Lesezeit ca. 4 Min.
arrow_back

Königliches Comeback in Albanien


Logo von Frau im Spiegel Royal
Frau im Spiegel Royal - epaper ⋅ Ausgabe 7/2022 vom 08.06.2022

ALBANIEN ROYAL

Artikelbild für den Artikel "Königliches Comeback in Albanien" aus der Ausgabe 7/2022 von Frau im Spiegel Royal. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Frau im Spiegel Royal, Ausgabe 7/2022

Die königliche Familie regierte Albanien nur ELF JAHRE

Das Zentrum der albanischen Hauptstadt Tirana im Frühling 2022 erinnert stark an Berlin-Mitte, kurz nach der Wiedervereinigung. Überall lärmen Baumaschinen, Hochhäuser wachsen in den Himmel und inmitten des geschäftigen Treibens liegt, für den Fremden kam zu finden, der Sitz der königlichen Familie. In der schlossartigen Villa lebt heute der Thronfolger des Landes – Kronprinz Leka, 40, geboren im südafrikanischen Exil, und, wie er nicht ohne Ironie feststellt, „schon am Tag meiner Geburt zum Tode verurteilt.“ Beim Besuch von ROYAL in seinem Familiensitz erzählt er von der drakonischen Verfolgung, die seine Familie, ihre in Albanien verbliebenen Freunde und Sympathisanten bis zum Ende der kommunistischen Diktatur 1990, vor allem aber in den Regierungsjahren des Stalinisten Enver Hoxha (1908-85) erlitten hatten. Der hatte nach dem ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 2,49€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Frau im Spiegel Royal. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1050 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 7/2022 von Was für ein Rummel!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Was für ein Rummel!
Titelbild der Ausgabe 7/2022 von Kampf gegen Armut. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Kampf gegen Armut
Titelbild der Ausgabe 7/2022 von QUEEN ELIZABETH SPIEL UM DIE MACHT. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
QUEEN ELIZABETH SPIEL UM DIE MACHT
Titelbild der Ausgabe 7/2022 von Triumphale RÜCKKEHR. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Triumphale RÜCKKEHR
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
Königlicher GENUSS IN KINGSTON
Vorheriger Artikel
Königlicher GENUSS IN KINGSTON
Dresscode BRIDGERTON
Nächster Artikel
Dresscode BRIDGERTON
Mehr Lesetipps

... Ende der italienisch-deutschen Besatzung 1944 sein Land zunächst Belgrad, dann Moskau, später Peking zugewandt – und nach Maos Tod eine eigene isolatorische Politik geführt, das Land quasi völlig vom Rest der Welt abzuschotten. Besondere Feinde ware für Hoxha Menschen aus dem Königshaus und deren Umfeld: „Alleine ein Briefwechsel oder nur der Besitz eines Fotos von Mitgliedern unserer Familie konnte ausreichen, einen für 15 Jahre ins Gefängnis zu bringen“, erzählt Kronprinz Leka. Hoxha ließ sogar bezahlte Söldner außerhalb des Landes Jagd auf die albanischen Royals machen – sogar in Gabun/Afrika versuchten sie, Lekas Vater Leka Zogu (1939-2011) in ihre Gewalt bringen. Der entkam und fand Exil, zunächst in Rhodesien (heute Simbabwe), später in Südafrika. 1975 heiratete er die Australierin Susan Cullen-Ward (1941-2004), die Mutter des heutigen Kronprinzen.

1993 durfte die königliche Familie zurück nach Albanien, ein Referendum für die Rückkehr zur Monarchie scheiterte später. Leka Zogu zweifelte allerdings an, dass bei der Wahl alles mit rechten Dingen zugegangen sei. In den Geschichtsbüchern dürfte das albanische Königshaus als eines mit der kürzesten Regierungszeit eingegangen sein: Gerade einmal elf Jahre – von 1928 bis 1939 – regierte Lekas Großvater König Zogu I. (1895-1961) das Land. Er entstammte einer bedeutenden Adelsfamilie, wurde 1925 Präsident und drei Jahre spä- ter König. Ein neues Schloss wurde gebaut, aber nie von der Familie bezogen. Die Schlossvilla, in der Leka heute mit seiner Familie lebt, blieb erhalten, auch wenn daraus per Dekret von Diktator Hoxha alles, und war es nur das kleinste Detail, entfernt und zerstört werden sollte, was an die royalen Bewohner erinnerte. Kronprinz Leka zeigt auf den massiven Holztisch, auf dem während unseres Gesprächs soeben Kaffee serviert wurde: „Der stammt noch aus dem früheren Besitz meiner Familie – die Arbeiter, die ihn später zerstören sollten, hatten ihn heimlich versteckt“. Außerdem überlebte ein Familienporträt, das unter den Bodendielen verborgen war.

