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KLOPP IM SCHICKSALS-JAHR


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Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 35/2022 vom 31.08.2022

INTERNATIONAL

FOTOS: Matthew Ashton/AMA/Getty Images, Imago Images, Witters Mainz-Abschied nach verpasstem Aufstieg Sein letzter Auftritt ist längst legendär in Mainz. „Alles, was ich bin, alles, was ich kann, habt ihr mich werden lassen.“ Mit diesen Worten an die Fans nahm Jürgen Klopp (damals 40), immer wieder von Tränen übermannt, im Mai 2008 Abschied von seinem Herzensverein. Über 20 000 Anhänger jubelten ihm vorm Staatstheater zu. Sieben Jahre lang hatte er den Aufschwung von Mainz geprägt, seit er Ende Februar 2001 über Nacht vom Spieler zum Trainer geworden war. Doch im siebten Jahr lief nichts mehr nach Plan. Klopp hatte 2001 die Rettung in der 2. Liga geschafft, war danach zweimal am Aufstieg gescheitert. 2004 klappte es dann – Mainz spielte erstmals Bundesliga und stürmte dank Fairplay-Wertung sogar in den Uefa Cup ( jetzt Europa League).MAINZ-REPORTER PETER MOUFARR EGE ...

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FOTOS: Matthew Ashton/AMA/Getty Images, Imago Images, Witters Mainz-Abschied nach verpasstem Aufstieg Sein letzter Auftritt ist längst legendär in Mainz. „Alles, was ich bin, alles, was ich kann, habt ihr mich werden lassen.“ Mit diesen Worten an die Fans nahm Jürgen Klopp (damals 40), immer wieder von Tränen übermannt, im Mai 2008 Abschied von seinem Herzensverein. Über 20 000 Anhänger jubelten ihm vorm Staatstheater zu. Sieben Jahre lang hatte er den Aufschwung von Mainz geprägt, seit er Ende Februar 2001 über Nacht vom Spieler zum Trainer geworden war. Doch im siebten Jahr lief nichts mehr nach Plan. Klopp hatte 2001 die Rettung in der 2. Liga geschafft, war danach zweimal am Aufstieg gescheitert. 2004 klappte es dann – Mainz spielte erstmals Bundesliga und stürmte dank Fairplay-Wertung sogar in den Uefa Cup ( jetzt Europa League).MAINZ-REPORTER PETER MOUFARR EGEAm Ende des dritten Bundesliga-Jahres ging’s wieder runter. Für Klopp, der längst unkündbar war, kein Grund aufzuhören. Anfragen von anderen Klubs blockte er ab. Er wollte die Rückkehr packen. Die Mission scheiterte. Mainz holte zwar 58 Punkte – vier mehr als beim Aufstieg vier Jahre zuvor –, wurde aber hinter Gladbach, Köln und Hoffenheim nur Vierter. Von 2001 bis 2008 war Klopp Chef trainer in Mainz„Bei Erfolg wäre er geblieben“, sagt Christian Heidel (59), damals wie heute der Macher von Mainz. Im Glauben, dass beide Seiten neue Impulse brauchten, verließ der Trainer Mainz. Klopp bekam Angebote von Leverkusen und Dortmund – und entschied sich für den BVB.Zweimal Meister, dann Abstiegsangst Auch in die Saison 2014/2015 startete der BVB unter Jürgen Klopp (55) 2015 als Meister-Kandidat – und fand sich nach der Hinrunde punktgleich mit Schlusslicht Freiburg auf Platz 17 wieder. Dortmund schwebte mit 15 Zählern in akuter Abstiegsgefahr. Wie kam es dazu? Dortmund wurde Opfer des eigenen Erfolges: Mit der Meisterschaft 2011, dem Double 2012 und dem sensationellen Einzug ins Champions-League-Finale 2013 (1:2 gegen Bayern) revolutionierte Klopp mit seinem Vollgas-Fußball die Bundesliga. Der Spielstil: schnell, aggressiv, kompromisslos, mit viel Herz und Leidenschaft und noch mehr Risiko als der Rest der Liga. Aber im siebten Klopp-Jahr entwickelte die Konkurrenz Gegenstrategien und passte sich dem BVB-Spiel an. Der FC Bayern rüstete unter Star-Trainer Pep Guardiola (51) personell auf. Spätestens nach der 2:5-Pleite im Pokalfinale 2012 war den Bayern klar, dass man reagieren musste. So holte der Rekordmeister mit Mario Götze (30) 2013 und Robert Lewandowski (34) 2014 die besten Spieler vom BVB. DORTMUND-REPORTER JÖRG WEILERDie Durchschnitts-Mannschaften stellten sich dagegen einfach hinten rein, um sich vom Klopp-Team nicht mehr überrennen zu lassen – Borussia fand keine Lösungen. In der Rückrunde zog Klopp die richtigen Schlüsse und bewies, dass er auch „Krise“ kann. Am Ende landete Dortmund noch auf Platz 7 und schaffte es zumindest in die Europa League.Klopp stand von 2008 bis 2015 beim BVB unter Vertrag Trotzdem war Klopp wie schon zuvor in Mainz der Ansicht, dass die Mannschaft neue Reize brauche und verkündet e im April 2015 trotz Vertrags bis 2018 seinen Abschied aus Dortmund. Schon fünf Punkte Rückstand auf City Klopps verflixtes siebtes Jahr war in Liverpool bisher kein Thema, doch der schwache Saisonstart mit nur zwei Punkten aus den ersten drei Spielen sorgte für schlechte Stimmung. Vor allem die Fans hatten Angst, dass man schon zu Beginn den Anschluss an Dauer-Meisterrivale Manchester City verlieren würde, die jetzt schon fünf Punkte Vorsprung haben. Zur Erinnerung: In der vergangenen Saison reichten 92 von 114 möglichen Punkten nicht zum Titel, weil City 93 holte. Das 9:0 gegen Bournemouth war extrem wichtig, um auch vielen Spielern, die noch nicht in Form sind, Auftrieb zu geben. Ja, es war nur Abstiegskandidat Bournemouth, trotzdem war die Reaktion der Mannschaft auffällig. Denn: Klopp versammelte nach dem 1:2 bei Manchester United sein Team und sprach sich den Frust von der Brust. Es sei kein Dialog, sondern eher ein Monolog gewesen, beschrieb er es hinterher – Klartext für die Spieler. Klopp forderte mehr Einsatz, mehr Leidenschaft und vor allem einen wacheren Start in die Spiele. Dass es gegen Bournemouth nach sechs Minuten 2:0 stand, ist der beste Beweis dafür, wie Klopp die Mannschaft erreicht. LIVERPOOL-REPORTER JAMES PEARCE Ich glaube nicht, dass ihm so eine schlimme Saison wie die letzte beim BVB 2015 noch einmal passiert. Es war hier immer Klopps Stärke, die Mannschaft zu erneuern und zu kitzeln. Diesen Sommer holte er mit Darwin Núñez (23) einen Mittelstürmer, für den er das gesamte Offensivspiel umstellt und direkter zum Tor kommen möchte. Und auch er selbst passt sich an. Am Anfang der Transferzeit verweigerte er die Diskussion darüber, ob noch ein Mittelfeldspieler kommen soll. In den vergangenen Wochen gab er zu, dass er falsch und die Öffentlichkeit richtig lag – und Liverpool einen Mittelfeldspieler suche.In jedem Fall ist das Ende der Ära Klopp bei Weitem nicht in Sicht, seine Vertragsverlängerung bis 2026 elektrisierte im April den gesamten Verein. Gleichzeitig möchte sich auch keiner vorstellen, wie es hier einmal aussehen sollte, wenn Klopp geht. Klopp arbeitet seit 2015 beim FC Liverpool, gewann 2019 die Champions League, 2020 die Meisterschaft und 2022 den FA Cup18 MILLIONEN EUROGehalt soll Klopp laut der Fachzeitschrift France Football im Jahr bei Liverpool kassieren. Dazu kommen Werbeeinnahmen von geschätzten 7,5 Mio. Euro

