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Kötterheinrich: Hortensien als spannende Langzeitkultur


GB Gärtnerbörse - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 20.04.2019

Wandelt man im Februar im Rahmen der Sortentage durch das große Schauhaus des Hor -tensienbetriebes Kötterheinrich in Lengerich, so geht selbst weniger Hortensien-versierten Besuchern das Herz auf. Von der Fülle an Blütenformen und -farben bei Hydrangea macrophylla und Hydrangea paniculata war auch FachjournalistinKatrin Klawitter beeindruckt.


Einer, der als Inhaber des Spezial- und Züchtungsbetriebes Kötterheinrich eine Menge dazu beiträgt, ist Thomas Becker mit seinem Team. Sein Unternehmen widmet sich seit mehreren Jahrzehnten der Hortensienzüchtung und hat sich dafür schon vor knapp 20 Jahren mit ...

Artikelbild für den Artikel "Kötterheinrich: Hortensien als spannende Langzeitkultur" aus der Ausgabe 5/2019 von GB Gärtnerbörse. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: GB Gärtnerbörse, Ausgabe 5/2019

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... zwei weiteren Betrieben zur Hydrangea Breeders Association (HBA) zusammengetan. Dazu gehören neben Kötterheinrich noch Josef Heuger in Glandorf und André Smaal (Agriom) im niederländischen De Kwakel.

1 Die Hortensienstecklinge produziert Kötterheinrich aus Qualitätsgründen ausschließlich in Deutschland


2 Thomas Becker (rechts) und Verkaufsleiter Jürgen Gerdvordermark stellten im Februar dieses Jahres im Rahmen der Sortentage das aktuelle Hortensiensortiment vor


Fotos: Katrin Klawitter (6), Kötterheinrich (1)

3 Platz optimal ausgenutzt: Karren werden im Kühlhaus nur unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen gestapelt. Die meisten Kunden sind Produktionsbetriebe, die gekühlte Rohware kaufen, selbst antreiben und fertig kultivieren


4 Nur wenige Kunden sparen sich eine Kulturphase und lassen ihre Hortensien schon bei Kötterheinrich antreiben


Gefüllte Sorten wie die neue ‘Feather Blue’ sind gefragt


Geringer Hemmstoffbedarf: ‘Saxon Kleiner Winterberg’


Im Februar steht nach Kühlung und Treiberei für die Sortenschau bei Kötterheinrich das Gros der Sorten in Blüte – die beste Gelegenheit also, den Kunden zu zeigen, welche Sorten sich für welchen Antreib- und Verkaufszeitraum am besten eignen. Die meisten Kunden von Kötterheinrich sind Produktionsbetriebe, die gekühlte Rohware kaufen, selbst antreiben und fertig kultivieren. Nur wenige sparen sich das Antreiben und lassen ihre Pflanzen schon in den Gewächshäusern von Kötterheinrich antreiben. Das Unternehmen kann durch diese Dienstleistung seine Kulturflächen besser ausnutzen, sein Kunde kann sich ein paar Wochen Kulturzeit abnehmen lassen. Das rechnet sich allerdings nicht für jeden Betrieb, denn natürlich ist Ware, die später angefordert wird, teurer, weil sie eine längere Kühlzeit und Gewächshauszeit für das Antreiben beansprucht. Diesen Weg geht deshalb weniger als ein Prozent der Pflanzen.

Rund 50 Prozent seiner Rohware verkauft Kötterheinrich in Deutschland, die andere Hälfte geht in den Export, meist vermittelt über Agenturen. Vor allem der Export von Jungpflanzen nimmt stetig zu. Ein wachsendes Abnehmerland für Hortensien ist Spanien, andere wichtige Exportländer sind Italien, die Schweiz, Ungarn, Kroatien, Russland und die baltischen Staaten. Fertig kultivierte Hortensien verkauft Kötterheinrich nicht – und zeigt sie beispielsweise auch nicht auf der IPM in Essen. Dort war auch in diesem Jahr nur Rohware zu sehen – und das bewusst. „Wir wollen unseren Kunden ja keine Konkurrenz machen“, sagt Gerdvordermark.

