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König im Burgenland


HolzWerken - epaper ⋅ Ausgabe 84/2020 vom 17.12.2019

Gerhard Nagy ist Holzwerker des Jahres 2019. Beim Besuch in seiner Werkstatt haben wir gleich zwei echte Holz-Enthusiasten kennengelernt.


Artikelbild für den Artikel "König im Burgenland" aus der Ausgabe 84/2020 von HolzWerken. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HolzWerken, Ausgabe 84/2020

Die Jury haben die Designs und die handwerklich anspruchsvolle Durchführung überzeugt


Dass die HolzWerken-Leserschaft im gesamten deutschsprachigen Raum – und darüber hinaus – zuhause ist, bringt auch ganz unerwartete Dienstreisen mit sich. Und so findet man sich als Redakteur plötzlich im Nachtzug nach Wien wieder, um dem Holzwerker des Jahres 2019 kennenzulernen und persönlich zu gratulieren: Gerhard Nagy aus dem Burgenland in Österreich hat bei der Jury mit seinen ...

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... eingereichten Projekten die meisten Punkte geholt. Auch wenn die Konkurrenz groß war, haben seine schlichten, aber eleganten Designs in handwerklich anspruchsvoller Ausführung uns überzeugt.

Bereits zwei Tage vor mir war eine Spedition auf genau diesen Straßen unterwegs, im Gepäck eine Palette voll mit Paketen und Kartons, aus denen der Gewinn für den diesjährigen Preisträger besteht: ein Premium-Frästischset unseres Sponsors Dieter Schmid – Feine Werkzeuge aus Berlin, im Wert von 3.000 Euro. So reise ich mit leichtem Gepäck hinterher und bringe noch das i-Tüpfelchen, unser „Handbuch Oberfräse“ mit. Und natürlich viele Fragen rund um seinen Möbelbau und die Vorfreude, unseren Preisträger in seiner Werkstatt zu besuchen und ihm persönlich zu gratulieren.

Ein Mann fürs Genaue

Dort angekommen wird sofort klar: Der Premium-Frästisch passt hervorragend. Zur Werkstatt. Zur bisherigen Ausstattung. Doch vor allem passt er zu Gerhard Nagy: Er liebt die zehntelmillimetergenaue Arbeit mit Massivholz. Der Vermögensberater ist von seiner Auszeichnung immer noch begeistert: „Ich war beim Anruf schon platt, damit hatte ich nicht gerechnet. Holzwerker des Jahres! Wahnsinn. Ich habe die Projekte hochgeladen und später erst gesehen, dass das genau im Aktionszeitraum war.“

Dabei kommt er aus einer Familie von Holzexperten: Der Großvater des 47-jährigen war Tischlerei-Innungsmeister, sein Onkel setzte die Tischlertradition fort. Doch daran erinnert heute nur noch wenig: beide sind vor langer Zeit verstorben, die Werkstatt wurde aufgelöst. Gerhard Nagys Weg zum Holz war aber sowieso alles andere als traditionell.

Von der Spanplatte zum Massivholz

Als gelernter Kaufmann für Groß- und Einzelhandel arbeitete er in den Neunzigern in einem ganz anderen Familienbetrieb mit. Sein Vater unterhielt drei Vollsortimenter: Warenläden, in denen von Lebensmitteln über Fernseher und Fahrräder alles zu bekommen war.

Eine Nische zog in der Zeit besonders an: Car-Hi-Fi-Komponenten. Halterungen und Boxen mussten für jedes Auto individuell gebaut werden. Hier sah Gerhard Nagy eine Marktlücke: Als Autodidakt eignete er sich die nötigen Kenntnisse an und baute in den folgenden Jahren Türverkleidungen, Verstärkerboxen und Kofferraum-Cases. „Individuelles Planen, maßgenauer Bau, der Umgang mit meinen Werkzeugen – all das habe ich in dieser Zeit gelernt.“

Arbeit mit Holz war es auch schon damals, ja. Aber doch ganz anders als das, was er heute macht. „Ich hatte irgendwann genug und hab mich wieder auf meinen eigentlichen Beruf konzentriert. Die Holzarbeit hat dann lange pausiert. Erst vor fünf Jahren, beim Bau unseres Hauses, habe ich wieder angefangen. Jetzt hatte ich den Platz für eine Werkstatt und vor allem: Raum, der gefüllt werden wollte mit ansprechenden Möbeln. Dafür kommt aber nur Massivholz infrage. Dieses künstliche Plattenmaterial mag für Autos gut sein. Möbel, die ich jeden Tag anschaue, anfasse- die müssen etwas erzählen, das Holz muss Charakter haben.“

Bei Möbeln ist es nicht geblieben: Treppenstufen aus alten, aufgetrennten Eichenbohlen, die Verkleidung der einfriedenden Mauer aus selbst gehobelter und genuteter Lärche, eine kunstvolle Balkenkonstruktion aus Fichte als überdachte Terrasse; das Holz ist überall in und am Haus zu finden. Dort, wo er nicht weiterkommt, helfen Freunde: Schmiede und Zimmerer sind darunter. Für die baut Gerhard Nagy dann wiederum seine Möbel.

