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KÖDERFISCH-ZANDER: MIT FINESSE IN DIE DÄMMERUNG


Blinker - epaper ⋅ Ausgabe 100/2018 vom 14.09.2018

Abendliches Köderfischangeln auf Zander klingt nach Ansitz und Aufwand. Muss es aber nicht sein.Johannes Radtke geht mobil mit Dropshot und Pose auf die Pirsch.


Artikelbild für den Artikel "KÖDERFISCH-ZANDER: MIT FINESSE IN DIE DÄMMERUNG" aus der Ausgabe 100/2018 von Blinker. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Blinker, Ausgabe 100/2018

Das Dropshot-Rig ist eine top Montage für das Fischen in der Dunkelheit. Sie spüren stets, was unten passiert, und fischen sehr präzise.


Spinnfischen mit Gummifisch oder Wobbler, Ansitzen mit Köfi – das sind die bekannten Optionen, wenn es auf Zander geht. Ich kombiniere gern die besten Eigenschaften aus Natur- und Kunstköderangelei und habe so noch mehr Erfolg – und Spaß!

Nach einschlägiger Meinung der meisten Zander-Experten, die ich zum Thema ...

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... befragt habe, ist ein echtes Fischchen als Köder meist nicht zu schlagen. Selbst eingefleischte Gummifisch-Angler gaben zu, dass ein Köfi in den meisten Situationen einfach besser ist. Wenn die Dunkelheit einbricht, verstärkt sich der Vorteil des Naturköders nochmals – dessen bin ich mir sicher! Nun liegt das Ansitzangeln mit Köderfisch nicht jedem im Blut. Auch mir ist es meist zu aufwendig und, um ehrlich zu sein, oft auch zu langweilig. Es liegt mir einfach mehr, die Fische zu suchen und Plätze abzuklopfen.

Dennoch wollte ich die Vorteile des Köderfisches nutzen – zumal ich viel in der Dämmerung am Wasser bin. Eine Kombination aus bewegtem Spinnfischen und Köderfischangeln musste her. Ein Köderfisch am Drachkovitch-System ist da eine Möglichkeit. Diese Montage brachte Fisch, doch die Fänge gingen mit Einbruch der Dämmerung zurück, so wie man es auch vom Jiggen mit Gummifisch kennt. Mein erster Versuch war es, den Köderfisch am Bleikopf langsamer anzubieten, die Absinkphasen also extrem zu verlängern. Dies lässt sich mit sehr leichten Bleigewichten erreichen. Doch sämtliche Köderkontrolle über die Rute geht so flöten – am Tage kann man noch die Schnur beobachten, nachts fischt man so quasi ohne Feedback. Nicht gut.

DURCHBRUCH DROPSHOT

Ich hatte zuvor bereits viel mit Dropshot und Gummiködern in der Dämmerung experimentiert und war von Köderkontrolle und Anzahl der Bisse ganz überzeugt. Es lag daher nichts näher, als einfach einen kleinen Köfi auf den Haken zu stecken.

Rutenspitze erhoben und volle Konzentration: Das Angeln mit Köderfisch am Dropshot ist eine aktive und spannende Angelegenheit.


Jetzt kommt eine dieser „Ja, na klar!”-Geschichten: Ich kam ans Wasser, montierte schnell ein Dropshot-Rig, holte ein kleines Rotauge aus dem Gefrierbeutel, köderte es am Kopf an, warf es in die Kehrströmung der Buhne, ließ die Montage absinken, spannte die Schnur und sofort hämmerte es in der Rutenspitze – kein Scherz! Die augenblicklichen Erfolge am Tage waren großartig, doch mit Einbruch der Dämmerung wurde es noch besser! Mehr als doppelt so viele Bisse und deutlich weniger Fehlbisse im Vergleich zu Gummi und Wobbler sind schon ein eindeutiges Zeichen.

Die Köderführung ist wirklich kinderleicht und selbst in völliger Dunkelheit werden Sie dank eines etwas schwereren Endgewichts ein gutes Ködergefühl haben. In der Regel zupfe ich die Montage mit kurzen Pausen nicht zu langsam zu mir heran. Wenn ich einen Punkt ausgemacht habe, an dem immer wieder Bisse kommen, lasse ich den Köfi dort gern ein wenig länger verweilen – das Dropshot-Rig erlaubt es mir, dieses Spielchen beliebig lange zu spielen. Irgendwann schnappt der Zander schon zu. Es ist nur die Frage, wer eher die Geduld verliert: Fisch oder Angler?

Der Autor bevorzugt eher kleine Köderfische wie Grundeln, Lauben und Jungfische. Sie werden vom Zander sofort geschluckt, so kann der Anhieb zügig gesetzt werden.


