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Königskerzen für dynamische Gärten


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Gartenpraxis - epaper ⋅ Ausgabe 10/2022 vom 04.10.2022

Verbascum-Arten

Artikelbild für den Artikel "Königskerzen für dynamische Gärten" aus der Ausgabe 10/2022 von Gartenpraxis. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Gartenpraxis, Ausgabe 10/2022

1 Zweifarbig gelb-purpurne Blüten zeigt die Behaarte Königskerze.

Königskerzen lieben in der Regel durchlässige, steinige, gern basische Böden. Der Standort sollte warm und sonnig sein. In Staudenrabatten oder trockenen Kiesgärten wirken Königskerzen am besten. Sie versamen sich reichlich, weshalb sie praktisch nur für große Anlagen taugen, dort aber eine echte Bereicherung sind.

Biologie

Die meisten Verbascum-Arten sind zweijährig. Aus der im ersten Jahr entstandenen, meist imposanten Blattrosette entsteht im zweiten, manchmal auch erst im dritten Jahr, nach durchgemachtem winterlichen Kältereiz, der Blütenstand. Durch einen radikalen Rückschnitt am Ende der Blütezeit lassen sich manche Königskerzen zu einer erneuten Blüte im Folgejahr bewegen. Der Lebenszyklus ist aber auch von den Bodenverhältnissen abhängig. Bei fetten, nährstoffreichen und feuchten Böden verkürzt sich dieser Ablauf; es kann bereits im ersten Jahr zur Blüte kommen und das ...

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... Absterben der Pflanze zur Folge haben. Bei mageren, sandigen Böden dauern auch zweijährige Königskerzen teilweise aus.

Die Einzelblüten sind hinfällig und fallen in der Regel nach einem Tag ab. Es blühen aber immer wieder neue Blüten auf, sodass sich die Gesamtblütezeit bei den meisten Arten vom Früh- bis in den Spätsommer erstreckt. Auf Erschütterungen reagieren die Blüten empfindlich, etwa auf einen Schlag mit einem Stock. Nach einer Latenzzeit von 30 Sekunden bis 3 Minuten wurde bei mehreren Königskerzen-Arten das Abwerfen zahlreicher Blüten beobachtet.

Verbreitung

Von den etwa 360 Arten der Gattung kommen indigen 87 in Europa und 14 in Mitteleuropa vor. Das Mannigfaltigkeitszentrum erstreckt sich von der Balkanhalbinsel, wo rund 50 Arten endemisch sind, bis ins armenisch-iranische Hochland. Mit etwa 230 Arten ist Anatolien das Königskerzen-Vielfaltsgebiet schlechthin. In Amerika fehlt Verbascum ursprünglich, einige Arten treten dort aber neophytisch auf, besonders häufig und lokal als Plage die Schabenkraut-Königskerze (V. blattaria) und die Kleinblütige Königskerze (V. thapsus). Wenige Arten wie die Ruten-Königskerze (V. virgatum) haben auch in Australien Fuß fassen können.

Vermehrung

Am besten lassen sich Königskerzen durch Aussaat gleich nach der Samenreife an Ort und Stelle (Licht- und Wärmekeimer) oder mit Wurzelschnittlingen, die im Frühjahr geschnitten und senkrecht gesteckt werden, vermehren. Wurzelrisslinge sind von November bis Februar möglich. Für die Aussaat einfach mit dem Samenstand, der unzählig viele Samen beinhaltet, an den Stellen im Garten, an denen Königskerzen erwünscht sind, durch Schütteln das Aussäen bewirken. Selbstaussaat kommt häufig vor.

Bei einer Vorkultur werden die Samen nur angedrückt, nicht zugedeckt. Sobald die Pflänzchen groß genug sind, an die gewünschte Stelle im Garten auspflanzen.

In einem Langzeitversuch in Michigan mit 20 getesteten Arten behielten die Königskerzen-Samen mit über 120 Jahren die längste Keimfähigkeit, was für so kleine Samen bemerkenswert ist.

Hybriden

Königskerzen neigen zur Bastardierung. Zumindest alle mitteleuropäischen Arten kreuzen sich. Sie treten spontan auf, wo verschiedene Arten nebeneinander wachsen, auch im Garten. Die Hybriden sind meist steril und geben sich durch ihre verkümmerten, inhaltslosen, sich in Wasser nicht entfaltenden Pollenkörner zu erkennen. Dreifach-Hybriden sind daher unwahrscheinlich.

