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Königin der Flüsse Europas: An der Vjosa ist europäisches Naturerbe durch Wasserkraft bedroht


Nationalpark - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 05.06.2019

Mehr als 40 Kraftwerke sind in Albanien und Griechenland geplant. Sie drohen, dieses einzigartige europäische Naturerbe zu zerstören.


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Die Vjosa in Albanien ist noch ein richtiger Fluss und die natürliche Dynamik des fließenden Wassers gestaltet noch ein ganzes Tal.


(Foto: Gregor Šubic)

Wer einen richtigen Fluss sehen und erleben will, sollte nach Albanien an die Vjosa reisen. Hier darf die natürliche Dynamik des fl ießenden Wassers noch ein ganzes Tal gestalten. Die Vjosa ist ein grenzüberschreitender Fluss, der im griechischen Pindos als Flüsschen Aoos entspringt und nördlich der albanischen Stadt Vlora ...

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... in die Adria mündet. Im Einzugsgebiet gibt es nur sehr wenige hydrologische Eingriffe, es gilt zu Recht als eines der natürlichsten in ganz Europa.

Entlang der 272 Kilometer langen Fließstrecke fehlen Querbauwerke und Hochwasserdämme fast vollständig. Nur am Oberlauf des Aoos im griechischen Pindosgebirge, nahe der Quelle, wurde ein Staudamm errichtet.

Dynamische Flusslandschaft – Natur pur

Von diesem Eingriff ist am Zusammenfl uss von Aoos und Sarandaporos direkt an der albanisch-griechischen Grenze aber nichts u spüren, denn auch hier herrscht Flussdynamik pur. Wahrscheinlich haben beide Flüsse von ihrer Lage im einst streng bewachten Grenzgebiet zwischen Griechenland und dem vollständig von der Außenwelt abgeschnittenen Albanien profi tiert. Vor allem der geschiebereiche Sarandaporos mit seinem breiten Bett und einem intakten Flussaue-System deutet an, was Besucher an der Vjosa fl ussabwärts erwarten können. Fast unscheinbar wirkt dagegen der Karstfl uss Aoos, obwohl dieser in der Regel mehr Wasser führt. Direkt bei der Grenzstation verbinden sich beide Flüsse – das kristallklare Karstwasser des Aoos mit dem trüben Wasser des Sarandaporos – und werden ab hier zur Vjosa. Bis zur Mündung in die Adria sind es dann noch rund 150 Kilometer, auf denen die Vjosa durch zahlreiche Canyons und Schluchten rauscht. Zwischen Dragot und Tepelena mündet der Drino in die Vjosa und bildet großfl ächige Sand-und Kiesbänke, welche die Flusslandschaft prägen. Die Vjosa verzweigt sich, danach ist die regelmäßig überschwemmte Aue bis zu drei Kilometer lang, das Flussbett bis zu einem Kilometer breit. Hier wird die natürliche Dynamik besonders deutlich: Aktuelle Studien weisen nach, dass die Flusslandschaft in diesen verzweigten Abschnitten einmal in hundert Jahren vollständig umstrukturiert wird. Der Hauptarm der Vjosa wandert dann vielleicht einmal von ganz links in der Aue nach ganz rechts. Somit sind Verlagerungen des Laufs um bis zu drei Kilometer möglich. Und auch die Kies-und Sandbänke, die bewachsenen Inseln verlagern sich. Diese terrestrischen, nur teilweise von Gräsern und Sträuchern besiedelten Bereiche machen bei Niedrig-und Mittelwasserständen ohnehin den Großteil der Fläche der aktiven Aue aus. Der Hauptarm und seine Seitenarme, die in Trockenphasen nicht zwingend mit ihm verbunden sein müssen, belegen dann nur zehn bis fünfzehn Prozent der regelmäßig überschwemmten Fläche. Eine besonders wichtige ökologische Funktion haben sogenannte Erosionstümpel, die oberhalb von Hindernissen wie eingeschwemmtem Totholz oder großen Gesteinsbrocken entstehen. Der Vjosa-Abschnitt mit verzweigten Flussarmen geht im Unterlauf in einen auf 20 Kilometern Länge gemächlichen mäandrierenden Fluss über, der rund 20 Kilometer vor der Mün-dung sein Delta erreicht und dort schon von der Adria beeinfl usst wird. Im Vjosa-Delta, das eine Küstenlinie von 30 Kilometern abdeckt, befindet sich die naturschutzfachlich bedeutende Narta-Lagune, die zusammen mit dem südlichen Teil des Deltas nach der Berner Konvention bereits als Emerald-Schutzgebiet gemeldet ist. Das Gebiet erfüllt die Kriterien der Ramsar-Konvention und die eines künftigen Natura 2000-Gebiets nach den Vorgaben der Europäischen Union.