Gefüllte Sorten auf dem Vormarsch

Wo liegen denn aktuell die Prioritäten der Kunden hinsichtlich der Blütenformen und -farben? Deutlich gestiegen ist laut Gerdvordermark das Interesse an gefüllten Sorten wie der neuen ‘Feather Blue’ von HBA, einer Hortensie vom Tellertyp, die später große, dicke Blütenbälle bildet. Andere gefüllte Sorten sind ‘Feather Hot Pink’, ‘Flame Blue’, ‘Flame Hot Pink’ und ‘Flame Purple’. Bisher, so der Verkaufsleiter, liege das Verhältnis von gefüllt blühenden zu normalen Hortensien im Gartencenterverkauf etwa bei eins zu zwanzig – den Anteil der gefüllten Sorten möchten Züchter und Handel gern deutlich erhöhen, bis zu 20 Prozent sind vorstellbar. In der Kultur gibt es zwischen normalen und gefüllten Sorten keine Unterschiede.

Die Suche nach dem weißesten Weiß

Grundsätzlich fragen die Produzenten zunehmend kompaktere Sorten nach, weniger dagegen die traditionell starkwüchsigen, bewährten Sorten wie ‘Bela’ oder ‘Saxon Schneeball’, nennt der Verkaufsleiter Trends. Bei Farben nehme die Nachfrage nach Blau deutlich ab, Lila- und Pastelltöne sind weiter gleichbleibend gefragt, Weiß ist angesichts der Osterzeit derzeit eine besonders begehrte Farbe. Die hat aber aus Produktionssicht auch Nachteile: Sie ist im Freiland recht empfindlich für Verbrennungen. Weiße Sorten sollten möglichst kompakt im Wuchs und unempfindlich gegenüber Kühlhausbedingungen sein. Und immer gesucht sind, wie soll es anders sein, auch bei Hortensien die Sorten mit dem „weißesten Weiß“. Hier hatte Kötterheinrich bei den Sortentagen eine reiche Weiß-Auswahl zu bieten: Die sehr frühe ‘Bianco’ beispielsweise, die gut etablierte ‘Ice Girl’ oder die sehr kompakte, wenig hemmstoffbedürftige ‘Saxon Kleiner Winterberg’. Für die frühe Treiberei ist innerhalb des HBA-Sortiments auch die bewährte weiße ‘Clarissa’ geeignet.

In der Sortenschau zeigte Kötterheinrich wegen der Vergleichbarkeit ausschließlich ab Kalenderwoche 49 angetriebene Sorten, überwiegend im 14er-Topf, dazu ein paar Minis im 10,5er-Topf, aber keine großen Sonderformen – mit Ausnahme der neuen, exklusiv von Kötterheinrich vermarkteten „Tabletensia“, die durch ihren kompakten Wuchs ein schöner, anhaltend blühender Tischschmuck für den Innen- und Außenbereich sind. Sie gibt es in den Farben ‘Pink’ und ‘Purple’.

Kompakter Wuchs: Neue Hydrangea paniculata-Sorten


Die Kunden werden nicht nur während der Sortentage intensiv beraten, denn schließlich soll jeder die Sorten bekommen, mit denen er gut zurechtkommt und die zu seinen Kulturbedingungen und Abnehmern passen. Neue Kunden fangen laut Gerdvordermark gern erst einmal mit ein bis zwei Sätzen an – und merken dann schnell, dass die Produktion für sie doch sehr interessant sein kann. „Wir bemerken eine steigende Tendenz, dass Kunden diese hochwertigen Produkte durchgängig haben wollen – oft die -selbe Sorte, erst als Topfpflanze für drinnen, später dann für den Garten produziert“, sagt der Verkaufsleiter. Bei letzteren gehe der Trend zunehmend zu größeren Sorten.