VERKEILTE BLEIE

Ich habe nie so ganz verstanden, warum man sich beim Angeln mit Dropshot darauf beschränken sollte, den Köder sehr langsam zu führen. Kleinere Flächen kann man mit einem entsprechend schwerer gewählten Endblei schon absuchen, jedoch nicht so schnell wie mit dem Jig. Um Fische auf einer weitläufigen Wasserfläche zu suchen, ist das Dropshot-Rig nicht gedacht und nicht wirklich geeignet. Mit Einbruch der Dämmerung weiß ich aber in der Regel, wo ich die Fische zu erwarten habe und kann den interessanten Angelplatz entsprechend eingrenzen.

Einige der Plätze, an denen ich Zander in der Dämmerung und nachts gern beangle, sind für den zweiten Nachteil verantwortlich: Das über den Grund schleifende Endblei ist ein echter Hänger-Magnet. Sobald der Untergrund zu unrein wird, ist das Dropshot-Rig stark limitiert. Mehr als einen Zander konnte ich nicht haken, weil das Blei sich irgendwo verkeilt hatte, während ich den Biss bekam. Beim Anhieb sind dann nur der Widerstand vom Hänger und ein, zwei wütende Kopfstöße zu spüren.

Es gibt drei Möglichkeiten, die Hängergefahr etwas zu minimieren. Zuerst ist die Form des Bleis wichtig: Benutzen Sie längliche Stabbleie, diese rutschen zwar auch in Steinlücken, doch man bekommt sie eher wieder heraus als runde Modelle. Sehr leichte Gewichte neigen ebenfalls weniger dazu, zwischen Steinlücken zu kullern – allerdings geht dies zulasten des Ködergefühls. Letztlich können Sie Ihre Verluste im Rahmen halten, indem Sie eine Reißleine als Sollbruchstelle ins System bauen und im Falle eines Hängers nur das Blei verlieren. Hierfür verwende ich recht dünnes Monofil zwischen Haken und Blei, das auch während des Drills ohne allzu viel Anstregung abgerissen werden kann, sollte es der Fisch am Grund festkeilen.

Das Rotlicht der Kopflampe blendet die Fische kaum. Daran sollten Sie denken, wenn Sie mit der Pose dicht vor dem eigenen Ufer fischen.


Schlauch-Trick

Der Autor verwendet gern schlanke Posen aus dem Friedfisch-Bereich und fixiert sie mit einem Silikonschlauch. Sie bieten kaum Widerstand und lassen sich gut aktiv führen. Zudem sind sie oftmals vorbebleit und benötigen nur eine kleine Ladung Extra-Schrote, die sich gut auf dem Vorfach platzieren lassen. Die geringe Angeltiefe bedingt, dass die gesamte Montage recht kurz bleibt. Im Wurf könnte es daher zu Verwicklungen kommen, wenn der Köfi sich um die Posenspitze dreht. Abhilfe schafft der anfangs erwähnte Silikonschlauch: er wird aufs oberste Ende der Posenspitze beziehungsweise des Knicklichts geschoben – so steht nichts ab.

Ring-trick

Zunächst wird ein normales Dropshot-Vorfach gebunden. Als Hakenknoten wird eine abgewandelte Form des Springerknotens benutzt (siehe Blinker Knotenbooklet oderBlinker.de/dropshot-knoten ). Das untere Schnurende wird recht kurz (20 Zentimeter) gewählt und ein Pitzenbauerring angeknotet. Hier können Sie nun eine dünnere Reißleine anknoten, an dessen unterem Ende das Gewicht sitzt. Die Länge des Abstands zwischen Blei und Haken liegt bei mir in der Regel zwischen einem halben und anderthalb Metern – mitunter also länger als beim Dropshotten am Tage. Schließlich stehen die Fische oft höher.

WENIG, ABER PASSENDES GERÄT

Um mit Pose und Dropshot gleichermaßen gut angeln zu können, braucht man eine Rute mit möglichst nachgiebiger Spitze. So kann der Zander den Köderfisch trotz gespannter Schnur gut einsaugen. Der Autor benutzt aus Bequemlichkeit zwei Ruten.

