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KNOW-HOW PFLANZEN:RISPENHORTENSIEN: MÄRCHENHAFT GUT


TASPO GARTEN-DESIGN - epaper ⋅ Ausgabe 7/2018 vom 05.10.2018

Schneeweißchen und Rosenrot – wer denkt beim Lesen dieses Märchens schon an Hortensien? Vermutlich niemand. Obwohl dies gar nicht so abwegig ist. Manche Sorten der Rispenhortensien machen im Laufe des Jahres eine wundersame Verwandlung durch: vom wunderhübschen Schneeweißchen mit herrlich weißer Blüte zum bezaubernden Rosenrot mit blutroten Blütenständen. Wegen dieser erstaunlichen Verwandlung – aber nicht nur deshalb – bereichern Rispenhortensien jeden Garten.


Artikelbild für den Artikel "KNOW-HOW PFLANZEN:RISPENHORTENSIEN: MÄRCHENHAFT GUT" aus der Ausgabe 7/2018 von TASPO GARTEN-DESIGN. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Manche Rispenhortensien zeigen im Spätsommer ein rotes Flammenmeer. Fotos: Gerd Reidenbach


Die Rispenhortensien (Hydrangea paniculata) gehören ...

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... aktuell zu den beliebtesten Gartengehölzen. Dies ist auch nicht verwunderlich, da sie neben ihrer unkomplizierten Verwendung viele gestalterische Möglichkeiten eröffnen und dem Garten ein romantisches Flair verleihen. Egal, ob man einen Bauern-garten, einen zeitgenössisch modernen oder einen repräsentativen formal gestalteten Garten sein eigen nennt, eine Rispenhortensie passt immer in den Garten. Besser noch, man pflanzt gleich mehrere Exemplare, da Hortensien in Gruppen besser zur Geltung kommen als Einzelpflanzen.

Dabei sind Rispenhortensien recht anspruchslos. Die aus den Bergen Asiens stammenden Gehölze begnügen sich mit den meisten Böden, lediglich wasser- und luftundurchlässige Böden werden nicht vertragen. Auch alkalische Standorte sollten gemieden werden, da die Rispenhortensien einen sauren bis neutralen Standort bevorzugen. Sie sind gut winterhart und können in der vollen Sonne stehen. Letzteres setzt allerdings eine gute Wasserversorgung voraus, da auch die Rispenhortensien den für die Gehölzgattung Hydrangea typischen hohen Wasserbedarf haben. Optimal ist ein windgeschützter Standort im lichten Schatten von Bäumen, der Schutz vor der heißen Mittagssonne gewährt. Ungeeignet ist dagegen ein vollschattiger Standort, da die Hortensien unter diesen Bedingungen nur unzureichend zur Blüte kommen.

Ein Traum in Weiß und später in Rosa: Die Sorte ‘Phantom’ begeistert durch die großen Blüten und ihr spannendes Farbspiel.


‘Limelight’ blüht erst cremefarben, später weiß.


Die Zwergform ‘Little Lime’ verfärbt sich zart rosa.


Die Top-Sorte ‘Pinky Winky’ blüht erst weiß


und danach intensiv rot


Die Sorte ‘Bobo’ ist eine der kleinsten im Sortiment.


Die Sorte ‘Kyushu’ ist eine sehr insektenfreundliche Sorte.


Ein aparter Übergang von Weiß zu Rot: die Sorte ‘Magical Flame’.


Auch ‘Magical Fire’ startet im Spätsommer ein Feuerwerk.


‘Wim‘s Red’ tritt erst als Schneeweißchen


und dann als Rosenrot (rechts) auf.


Die Sorte ‘Levana’ bildet sehr große Blütenstände aus.


Ein Kerzenlicht im August: die Sorte ‘Candlelight’.


Die Sorte ‘Early Sensation’ bildet früh Blüten aus, die sich dann später rot verfärben.


Auch wenn man im eigenen Garten einen für Hortensien völlig ungeeigneten Boden haben sollte, muss man auf diese Gehölzgruppe nicht verzichten. Rispenhortensien lassen sich aufgrund ihrer Frosthärte gut als Kübelpflanze für die Terrasse einsetzen. Günstig ist hier allerdings ein Standort, an dem die Pflanzen der Winterkälte nicht ungeschützt ausgesetzt sind. Besonders bei jungen Pflanzen empfiehlt sich unter diesen Bedingungen entweder ein frostfreies Überwintern oder zumindest ein entsprechender Winterschutz.

Botanisch interessant und ökologisch wertvoll

Haben Sie sich den Blütenstand einer Rispenhortensie einmal genauer angesehen? Falls nicht, dann sollten Sie es nachholen, da dieser aus botanischer Sicht durchaus interessant ist. Die 15 bis 25 Zentimeter langen Rispen setzen sich aus zwei unterschiedlichen Blütentypen zusammen: Die der Samenbildung dienenden fertilen Blüten, die immer weiß und eher unauffällig sind, enthalten Pollen und Nektar. Je nach Sorte verströmen diese Blüten einen intensiven Duft, der auf Insekten sehr anziehend wirkt. Die sterilen Blüten dienen dagegen nicht der Vermehrung, da sie keine Samen ausbilden können. Optisch auffällig erhöhen diese jedoch die Attraktivität des Blütenstandes, wodurch Insekten angelockt werden. Auch die sterilen Blüten sind weiß, sie können sich jedoch bei einigen Sorten in der Abblüte rosa bis rot verfärben. Durch diese Laune der Natur ergeben sich zum Spätsommer zum Teil feuerrote Farbaspekte. Wer diesen effektvollen Auftritt der Rispenhortensien nutzen möchte, muss jedoch bei der Sortenwahl aufpassen, da nicht alle Sorten diese Fähigkeit besitzen. Allerdings wird das Sortiment immer größer an Sorten, die diese Eigenschaft haben. Besonders intensiv rot verfärben sich zum Beispiel die Blütenstände der Sorten ‘Pinky Winky’, ‘Wim‘s Red’, ‘Candlelight’ sowie ‘Magical Fire’ und ‘Magical Flame’.

