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KOLUMNE - ALIAS KOSMOS: „Deutsche stehen gern früh auf“


Deutsch perfekt - epaper ⋅ Ausgabe 3/2020 vom 19.02.2020

Egal ob Schulbeginn, Brötchenverkauf oder auch die offizielle Telefonsprechstunde - das alles beginnt viel zu früh, meint unsere Lieblingsrussin. Warum bleiben die Deutschen nicht einfach länger im Bett? SCHWER AUDIO


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Alia Begisheva wurde in Moskau geboren. Heute lebt die 44-Jährige mit ihrem kanadischen Mann und ihren zwei Kindern in Frankfurt am Main und weiß viel besser als viele ihrer deutschen Nachbarn, dass man Papier und Glas nicht in dieselbe Mülltonne wirft. Für jedes Heft schreibt sie diese Kolumne.


Foto: Stephan Sperl

V or Kurzem rief ein Bekannter aus Russland, der in Berlin lebt, gegen 14 Uhr ...

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... beim Amt an. Er wollte mit einer bestimmten Person über eine wichtige Sache sprechen. Ich nenne sie hier Frau Meier. Er erfuhr, dass Frau Meier schon nach Hause gegangen war. Wann sie denn wiederkommen würde, fragte mein Freund. Morgen um 6 Uhr, erzählte man ihm. Er wunderte sich ein wenig, vergaß Frau Meier aber schnell.

Erst am nächsten Morgen dachte er wieder an sie, als er nach einer Partynacht gegen sechs Uhr früh in der Dunkelheit und bei Nieselregen mit dem Fahrrad zurück nach Hause fuhr. Einzelne Jogger in schlafanzugähnlichen Outfits liefen über den kaum beleuchteten Fahrradweg. Bei diesem Wetter sahen sie wie Geister oder Vampire aus. Meinem Bekannten war etwas mulmig zumute.

Zu Hause angekommen, erinnerte er sich an Frau Meier und wählte ihre Nummer - eher aus Spaß. Er glaubte nicht wirklich daran, dass jemand zu dieser Zeit bereit war, seine Probleme zu lösen - mitten in dieser Finsternis. „Frau Meier am Apparat“, meldete sich eine absolut menschliche Stimme. Mein Freund schaute zur Sicherheit noch einmal auf die Uhr und konnte es kaum fassen, dass Frau Meier nicht in den Apparat schrie: „Was fällt Ihnen ein, um diese Uhrzeit bei mir anzurufen?“ In Russland kann man vor 9.30 Uhr absolut keinen erreichen.

Menschen, die gern früh aufstehen - und dazu gehören für mich die meisten Deutschen - nennt man in Deutschland Lerchen. Mein Bekannter wäre demnach eine Eule, also ein Nachtmensch. Er lebt noch gar nicht so lange in Deutschland - und findet den Spruch „Der frühe Vogel fängt den Wurm“ noch lustig.

Ich aber habe wenig Verständnis dafür. Warum muss mein zehnjähriger Sohn um 7.45 Uhr in der Schule sein, wenn spätestens um 13 Uhr wieder Schluss ist? Schließlich warnen Schlafforscher seit Jahren, dass der frühe Schulbeginn Jugendliche in einen künstlichen Jetlag bringt. Auch kann ich nicht darüber lachen, dass die Müllabfuhr um 7 Uhr unterwegs ist und der Handwerker gern um 7.30 Uhr vorbeikommen möchte. Spätestens um 8 Uhr fängt er an zu hämmern. Und am Wochenende sind um 10 Uhr alle Brötchen ausverkauft. Dieser Tatendrang, der Menschen in der Dunkelheit aus dem Haus treibt, ist mir sehr suspekt.

Wie gut, dass ich in Frankfurt am Main lebe und nicht in Frankfurt an der Oder. Denn in Ostdeutschland ist die Situation noch viel schlimmer. Das Land Sachsen- Anhalt warb sogar vor einigen Jahren mit dem Slogan „Land der Frühaufsteher“. Wie kann man darauf stolz sein? „Das Land der Ausgeschlafenen“ ist doch viel sympathischer.

