Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 2 Min.

Kölner Pflanzenschutztag: Hohes Resistenzniveau bei Botrytis im Beerenobstanbau


TASPO - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 09.02.2019

Zu den Themen des Kölner Pflanzenschutztages am 5. Dezember 2018 in Auweiler gehörten Entstehung und Vermeidung von Resistenzen bei Schaderregern, zum Beispiel bei Botrytis.


Prof. Dr. Matthias Hahn, Technische Universität Kaiserslautern, informierte über Mechanismen und Verbreitung der Fungizid-Resistenz beim Graufäule-Erreger. Bei seinen Untersuchungen wurde der Infektionsprozess beiBotrytis cinerea und verwandten Arten verfolgt. Die Zahl der Fungizide gegenBotrytis sei begrenzt, zum Teil gehörten sie der gleichen Wirkstoffklasse an. Bei spezifischer Fungizid-Wirkung sei ...

Artikelbild für den Artikel "Kölner Pflanzenschutztag: Hohes Resistenzniveau bei Botrytis im Beerenobstanbau" aus der Ausgabe 6/2019 von TASPO. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: TASPO, Ausgabe 6/2019

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 3,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von TASPO. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 6/2019 von Xylella & Co.: GV hat rund 1.000 Versicherte. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Xylella & Co.: GV hat rund 1.000 Versicherte
Titelbild der Ausgabe 6/2019 von Marktbericht der Blumengroßmärkte Dortmund und Karlsruhe: Alles was Rot ist – Preise zogen an. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Marktbericht der Blumengroßmärkte Dortmund und Karlsruhe: Alles was Rot ist – Preise zogen an
Titelbild der Ausgabe 6/2019 von Valentinstag im Visier. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Valentinstag im Visier
Titelbild der Ausgabe 6/2019 von Nachgefragt bei Landgard und der VRM. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Nachgefragt bei Landgard und der VRM
Titelbild der Ausgabe 6/2019 von Bilanz zur Wintertagung in Schleswig-Holstein: Baumschulen im Norden optimistisch und besorgt. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Bilanz zur Wintertagung in Schleswig-Holstein: Baumschulen im Norden optimistisch und besorgt
Titelbild der Ausgabe 6/2019 von Europäische Banken unter Druck. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Europäische Banken unter Druck
Vorheriger Artikel
Die Pflanzenschutztipps der Woche: Rostmilben an Ziermalus
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Thüringer Baumschulen: aus der Region, für die Region
aus dieser Ausgabe

Prof. Dr. Matthias Hahn, Technische Universität Kaiserslautern, informierte über Mechanismen und Verbreitung der Fungizid-Resistenz beim Graufäule-Erreger. Bei seinen Untersuchungen wurde der Infektionsprozess beiBotrytis cinerea und verwandten Arten verfolgt. Die Zahl der Fungizide gegenBotrytis sei begrenzt, zum Teil gehörten sie der gleichen Wirkstoffklasse an. Bei spezifischer Fungizid-Wirkung sei eine Resistenzbildung möglich, so Hahn. BeiBotrytis sei das Resistenzrisiko meist hoch, außer bei dem Wirkstoff Fludioxonil.

Auch bei Zierpflanzen wie Lavendel gibt es resistente Botrytis-Stämme.


Foto: Rainer Wilke

Resistenz beruhe auf der genetischen Anpassungsfähigkeit der Zielorganismen. Zu den Mechanismen sagte Hahn, dass sich das Ziel-Protein durch eine Genmutation verändern könne und der Wirkstoff dadurch nicht mehr an das Protein binde. Dies sei der wichtigste Fall. Möglich sei auch eine Über-Expression des Ziel-Proteins.

Bei aktivem Efflux wird der Wirkstoff aus der Zelle geschleust. Dieser Mechanismus greife in der Regel zu spät, aber durch eine Mutation könne sich die Zahl der Wirkstoff-Transporter erhöhen, wodurch eine Teilresistenz entstehe.

Eine einzelne Mutation in einem Organismus innerhalb einer Population verschwinde in der Regel wieder aus der Population, erklärte Hahn. Komme es aber zu einer Selektion, bei der die sensitiven Organismen verschwinden, zum Beispiel durch eine Pflanzenschutzmaßnahme, könne eine neue resistente Population entstehen.

Die Anreicherung der resistenten Organismen falle zunächst nicht auf, nach mehreren Behandlungen zeige sich aber bei entsprechend hohem Anteil dieser Organismen eine Feldresistenz. Bei einer Behandlung sollte die Zielpopulation daher möglichst klein sein.

Hahn berichtete von einem Verbundprojekt zum Thema „Fungizidresistenz beiBotrytis im Beerenobstanbau”, das von 2013 bis 2016 lief. Bei viermal bis über sechsmal behandelten Erdbeeren wurde eine hohe Resistenzhäufigkeit nachgewiesen. 2013 fand sich bei Erdbeeren in Süd-und Südwestdeutschland eine hohe Teilresistenz gegen Fludioxonil durch aktiven Efflux, ebenso Multiresistenz gegen alle fünf Wirkstoffklassen. Auch in einer unbehandelten Anlage breiteten sich durch ein hohes Ausgangsniveau resistente Stämme aus, außerdem fanden sich dort multiresistente Schaderreger.

Eine Erkenntnis aus dem Verbundprojekt sei, dass im deutschen Beerenobstanbau praxisrelevante Resistenzen gegen alle langjährig gegenBotrytis eingesetzten Fungizide weit verbreitet seien. Die Wirksamkeit aller Fungizide habe deutlich abgenommen, sagte Hahn. Stämme mit mehrfacher Resistenz bildeten eine besondere Gefahr. Je öfter gespritzt werde, desto mehr und schneller reicherten sich Resistenzen an.

Bei Erdbeeren seien neben verbesserter Kulturführung drei bis maximal vier Fungizid-Behandlungen zur Blüte mit striktem Wirkstoffwechsel zu empfehlen, ergänzt um biologische Präparate wie Stärkungsmittel oder Antagonisten, auch wenn diese nur schwach bis sehr schwach wirken. Der Produzent sollte die betriebliche Resistenzsituation kennen, ein Resistenz-Monitoring könne sinnvoll sein. Die Spritzfolgen seien an die Situation vor Ort anzupassen. Bei Zierpflanzen sei die Situation sehr heterogen, berichtete Hahn. In Proben aus Gewächshäusern habe sich ein niedriges bis hohes Resistenzniveau gefunden.Botrytis kann latent in Pflanzen überdauern. „Frische” Zierpflanzenkulturen seien in dieser Hinsicht weniger problematisch als Dauerkulturen.

Der Autor

Dr. Heinrich Dreßler war für die TASPO bei der Veranstaltung in Köln-Auweiler und stellt aus den Vorträgen Interessantes zum Thema Resistenzen vor