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Knoten im Holz


HolzWerken - epaper ⋅ Ausgabe 88/2020 vom 20.08.2020

Eine ausgeklügelte Eckverbindung, die gut an der Kreissäge hergestellt werden kann. Das ist der Nodus-Knoten. Tischlermeister Peter Seeland teilt die Geheimnisse der Herstellung.


Artikelbild für den Artikel "Knoten im Holz" aus der Ausgabe 88/2020 von HolzWerken. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HolzWerken, Ausgabe 88/2020

Die Nodus-Verbindung lassen sich in einzigartiger Weise Gestellmöbel bauen, die wiederum zu ästhetisch anspruchsvollen Möbeln gefügt werden: Tische, Regale, Stühle und vieles mehr sind mit dieser Konstruktion möglich. Ihr Aufbau ist dabei frappierend einfach:

Man geht von stabförmigen, rechtwinklig ausgehobelten Holzkanteln aus. Ihr einheitlicher Querschnitt muss präzise im Verhältnis 2:3 sein. Die Länge passt sich dem Projekt ...

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... an. Die Verbindung besteht grundsätzlich aus der gleichzeitigen Einbringung von Schlitz und Zapfen am Kantelende. Dadurch lassen sich drei Kanteln zu einer Eckverbindung zusammenstecken. Diese Verbindung kann lösbar bleiben, verleimt oder durch einen cleveren Mechanismus gehemmt werden – mehr dazu im nächsten Teil dieser kleinen Nodus-Serie. Eine Nodus-Verbindung kann so klein ausgeführt werden, dass der nötige Schlitz gerade einmal einer Sägeblattstärke entspricht – oder so groß, dass ein ganzes Carport damit gebaut werden könnte (was allerdings mal ein Statiker durchrechnen müsste). Daher nennen wir hier auch keine konkreten Maße. Stattdessen basieren alle Maßangaben auf der längeren Seite des rechteckigen Kantelquerschnitts, den wir hier als Grundmaß gleich „1” setzen. Die Höhe des Querschnitts ist entsprechend 2/3.

Serie: Der Nodus-Knoten
Teil 1: Aufbau und Herstellung
Teil 2: Verleimung und Verriegelung

Die Herstellung läuft so ab:

• Querschnitt (Kantel liegt flach auf der Kreissäge): Schnitthöhe 1/2, Abstand von der Kante: 2/3

• Absetzen (Kantel aufrecht an der Kreissäge): Dicke des verbleibenden Holzes 1/2 , Höhe 2/3

• Drehung 90°, dann erster Schlitzschnitt: Abstand von der Kante: 1/3, Schnitthöhe 3/3

• Zweiter Schlitzschritt: Abstand von der anderen Kante: 1/3, Schnitthöhe 3/3

• Entfernen des Abfalls zwischen den Schnitten (Stemmen oder Schneiden)

Haben Sie nun einen Knoten im Hirn? Seien sie versichert, wenn Sie die Verbindung einmal testhalber an drei Kanteln angeschnitten und zusammengesteckt haben, folgt der große Aha-Effekt. Um einmal bei den Maßen doch konkret zu werden: Beginnen Sie Ihren Nodus-Weg der Einfachheit halber mit Kanteln des Querschnitts 3 x 2 cm. Ein Testlauf zum besseren Durchdringen der Technik ist auf jeden Fall sinnvoll.

Wenn die fertige Verbindung an allen Außenkanten eine Fase haben soll, so empfiehlt es sich, diese vorher an einer Längskante und den beiden daran angrenzenden kurzen Hirnholzkanten anzufräsen.

Natürlich hat der „Nodus” auch Nachteile:

• Sie sind auf einen rechteckigen Querschnitt der Gestellteile festgelegt.

• Paradox: Ein Gestell-Würfel nach Nodus- Art mit quadratischen Außenmaßen hat als Fläche zwischen den Rahmenhölzern keine Quadrate, sondern Rechtecke. Das gilt es beim etwaigen Einpassen von Füllungen zu beachten!

• Die Nacharbeit und Weiterverarbeitung der fertigen Verbindung ist unter Umständen aufwändig.

Doch diese Nachteile werden bei weitem von den Vorteilen aufgewogen:

• Die Querschnitte der Kanteln und die Ausbildung der Enden sind immer gleich.