Hortensien nicht zu früh topfen

Kötterheinrich legt sehr viel Wert auf Qualität. Die lasse auf dem breiten Markt leider manchmal zu wünschen übrig, sagt Gerdvordermark – und nennt einen Grund: Produzenten dürften nicht vergessen, dass Hortensienwurzeln sehr langsam wachsen. Werden Pflanzen in größere Töpfe getopft, beispielsweise für Gartenware, besteht die Gefahr der Übernässung im Verkauf, da mehr gegossen wird als die noch wenigen Wurzeln aufnehmen können. Besser sei es, Hortensien erst zu topfen, wenn sie ein stärkeres Wurzelwachstum haben – ein Vorteil auch beim Verbraucher. Grundsätzlich empfiehlt Gerdvordermark den Produzenten, verschiedene Sorten einer Farbe anzubauen, da je nach Witterung und Jahr jede Sorte mal besser, mal schlechter wächst und die Farbe variieren kann.

Der Qualität zuliebe hat das Unternehmen seine kenianische Mutterpflanzen- und Stecklingsproduktion gestoppt und kultiviert wieder ausschließlich in Deutschland. Klimabedingt sei die innere Qualität der Stecklinge aufgrund der unzureichenden Winterruhe in südlichen Ländern nicht gut gewesen, begründet der Verkaufsleiter diese Entscheidung. Die Produktion in Deutschland ist aufgrund der höheren Lohn- und Produktionskosten aber auch teurer, was der Kunde an höheren Stecklingspreisen merkt. „Wir haben uns trotzdem ganz bewusst wieder für die Produk -tion hier vor Ort entschieden. Sie ist für uns einfach besser kontrollierbar – und Kunden wissen diese Qualität durchaus zu schätzen“, sagt Gerdvordermark.

Möglichst ohne Hemmstoffe

Ein Hauptproblem auch in der Hortensienkultur ist die immer geringere Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln. Deshalb legt die Züchtung ein großes Augenmerk auf Robustheit – auch gegenüber einem Befall mit Pilzen wieBotrytis ,Phytophthora oderRhizoctonia – und auf Kompaktheit möglichst ohne Hemmstoffe. Tierische Schad -erreger sind bei Hortensien mit Nützlingen gut in den Griff zu bekommen. Die Mutterpflanzenproduktion für bewurzelte Stecklinge kann sogar ganz ohne Pflanzenschutzmittel erfolgen. Kötterheinrich arbeitet neben Nützlingen mit Effektiven Mikroorganismen (EM) und versucht, den Pflanzenschutzmitteleinsatz durch diese Stärkung so weit wie möglich zu vermeiden. Denn jede Anwendung von Fungiziden kann immer auch Wuchsdepressionen verursachen, erklärt der Verkaufsleiter. Kötterheinrich verwendet für die Rohware torfreduziertes Einheitssubstrat mit 30 Prozent Ton und 50 Prozent Torf sowie Kokos, Dauerdünger und Perlite. 30 Prozent Torfersatz sind laut Becker bei Hortensien derzeit maximal möglich.

Vorbehandelt für die Blaufärbung

Für die Blaufärbung werden alle dafür vorgesehenen Sorten im Herbst mit Aluminiumsulfat-Lösung gegossen und sind damit vorbehandelt, sodass der Kunde sie bei der Weiterkultur je nach Sorte nur noch ein- bis maximal zweimal damit nachgießen muss.

Die Sichtung während der Sortentage zeigte deutlich, wie unterschiedlich sich einzelne Sorten mit beziehungsweise ohne Blaubehandlung präsentieren. So hat beispielsweise die Sorte ‘Speedy Red Purple’ in der Normalkultur eine kräftig rote Farbe, in der Blaukultur ein sattes Bordeaux. „60 Prozent unserer roten Sorten werden in Blaukultur angebaut, um besondere Rottöne zu haben“, erläutert Gerdvordermark.