Und weil Albanien der EU beitreten will und die Beitrittsverhandlungen mit der EU-Kommission schon bald anlaufen sollen, wäre eine qualifizierte Unterschutzstellung auch aus übergeordneten politischen und nicht nur aus naturschutzfachlichen Erwägungen angezeigt.

Die ungeheuere Vielfalt an Pfl anzen und Tieren, die in und an der Vjosa leben, ist bisher noch überhaupt nicht bekannt. Wissenschaftler aus Albanien und ganz Europa entdecken diesen wundervollen Fluss gerade erst, gewinnen neue ökologische Erkenntnisse und stellen bisher unbekannte Arten fest. Im April 2017 wurde bei dem kleinen Dorf Kut direkt an der Vjosa eine Steinfl iegenart entdeckt und alsIsoperla vjosae beschrieben. Und auch für die SpinnenartLiocranoeca vjosensis ist das Tal der Vjosa bisher das einzige bekannte Verbreitungsgebiet. Generell zählen Wirbellose, die an Flüssen leben und auf ihre Dynamik angewiesen sind, zu den am stärksten vom Aussterben bedrohten Tiergruppen.

Bis vor wenigen Jahren war die Lengarica ein natürlicher und dynamischer Nebenfluss der Vjosa. Auch ihre Lage im Hotova-Dangell-Nationalpark hat sie nicht vor der Zerstörung durch ein Wasserkraftwerk bewahrt.


(Foto: Roland Tasho)

Auch viele Fischarten sind auf unzerschnittene und dynamische Fließgewässer angewiesen. Von den 27 autochthonen Fischarten der Vjosa kommen acht sogar nur auf dem Balkan vor. Zu diesen endemischen Arten gehören die Pindos-Schmerle, die Prespa-Barbe und der Ohrid-Steinbeißer. Der Aal, dessen natürliche Vorkommen europaweit akut vom Aussterben bedroht sind, lebt in den Gewässern der Vjosa noch in guten Beständen. Auch für die 28 nachgewiesenen Libellenarten ist dieses Ökosystem ein Eldorado. Ende 2018 haben mehr als 60 Wissenschaftler, insbesondere aus Albanien, Österreich und Deutschland, ihr Wissen in einer umfangreichen Monografi e über die Vjosa gebündelt und die albanische Regierung dazu aufgefordert, ein Moratorium für alle Wasserkraftwerksplanungen zu verfügen, bis eine umfangreiche Umweltverträglichkeitsstudie vorliegt, die auch alle kumulativen Effekte berücksichtigt. Damit würde zunächst einmal Zeit gewonnen, denn die enorme Artenvielfalt der Vjosa ist noch nicht einmal annähernd erfasst.


„Der Bau des Wasserkraftwerks Kalivaç wäre der größte anzunehmende Sündenfall.“


Derzeit wird Strom in Albanien nur durch Wasserkraftwerke erzeugt; es gibt also gar keinen Strommix, sondern eine Monostruktur. Dennoch setzen die Verantwortlichen im kleinen Balkanstaat – wie auch in vielen Nachbarländern – vor allem auf den angeblich grünen Strom aus der Wasserkraft. Mehr als 500 Flusskraftwerke sind alleine in Albanien geplant und kaum ein Fließgewässer soll verschont bleiben, wenn es nach der Regierung geht. Mit dieser Strategie riskiert man nicht nur die Zerstörung der letzten Wildfl üsse mit ihrer Artenvielfalt, sondern nimmt auch den Menschen entweder ihr Wasser oder ihr Land. Die großen Stauseen an der Vjosa überfl uten fruchtbares Ackerland und an kleineren Flüssen wird das Wasser einfach abgeleitet, sodass sie trockenfallen. In Zeiten des Klimawandels mit prognostiziert massivem Rückgang der Niederschläge auf dem Balkan ist diese Wasserkraftstrategie zudem mit großen Risiken behaftet. Allein im bisher hydrologisch intakten Einzugsgebiet der Vjosa, das in etwa so groß ist wie der Schweizer Kanton Graubünden, sind mehr als 40 neue Kraftwerke geplant; die meisten davon in Albanien und zwar an den bisher ebenfalls überwiegend natürlichen Nebenfl üssen. Diese kleinen Kraftwerke haben nur Nachteile: Sie schaden den Menschen vor Ort, sie zerstören Natur und leisten zudem keinen nennenswerten Beitrag zur Stromproduktion des Landes.

