2), Stadtwerke München, Grafik: Viessmann

EFFIZIENZHAUS-SIEDLUNG: Mehr Eigenverbrauch, mehr Autarkie

In Hügelshart, einem Ortsteil des bayerischen Städtchens Friedburg, entstand 2016/2017 eine energieeffiziente Neubausiedlung, deren Häuser durchweg nach KfW-Effizienzhaus standard 55 gebaut und mit einer Photovoltaikanlage sowie Batteriespeicher ausgestattet sind. In jeder der 13 Wohneinheiten – verteilt auf neun Einfamilien- und zwei Doppelhäuser – ist jeweils eine Luft-Wärme-Zentrale LWZ 504 von Stiebel Eltron mit einer integrierten Luft-Wärmepumpe ins talliert. Das Gerät übernimmt Be- und Entlüftung, Heizung, Warmwasserbereitung und auf Wunsch auch Kühlung der Häuser. Eine erste Auswertung nach einem Jahr seit Bezug zeigt, dass durch die Wärmepumpe die Eigenverbrauchsquote des selbst erzeugten Stroms im Vergleich zu Häusern ohne Wärmepumpe erheblich erhöht werden kann. Sie lag in Hügelshart bei rund 40 Prozent. Die Autarkiequote, das heißt, der Anteil des eigenen Stroms am Gesamtstrombedarf, erreichte übers Jahr gesehen knapp 50 Prozent. Wenn man auch noch die kostenlose Umweltenergie dazurechnet, die durch die Wärmepumpen erschlossen wurde, dann beträgt die Autarkiequote sogar 77 Prozent.

Die LWZ 504 vereint mehrere Haustechnikfunktionen in einem Gerät. Als Wärmequelle dient sowohl Wärme aus der Abluft der Lüftungsanlage als auch aus der Außenluft.


Entwicklung der Stromspeicher

ab 2011:
Erste Stromspeicher für Privathäuser auf dem Markt. Gewicht: ca. 300 kg für 3 kWh nutzbare Energie*

2013:
70 % der Heimspeicher sind Bleisäure-Akkus mit einem Wirkungsgrad** von 70–80 % und maximaler Entladetiefe*** von 50–60 %

Stand circa 2014: Zwei große, schwere Blei-Akkus und davor einer der ersten Lithium-Ionen-Speicher.


ab 2017:
Fast alle neu installierten Speicher sind Lithium -Ionen-Akkus mit einem Wirkungsgrad von 90–95 % und maximaler Entladetiefe von 70–95 %, Gewicht etwa 1 Kg pro kWh nutzbare Energie

Neueste Generation Lithium-Ionen-Speicher: Module von je 2,4 kWh Speicherkapazität können nach dem Baukastenprinzip zusammengesetzt werden.


2018:
Die Preise für LithiumIonen-Akkus sind seit 2013 um rund 50 % gesunken und liegen bei ca. 1300 Euro pro kwh Speicherkapazität

* nutzbare Energie: Beschreibt die tatsächliche Speicherkapazität unter Berücksichtigung der Entladungstiefe
** Wirkungsgrad: Beschreibt, wie viel Energie man aus dem Akku zurückerhält. Ein Teil geht immer beim Entladen verloren
*** maximale Entladetiefe: Beschreibt, wie weit der Akku entladen werden kann, ohne ihm zu schaden. Je tiefer, desto effizienter ist das Gerät

HEIZEN MIT HOLZ: Von Natur aus klima neutral

Der älteste Brennstoff der Welt hat noch lange nicht ausgedient. In Kombination mit moderner Technik heizt er besonders klimafreundlich

Viel Heizkraft, wenig Feinstaub: Der Kaminofen Hark 44-5.1 GT ECOplus ist die Weiterentwicklung eines Testsiegers bei Stiftung Warentest im Jahr 2011. Im Hintergrund zu sehen ist der Keramikfilter im Feuerraum, der für eine saubere Verbrennung sorgt.