Auch wenn das Mobiliar der royalen Residenz von antiken Möbeln und Stücken dominiert wird, der Kronprinz ist ein engagierter Vertreter des modernen Albaniens, das als recht stabile Demokratie gilt. Leka selbst lässt keinen Zweifel daran, dass er – auch ohne Monarch zu sein – seine Aufgaben in seinem Land sieht, darüber hinaus im Dienste seiner Nation: „Es leben zwar nur knapp drei Millionen Menschen in Albanien, die albanische Gemeinschaft weltweit umfasst aber 15 Millionen.“ Kronprinz Leka war ab 2006 Mitarbeiter im Außen-, später im Innenministerium und ab 2012 politischer Berater des damaligen konservativen Präsidenten Bujar Nishani, 77. Ganz ungeschönt stellt er die Entwicklung seines Landes dar: „1991 waren wir etwa auf dem Niveau von Somalia, 1997 herrschte hier noch die pure Anarchie, vieles wurde zerstört.“ Mittlerweile habe ein „schwieriger Erholungsprozess“ stattgefunden – und wie die aktuelle (sozialistische) Regierung setzt auch Leka große Hoffnungen in den Tourismus, insbesondere in den durch die albanische Geschichte kaum zerstörten Regionen mit besonderem Naturerbe und landschaftlicher Schönheit.

Grüne Visionen für seine HEIMAT

KRONPRINZ LEKA (r.) als Kind in Südafrika. Am Tag seiner Geburt erklärte die Regierung in Pretoria die Entbindungsstation zum albanischen Hoheitsgebiet

Doch jede Erschließung müsse mit Augenmaß erfolgen: Er persönlich sei „total gegen einen All Inclusive-Tourismus“ Der Kronprinz, der in London studierte, erinnert in manchen Visionen sehr an den britischen Thronfolger Prinz Charles, 74. Tourismus müsse nachhaltig sein, daran lässt er keinen Zweifel. „Was wir der Natur angetan haben, ist ein großes Problem. Vor allem es ist auch wichtig, unsere Gesellschaft in dieser Hinsicht zu sensibilisieren.“ Öko-Tourismus schone nicht nur die Ressourcen, sondern rechne sich auch für Albanien: „Ein Zimmer in einem Boutique-Hotel bedeutet sieben Arbeitsplätze“, rechnet er vor.

Die Kronprinzessin war Schauspielerin und Mitglied einer GIRLS-GROUP

Da spricht wohl nicht nur ein politisch engagierter Kronprinz, sondern auch ein junger Vater. 2010 hat Leka in Paris seine Landsfrau Elia Zaharia, heute 39, kennengelernt – in Albanien bekannt als ehemaliges Mitglied der erfolgreichen Girls-Group „Spirit Voice“ sowie als Schauspielerin, unter anderem am Albanischen Nationaltheater in Tirana. Am 8.

Oktober 2016 läuteten in der Hauptstadt die Hochzeitsglocken, zu den bekanntesten Gästen gehörten Königin Sofia von Spanien, Prinz und Prinzessin Michael von Kent, Ex-Kaiserin Farah (Iran), Prinzessin Sibilla und Prinz Guillaume von Luxemburg und Kronprinz Alexander von Jugoslawien. Am 22. Oktober 2020 teilten Kronprinz Leka und Kronprinzessin Elia freudig die Geburt ihrer ersten Tochter mit. Ihr Name:

Geraldine. Ihr Geburtsort: das Königin Geraldine-Hospital in Tirana, benannt nach Lekas Großmutter, der beliebten Königin Geraldine (1915-2002), die in Budapest als Gräfin Apponyi de Nagy-Appony geboren wurde. Sie war nach 64 Jahren im Exil im Jahr 2002 nach Albanien zurückgekehrt und vier Monate später in Tirana verstorben. Exakt an ihrem 18. Todestag kam ihre Urenkelin gleichen Namens im Hospital zur Welt. Die nette Anekdote zeigt aber auch: Das Königshaus ist in Albanien präsenter als es oft international wahrgenommen wird. Und Kronprinz Leka arbeitet dafür. Auch ohne Thron .

Andreas C. Englert