ÜBER DEN HÄNGERN

Insbesondere wenn die Dunkelheit hereingebrochen ist, möchte ich meinen Köderfisch nicht selten ganz flach auf einer Steinpackung oder anderswo direkt am Ufer präsentieren – oft nur ein, zwei Meter weit draußen. Hier ist das Dropshot-System wegen der vielen Hindernisse und Hänger ungeeignet, allerdings auch unnötig! Jetzt rauben die Zander wirklich flach, oft losgelöst vom Grund. Daher kann ich die Hänger am Grund elegant umgehen, indem ich eine Pose einsetze. Ich stelle sie so gut wie nie tiefer als anderthalb, zwei Meter ein. Allzu dicht am Grund müssen Sie auch gar nicht fischen, ein halber Meter bis ein Meter Abstand sind völlig okay.Daher kann ich auf feststehende Modelle setzen. Diese ermöglichen mir zudem eine aktive Köderführung – keineswegs sollte die Pose einfach unbewegt in der Strömung treiben! Ich habe mehr Bisse, wenn ich den Köderfisch mit Zupfern zu mir heranführe und die Pose immer wieder stehen lasse. Somit wird das Posenfischen zur aktiven, spannenden Methode und Hänger sind, ist die ungefähre Tiefe am Angelplatz grob bekannt, fast ausgeschlossen.

Je nach Angeltiefe, Wurfweite und Strömung benutze ich Posen mit drei bis zehn Gramm Tragkraft. Mehr ist nicht nötig, da ich ja quasi vor den Füßen fische. Insbesondere, wenn aktiv mit der Pose geangelt wird, ist es entscheidend, die Bebleiung nicht zu weit vom Köderfisch entfernt anzubringen, sonst steigt er bei Zug schnell auf. Die Frage nach dem passenden Köderfisch ist schnell geklärt: klein, länglich und, wenn möglich, zäh! Ich verwende gern Grundeln, sofern sie im Gewässer vorkommen. Zander lieben sie, durch zähe Haut halten sie super am Haken – selbst als Tiefkühl-Köfi – und sie haben das passende Format für die aktive Angelei. Kommen allerdings junge Friedfische in Massen vor, können die Zander sich darauf einschießß -en, und das tue dann auch ich.

Da ich bei beiden Methoden nur einen einzelnen Haken verwende und den Köfi ganz einfach am Kopf anködere, wähle ich stets recht kleine Köder. Zehn Zentimeter werden von fast allen Zandern gut akzeptiert (siehe Blinker 09/2018, Seite 54) und von jedem vernünftigen Fisch sehr schnell geschluckt.

Dropshot und Köfi

Vorteile

sehr gutes Ködergefühl
präzise Köderführung
langsame Präsentation möglich
Köder immer grundnah
uter Hakensitz – einfaches Lösen

Nachteile

hängersuchend
nicht für große Flächen
gelegentlich Hänger im Drill

Der Zander nahm einen aktiv geführten Köderfisch im nur halbmetertiefen Wasser – gerade mal zwei Meter vom Ufer entfernt.


BITTE KEIN BRETT

Bei beiden Methoden warte ich beim Biss kurz ab, keine Zigarettenlänge, sondern eher drei, vier Sekunden. An manchen Tagen kann es allerdings nötig sein, sich länger zu gedulden, da müssen Sie ein wenig herumprobieren. Mit einer harten Rutenspitze muss dem Fisch dabei zwangsläufig ein wenig entgegen gegangen werden. Dennoch lassen clevere Zander gar nicht so selten direkt nach dem Biss los, wenn sie zu viel Widerstand gespürt haben. Es ist sehr ernüchternd, wenn Sie endlich einen schönen Tock spüren, erwartungsschwanger die Rutenspitze senken und einfach nichts mehr passiert. Noch ärgerlicher wird es, wenn Sie anschließend einen blanken Haken nach oben holen: Der Zander ist mit seinen blitzartigen Saugbissen durchaus in der Lage, einen weichen Köfi vom Haken zu reißen, besonders, wenn am anderen Ende eine sehr straffe Rutenspitze dagegen hält. Benutzen Sie zudem noch aufgetaute und daher weichere Köderfische, vergrößert sich die Gefahr des Köfi-Klauens nochmals.

Ich umgehe dies, indem ich bevorzugt Ruten mit weichen Spizten oder gleich sehr leichte Modelle verwende. Eine klassische, brettharte Zanderjigge ist jedenfalls nicht meine erste Wahl. Spezielle Dropshotruten sind nicht unbedingt nötig, erledigen den Job aber wirklich hervorragend. Auch die Pose führe ich mit einer solchen Rute. Beim Biss, den ich oft zuerst fühle und erst anschließend am wegziehenden Knicklicht sehe, kommt mir die weiche Spitze genauso zugute.


FOTOS: W. KRAUSE; F. PIPPARDT

FOTOS: W. KRAUSE; F. PIPPARDT

FOTOS: W. KRAUSE; F. PIPPARDT; J. RADTKE