Geheizt werden die Gewächshäuser mit Gas als Hauptbrennstoff und einem Kohlekessel für Spitzenzeiten. Strom – unter anderem für die aufwändige Kühlung – produziert das Unternehmen über ein Blockheizkraftwerk selbst. Der Hauptenergieverbrauch liegt durch Kühlung und Treiben zwischen Ende November und Ende Februar.Das Hauptgeschäft von Kötterheinrich, die Hortensien - treiberei, ist ein gut planbarer Prozess – denn ausgeliefert wird nach Bestellplan oder auf Abruf direkt zum Kunden in geplanten Touren, beispielsweise zum Niederrhein oder in die Niederlande. Da sind auch einmal Kleinkunden dabei, die nur wenige CC-Container mit einigen Lagen erhalten.

Arbeit als größter Kostenfaktor

Hauptkostenfaktor ist die Arbeit. Denn bei Hortensien erfolgt vieles per Hand – wie Stecklingsschnitt, Stecken, Rückschnitt, das Einstellen und Einlagern in die Kühlung. Dafür beschäftigt der Betrieb rund 50 Mitarbeiter ganzjährig, dazu kommen für zwei bis sechs Monate eingespielte, vorwiegend weibliche Saisonkräfte aus Polen. Bisher gab es keine Probleme, ausreichend Saisonhelfer zu bekommen – vor allem, weil die Wohn- und Arbeitsbedingungen gut sind. Zudem findet die Arbeit vorwiegend im Gewächshaus statt, sie ist also nicht so wetterabhängig.

Ausgebildet wird im Unternehmen seit einigen Jahren nicht mehr. Da es sich um einen Spezialbetrieb handelt, musste die Ausbildung im Verbund mit anderen Betrieben laufen – und das funktionierte nicht immer optimal. Becker hat sich mit den Jahren auch ohne betriebseigene Ausbildung ein gutes, junges Führungsteam zusammengestellt. Dazu gehören unter anderem vier Meister – zwei Produktionsleiter, einer für die Züchtung und einer für die Vermehrung –, außerdem ein Versuchsingenieur, Jürgen Gerdvordermark als Verkaufsleiter, eine für die Kommissionierung zuständige Fachkraft und eine Arbeitskraft für das Büro.

LANGER WEG ZUR NEUEN SORTE

Die Hortensienzüchtung ist eine langfristige Sache: Von der Kreuzung bis zur Marktreife einer Sorte ver -gehen rund zehn Jahre. Bei Kötterheinrich werden Sämlinge bonitiert, gute Sorten verklont und zu Mutterpflanzen kultiviert. Von diesen werden Stecklinge geschnitten, die nach zwei Jahren wieder bonitiert werden und weitere vier bis fünf Jahre in die Testproduktion gehen. Während dieses Selektionsprozesses „provoziert“ man mit nicht ganz so optimalen Kultur -bedingungen im Gewächshaus, um widerstandsfähige Sorten herauszufiltern.
Während der Testphase werden auch Kunden einge -laden, um erste Eindrücke zu gewinnen. Von wenigen hundert Sorten schaffen es gerade einmal zwei bis zur Marktreife. Ein wichtiges Zuchtziel ist geringer Hemmstoffbedarf. Um Hortensien kompakt zu halten, eignen sich Kulturstrategien wie Cool Morning. Sie werden im Rahmen des Unternehmerkreises Hortensien geprüft, zu dem gut ein Dutzend weiterer Betriebe gehört. Diese Versuchsgemeinschaft lässt beispielsweise bei der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen Ver -suche durchführen.
Neue Sorten gibt HBA in den ersten drei Jahren bewusst ausschließlich als Rohware heraus, um sie am Markt zu testen und bei „Nicht-Funktionieren“ noch rechtzeitig zurückziehen zu können. Erst nach drei erfolgreichen Jahren wird eine Sorte auch als Mengenware produziert.
kla