Dazu habe ich auch eine Anekdote zu erzählen: Der Vater eines Bekannten aus München hatte einen Job in Dresden angenommen. An seinem ersten Arbeitstag wurde seine Sekretärin mit jeder Minute immer nervöser. Denn er kam und kam und kam einfach nicht! Bis er dann endlich doch noch erschien - um 9 Uhr. Sie hatte die Hoffnung bis dahin bereits aufgegeben.

So viele Farben!

SAALFELDER FEENGROTTEN

Freie Tage im Winter? Typisch ist jetzt eine Reise in die Berge oder ein Museumsbesuch. Für alles andere ist es meistens zu kalt. Oder besser gesagt: für fast alles andere. Denn unter der Erde sind die Temperaturen auch in den kalten Monaten hoch genug. Deshalb bietet sich jetzt der Besuch der Saalfelder Feengrotten in Thüringen an. Schon vor 500 Jahren haben Menschen diese Grotten besichtigt. 1914 wurden sie dann offiziell zu einer Touristenattraktion. Es ist eine ganz spezielle Sehenswürdigkeit: Fast 30 Minerale geben den Grotten viele verschiedene Farben. Diese ändern sich immer wieder. Die Grotten sind als „farbenreichste Schaugrotten der Welt“ auch ins Guinness-Buch der Rekorde gekommen. Nicht nur die Farben der Grotten ändern sich. Wegen des Weichminerals Diadochit werden die Stalaktiten jedes Jahr ein bis drei Zentimeter länger. Circa 160 000 Menschen besuchen die Saalfelder Feengrotten jedes Jahr. Für Erwachsene kostet der Eintritt 12,50 Euro, Kinder bis 16 Jahre zahlen 9,50 Euro. Damit können Gäste an einer Führung in den Grotten teilnehmen und das interessante Museum Grottoneum besuchen. Ein Ausflug zu den Grotten kann außerdem gut für die Gesundheit sein. Menschen mit Problemen wie Husten können zwei Stunden mit einem Schlafsack im Heilstollen bleiben. Die besonders gute Luft in der Grotte soll der Atmung helfen.

www.feengrotten.de

Salz an den Wänden

SALZBERGWERK BERCHTESGADEN

Diesen Moment vergessen speziell Kinder nicht so schnell: Sie gehen mit ihrer Zunge über die Wände - und es schmeckt ganz klar nach Salz. Möglich ist das im Salzbergwerk Berchtesgaden (Bayern). Es ist das älteste aktive Salzbergwerk in Deutschland. Schon seit 1880 können Besucher es besichtigen. Tief im Berg gibt es viele Attraktionen: eine 34 Meter lange Rutsche, der magische Salzraum oder auch der schöne Spiegelsee. Im großen Salzheilstollen können Besucher auch schlafen - bei sehr guter Luft. Und wegen der speziellen Akustik des Stollens finden im Salzbergwerk immer wieder Konzerte statt. www.salzbergwerk.de

Die Populärste

ATTA-HÖHLE

Erst 1907 haben Minenarbeiter die Atta-Höhle bei Attendorf (Nordrhein-Westfalen) gefunden. Sie haben sofort gemerkt: Dieser Ort ist etwas ganz Spezielles. Schon bald sind die ersten Touristen gekommen. Denn mit ihren Stalagmiten und Stalaktiten in vielen verschiedenen Formen und Farben ist die Höhle eine sehr populäre Attraktion. Zwischen 150 000 und 200 000 Menschen besuchen sie jedes Jahr. In keine andere Höhle in Deutschland kommen mehr Besucher. Noch ist gar nicht sicher, wie groß die Atta-Höhle wirklich ist. Bekannt sind 6000 Meter Höhlenlänge. Für Besucher ist der Rundgang aber nur 1800 Meter lang.

www.atta-hoehle.de

Fotos: Saalfelder Feengrotten; Salzbergwerk Berchtesgaden

Sehen, hören, lesen - große Kultur aus Deutschland

Der Treppen-Akt Ema von 1966 ist das wahrscheinlich bekannteste Bild des berühmtesten lebenden Künstlers aus Deutschland, Gerhard Richter. Für unsere Kulturspezialistin ist klar: Der Maler darf in einem großen Kanon der deutschen Kultur nicht fehlen. Kunst, Musik, Film, Literatur und vieles mehr: Wir stellen 100 deutsche Kultur-Perlen vor, die wir wirklich empfehlen können.

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