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Kneippen im Kloster


Land & Berge - epaper ⋅ Ausgabe 5/2021 vom 18.08.2021

Artikelbild für den Artikel "Kneippen im Kloster" aus der Ausgabe 5/2021 von Land & Berge. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Die Kapplkirche auf dem Glasberg liegt ein Stündchen Fußmarsch vom Kloster Waldsassen entfernt. Die Äbtissin liebt diesen Ort ? von dort hat man eine Traumaussicht über das gesamte Stiftland und bis hinein nach Tschechien

Jetzt spinnt die Äbtissin …“, raunte man damals, als M. Laetitia Fech vor über 20 Jahren die Ärmel hochkrempelte und begann, den riesigen, uralten Gebäudebestand des Klosters Waldsassen sanieren zu lassen. Heute bewundern Besucher nicht nur Basilika und Bibliothek, sondern mieten sich gleich im geschmackvollen Gästehaus ein. Sie kneippen, fasten, brauen Bier oder lernen im neuen Heilkräutergarten, welche Pflanze ihrem Gemüt guttut.

Land & Berge: Frau Äbtissin, Sie leiten das Kloster Waldsassen, betreuen aber auch Veranstaltungen wie Tagespilgerungen oder das Klosterfasten. Wie machen Sie das eigentlich, hat Ihr Tag 48 Stunden?

Äbtissin M. Laetitia Fech (lacht): Ich mache ja nicht alles allein, wir sind sieben Schwestern hier im Kloster sowie viele weltliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Aber es stimmt schon: Ich habe genug zu tun. Natürlich läuft sehr vieles über meinen Schreibtisch, und dann ...

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... betreue ich auch manche Veranstaltungen wie zum Beispiel die Tagespilgerungen – ich bin zertifizierte Pilgerbegleiterin. Und durch meine Ausbildung zur ärztlich zertifizierten Fastenleiterin darf ich auch das Klosterfasten anleiten. Das kann ich übrigens sehr empfehlen: Einmal im Jahr das Buchingerfasten, das ist so heilsam –gerade für den Blutdruck oder bei Gelenkproblemen. Und es ist auch beeindruckend zu sehen, mit wie wenig der Körper auskommt.

Sie sind 1995 überraschend zur Äbtissin gewählt worden, wurden also quasi über Nacht von der Paramentenstickerin, die liturgische Gewänder verziert, zur Managerin, die das Kloster auf komplett neue Beine gestellt hat. Das war sicher nicht immer leicht.

Ja, das stimmt. Ich musste das, was bis dahin meine Welt war, hinter mir lassen. Das war tatsächlich nicht leicht, aber es steckt ein kreativer Geist in mir – und natürlich habe ich viele Fachleute engagiert.

Wie sah es hier denn damals aus, als Sie nach Waldsassen kamen?

Nun, wir waren steinreich … Also wir hatten viele Steine, einen riesigen Gebäudebestand, der zum Teil leer stand oder sogar fast am Verfallen war. Diese Gebäude wollte ich mit Leben füllen und habe deshalb versucht herauszufinden, was für die Abtei in der heutigen Zeit zukunftsweisend sein könnte – verwurzelt in der Spiritualität der Zisterzienser.

Sie haben dafür beim Institut für Entwicklungsplanung und Strukturforschung Hannover eine Studie in Auftrag gegeben. Was kam dabei heraus?

Die Hauptprojekte, die wir daraus gezogen haben, waren das Kultur- und Begegnungszentrum, die Umweltstation und das Gästehaus, das wir nach 40 Jahren Leerstand saniert haben. Schließlich sagte der heilige Benedikt ja schon, dass es einem Kloster nie an Gästen fehlen solle. Dies zu erfüllen, war gar nicht so leicht, denn Waldsassen ist in den Köpfen der Menschen ja so weit weg. Wir sind fünf Kilometer von der tschechischen Grenze entfernt, das klingt für viele immer noch nach Eisernem Vorhang. Dabei ist es landschaftlich wunderschön, das überrascht die Leute oft. Außerdem fahren die Waldsassener ja auch öfter nach München – und das ist auch nicht näher als andersrum (lacht).