Kleine Energiebündel, große Heizkraft: Mit Holzpellets befeuerte Öfen sind sehr effiziente Wärmelieferanten. Im Pelletofen soleo.nrg sorgt ein Mikroprozessor für effektiven Abbrand. In raumluftunabhängiger Betriebsweise eignet er sich sogar für Passivhäuser.

Wie bei Öl- oder Gasfeuerung wird auch beim Verbrennen von Holz Kohlendioxid freigesetzt. Dieser Ausstoß entspricht jedoch der Menge an CO2 , die zuvor von den Bäumen aus der Atmosphäre aufgenommen wurde – die Verbrennung ist daher CO2 -neutral. Voraussetzung ist, dass das Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft kommt, die dem Wald nicht mehr Holz entnimmt als wieder nachwachsen kann. Vor allem beim Verbrennen in älteren Öfen werden allerdings neben CO2 auch andere Luftschadstoffe und größere Mengen Feinstaub freigesetzt. Aus diesem Grund dürfen auch offene Kamine nicht mehr dauerhaft betrieben werden. Mit modernen Holzöfen und –heizungsanlagen, die mit effizienter Verbrennungstechnik und Feinstaubfiltern ausgestattet sind, lässt sich dagegen sehr gut klimafreundlich heizen.

Kamin- oder Pelletofen als zusätzliche Heizquelle

Auch in Zeiten hochmoderner Heizsysteme hat ein Holzfeuer nichts von seinem Reiz verloren. Neben dem Wohlfühlfaktor ist er aber auch heiztechnisch eine nützliche Ergänzung, etwa zur Wärmepumpe in der Übergangszeit. Mit einer sogenannten Wassertasche ist es sogar möglich, vom Ofen erwärmtes Wasser zur Heizungsunterstützung in den Heizkreislauf einzuspeisen.

Ein mit Scheitholz betriebenerKaminofen ist vor allem dort sinnvoll, wo man Brennholz direkt vor Ort erwerben kann. Dann fallen keine langen Transportwege an, die sich negativ auf die Klimabilanz des Brennstoffs auswirken, und die Kosten sind gering. Bei einem mit Holzpellets betriebenen Ofen wirkt das Flammenbild meist etwas technischer. Dafür beanspruchen die kleinen Presslinge aus Restholz weniger Lagerplatz und hinterlassen dank hoher Energiedichte nur wenig Asche nach der Verbrennung.Pelletöfen heizen sehr effizient, mit Wirkungsgraden von mehr als 90 Prozent und entwickeln sich immer mehr zu High-Tech-Heizgeräten mit automatischer Befüllung, elektrischem Heizelement zum Anzünden und elektronische Steuerung, auch per Sprachassistent.

CO₂-neutrale Alternative zur Öl- oder Gasheizung: Der Holzvergaser kessel Vitoligno 200-S können bis zu 50 Zentimeter lange Holzscheite verfeuert werden. In modulierender Betriebsweise passt sich das Gerät stufenlos dem tatsächlichen Wärmebedarf an. Fernsteuerung über ein Display oder per Smartphone ist möglich.


Wichtig: In hochgedämmten Effizienzhäusern dürfen nur raumluftunabhängige, das heißt, mit Luftzufuhr von außen ausgestattete, Kamin- oder Pelletöfen einge setzt werden. Sonst könnte es zu gefährlichem Sauer stoff mangel im Raum und Kohlenmonoxid-Vergif tungen kommen. Eine Beratung durch den Schornsteinfeger ist vorgeschrieben.