Die Werkstatt: Ein Ort für zwei

Bei all der Arbeit ist aber seine Frau Nicole die wichtigste Hilfe, sie stehen oft zu zweit in der Werkstatt. Man merkt es deutlich: Dort ist keine Männerdomäne, sondern ein kreativer Ort für die gemeinsame Wohngestaltung. Eng wird es kaum: Der Keller ist großzügig bemessen, auch der neue Frästisch mit all seinem Zubehör kommt noch unter.

Unser Holzwerker des Jahres 2019 war überrascht, wie umfangreich sein Gewinn war. Unser Sponsor Dieter Schmid – Feine Werkzeuge hat in diesem Set sehr viel Material untergebracht, um absolut perfekt zu fräsen.


Die alte Hobelbank ist ein Erbstück seines Großvaters. Der Zahn der Zeit hatte ordentlich an ihr genagt. Sie zu erhalten war ein Herzensprojekt, auch wenn Gerhard Nagy seinen Großvater nicht mehr kennengelernt hat. Mit neuer Platte und überarbeiteten Spannzangen wird sie jetzt wieder regelmäßig genutzt.


Fotos: Christian Filies / Gerhard Nagy

Schlicht, aber handwerklich anspruchsvoll: Diese Eichenbank wird, so glaubt er, wohl auch in 100 Jahren noch stehen. Gratfedern, Domino-Verbindungen, durchgestemmte, verkeilte Zapfenverbindungen - alleine die Wahl der Holzverbindungen und ihre perfekte Umsetzung sprechen schon dafür.

Viele Möbel spielen mit dem Kontrast aus hellem und dunklem Holz

Sein Sideboard, eine geschickte Kombination aus heller Eiche und dunklem Nussholz mit interessanter Profilierung schmückt den Eingangsbereich des Hauses. Nicht nur hier, sondern auch in der Werkstatt oft helfend an seiner Seite: Seine Frau Nicole. Viele der Holzprojekte am und im Haus sind in Koproduktion entstanden.

Mit ihm will Gerhard Nagy sein nächstes Großprojekt angehen: Sprossentüren mit Kassetten, umlaufend an allen vier Seiten der freistehenden Terrasse. Gerade bei der Arbeit mit Glas kommt es auf sehr genaues Arbeiten an, damit es keine Spannungen und Risse gibt; das Preispaket mit der kraftvollen Makita RP2300FCXJ und den fein justierbaren Anschlägen von Jessem kommt ihm dafür wie gerufen. Aber auch der Rest der Werkstatteinrichtung kann sich sehen lassen: Sauber einsortierte Handmaschinen nehmen eine ganze Schrankwand ein, eine Festool KS 120 EB Kapp- und Gehrungssäge mit großzügigen Auflageverlängerungen eine andere, ein Holzlager mit allerlei regionalen Laubhölzern beinahe komplett eine Dritte. Dazwischen verschiedene Konstruktionstische, ein MFT und als Tischkreissäge eine CMS-Grundeinheit mit der CMS-TS 75. Eine moderne, helle, organisierte Werkstatt. Nur eine augenscheinlich uralte Hobelbank passt nicht so recht ins Bild.

Nein, hier ist kein Kern- und Splintholz zu sehen, sondern ebenfalls Eiche und Walnuss. Die Waldkante ist erhalten und bewusster Teil der Gestaltung des Tisches. Dass Holz lebendig und individuell ist, macht für Gerhard Nagy den Reiz aus: Nichts sei schlimmer als ein ganz regelmäßiges Holzbild.


Fast alles entsteht in Eigenarbeit. Massivholzplatten verleimt und hobelt Gerhard Nagy selbst. In den nächsten Jahren soll eine neue, noch größere Werkstatt, freistehend im Garten entstehen: Hier soll dann auf dem Dachboden auch selbst aufgetrenntes Holz trocknen.


Autodidakt: Gerhard Nagy hat sich alles selbst beigebracht. Die Lektüre von HolzWerken gehört natürlich dazu, aber auch viele Online-Quellen. Und letztlich auch: Der Mut zur Lücke, einfach mal probieren. Richtig schief ist aber bisher noch kein Projekt gegangen.


Und so sehe ich sie dann doch noch: die Verbindung in die Vergangenheit, in die Werkstatt des Großvaters - liebevoll restauriert und noch immer in Benutzung. Bevor ich mich wieder aufmache, siegt die Neugier doch noch: Wo sie eigentlich genau herkommen, die regionalen Eichenund Nussbohlen, die Gerhard Nagy so gerne nutzt – unterwegs im Burgenland habe ich weder Eichenwälder oder Haselnusshaine gesehen.

Er lächelt verschmitzt: Das Burgenland sei voller ausgedehnter Waldflächen, gerade Eichen und andere Laubhölzer gibt es. Nur führen die Autobahnen und Hauptstraßen nicht dadurch. Das burgenländische Holz sehe ich an diesem Tag also nur in Form eines Couchtisches, einer Bank und eines Sideboards. Aber das sind ja auch die Stücke, um die es geht. Die Stücke, die Gerhard Nagy den Titel „Holzwerker des Jahres“ eingebracht haben.