Sie bieten den Gästen viel: Klassiker wie die Bibliothek oder die Basilika, aber auch eine Umweltstation. Letzteres klingt gar nicht nach Kloster.

Dabei geht es hier doch um die Bewahrung der Schöpfung, also eigentlich ein urchristliches Thema! Die Umweltstation ist auch sehr erfolgreich, sie wird inzwischen in einem Atemzug mit Bibliothek und Basilika genannt. Eine Herzensangelegenheit ist uns der Kloster- und Naturerlebnisgarten, in dem wir biologische Vielfalt leben. Innerhalb des Gartens gibt es verschiedene Bereiche, zum Beispiel den Garten nach Pfarrer Sebastian Kneipp.

Das können Sie hier erleben: Pilgern, Kneippen, Basilika …

● Die Basilika und die Stiftsbibliothek sind über den süddeutschen Raum hinaus bekannt. Für die Besichtigung der Bibliothek bitte anmelden unter klosterladen@abteiwaldsassen.de oder Telefon: 0 96 32/92 00 25. Die Basilika ist täglich geöffnet. www.pfarrei-waldsassen.de

● Das Gästehaus St. Joseph liegt im ältesten, mittelalterlichen Teil des Klosters. Hier gibt’s Einzel-, Doppelzimmer sowie Maisonettes oder man bucht gleich eines der Pauschal-Angebote wie Seelen-Wellness oder die Radler- Pauschale. www.haus-sankt-joseph.de

● Kneippen: Das Kultur- und Begegnungszentrum hat regelmäßig Kneipp-Veranstaltungen und -Einführungen im Programm: www.kubz.de/cms/gesamtprogramm-kubz

● Pilgern, Fasten, Chorgebet: Die Äbtissin lädt zweimal im Jahr zu Tagespilgerungen auf der „Via Porta“, einmal im Jahr zur Fastenwoche nach Buchinger und täglich zum Chorgebet in der Klosterkirche (Infos s. „Kneippen“).

● „Ruhegebet“ nach Johannes Cassian: Wer tiefer eintauchen will, hat bei dieser viertägigen „Auszeit“ die Möglichkeit, Klosterleben zu schnuppern (s. „Kneippen“).

● Kontakt Kloster: www.abtei-waldsassen.de

Eines Ihrer Lieblingsthemen, oder?

Ja, Kneipp liegt mir wirklich sehr am Herzen. Seine Philosophie begleitet mich seit meiner Kindheit:

Meine Tante war immer in Bad Wörishofen zur Kur und ich durfte sie dort besuchen, durfte Arm- und Fußbäder machen … Aber Kneipp ist ja noch viel mehr: Es geht auch um Ernährung, um Heilkräuter, um Bewegung und um Lebensordnung. Kneipp sagte: „Erst als ich Ordnung in die Seelen der Menschen brachte, besserten sich auch ihre körperlichen Leiden.“ Das gehört ja auch zur christlichen Lehre, es ist ein ganzheitlicher Ansatz: ein Leben in Balance.

Das Leben in Balance passt auch zu Ihrem neuen Projekt im Garten, der traditionellen europäischen Medizin. Was hat es damit auf sich?

In der Temperamentenlehre der traditionellen europäischen Medizin geht man davon aus, dass jedes Temperament seine Stärken und Schwächen hat: Die Beete sind nach den Temperamenten Sanguiniker, Melancholiker, Phlegmatiker und Choleriker aufgeteilt und mit Heilpflanzen und Gemüse bepflanzt, die dem jeweiligen Typus im Leben helfen können.

Und was hilft Ihnen im Alltag, diese große Aufgabe der Klosterleitung zu managen?

Die Zimmerleute haben mir damals nach dem ersten Bauabschnitt aus einem Restbalken einen heiligen Josef geschnitzt. Der ist für alles zuständig: Er hat einst Maria und Jesus beschützt, er ist Schreiner und krempelt die Ärmel hoch. Und er war mein Finanzminister während des Umbaus. Manche Bauanträge hab ich ihm unter die Füße geschoben – und schon war alles leichter.

Interview: Susanne Drießle