• Die Länge jeder Kantel entspricht dem Außenmaß.

• Nodus bietet hohe Stabilität, besonders, wenn es sich um ein geschlossenes Gestell handelt.

• Der Knoten ist zerlegbar – damit ist auch die nachträgliche Trennbarkeit der Materialien möglich.

• Die Verbindung bietet universelle Anwendungsmöglichkeiten – wie Lego in Holz!

• Querschnitte vom Miniaturformat bis Balkenstärke sind möglich.

Normalerweise werden Nodusverbindungen in der Tischlerei Seeland an stationären Tischlereimaschinen gefertigt. Für die Artikel in HolzWerken haben wir eine Unterflur- Zugkreissäge gewählt, damit auch Sie diese Verbindung umsetzen können.

Eine Halterung zum sicheren Absetzen von Zapfen und dem Schlitzen am Anschlag der Kreissäge ist absolut nötig. Nur sie kann das meist hochkant stehende Werkstück sicher halten und dabei ein Höchstmaß an Genauigkeit gewährleisten. Dazu wird ein senkrechter Anschlag vorn am Parallelanschlag befestigt und im Abstand dazu einen seitlich verstellbaren Exzenterhebel angebracht. Dieser sollte nicht dicker als die halbe Kantelstärke sein.

Verstellbar muss er deshalb, sein, weil man die im Querschnitt rechteckige Kantel einmal drehen muss. Hier in den Bildern ist ein mit einer Längsnut versehener Anschlag aus Metall zu sehen, der leicht durch eine Multiplex-Streifen mit eingelassener T-Nut ersetzt werden kann.

Ist das Werkzeug durch den Exzenterhebel fixiert, kann man mit einer Hand das Werkstück weit oben zusätzlich festhalten, während die andere das Durchziehen des Sägeblattes übernimmt. Somit sind beide Hände außerhalb des Gefahrenbereiches des Sägeblatts. Der Spaltkeil ist bei diesen Verdecktschnitten abgesenkt, aber nicht entfernt.

Falls Sie keine Zugkreissäge besitzen, können Sie auf Ihrer Tischkreissäge auch mit Schiebehölzern und Kniehebelspannern eine sichere Schlitzvorrichtung bauen. Auch das Umsetzen der Nodus-Verbindung rein mit Handwerkzeugen ist mit einiger Übung machbar. Denkbar ist auch die Herstellung auf dem Frästisch.

Probieren Sie Ihre Variante aus: Sie werden fasziniert sein von der Macht des Knotens!

1 | Für Ihre erste Nodus-Verbindung reißen Sie sich alles der Reihe nach an: Die grüne Markierung zeigt den Zapfen (oder auch Abplattung), der in den Schritten 1 und 2 entsteht (siehe Text). Die rote Linie markiert den Schlitz (Schritte 3 und 4).

2 | Sie können fast alle nötigen Maße an den zuvor exakt im Seitenverhältnis 2:3 ausgehobelten Kanteln abnehmen. Hier ist es die Dicke („2/3”), die …

3 | … im nächsten Handgriff die Zapfenlänge auf einer Kantel markiert.

4 | Hier reißt das Streichmaß zunächst „1/3” für den Zapfen an. Die Linien sind zur Verdeutlichung vorab farbig gekennzeichnet. Auch die Flanken des roten Schlitzes können Sie mit dieser 1/3-Einstellung festgelegen.

5 | Die volle Breite der Kantel („1”) legt in einem weiteren Schritt die Tiefe des roten Schlitzes (siehe Bild 1) fest. Natürlich müssen Sie nicht alle Kantelenden anreißen. Wenn die Maschine gut eingestellt ist, sind weitere Marken nicht mehr nötig.

6 | Für Schnitt 1 stellen Sie die Säge auf Schnitthöhe 1/3 ein (das halbiert den Querschnitt bei diesem Schnitt). Sie können für den Schnitt wie hier den Längsanschlag oder den Parallelanschlag der Kreissäge benutzen.

7 | Bauen Sie sich nach den Gegebenheiten Ihrer Säge eine Haltevorrichtung, um die langen Teile aufrecht sicher schneiden zu können. Diese hier nutzt eine Nut in der Anschlagschiene, doch es gibt verschiedene Möglichkeiten des Baus.