Holzheizung für das ganze Haus

Natürlich lässt sich auch das gesamte Heizsystem des Hauses mit Holz betreiben, zum Beispiel auch als ebenfalls klimaneutrale Alternative zur Wärmepumpe plus Photovoltaik, für die ja nicht jedes Haus geeignet ist. Wenn Brennholz lokal verfügbar ist, bietet sich ein mit Stückholz betriebenerHolzvergaserkessel an: In einem Füllschacht werden die Holzscheite unter Luftzufuhr vollständig verbrannt. Die heißen Abgase geben ihre Wärme an das Heizsystem ab, das einen Pufferspeicher haben muss. Scheitholzvergaserkessel arbeiten emissionsarm, erreichen Wirkungsgrade von über 90 Prozent und werden auch im Neubau staatlich gefördert (über die BAFA-Innovationsförderung), wenn sie mit einem Partikelabscheider zur Feinstaubreduzierung ausgestattet sind. Sehr effizient arbeiten auchHolzpelletkessel , insbesondere Geräte mit Brennwerttechnik, die zusätzlich die im Abgas enthaltene Wärme des Wasserdampfes nutzen. Für die Pelletheizung braucht man ein Pelletlager und eine automatische Pelletzuführung, zum Beispiel über ein Gebläse.

All-in-one: Das Kompaktgerät Pellematic Smart XS vereint auf nur 0,9 Quadratmetern Aufstellfläche alle Komponenten einer Pelletheizung, inklusive Pufferspeicher und Frischwassermodul. Durch Brennwerttechnik arbeitet der Kessel besonders effizient.


STROMERZEUGENDE HEIZUNG: Das kleine Kraftwerk im Keller

Eine Energiequelle zweifach nutzen zum Heizen und zur Stromversorgung – auch mit Kraft-Wärme-Kopplung kann das Klima entlastet werden

Ausgezeichnet: Das Brennstoffzellen-Heizgerät Vitovalor PT2 erhielt 2019 den Innovationspreis PLus X Award, unter anderem für Ökologie und Design. Die Brennstoffzelle produziert genug Strom für den Grundbedarf einer 4-köpfigen Familie. „Nebenbei“ fällt aus reichend Wärme für Heizung und Warm wasser an.


Bekannt ist die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) von Großkraftwerken. Dort wird meist Kohle verbrannt, um Wasser zu erhitzen und mit dem dabei entstehenden Dampf Turbinen anzutreiben, die mit einem Generator zur Stromerzeugung verbunden sind. Anstatt die Wärme des heißen Dampfes ungenutzt über Kühltürme an die Umgebung abzugeben, kann man sie als Nah- oder Fernwärme zum Heizen von Wohnanlagen oder öffentlichen Gebäuden weiterleiten. Nach demselben Prinzip wie die großen Blockheizkraftwerke (BHKW) funktionieren auch die sogenannten Mini-, Mikro- oder Nano-BHKW, die in den letzten Jahren für immer kleinere Wohneinheiten, bis hin zum Einfamilienhaus, entwickelt wurden. Ganz frei von fossiler Energie arbeiten die Kleinstkraftwerke zwar in der Regel noch nicht. Die meisten brauchen noch Gas für den Antrieb und einen kleinen Gaskessel, der nur für wenige Stunden im Winter beim Heizen einspringt. Doch der Gaseinsatz ist viel geringer und dazu effizienter als bei einer herkömmlichen Heizung. Vor allem aber punktet die KWK mit der Doppelnutzung von Wärme- und zur Stromerzeugung, was sich auf gleich zwei Energiesektoren klimaentlastend auswirkt.

Innovativ mit Holz: Der Pellet heizkessel Pelle matic Condens_e erzeugt Heizwärme mit effizienter Brennwerttechnik. Das heiße Verbrennungsgas wird zum Antrieb des Strom produzierenden Stirlingmotors genutzt, der auf dem Kessel sitzt.


Die verschiedenen Systeme von kleinen BHKW für den Hausgebrauch kann man nach ihren Motoren unterscheiden:

Verbrennungsmotor

Die meist mit Gas betriebenen Ottomotoren sind eine Weiterentwicklung von Motoren aus dem Automobilbereich und die häufigste Antriebsform für Blockheizkraftwerke von Industrie- bis Einfamilienhausgröße. Sie erreichen Wirkungsgrade von über 90 Prozent, wobei sich der Wert aus circa einem Drittel elektrischer und zwei Dritteln thermischer Energie, also Wärme, zusammensetzt.