Wildtiere

Die Blüten bieten keinen Nektar, aber Pollen. Dieser wird vor allem in den Morgenstunden dargeboten. Hummeln und Honigbienen sind die häufigsten Blütengäste, aber auch zahlreiche Wildbienen, Schwebfliegen und Blattkäfer lassen sich beobachten.

Auf Königskerzen spezialisiert hat sich der Königskerzen-Mönch (14; Cucullia verbasci). Die Raupe dieses fast ausschließlich auf Königskerzen heranwachsenden Eulenfalters ist auffälliger als das braun gefärbte adulte Tier.

Die hübsche, schwarz-rote Sichelwanze (Prostemma guttula) wählt gerne die Königskerze als Lebensraum. Zudem ist sie Futterpflanze von Rotem Scheckenfalter (Melitaea didyma) und Braunwurz-

Mönch (Shargacucullia scrophulariae). Wollbienen der Gattung Anthidium nutzen die Königskerzenhaare als Baumaterial für ihre Niststuben. Sie tragen abgeschabte Pflanzenwolle der Blätter und Stiele in Hohlräume verschiedenster Art und betten darin ihre Brutzellen. Andere Wildbienen wie Mauerbienen, Keulhornbienen, Maskenbienen oder Blattschneiderbienen finden in den abgestorbenen, markerfüllten Königskerzenstängeln zusagende Nistplätze. Zudem ist sie Nahrungspflanze für Wildvögel.

Schädlinge

Mehrere pilzliche Schaderreger wie Peronospora verbasci und Uromyces verbasci sowie die Erreger der Blattfleckenkrankheit Phyllosticta verbasci und Ascochyta verbasci sind für Königskerzen typisch. Eine siebartige Durchlöcherung der Blätter verursacht der Rüsselkäfer Cleopus solani. Fraßschäden verursachen auch die Königskerzenmotte (Nothris verbascella) und bestimmte Erdflöhe. Gallenbildungen an den Blüten gehen auf verschiedene Gallmücken der Gattung Asphondylia zurück, von denen manche nur Königskerzen und Braunwurze befallen. Der Veränderliche Gallenrüssler (Rhinusa tetra) legt seine Eier in die Fruchtkapseln der Königskerzen. Die gelb gefärbte Königskerzen-Blattlaus (Aphis verbasci) hat sich ebenfalls auf die Gattung spezialisiert.

Arzneipflanze

Königskerzen gelten seit Jahrtausenden als wichtige Heilpflanzen. Vor allem die Großblütige Königskerze (Verbascum densiflorum) und die Brandkraut-Königskerze (V. phlomoides) werden eingesetzt.

Die Blüten wirken hustenlindernd, abschwellend, schmerzlindernd, entzündungshemmend und blutreinigend. Der Presssaft oder ein Teeaufguss werden gegen Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenbereich eingesetzt, eine Rotweinabkochung gegen Husten und Brustschmerzen. Die Blätter nutzt man in der Volksmedizin bei Hautentzündungen. Hildegard von Bingen schreibt, dass der Tee aus Königskerzen ein schwaches und trauriges Herz erstarkt und fröhlich macht.

Als Heilkraut wird die Königskerze unter anderem in Deutschland, Ungarn, Belgien, Kroatien, Italien und der Slowakei feldmäßig angebaut. Zu diesem Zweck hat man einjährige Rassen auserlesen, die bereits im ersten Jahr blühen und erntereif sind.

Verbascum-Arten für naturnahe Gärten

Verbascum adenanthum

(6) Die durch ihre hellgelben Blüten auffällige Blassgelbe Königskerze ist auf der Balkanhalbinsel endemisch und besiedelt hier West-Bulgarien, Nord-Griechenland und Nord-Mazedonien. Sie wird manchmal mit der Serpentin-Königskerze (V. serpenticola) gleichgesetzt, die aber in Südwest-Anatolien endemisch ist.