Zahlreiche Wissenschaftler unterstützen die Kampagne zum Schutz der Vjosa. Mit ihrer intensiven wissenschaftlichen Arbeit leisten sie hierzu einen wichtigen und konkreten Beitrag.


(Foto: Jens Steingässer)

Ein besonders abschreckendes Beispiel ist das 2016 in Betrieb genommene Kraftwerk am Nebenfl uss Lengarica, das einen wunderschönen Canyon trockenlegte, weil das Wasser aus dem Flussbett über mehrere Kilometer in ein Röhrensystem abgeleitet wurde. Dass die Lengarica mitten durch den Hotova-Dangell-Nationalpark fl ießt, hat ihr nichts genutzt und zeigt einmal mehr die Ignoranz von Investoren und Genehmigungsbehörden.

Aber nicht nur an den Nebenfl üssen, sondern auch an der Vjosa selbst sollen bis zu acht Wasserkraftwerke gebaut werden. Über die Konsequenzen für den Sedimenttransport haben sich die Verantwortlichen wohl scheinbar keine Gedanken gemacht. Wie lässt sich sonst erklären, dass alle Warnungen vor negativen Auswirkungen bisher in den Wind geschlagen wurden. Neuere Studien zeigen, dass die geplanten Stauseen an der Vjosa bereits nach 30 bis 50 Jahren mit Sediment aufgefüllt wären. Hinzu kommt, dass aufgrund der hohen Sedimentfrachten schon bei Inbetriebnahme der Kraftwerke im Bereich der Staudämme Kies sehr aufwendig und teuer ausgebaggert werden müsste. Umgekehrt führt die Unterbrechung des Geschiebetransports an der Küste aber zu massiven Erosionserscheinungen. Bereits heute ist Küstenerosion an Albaniens Adriaküste ein gravierendes Problem, das durch den Bau weiterer Kraftwerke entscheidend verschärft würde. Die negativen Auswirkungen und die erheblichen Kosten der Wasserkraft an der Vjosa stehen in keinem sinnvollen Verhältnis zu einem potenziellen Nutzen. Zudem ist es irritierend, dass die Photovoltaik in einem Land mit einer Sonneneinstrahlung, die rund 50 Prozent höher ist als in weiten Teilen Süddeutschlands, bisher kaum genutzt wird.

Es geht auch um Demokratie und Rechtsstaatlichkeit

Die albanische Regierung sieht in der Vjosa derzeit offensichtlich nur deren hydro-elektrisches Potenzial. Sie ist bereit, diesen außergewöhnlich wilden Fluss zu opfern und den Menschen an der Vjosa die Wasserkraft aufzuzwingen. Dabei setzt sie sich ganz offensichtlich über internationale Naturschutzkonventionen, aber auch über albanisches Recht hinweg, was Bürgerbeteiligung und Umweltverträglichkeitsprüfungen betrifft. Schon der Bau von nur einem Kraftwerk an der Vjosa wäre das Ende für die natürliche Dynamik dieses in Europa einzigartigen Flusses. Am weitesten vorangeschritten sind die Planungen für die Kraftwerke Poçem und Kalivaç am Mittellauf der Vjosa. Naturschutzorganisationen und die örtliche Bevölkerung konnten den Bau des Kraftwerks Poçem bisher verhindern. Bemerkenswert waren die Proteste der Bewohner von Kut und von Naturschützern direkt am Fluss sowie Demonstrationen in der Hauptstadt Tirana. Besonders wirksam war eine erfolgreiche Klage – die erste gegen ein naturzerstörerisches Projekt in Albanien. Im Mai 2017 entschied das albanische Verwaltungsgericht gegen den Bau des Kraftwerks Poçem, worauf die Regierung unmittelbar in Berufung ging. Seither ruht das Verfahren.

Der Fall Kalivaç liest sich fast wie ein Krimi: Bereits 1997 erteilte die albanische Regierung einem dubiosen italienischen Unternehmer, dem eine große Nähe zur Mafi a nachgesagt wird, die Konzession für den Bau eines Kraftwerks bei Kalivaç. 2010 geriet seineBechetti Energy Group in fi nanzielle Schwierigkeiten und musste die Bauarbeiten einstellen. Im Jahr 2017 hat die albanische Regierung derBechetti Energy Group schließlich die Konzession entzogen, woraufhin ein türkischer Investor einstieg, der nun die Wiederaufnahme des Kraftwerksbaus vorbereitet.

Dem Aal, dessen natürliche Vorkommen europaweit akut vom Aussterben bedroht sind, bietet die Vjosa noch wichtigen Lebensraum.


(Foto: Andi Hartl)

Erst im April 2017 an der Vjosa entdeckt: die Steinfliegenart Isoperla vjosae. Die Vielfalt an Pflanzen-und Tierarten an der Vjsoa ist erst ansatzweise erforscht.