Zur Förderung von Bienen und Wildinsekten ist es sinnvoll, Sorten zu verwenden, die einen hohen Anteil an fertilen Blüten aufweisen. Durch ihre späte Blüte im Juli bis September sind die Rispenhortensien eine durchaus wichtige Nahrungsgrundlage für Insekten, da zu dieser Zeit das Nahrungsangebot bereits recht knapp ist. Sorten mit einem Großteil fruchtbarer Blüten wie zum Beispiel die Sorten ‘Kyushu’ und ‘Levana’ ähneln stark der Urform und sehen dadurch natürlicher aus. Insbesondere für naturnahe Staudenrabatten sind entsprechende Typen daher empfehlenswert.

Die Blüten werden bei den Rispenhortensien am diesjährigen Holz gebildet. Ein tiefer Rückschnitt im Frühjahr auf circa 30 Zentimeter Höhe führt zu einem kräftigen Neuaustrieb mit großen Rispen. In wintermilden Regionen kann auf einen Rückschnitt jedoch auch verzichtet werden, wodurch Wuchshöhen und -breiten von drei bis vier Metern erreicht werden können. Bei diesem Pflegeregime muss allerdings beachtet werden, dass ausreichend Platz für die Pflanzen zur Verfügung steht und dass der starke vegetative Wuchs etwas zu Lasten der einzelnen Blüten geht, die insgesamt kleiner bleiben. Überhaupt ist die Wuchshöhe der Rispenhortensien recht variabel und hängt auch stark vom Standort ab. Die zum Teil beachtlichen Wuchshöhen, die unter maritim geprägten Bedingungen erreicht werden können, lassen sich zum Beispiel nicht an Standorten erzielen, die durch ausgeprägte Lufttrockenheit und geringe Niederschlagsintensitäten geprägt sind.

Rispenhortensien sind insektenfreundliche Pflanzen.


Die Rispenhortensie hat das Potenzial, zwei bis vier Meter hoch zu werden.


Wer möchte solche Blütenstände bereits im Herbst abschneiden?


Eine Zierde für den winterlichen Garten

Ein jeder Gartenbesitzer sollte das Ziel verfolgen, seinen Garten auch in der vierten Jahreszeit attraktiv zu gestalten. Strukturstabile Pflanzen, markante Gehölzformen und Gehölze mit winterattraktiven Fruchtständen erfüllen diese Aufgabe aufs Beste. Aber auch die Hortensien mit ihren getrockneten Blütenständen stellen eine große Bereicherung für den herbstlichen und winterlichen Garten dar. „Keine Blume stirbt schöner“ merkte schon der berühmte Gartenphilosoph Karl Foerster an. Gelegentlich wird der Empfehlung, die vertrockneten Blütenstände am Strauch über Winter stehen zu lassen, entgegnet, dass hierdurch die Gefahr besteht, dass es zu einem verstärkten Grauschimmel-Befall an der Pflanze kommen kann, da die Sporen dieses Pilzes in den Blütenständen überdauern können. An einem normalen Standort mit leichtem Luftzug sollte diese Gefahr jedoch überschaubar sein. Jeder, der einmal den Reiz eines mit Rauhreif belegten Rispenstandes einer Hortensie im Winter erlebt hat, wird das Abschneiden der Blüten im Herbst als Frevel ansehen und gerne die geringe Gefahr in Kauf nehmen.

Auswahlkriterien für die Sortenwahl

Die Sortenvielfalt bei den Rispenhortensien ist inzwischen sehr groß und steigt jährlich an. Für welche Sorte man sich entscheidet, hängt maßgeblich vom gewünschten Verwendungszweck und dem eigenen Geschmack ab. Auswahlkriterien sind natürlich die Größe, der Blütenaufbau und die Blühintensität. Aber auch die Fähigkeit der Rotverfärbung der Rispen sowie die ökologische Wertigkeit der Sorte können ausschlaggebende Kriterien sein. Selbstverständlich sollten die Sorten auch standfest sein, was nicht bei allen Sorten gewährleistet ist. Einige empfehlenswerte Sorten, die sich selbst unter den kontinentalen Bedingungen und dem leicht alkalischen Boden an der Lehr- und Versuchsanstalt in Erfurt bewährt haben, sind der Tabelle 1 zu entnehmen.

Übrigens: Herbstzeit ist die beste Pflanzzeit. Diese alte Gärtnerregel, die zunehmend in Vergessenheit gerät, sollte zukünftig wieder öfters beachtet werden. Ist der Boden im Herbst noch warm, können sich die Gehölze nach dem Pflanzen bereits leicht einwurzeln und die Winterfeuchtigkeit nutzen, um im Frühjahr kräftig auszutreiben. Ein Vorteil, den auch unsere Hortensien zu schätzen wissen.

DER AUTOR

Dr. Gerd Reidenbach studierte nach seiner Gärtnerlehre in einer Baumschule Gartenbauwissenschaften in Hannover. An der Lehr-und Versuchsanstalt für Gartenbau in Erfurt ist er als Abteilungsleiter Versuchswesen und Fachbereichsleiter Gartenund Landschaftsbau tätig.