Verbascum alpinum

(Syn. V. lanatum) Die Behaarte Königskerze (1) gehört zu den ausdauernden, nicht zweijährigen Sippen. Sie ähnelt der Schwarzen Königskerze und unterscheidet sich von dieser durch einen dicht wolligen Stängel (bei V. nigrum kahl bis nur locker behaart) und unterseits filzig-weißwollige Blätter (bei V. nigrum zerstreut behaart). Die Behaarte bildet mit der Schwarzen Königskerze Hybriden, die aber steril sind. Sie ist in den Südalpen beheimatet und steigt hier bis etwa 2.000 m Seehöhe. In Kultur überzeugt sie durch ihre zweifarbig gelb-purpurnen Blüten und eignet sich auch zum Bepflanzen von Blockstein- und großen Trockenmauern.

Verbascum austriacum

Eine ausdauernde, nicht zweijährige Art ist die Österreichische Königskerze (3). Nahe mit der Chaix-Königskerze verwandt, die sich von dieser durch grüne Blattunterseiten (bei V. chaixii graufilzig) und abgerundete Blattzähne (bei V. chaixii zugespitzt) unterscheidet. In Gartenkultur findet sich die typische gelbblühende wie auch eine weißblühende Form (4). Weißblühende Formen gibt es in der Gattung Verbascum zahlreich, was bei gelbblühenden Pflanzen die große Ausnahme ist, sonst in der heimischen Flora vielfach bei blau-, rot- oder lilafarben blühenden Pflanzen vorkommt, nicht aber bei gelben. Es resultiert aus dem Ausfall der Epidermisfärbung. Die Österreichische Königskerze eignet sich besonders für Blumenwiesen, Böschungen und Steppenrasen.

Verbascum baldaccii

(5) Die Art ist auf der südlichen Balkanhalbinsel endemisch und beeindruckt durch ihre großen, hellgelben Blüten mit purpurner Mitte. Die Baldacci-Königskerze ist zu Ehren des italienischen Botanikers und Geografen Antonio Baldacci (1867−1950) benannt, eines großen Kenners der balkanischen Flora.

Namensgebung

Die Herkunft des botanischen Gattungsnamens ist umstritten. Angeblich soll er eine Verstümmelung von „barbascum“, abgeleitet vom lateinischen „barba“ (= Bart) darstellen. Eine andere Theorie sieht den Namen wegen des Wortelements „asco“ als Lehnwort ligurischer Abstammung an. Sicher ist nur, dass bereits Plinius den Namen für die Gattung verwendete.

Die Gattung der Königskerzen ist eine der wenigen, die nach der Neudefinition der Braunwurzgewächse in dieser Familie verbleibt.

Rund 200 deutsche Volksnamen zeugen von der Bekanntheit der Pflanze in der Bevölkerung. So „Himmelskerzen“ im Salzburger Pinzgau, „Donnerkerzen“ in Bayern, weil der Blitz einschlagen soll, wenn man eine Königskerze abreißt, und „Zunderfackel“, weil die Stängel in Pech oder Harz getaucht als Fackeln und die Haare der getrockneten Blätter zum Anfeuern genutzt wurden. Gleicher Herkunft auch der bayrisch-österreichische Ausdruck „Himmelbrand“, auf welches auch der Männername Hildebrand zurückgeht.

In der Pflanzensymbolik steht die Königskerze für Barmherzigkeit und Würde und so wundert es nicht, dass auf den Glasfenstern des germanischen Museums zu Nürnberg, wo die Gründung der Kartause durch den Burggrafen Friedrich von Hohenzollern im Jahr 1381 dargestellt wird, eine Königskerze zu Füßen des Gründers entspringt.

Verbascum banaticum

(2) Dichte, vielblütige Blütenstände und grob gezähnte Blattränder hat die Banater Königskerze, die von der Balkanhalbinsel bis zur Ukraine indigen ist. Sie wird sehr selten als Zierpflanze kultiviert und findet sich in Mitteleuropa vereinzelt eingeschleppt, so früher am Südbahnhof München und Ilversgehofen in Thüringen, auch in Belgien.

Verbascum barnadesii

Die Art ist auf der Iberischen Halbinsel und in Marokko beheimatet, in Berlin konnte sie eingeschleppt gefunden werden. Sie überzeugt durch ihre zweifarbigen kräftig gelb-purpurnen Blüten (7).