(Foto: Wolfram Graf)

Eine Allianz aus lokaler Bevölkerung, der albanischen Naturschutzorganisation EcoAlbania, der international tätigen EuroNatur Stiftung und Riverwatch stemmt sich derzeit mit vereinten Kräften gegen dieses Projekt, das aus Naturschutzsicht der größte anzunehmende Sündenfall wäre. Im November 2018 eröffnete der Ständige Ausschuss der Berner Konvention ein Verfahren gegen Albanien, da es Anzeichen dafür gibt, dass der Ausbau der Wasserkraft an der Vjosa gegen internationales Naturschutzrecht verstößt. Jüngst haben die oben genannten Organisationen zudem eine Beschwerde beim Sekretariat derEnergy Community eingereicht. Diese Energiegemeinschaft besteht seit 2006 und ist eine internationale Organisation, die von der Europäischen Union und einer Reihe von Drittländern gegründet wurde, um den EU-Energiebinnenmarkt nach Südosteuropa und darüber hinaus auszudehnen. Albanien gehört zu den Vertragsstaaten und hat sich verpfl ichtet, bei allen Investitionen im Energiesektor EU-Recht einzuhalten. Für das Projekt Kalivaç wurde bisher aber weder eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorgelegt, noch wurden EcoAlbania wichtige Projektinformationen zugänglich gemacht.

Wir sehen hier gravierende Rechtsverstöße und meinen, dass die Energiegemeinschaft aktiv werden muss. Die EUKommission und das Europäische Parlament haben sich verschiedentlich sehr kritisch mit dem Ausbau der Wasserkraft an der Vjosa auseinandergesetzt und von Albanien verlangt, dass der Schutz von Flora und Fauna an diesem einzigartigen Fluss sichergestellt wird. Im Februar 2017 verabschiedete das Europaparlament sogar eine eigene Resolution zum Schutz der Vjosa und appellierte an die albanische Regierung, diesen Wildfl uss unter Schutz zu stellen. Alle diese Maßnahmen unterstützen den Kurs der lokalen Bevölkerung und der meisten Bürgermeister an der Vjosa. Ein Stopp der Wasserkraftpläne wäre ein großer Triumph für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.

Erster Wildfluss-Nationalpark Europas

Und dabei standen die Vorzeichen für eine dauerhafte Sicherung der Vjosa mit der avisierten Gründung des ersten Wildfl uss-Nationalparks in Europa gar nicht so schlecht. Im Frühjahr 2015 äußerte sich der albanische Premierminister Edi Rama gegenüber den Naturschutzorganisationen Euro-Natur, EcoAlbania und Riverwatch sehr positiv zu einem Nationalpark. Später hat er bei verschiedenen öffentlichen Veranstaltungen intensiv für diesen Plan geworben. Zeitgleich betrieb die albanische Regierung aber bereits die Ausschreibung von Konzessionen für den Kraftwerksbau. Wie wenig von Premier Rama, dem einstigen Hoffnungsträger, zu erwarten ist, hat er jüngst mit der Planung eines Flughafenprojekts im Vjosa-Delta gezeigt. Dies wäre ein verheerender Eingriff in das Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung, in dem weit mehr als 50.000 Wasservögel überwintern und das schon heute nach den Grundsätzen der Berner Konvention und der Ramsar-Konvention unter Schutz stehen müsste. Verdient hätten die Albaner eine Unterschutzstellung dieses einzigartigen europäischen Flusssystems schon lange. Dann könnten ein naturnaher Tourismus entwickelt und eine nachhaltige Modellregion geschaffen werden. Ermutigende Ansätze gibt es bereits: Die Initiative für eine systematische Nutzung der Solarenergie im Dorf Kut könnte die Alternative zur Zerstörung der Vjosa sein. Und auch wenn der Vjosa-Nationalpark noch etwas auf sich warten lässt, die Vjosa qualifi ziert sich schon heute für die Auszeichnung alsWild Balkan River .

Diese wundervolle Flusslandschaft würde in einem Stausee ertrinken, sollte der geplante Bau des Wasserkraftwerks Poçem realisiert werden.


(Foto: Gregor Šubic)

GABRIEL SCHWADERER, Geograf, ist Geschäftsführer der EuroNatur Stiftung und seit mehr als 25 Jahren im internationalen Naturschutz tätig. EuroNatur setzt sich gemeinsam mit Riverwatch und EcoAlbania für den Schutz der Vjosa ein.

„An der Vjosa lässt sich erspüren, was einen richtigen Fluss ausmacht. Ihre natürliche Dynamik zu zerstören, wäre Frevel.“