Ein „Dachs“ für den Hausgebrauch: Die per Gas-Otto-Motor betriebenen Geräte der Firma Senertec mit dem tierischen Familiennamen sind Klassiker unter den kleinen Blockheizkraftwerken. Der bisher kleinste, der Dachs 2.9, eignet sich als Strom- und Wärmelieferant für Einfamilienhäuser.


MUSTERHAUS: Weitgehend energieautark mit Pellet-BHKW

Das Musterhaus „Heimat 4.0“ der Firma Baufritz greift traditionelle Elemente ländlichen Wohnens auf und übersetzt sie in moderne Formen. Zum Beispiel das Konzept des Mehrgenerationenwohnens mit einer Einliegerwohnung anstelle des früher üblichen „Austragshaus“ für die ältere Generation. Nebengebäude wie Stall, Werkstatt und Backhaus ermöglichen einen hohen Grad an Selbstversorgung. Das gilt auch für das Energiekonzept: Die Pelletheizanlage „Pellematic Condens_e“ von Ökofen mit eingebautem Stirlingmotor liefert sowohl Heizwärme wie Strom. Mit einer Photovoltaikanlage als weitere Stromquelle auf dem Dach sowie einem Batteriespeicher ist das Landhaus nahezu unabhängig von externer Stromversorgung. Ein holzbetriebener Backofen im Nebengebäude und ein Kachelofen im Wohnzimmer ergänzen die Wärmeversorgung.

Stirlingmotor
Der auf den schottischen Erfinder Robert Stirling zurückgehende Motortyp, auch Heißluftmotor genannt, enthält einen geschlossenen Zylinder mit sogenanntem Arbeitsgas (zum Beispiel Helium) und einem außen liegenden Brenner. Durch Erwärmung und Abkühlung im Zylinderraum entsteht mechanische Energie, die einen Generator antreibt. Der Stirlingmotor kann mit fast jedem Brennstoff betrieben werden, so auch mit Holzpellets, wie beim Musterhaus-Beispiel auf der rechten Seite. In diesem Falle ist das System tatsächlich klima neutral. Der Stirlingmotor liefert zu über 70 Prozent thermische Energie und arbeitet leiser und abgasärmer als der Verbrennungsmotor.

Brennstoffzelle
Diese Technologie funktioniert ohne Verbrennung. Stattdessen wird in einer chemischen Reaktion Wasserstoff in die Brennstoffzelle geleitet, wo er mit Sauerstoff reagiert. Bei der Umwandlung in Wasser entsteht direkt elektrischer Strom. Die Brennstoffzellenheizung liefert einen höheren Anteil von Strom im Vergleich zu anderen BHKW-Typen. Deshalb eignet sie sich für Häuser mit geringem Wärmebedarf, vor allem energieeffiziente Neubauten, und kann dort ganzjährig zur Stromerzeugung betrieben werden. Die Anlagen sind besonders wartungsarm.

Die Pellets für die stromerzeugende Heizung lagern in platzsparenden Gewebetanks und werden per Vakuumsaug system zugeführt.


Wie in alten Zeiten, aber mit moderner Heiztechnik: Der Backofen im Nebengebäude wird mit Scheitholz befeuert.


Mehr Info www.zuhause3.de/finanzen-und-energie


Foto: Bosch Thermotechnik/Buderus

Fotos: Bosch Thermotechnik/Buderus, Viesssman, Grafik: Viessmann

Fotos: Hark, istock/Dmitriy_Kazitsyn, Wodtke, Viessmann, Ökofen

Fotos: Viessmann, Ökofen, Senertec, Baufritz (3)