Zu Ehren des spanischen Arztes und Botanikers Miguel Barnades y Mainader (1708−1771) wurde die Barnades-Königskerze benannt. Barnades war Leibarzt von Fernando de Silva y Álvarez de Toledo, dem 12. Herzog von Alba, sowie von König Carlos III., außerdem Professor der Botanik am Botanischen Garten Madrid und forschte unter anderem in Südfrankreich, in der Region Valencia, auf Mallorca und in Kastilien. 1767 schrieb er „Principios de Botánica“ in spanischer statt lateinischer Sprache, nach den neuesten franzö sischen Klassifikationstheorien und unter Verwendung der Linné’schen Terminologie. Sein größtes Werk „Specimen Florae Hispanicae“ mit über 2.000, teils für die Wissenschaft neuen Pflanzen und 120 Tafeln blieb unveröffentlicht und wurde erst von seinem Sohn vollendet.

Verbascum blattaria

Aufgrund ihrer enthaltenen Saponine wurde die Schabenkraut-Königskerze (8) früher als Mittel gegen Schaben und Motten an Leib und Wäsche genutzt, abgeleitet vom lateinischen blatta (= Schabe, Motte). Sie ist von Europa und Algerien bis Zentralasien heimisch und kommt in Nordamerika und Venezuela eingebürgert vor. Die Schabenkraut-Königskerze liebt im Garten sandige und verträgt auch salzhaltige Böden. Sie wird in einer gelb- und einer weißblühenden Form kultiviert.

Verbascum boerhavii

Die Boerhaave-Königskerze (9) ist in Südwest-Europa beheimatet, in Marokko eingeschleppt. Sie wird in der typischen gelben und einer weißblühenden Spielform (10) kultiviert und ziert sowohl durch die zweifarbigen Blüten als auch ihre wollige Behaarung.

Die Boerhaave-Königskerze wurde zu Ehren des holländischen Arztes und Botanikers Herman Boerhaave (1668−1739) benannt. Boerhaave war Professor der Botanik, Chemie und Medizin in Leiden und praktizierte als erfolgreicher Arzt. Er führte die Lehrvisiten am Krankenbett ein und unterstützte, von der Notwendigkeit eines neuen Klassifikationssystems für Pflanzen überzeugt, Carl von Linné bei dessen Arbeiten.

Verbascum bombyciferum

Im Uludag-Gebirge bei Bursa im nordwestlichen Anatolien ist die Seidige Königskerze (12) ursprünglich, von wo sie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Zuge des Aufkommens der Staudengärten nach Europa kam. Die Seidige Königskerze wird gerne in Verkehrsinseln und Kreisverkehre gepflanzt und verwildert von dort vereinzelt im angrenzenden Bereich, ebenso auf Deponien und ähnlichen Standorten. Im Gartenhandel ist sie vor allem mit dem Sortennamen 'Polarsommer' im Umlauf, wobei es sich hier um die reine Art handelt. Die Art ist nässeempfindlich, deshalb ist im Sortiment mit der Sorte ’Silberkandelaber‘ eine Hybride aus Verbascum bombyciferum × V. olympicum vertreten, die vielblütiger und nicht so auffallend behaart ist wie V. bombyciferum, dafür aber auch weniger nässeempfindlich. Die Hybride ist fertil, konstant und samt sich aus.

Am Straßenrand Berliner Ring in Bamberg ist nach einer Pflanzung von V. bombyciferum 2004 spontan die Hybride mit V. densiflorum aufgetreten, 2006 dann auch am Margaretendamm in Bamberg.

Verbascum chaixii

Chaix-Königskerze ist eine ausdauernde, südwesteuropäische Art, die in der typisch gelben, aber auch in einer weißblühenden Form 'Album' (15) kultiviert wird. Blühbeginn ist Ende Juni, die nicht selten gebildete Nachblüte kann bis in den November andauern. Sie kommt auf kalkreichen wie kalkarmen Böden gleichermaßen zurecht, verträgt eine einmalige Mahd und eignet sich für Blumenwiesen. Ein Frühlingsschnitt hat eine spätere Blütezeit zur Folge.

Benannt wurde sie zu Ehren des französischen Geistlichen und Botanikers Dominique Chaix (1730−1799). Chaix war Priester in den südfranzösischen Alpen, legte sich einen Alpengarten an und war Mentor und Lehrer von Dominique Villars, für den er zahlreiche Beiträge für seine Flora der Dauphine schrieb.

