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KÖNIGIN der KÄLTE


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HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 2/2022 vom 30.12.2021

NATUR

Artikelbild für den Artikel "KÖNIGIN der KÄLTE" aus der Ausgabe 2/2022 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 2/2022

GEWAND Während die Männchen ein fast weißes Federkleid haben, weist das der Damen dunkle Tupfer auf

Die Küken zittern. Schützend breitet die Schnee-Eule ihre Flügel über dem Nest aus, um die Kleinen gegen den Wind abzuschirmen. Sie brauchen dringend Futter, um zu überleben. Doch Rettung naht: Aus der Ferne fliegt das Männchen herbei – mit Beute im Schnabel.

Solche berührenden Szenen lassen sich rund um den Polarkreis häufig beobachten. Von Sibirien und Nordeuropa über Island und Alaska bis nach Kanada und Grönland: Schnee-Eulen fühlen sich vor allem in der arktischen Tundra heimisch. „Die Vögel halten sich nur dort auf, wo ausreichend Futter zu finden ist“, erklärt Dr. Sybille Klenzendorf, Artenschutzexpertin beim WWF, im Interview. „Schwindet das Nahrungsangebot, ziehen auch Schnee- Eulen weiter.“ Auf der Suche nach einem passenden Jagdrevier legen die Tiere Strecken von über 2500 ...

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... Kilometern zurück. Solche Distanzen zu fliegen kostet Energie. Auf dem Speiseplan der Schnee-Eule ste-hen kleine Säugetiere wie Mäuse oder Hasen. Und Lemminge. Die Nager gelten als liebste Beute der Vögel: „Lemminge vermehren sich meist in Schüben: Ein Jahr gibt es sehr viele, dann ganz wenige“, erläutert die Expertin. „Sobald die Anzahl an Lemmingen sinkt, existieren in dem Gebiet direkt viel weniger Schnee-Eulen.“

Perfekt gewappnet für eisige Temperaturen

Die Vögel benötigen viel an Beute, um zu überleben: „Schnee-Eulen fressen jeden Tag drei bis fünf Lemminge, um bei Kräften zu bleiben“, sagt Klenzendorf. „Anders als Eisbären haben sie wenig schützende Fettschicht, sondern nur ihr Gefieder. Daher sind sie darauf angewiesen, konstant Nahrung zu finden.“ Bei der Jagd vertrauen Schnee-Eulen auf Ruhe und Geduld.

„Die Vögel sitzen meist auf einer Anhö-he, von der aus sie die Bauten von Lemmingen im Blick behalten können“, sagt Klenzendorf. „Sobald die Nager aktiv werden, greift die Eule an.“ In langsamem, lautlosem Gleitf lug nähert sie sich ihrem ahnungslosen Opfer. Ihre spitzen Krallen ermöglichen ihr zielgenaues Zupacken. Trotzdem gelingt der Angriff nicht immer, wie Dr. Sybille Klenzendorf betont: „Gelegentlich müssen die Vögel ihre Beute auch mal zu Fuß weiter verfolgen.“

Körperlich sind die Schnee-Eulen bestmöglich gegen klirrende Kälte gerüstet – herrschen in ihrer Heimat doch manchmal bis zu minus 40 Grad. Ihr leicht geöltes Federkleid schützt vor Feuchtigkeit. Den Schnabel rahmen wärmende Daunen ein, auch die Füße sind mit ihnen bedeckt: „Viele Tiere in der Arktis haben diese Art ‚Schneeschuhe‘“, erklärt die Expertin. „Die Federn an den Sohlen isolieren und verhindern zudem, dass die Tiere auf dem weichen Untergrund einsinken.“

Aber auch optisch sind Schnee-Eulen ideal an die heimische Tundra angepasst. Während sie sich im Winter gern mal einschneien lassen, vertrauen sie im Sommer auf ihre Tarnung: „Die Vegetation vor Ort ist anders als bei uns vor allem weiß, braun und grau“, berichtet Klenzendorf. „Wenn die Vögel im Sommer auf ihren Nestern kauern, sind gerade Weibchen dank der dunklen Flecken auf dem hellen Gefieder nur schwer zu entdecken.“ Während die Männchen mit zunehmendem Alter ein schneeweißes Federkleid entwickeln, zieren bei Weibchen und Jungtieren dunkle Flecken und Streifen das Gewand.

Flugkünstler in Gefahr

Im Mai beginnt bei Schnee-Eulen die Brut. Je nach Nahrungsangebot legt das Weibchen bis zu elf Eier. Die Vögel sind monogam – zumindest für eine Saison. Mama und Papa Schnee-Eule kümmern sich gemeinsam um den Nachwuchs. Während das Weibchen die Küken wärmt, geht das Männchen auf die Jagd. Nach knapp sieben Wochen sind die Kleinen dann flügge. Eine Arte-Doku zeigt nun, mit welchen Widerständen die Vögel bei der Aufzucht der Jungen zu kämpfen haben (siehe TV- Tipp). In den vergangenen Jahren ist der Bestand an Schnee-Eulen stark zurückgegangen. Glitten 2013 noch ungefähr 200.000 Tiere durch die Lüfte, waren es 2017 noch gut 30.000, so die Expertin:

„Die Zahlen sind immer ungefähre Schätzungen, weil in der Arktis genaue Erhebungen aufgrund der Witterung und Abgeschiedenheit schwer sind. Fest steht jedoch: Der Rückgang ist besorgniserregend!“ Vor allem die Folgen der Erderwärmung werden zur tödlichen Falle für die Eulen: „Die Vögel leiden unter den starken Temperaturschwankungen“, sagt Klenzendorf. Besonders die Küken sind der feuchten Witterung schutzlos ausgeliefert: „Der Nachwuchs hat anfangs Daunen, die bei Nässe keinen Schutz bieten.“ Nicht nur das: „Der zunehmende Eisregen sorgt dafür, dass Lemminge sterben. Den Tieren fehlt es an Futter.“ Immer öfter zieht es Schnee-Eulen deshalb in neue Gefilde. Selbst hierzulande wurden sie schon gesichtet.

MELANIE KOCH

Schnee-Eulen legen Strecken über 2500 km zurück

Die Flügelspannweite beträgt bis zu 1,5 Meter

Sie können bis zu 80 km/h fliegen