Mainz-Abschied nach verpasstem Aufstieg

Sein letzter Auftritt ist längst legendär in Mainz. „Alles, was ich bin, alles, was ich kann, habt ihr mich werden lassen.“ Mit diesen Worten an die Fans nahm Jürgen Klopp (damals 40), immer wieder von Tränen übermannt, im Mai 2008 Abschied von seinem Herzensverein. Über 20 000 Anhänger jubelten ihm vorm Staatstheater zu.

Sieben Jahre lang hatte er den Aufschwung von Mainz geprägt, seit er Ende Februar 2001 über Nacht vom Spieler zum Trainer geworden war. Doch im siebten Jahr lief nichts mehr nach Plan.

Klopp hatte 2001 die Rettung in der 2. Liga geschafft, war danach zweimal am Aufstieg gescheitert. 2004 klappte es dann – Mainz spielte erstmals Bundesliga und stürmte dank Fairplay-Wertung sogar in den Uefa Cup ( jetzt Europa League).

Am Ende des dritten Bundesliga-Jahres ging’s wieder runter. Für Klopp, der längst unkündbar war, kein Grund aufzuhören. Anfragen von anderen Klubs blockte er ab. Er wollte die Rückkehr packen. Die Mission scheiterte. Mainz holte zwar 58 Punkte – vier mehr als beim Aufstieg vier Jahre zuvor –, wurde aber hinter Gladbach, Köln und Hoffenheim nur Vierter.