Verbascum crassifolium

Die westalpisch-apenninische Berg-Königskerze (11) ist nahe mit der Kleinblütigen Königskerze verwandt, unterscheidet sich aber von dieser durch deutlich gestielte Grundblätter, wollig behaarte untere Staubfäden und eine gelbliche bis rotbräunliche Behaarung der Blätter. Sie beeindruckt vor allem durch ihre Blattrosette und bevorzugt kalkarme Böden und kühle Lagen.

Verbascum densiflorum

Als Überlebenskünstler nimmt die Großblütige Königskerze (13) mit allen normalen, eher trockenen, bevorzugt kalkhaltigen Gartenböden in sonniger Lage vorlieb. Sie ist eine europäisch-westasiatische Art, die im Norden bis Südschweden und Dänemark reicht. Die Blüten werden frisch oder getrocknet zur Teegetränkerzeugung genutzt. Sie dienen als Aromaverbesserer und als essbare Dekoration.

Unter 'Densiflorum' ist im Pflanzenhandel aber nicht nur die reine Art, sondern auch die Hybride mit der Dunklen Königskerze zu finden, die botanisch den Namen V. × adulterinum trägt. Sie ist langlebiger als die zweijährige Großblütige Königskerze und lässt sich leicht durch Wurzelschnittlinge vermehren. Die Blüten riechen anfänglich streng, später honigartig angenehm.

Verbascum erianthum

In Südwest-Asien vom Iran bis Westhimalaja ist die Löffel-Königskerze ursprünglich. Sie liebt steinige Böden und besticht durch große Grundblattrosetten mit löffelförmig aufgebogenen Blättern. Geeignet vor allem für Steinrasen und Kiesbeete.

Verbascum 'Letitia'

Die Letitia-Königskerze (23) ist eine Hybride aus Verbascum dumulosum × V. spinosum, die in RHS Gardens in Wisley von W. K. Aslet als zufällig aufgetretener Bastard gefunden wurde und fortan als Gartenpflanze kultiviert wird. Der Elternteil V. dumulosum ist ein kleinräumig verbreiteter Endemit im Gebiet der Ruinen von Termessus in der Südwest-Türkei. Die Pflanze wird nur etwa 30 cm hoch, blüht ungemein reich und lange von Mai bis Juli, verlangt aber auch einen trockenen, nässegeschützten Standort. Sie wird durch Rosettenstecklinge im Spätsommer vermehrt.

Verbascum longifolium

Beheimatet in den Gebirgen Italiens und der Balkanhalbinsel, fühlt sich die Langblättrige Königskerze (17) aber auch im Hochland Kenias wohl, wo sie eingeschleppt auftritt. Sie zählt zu den anspruchslosen Arten, die durch braunrotfilzige Blätter und hellgelbe Blüten mit braunorange Zeichnung im Zentrum überzeugen.

Verbascum lychnitis

So wie die meisten Arten der Gattung ist auch die Mehlige Königskerze (18) oder Heidefackel, wie sie im Volksmund heißt, übersät von bäumchenartig verzweigten Haaren. Diese schaffen einen windstillen Raum auf der Oberfläche, der die Pflanze vor zu starker Verdunstung schützt. Die Mehlige Königskerze ist eine gelbblühende Art, die nicht selten auch weißblühend auftritt, häufig in Südwest-Deutschland und Thüringen. Ihre Verbreitung reicht von Westeuropa und Marokko bis in den Kaukasus und ins westliche Sibirien.

Verbascum macrurum

Bei der Langschwänzigen Königskerze (19) beeindruckt vor allem die Grundblattrosette und die reiche Beblätterung der Blütentriebe mit ihren graufilzigen Oberflächen. Die Blütenstände ähneln denen von V. densiflorum. Ihre natürliche Verbreitung reicht von Süditalien und Sizilien bis Kreta und zur europäischen Türkei.

Verbascum mallophorum

In Südost-Europa ist diese zweifarbig gelb-purpurrote Wollige Königskerze (20) beheimatet. Ihre Blüten sind groß, ihr Wuchs stattlich. Eine Pflanze in Vollblüte ist immer wieder ein Hingucker und diese Blütezeit erstreckt sich über mehrere Wochen von Mai bis Juni.

Verbascum nigrum

Den unglücklich gewählten Artbeinamen nigrum hat die Schwarze Königskerze (21) aufgrund ihrer dunkelgrünen Blätter und oft dunklen Stängel erhalten, ohne irgendwo schwarz zu sein. Ihre Verbreitung ist groß und reicht von England und Südskandinavien bis Zentralasien.

