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Königin von Dänemark


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Audio Test - epaper ⋅ Ausgabe 1/2023 vom 23.12.2022

Dali KORE

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Bildquelle: Audio Test, Ausgabe 1/2023

Bereits im spätsommerlichen August hatte eine handverlesene Gruppe von HiFi-Fachhändlern und exklusiv geladener Fachpresse die Gelegenheit, hinter die Kulissen des Dali-Hauptwerks in Dänemark zu schauen. Anlass für diesen High-End-Trip der Extraklasse war nichts weniger als eine „kleine“ Weltsensation: Die Präsentation der KORE Lautsprecher.

Think global, act local

Das eigentliche Hauptwerk des dänischen Traditionsherstellers liegt bekanntermaßen in Nørager. Hier fertigt Dali mit 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern entgegen allen Globalisierungstrends weite Teile seiner renommierten Produktlinie. In einer recht unscheinbar wirkenden Werkshalle werden zu unserem Erstaunen die Opticon MK2 sowie die Epicon-Lautsprecher gefertigt. Die Produktion der Rubicon-Reihe sowie des neuen KORE-Flaggschiffs wird ebenfalls größtenteils in dem von malerischen Wiesen umgebenen Dali-Headquarter produziert. ...

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... Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass Dali zusätzlich ein Werk in China mit 140 Mitarbeitern unterhält, in der das Unternehmen z. B. Frequenzweichen und Magnetsysteme für die dänische Produktion nach höchsten Ansprüchen fertigen lässt. Dennoch beweist Dali mit seiner von langer Hand geplanten Produktionspositionierung, nebst strategischen Partnerschaften im Herzen von Europa, nicht nur unternehmerische Weitsicht. Der sich in Zahlen widerspiegelnde Erfolg der Dänen mit Global-Player-Ambitionen mag uns entsprechend deren Selbstverständnis als erfrischend innovativer Positivtrend in Zeiten einer omnipräsenten Globalisierungstendenz gelten. Der auch auf die Treue der illustren Dali-Fangemeinde zurückzuführen ist, zu der wir uns ehrlicherweise rechnen müssen.

Dali – der Volks-Lautsprecher

Trotz der forcierten Produktion in Dänemark ist Dali bis zum heutigen Tag weniger für die Herstellung hochpreisiger Luxus-Artikel wie der KORE bekannt. Vielmehr war es seit jeher die gelebte Unternehmens- oder vielmehr Produktphilosophie von Dali CEO Lars Worre und seinem Team, zunächst besonders audiophile und darüber hinaus besonders ausgewogene Lautsprecher zu entwerfen. Ganz egal in welchen Preissegment.

Der Release der KORE – immerhin ein High-End-Lautsprecher, der mit 80 000 Euro zu Buche schlägt – mag deshalb so einige langjährige Beobachter des Unternehmens verwundert haben. Ist das denn überhaupt noch Dali? Und ist so ein Vorstoß in ein neues Preissegment überhaupt legitim?

Unboxing

Nach so viel geballten Insiderinformation sind wir gerade heraus gespannt, wie sich die KORE im Performance-Test im hauseigenen Hörraum schlägt. Sicherlich hat unsere Reisegruppe auch schon in Dänemark einen fulminanten Höreindruck gewonnen. Aber mit der KORE tatsächlich ein bisschen alleine sein zu dürfen. Ist alles andere als alltäglich. Und sind wir mal ehrlich: Wann hat man denn schonmal die Gelegenheit für eine Privataudienz mit der Königin von Dänemark? So ehrfurchtsvoll sprechen wir redaktionsintern von der Dali KORE, seitdem wir sie auf der HIGH END in München erstmalig kennenlernen durften. Dementsprechend aufgeregt waren alle Beteiligten, als die KORE in zwei mannshohen Holzkisten, die mithin an den Transport von zoologischen Exponaten im 19. Jahrhundert erinnerten, Anfang November endlich im Auerbach Verlag eintrafen.