8 | Der kräftige, exzentrisch gelagerte Spannhebel drückt das Werkstück an den dahinter befestigten Halteklotz. Dann zieht die rechte Hand das Sägeaggregat nach vorne – beide Hände sind sicher aus dem Gefahrenbereich heraus!

9 | Schlitzen Sie im nächsten Schritt die um 90° gedrehte Kantel von beiden Seiten ein – dafür muss die Spanneinheit nachjustiert werden. Klar ist, dass die Schrauben von Halteklotz und Spannhebel nie in die Schnittbahn geraten dürfen.

Die Geschichte der Nodus-Verbindung

1985, ein Jahr nach meiner Betriebsgründung, sah ich die Abbildung eines Meister- oder Gesellenstückes in einer Tischlerfachzeitschrift. Hier wurde ein Schrankkorpus mittels einer Brettverbindung als tragende Konstruktion gebildet. Diese an den Enden im Verhältnis 1:3 geschlitzten Bretter wurden zusammengeschoben und bildeten eine konstruktive Eckverbindung. Ich fand sie schon in der Ansicht zu „beweglich”. Der Schweizer Architekt Werner Blaser entwarf einige Möbel mit dieser Verbindung. Es war hierbei immer eine Füllung nötig, um dem Ganzen Stabilität zu geben. Diese Stabilität habe ich durch Verdoppelung des Querschnittes (Verhältnis 2:3) erreicht.

Durch sie entsteht eine Brüstung oder „Schulter”. Nun war es möglich, stabilen Gestellbau zu betreiben, der keine aussteifende Füllung benötigt. Zudem ist alles auch zerlegbar und alle Teile sind an den Enden wieder gleich ausgeführt. Das hat mich begeistert und so sind im Laufe von 35 Jahren viele Möbel der verschiedensten Typen mit dieser Verbindung entstanden. Die Eckverbindung benannte ich „Nodus” – lateinisch der Knoten, was aber auch Verwicklung/ Schwierigkeit bedeutet.

Erst durch die Vorstellung meiner Möbel bei der Bilder-Plattform Pinterest 2019 erfuhr ich vor einigen Monaten, dass mit dieser Verbindung auch schon in den 1960er Jahren durch den Künstler Pierre Chapo Stühle gebaut wurden. Ich glaube indes nicht, dass er der Urheber dieser Verbindung ist. Der Ursprung liegt wohl in der frühen Geschichte des Handwerks – so, wie auch heute keiner sagen kann, wer die Zinkenverbindung erdacht hat.

Peter G. Seeland ist Tischlermeister im eigenen Betrieb in Gleichen bei Göttingen. HolzWerken hat den innovativen Handwerker, der auch auf Shaker-Möbel spezialisiert ist, in Ausgabe 30 (September/Oktober 2011) porträtiert.

10 | Stemmen Sie den Bereich zwischen den Schlitzen mit einem Stecheisen aus. Arbeiten Sie dabei von beiden Seiten aus zur Mitte hin, um Ausrisse zu vermeiden.

11 | Machen Sie die Probe aufs Exempel: Die Schlitztiefe muss exakt so bemessen sein wie die Dicke des Zapfens

12 | Es ist soweit! Stecken Sie die ersten beiden Kanteln zusammen. Die „Finger”, die den Schlitz bilden, liegen beim Nodus immer im Inneren der Verbindung. Drehen Sie die Kanteln jeweils entsprechend.

Fotos: Peter G. Seeland

13 | Wenn alles genau gesägt wurde, rutscht die dritte Kantel haargenau in die verbliebenen Lücken der Verbindung. Hier hilft es, wenn vorab bei allen Teilen die Kanten gebrochen wurden.

14 | Testen Sie in Ruhe, bis alle Einstellungen beim Schneiden passen. Erst dann beginnen Sie mit dem Anschnitt aller Verbindungen. Denn schon für einen Kubus mit Nodus-Verbindungen werden 24 Kantelenden mit je vier Schnitten versehen.

15 | Passt! So sieht der fertig gesteckte Nodus roh aus. Wenn die Hirnholzpartien um den berühmten „Hauch” überstehen, lässt sich die Verbindung später sehr verputzen. Übrigens: Der „fehlende” Würfel in der Ansicht ist das Kennzeichen dieser Verbindung.