„Bei Erfolg wäre er geblieben“, sagt Christian Heidel (59), damals wie heute der Macher von Mainz. Im Glauben, dass beide Seiten neue Impulse brauchten, verließ der Trainer Mainz.

Klopp bekam Angebote von Leverkusen und Dortmund – und entschied sich für den BVB.

Zweimal Meister, dann Abstiegsangst

Auch in die Saison 2014/2015 startete der BVB unter Jürgen Klopp (55) 2015 als Meister-Kandidat – und fand sich nach der Hinrunde punktgleich mit Schlusslicht Freiburg auf Platz 17 wieder. Dortmund schwebte mit 15 Zählern in akuter Abstiegsgefahr.

Wie kam es dazu? Dortmund wurde Opfer des eigenen Erfolges: Mit der Meisterschaft 2011, dem Double 2012 und dem sensationellen Einzug ins Champions-League-Finale 2013 (1:2 gegen Bayern) revolutionierte Klopp mit seinem Vollgas-Fußball die Bundesliga. Der Spielstil: schnell, aggressiv, kompromisslos, mit viel Herz und Leidenschaft und noch mehr Risiko als der Rest der Liga.

Aber im siebten Klopp-Jahr entwickelte die Konkurrenz Gegenstrategien und passte sich dem BVB-Spiel an. Der FC Bayern rüstete unter Star-Trainer Pep Guardiola (51) personell auf. Spätestens nach der 2:5-Pleite im Pokalfinale 2012 war den Bayern klar, dass man reagieren musste. So holte der Rekordmeister mit Mario Götze (30) 2013 und Robert Lewandowski (34) 2014 die besten Spieler vom BVB.

Die Durchschnitts-Mannschaften stellten sich dagegen einfach hinten rein, um sich vom Klopp-Team nicht mehr überrennen zu lassen – Borussia fand keine Lösungen. In der Rückrunde zog Klopp die richtigen Schlüsse und bewies, dass er auch „Krise“ kann. Am Ende landete Dortmund noch auf Platz 7 und schaffte es zumindest in die Europa League.

Trotzdem war Klopp wie schon zuvor in Mainz der Ansicht, dass die Mannschaft neue Reize brauche und verkündet e im April 2015 trotz Vertrags bis 2018 seinen Abschied aus Dortmund.

Schon fünf Punkte Rückstand auf City

Klopps verflixtes siebtes Jahr war in Liverpool bisher kein Thema, doch der schwache Saisonstart mit nur zwei Punkten aus den ersten drei Spielen sorgte für schlechte Stimmung. Vor allem die Fans hatten Angst, dass man schon zu Beginn den Anschluss an Dauer-Meisterrivale Manchester City verlieren würde, die jetzt schon fünf Punkte Vorsprung haben. Zur Erinnerung: In der vergangenen Saison reichten 92 von 114 möglichen Punkten nicht zum Titel, weil City 93 holte.

Das 9:0 gegen Bournemouth war extrem wichtig, um auch vielen Spielern, die noch nicht in Form sind, Auftrieb zu geben. Ja, es war nur Abstiegskandidat Bournemouth, trotzdem war die Reaktion der Mannschaft auffällig. Denn: Klopp versammelte nach dem 1:2 bei Manchester United sein Team und sprach sich den Frust von der Brust. Es sei kein Dialog, sondern eher ein Monolog gewesen, beschrieb er es hinterher – Klartext für die Spieler.

Klopp forderte mehr Einsatz, mehr Leidenschaft und vor allem einen wacheren Start in die Spiele. Dass es gegen Bournemouth nach sechs Minuten 2:0 stand, ist der beste Beweis dafür, wie Klopp die Mannschaft erreicht.

Ich glaube nicht, dass ihm so eine schlimme Saison wie die letzte beim BVB 2015 noch einmal passiert. Es war hier immer Klopps Stärke, die Mannschaft zu erneuern und zu kitzeln. Diesen Sommer holte er mit Darwin Núñez (23) einen Mittelstürmer, für den er das gesamte Offensivspiel umstellt und direkter zum Tor kommen möchte. Und auch er selbst passt sich an. Am Anfang der Transferzeit verweigerte er die Diskussion darüber, ob noch ein Mittelfeldspieler kommen soll. In den vergangenen Wochen gab er zu, dass er falsch und die Öffentlichkeit richtig lag – und Liverpool einen Mittelfeldspieler suche.

In jedem Fall ist das Ende der Ära Klopp bei Weitem nicht in Sicht, seine Vertragsverlängerung bis 2026 elektrisierte im April den gesamten Verein. Gleichzeitig möchte sich auch keiner vorstellen, wie es hier einmal aussehen sollte, wenn Klopp geht.

18 MILLIONEN EURO

Gehalt soll Klopp laut der Fachzeitschrift France Football im Jahr bei Liverpool kassieren. Dazu kommen Werbeeinnahmen von geschätzten 7,5 Mio. Euro