Nachdem wir die Holzkiste von der Verschraubung gelöst haben rollen wir die KORE über eine kleine Rampe (clever:direkt an der Frontseite der Holzbox platziert) aus der Überseekiste und ganz entspannt an den Stellplatz im Hörraum. Mit ein paar Handgriffen – nebst vielseitig mitgeliefertem Werkzeug – werden anschließend die massiven, optisch vergoldeten Standfüße justiert. Zeit zum durchatmen, ehe es mit gleichem Prozedere an KORE No. 2 geht. Definitiv ein Job für zwei Personen, doch wir haben Dali-CEO Lars Worre in Nørager höchstselbst eine KORE mit einer Sackkarre durch die Gegend fahren sehen, als wäre das ein Klacks. Wir müssen sagen: trotz der riesigen Ausmaße der Speaker ist das sprichwörtliche Unboxing sehr schnell und rückenfreundlich erledigt. Nur eine Treppe möchte man die KORE nicht hochtragen müssen, wiegt ein einzelner Lautsprecher doch stolze drei Zentner!

Astronomisch

Dann beginnen wir zu staunen. Die Optik der KORE zu beschreiben, ohne sich dabei in Stilblüten zu ergehen, ist nicht gerade einfach. Rund 26 000 Stunden Entwicklungszeit über zehn lange Jahre stecken in diesen Lautsprechern. Kleinere Projekte werden bei Dali oft mit circa 1 000 Stunden realisiert. Über 380 Skizzen führten Dali in einer langen Reise an einen Punkt, an dem sich technische Innovation, liebevolle Ingenieurskunst und trockene Expertise zu einem Produkt verdichteten: der KORE. Aber bleiben wir sachlich.

Denn schon allein die Maße des Lautsprechers sind beeindruckend. Groß und mächtig kommt der High-Ender im handpolierten Amara Ebony Finish daher. Der Speaker bringt dabei steile 170 Zentimeter in der Höhe sowie mindestens 150 Kilogramm Kampfgewicht mit ins neue Zuhause. Edel, majestätisch, futuristisch, stolz, industriell und geschmackvoll sind die Adjektive, auf die wir uns redaktionsintern geeinigt haben. Doch was sind schon Äußerlichkeiten?

Die inneren Werte

Im Innenleben der KORE werden sprichwörtlich alle technischen Finessen, die einen Dali-Speaker ausmachen auf ein neues Level katapultiert. Nehmen wir zum Beispiel die SMC-Technologie von Dali. Bei SMC (SMC – Soft Magnetic Compound) handelt es sich in der Rohform um ein metallisches Granulat, das in einem komplizierten und über weite Strecken geheimen Prozess in ein magnetisiertes Fluidum – eine geschmeidige Suspension – zur Treiberregulation verwandelt wird. Bei der KORE haben wir es mit SMC der zweiten Generation zu tun. Darüber hinaus wurde das Konzept des symmetrischen Antriebs durch zwei Schwingspulen weiterentwickelt. Bei dieser aufwändigen Konstruktion heben sich die richtungsabhängigen Nichtlinearitäten symmetrisch gegeneinander auf. Das Ergebnis ist eine sehr deutliche Reduzierung unerwünschter Verzerrungen – insbesondere in den Obertönen ungerader Ordnung, die subjektiv oft als ermüdend und unmusikalisch empfundenen werden.