Die selbststerile Art, die ausdauernd ist und sich aus den fleischigen Wurzelstöcken regeneriert, ist Elternteil mehrerer Hybriden, die durch Wurzelteilung vermehrt werden. Neben der typisch gelben Form ist sie auch in der weißblühenden Form 'Album' im Sortiment zu finden. 'Golden Bush' ist ein Zufallssämling von 1963 aus Schwarzer Königskerze mit der kretischen Dornigen Königskerze (V. spinosum), die sich nur über Wurzelschnittlinge vermehren lässt.

Verbascum olympicum

Eine der typischen Königskerzen für Steppengärten und große Grünanlagen ist die Kandelaber-Königskerze (22). Der imposante Stängel wird bis mannshoch, die Pflanze stirbt nach der Blüte ab, versamt sich aber reichlich. Die Art ist am Bithynischen Olymp in Anatolien beheimatet und fehlt am bekannteren griechischen Olymp, weshalb der im Pflanzenhandel oft gewählte Name „Griechische Königskerze“ ungeeignet ist.

Verbascum orientale

Die Östliche Königskerze (16) ist beheimatet von Südost-Europa bis in den Iran. Sie ähnelt im Aussehen und im Anspruch der Schabenkraut-Königskerze, hat aber gänzlich andere Blätter, die gefiedert sind. Als niedrige, zarte Pflanze eignet sich die Östliche Königskerze besonders für Sandrasen und extensive Dachbegrünungen.

Verbascum phoeniceum

Die Violette Königskerze (24) ist eine 30 bis 80 cm hohe, ausdauernde, aber kurzlebige Staude. Sie unterscheidet sich von den anderen Königskerzenarten durch ihre violetten Blüten und die flach dem Boden anliegenden Grundblattrosetten. Ihre Blütezeit erstreckt sich von Mai bis Juni, sie ist von Südost-Europa bis Westasien heimisch und erreicht dabei noch Mitteleuropa. Die Violette Königskerze liebt sandige, magere, durchlässige Böden in sonniger Lage und eignet sich für Steppengärten, Sandrasen, magere Blumenwiesen und extensive Dachbegrünung. Besonders hübsch sind spontan entstandene Hybriden mit gelb blühenden Königskerzenarten. Diese zeigen unterschiedlichste Blütenfarben, die von Lila über Orange bis Bräunlich reichen. Die Violette Königskerze verträgt eine ein- bis zweimalige Mahd ab der Samenreife etwa im Juli.

Sie wird in einigen Sorten kultiviert, so 'Southern Charm' mit pastellfarbenen Blüten, 'Flush of White' mit weißen Blüten und 'Rosetta' mit purpurrosa Blüten. Die Cotswold-Hybriden, die bei Cotswold um 1935 aus Kreuzungen mit verschiedenen anderen Arten hervorgegangen sind, zeichnen sich durch auffallende Blütenfarben aus. So hat 'Boadicea' kupferfarbene, zur Mitte hin violette Blüten. 'Cotswold Queen' ist bernstein- bis lachsfarben mit lila Staubfäden, 'Gainsborough' hat hellgelbe und 'Pink Domino' rosa Blüten. Die Hybriden sind langlebiger als die reine Art, lassen sich aber nur vegetativ durch Wurzelschnittlinge oder Abtrennen von Nebenrosetten sortenecht vermehren. Bei Naturhybriden oder besonders schönen Einzelpflanzen ist auch eine Stecklingsvermehrung möglich. Dazu wird der Blühtrieb während der Blüte geschnitten. Es erscheinen junge Grundsprosse, aus denen die Stecklinge gewonnen werden.

Verbascum pycnostachyum

Die Weißfilzige Königskerze (25) ist in Anatolien und auf den Ostägäischen Inseln beheimatet. Dort wird sie in der traditionellen Medizin zur Behandlung von Atemwegsproblemen, Ekzemen und anderen Arten von entzündlichen Hauterkrankungen eingesetzt. Im Garten überzeugt sie durch ihre Mehrjährigkeit, den kompakten Wuchs und das weißfilzige Laub. Sie verlangt trockene Standorte und ist gegenüber Winternässe empfindlich.