Tiefe Mitten, Mitten und hohe Mitten

Der frontseitig platzierte, hochempfindliche EVO-K Hybrid-Hochtöner ist eine technische Weiterentwicklung des Hybrid-Hochtonmoduls aus der Dali Epicon Reihe. Das audiophile System verfügt über eine innovative 35 Millimeter starke Hochtonkalotte sowie ein optimal überarbeitetes Bändchen. Durch den nach unten großzügig erweiterten Übertragungsbereich gewährleistet das Modul einen nahtlosen Übergang zum Mitteltöner, nebst geringerer Verzerrungen sowie einer physikalisch reduzierten Leistungskompression. Der Mitteltöner wurde von Dali gezielt für die KORE entwickelt. Das Lautsprecherchassis erfüllt dabei die höchsten Ansprüche sowie optimale Resonanzarmut im Mitteltonspektrum. Der vom Reißbrett auf neu konzipierte 18 Zentimeter große Treiber überraschte uns schon bei unseren bisherigen Höreindrücken mit einer überragend natürlichen Wärme sowie enormer Musikalität und klanglicher Kohärenz, in dem für das menschliche Gehör so wichtigen Mitteltonbereich. Darüber hinaus zeichnet sich das High-End-Großkaliber durch eine weitere Reihe technologischer Sahnestückchen aus. Darunter eine neu entwickelte Version Dalis charakteristischer Holzfasermembran, der Signature Wood Fibre Core. Die patentierte Balanced Drive SMC-Technologie beschreibt indessen ein Array, in dem gleich zwei Voice Coils zum Einsatz kommen. Durch die Platzierung der SMC-Suspension im Diaphragma werden Non-Linearitäten des Motor-Systems zur Gänze reduziert. Das Ergebnis ist ein klares verzerrungsfreies Audio-Signal von höchster akustischer Brillanz und lebendigem Detailreichtum. Ein starker Neodym-Magnet, kürzere Schwingspulen, eine besonders massearme Sicke sowie ein hochfester Korb sind derweil nur Anteilseigner am schon jetzt legendär musikalischen Sound der KORE.

In der Frequenzweiche kommen neu entwickelte Spulen mit einem Kern aus SMC Gen-2 zum Einsatz. Im Vergleich zu herkömmlichen Luftspulen ermöglicht dieses Verfahren insbesondere bei hohen Induktivitäten einen geringeren Gleichstromwiderstand, inklusive kürzerem Signalweg. Daraus resultiert erfreulicherweise eine geringere Anfälligkeit für das sogenannte „Übersprechen“ der Spulen. Zudem verspricht die SMC Gen-2-Technologie hervorragende, das heißt hinreichend verlustarme Filtereigenschaften.

Grenzenloser Sound

Analog dazu gibt es im luxuriösen Gehäuse der KORE aus Amara Ebenholz keine einzige parallele Wand. Dafür aber einen 34 kg schweren Zement-Sockel für den perfekten Stand und – vielleicht noch wichtiger – für das perfekte Resonanzverhalten.

Das spiegelt sich ebenso in den Höreindrücken wider, die wir von unserem Audio-Trip nach Dänemark mitgenommen haben. In Dalis allerheiligsten Hallen präsentierte uns die KORE eine neue Welt des Klangs, der musikalischen Weite und Brillanz – klar verortet im Raum. Schon damals bestaunten wir einen Sound, frei von jeder Verengung und jeder messbaren Interferenz.

Es ist schwer unter solchen Luxus-Bedingungen noch vom schnöden Musikhören zu sprechen. Der Genuss von Musik wird mit der KORE zum ganzheitlichen Erlebnis. Vielmehr zu einer bewusstseinserweiternden Erfahrung, die die Grenzen des zuvor Gekannten weit hinter sich lässt. Die KORE fungiert dabei wie ein Portal zu den fernen Sternen der Audiophilie. Und so wurden wir dann auch mit Warp-Antrieb zu den höchsten Höhen des Musikgenusses im Dali-Showroom katapultiert. So haben wir es noch in Erinnerung und diese Reminiszenzen für unser Partner-Onlinemagazin in einen lesenswerten Reisebericht übersetzt.