Verbascum scardicola

In einem kleinen Teil der Balkanhalbinsel ist die Kosovo-Königskerze endemisch, nämlich außer im Kosovo in Nordmazedonien und in Teilen Albaniens. Ihre anfänglich orangebraunen Knospen färben sich im Laufe der Blütezeit zu einem satten Gelb. Die wollige Behaarung ist eine zusätzliche optische Bereicherung. Sie fühlt sich wie praktisch alle Königskerzen in locker bewachsenen Rasen in voller Sonne am wohlsten.

Verbascum sinuatum

Eine selten genutzte Zierpflanze ist die Gebuchtete Königskerze (26) mit mediterran-westasiatischer Verbreitung, nördlich bis Slowenien reichend und verhältnismäßig vielen Verwilderungen bzw. Verschleppungen in Mitteleuropa, so 2002 bis 2008 am Truppenübungsplatz Garlstedt in Niedersachsen, 1998 und 1999 in der Lagerhausgasse Ludwigshafen und 2004 in Ruchheim in Rheinland-Pfalz. Die Art ähnelt im Blütenstand der Chaix-Königskerze, hat aber gänzlich andere, buchtig gelappte, gewellte Grundblätter. Die Art ist besonders stoßempfindlich und reagiert bereits etwa eine halbe Minute nach einem Schlag mit Blütenabwurf.

Verbascum speciosum

Eine ideale und prächtige Königskerzenart für den naturnahen Garten und Steppenrasen ist die Pracht-Königskerze. Sowohl im Habitus als auch mit ihrer Blütenfülle überzeugt die monumentale Art, der Schrader nicht ohne Grund den Artbeinamen „speciosum” gab. Ihr Verbreitungsgebiet reicht vom pannonischen Gebiet Österreichs bis zur Ukraine und Aserbaidschan. In Kalifornien tritt sie verwildert auf, auch in Deutschland sind mehrere Adventivvorkommen bekannt, also von Menschen am Standort eingebrachte Pflanzen. Sie besitzt duftende Blüten, deren Blütenblätter Salate, Desserts und Tellerränder schmücken. Gekocht können sie als Gelbfärber für Limonaden und Sirupe genutzt werden.

Verbascum thapsus

Klein sind die Blüten der Art nicht, der Name Kleinblütige Königskerze (27) bezieht sich lediglich auf den Vergleich mit Verbascum densiflorum. Sie ist Typus-Art der Gattung, die auch das größte Verbreitungsgebiet aller Königskerzenarten hat. Es erstreckt sich von der Atlantikküste Westeuropas bis Südsibirien und Tibet. Nördlich erreicht sie in Europa das südliche Skandinavien und südlich Sizilien. In Nordamerika ist sie eingeschleppt. Der botanische Artbeiname bezieht sich auf Thapsos, im Altertum der Name einer kleinen Halbinsel an der Ostküste Siziliens, jetzt Magnisi. Von dort wurden Färbepflanzen bezogen, vor allem der gelbfärbende Doldenblütler Thapsia. Auch die Kleinblütige Königskerze diente früher zum Gelbfärben.

Die Art mit ihren duftenden Blüten und einer langen Blütezeit von Juni bis September eignet sich für Naturgärten, wo ihr starker Ausbreitungsdrang akzeptiert wird. Versuche zeigten, dass bei einer Pflanze von rund 700.000 ausgestreuten Samen etwa 600.000 keimten, aber nach sechs Monaten waren im Umkreis von zehn Metern von der Mutterpflanze nur noch 108 Jungpflanzen übrig.

Verbascum undulatum

Im Laub ähnelt die Gewelltblättrige Königskerze der Gebuchteten Königskerze, hat aber eine gelbe Blütenmitte, die bei V. sinuatum purpurn ist. Ihre Blütentriebe entspringen zu mehreren den Grundblattrosetten, was ihr einen andersartigen Habitus verleiht. Beheimatet ist sie in Südost-Europa von Kroatien bis zu den Ägäischen Inseln.

Verfügbarkeit

Nur wenige Königskerzenarten sind im Pflanzenhandel üblich und leicht erhältlich. Dazu gehören Verbascum bombyciferum, V. densiflorum, V. nigrum, V. olympicum, V. phoeniceum, V. speciosum und einige wenige Hybriden. Mehrere Arten sind nur als Raritäten, etwa in Samentauschbörsen, zu erstehen.

Gp-Verweis

Fritz Köhlein: Wie langlebig sind

Königskerzen? Gp Nr. 9/2005