KORE im Klangtest

Fast Forward: Wir befinden uns mittlerweile wieder mit den Dali KORE Standlautsprechern im Leipziger Testlabor. Nach fachmännischer Platzierung und Inbetriebnahme gemeinsam mit Dali-Deutschland Produktmanager Mike Besser kann es auch schon losgehen mit der Wiederholung unseres musikalischen Raumfluges zu den HiFi-Sternen. Für unseren ersten Raketenstart steht uns zunächst der Yamaha Verstärker A-S3200 mit 2 × 170 Watt Ausgangsleistung bei 4 Ohm zur Verfügung. Nicht das wir uns falsch verstehen. Unter „normalen“ Bedingungen ein echter Leistungsträger in Sachen Sound. Aber heute sind die Dinge alles andere als normal. Heute haben wir die KORE zu Gast und den Ohren der geschulten AUDIO-TEST-Fachreporter und Werks-Spezialisten entgeht nicht, dass der Yamaha Amp in der KORE-Performance schnell seine Antriebsgrenzen erreicht. Der Audionet Watt Vollverstärker zeigte sich indessen als besserer, weil potenterer Pilot des KORE-Raumschiffs. Aus Gründen der Transparenz sei hier noch erwähnt, dass wir eigentlich fest mit den NAD M23 Endstufen für den Test der KORE rechneten. Das Set-Up hatte sich sowohl auf der HIGH END als auch beim Dali-Besuch in Dänemark als perfekte Kombi erwiesen. Nur leider machte uns die Spedition hier einen Strich durch die Rechnung und die NAD Amps kamen erst Wochen später im Verlag an.

Sei’s drum. Fachmännisch hören wir uns durch die Referenztitel, wie „Take Five“ von Dave Brubeck und gönnen uns die „Closing Time“ von Tom Waits und „Aja“ von Steely Dan. Die KORE nimmt uns sofort den Atem. Das Schlagwerk manifestieret sich in unerreichter Musikalität regelrecht räumlich – Stichwort 3D-Soundimage. Stimmlagen von Tom Waits bis Kate Bush werden von der Kore exzellent und nuancenreich in Szene gesetzt. Bei Titeln wie „Galvanize“ von den Chemical Brothers glitzern die Höhen nur so bei der Wiedergabe von futuristischen Synthesizer-Sounds, nebst traditionellen Instrumental- und funky Orient-Pop-Samples. Die Tiefenstafflung ist dabei stets exzellent. Je nach Wunsch des Produzenten ist der Bass dezent, knackig oder auch mal wuchtig brachial-brillant. Dabei jedoch nie brummig, wellig oder sonst wie aufdringlich. Sofort erinnern wir uns an Dalis Konzept der Ausgewogenheit in der Konzeption, das in der Grenzenlosigkeit der KORE-Produktion auf die absolute Spitze getrieben wurde.

Nach der Zuspielung des Titels „B-Flat Ontology“ von Ceramic Dog, einigen Instrumental-Stücken der Leipziger Formation „The New Solarism“, etwas Daniel Lanois „Goodbye to Language“ und zum Abschluss ein paar minimal Klavier-Kompositionen von Steve Reich steht für uns eindeutig fest, dass wir es selten mit einem musikalischeren Lautsprecher zu tun gehabt haben. Eine Aussage, zu der wir uns angesichts der redaktionell gebotenen Vergleichsmomente nicht ohne Weiteres hinreißen lassen. Wie gern hätten wir noch mehr Stunden mit der Dali KORE verbracht und weitere musikalische Horizonte erkundet, doch nach nur 6 Tagen müssen wir sie wieder zurück in die massive Holzbox schieben und fest verschrauben. Die aktuell so begehrte Königin von Dänemark muss weiter zur nächsten Privataudienz.

FAZIT

Sicherlich ist es einfach zu behaupten, dieser oder jener Lautsprecher ist der Beste der Welt! Aber solche Zuschreibungen sind selten wertfrei und dazu noch viel weniger objektiv. Spiegeln sich doch neben Geschmack und Vorlieben des Rezensenten auch eine ganze Musikund Hörgeschichte wider. Eine Geschichte, die für jeden Genießer ihre eigene Wahrheit birgt. Für uns in der Redaktion war vor allem die Detailtreue sowie die Breite und Nuanciertheit des Klangbildes ausschlaggebend, der KORE nur die allerhöchsten Bestnoten zu verleihen. Eine Wahrheit, die wir in die Welt tragen möchten.

Vor-Ort-Bericht