Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 2 Min.

KOLUMNE – ALIAS KOSMOS: „Ein Russe, ein Deutscher und ein Amerikaner fliegen zu den Sternen …“


Deutsch perfekt - epaper ⋅ Ausgabe 10/2018 vom 26.09.2018

Unsere Lieblingsrussin weiß genau, warum ISS-Kommandant Alexander Gerst einen Roboter dabeihat. Denn fleißig müssen Astronauten trotz kultureller Unterschiede immer sein.SCHWER AUDIO


Artikelbild für den Artikel "KOLUMNE – ALIAS KOSMOS: „Ein Russe, ein Deutscher und ein Amerikaner fliegen zu den Sternen …“" aus der Ausgabe 10/2018 von Deutsch perfekt. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Alia Begisheva wurde in Moskau geboren. Heute lebt die 43-Jährige mit ihrem kanadischen Mann und ihren zwei Kindern in Frankfurt am Main und weiß viel besser als viele ihrer deutschen Nachbarn, dass man Papier und Glas nicht in dieselbe Mülltonne wirft. Jeden Monat schreibt sie diese Kolumne.


Foto: Stephan Sperl

A ls ich im Frühjahr mit ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 8,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Deutsch perfekt. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 10/2018 von DEUTSCHLAND-BILD: So schön, so schlimm. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
DEUTSCHLAND-BILD: So schön, so schlimm
Titelbild der Ausgabe 10/2018 von PANORAMA. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
PANORAMA
Titelbild der Ausgabe 10/2018 von NAVIGATOR: Diesen Ort gibt es wirklich. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
NAVIGATOR: Diesen Ort gibt es wirklich
Titelbild der Ausgabe 10/2018 von Museen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Museen
Titelbild der Ausgabe 10/2018 von Freizeitfreunde. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Freizeitfreunde
Titelbild der Ausgabe 10/2018 von Fremde werden schnell zum Freund. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Fremde werden schnell zum Freund
Vorheriger Artikel
WIE GEHT ES EIGENTLICH DEN …: Schriftstellern?
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Tierparade und Karaoke
aus dieser Ausgabe

... deutschen Freundinnen in Sankt Petersburg war, haben wir Motorräder gemietet – mit Fahrern. Schweigsame bärtige Russen fuhren uns den ganzen Tag durch die Stadt, an den Palästen und den großen Kirchen vorbei, bis zur Finnischen Bucht. Auf dem Rückweg gab es einen Stopp an einer Waffenfa brik. Denn Eduard, einer der Biker, arbeitet eigentlich dort. Nun musste er kurz zur Stechuhr und sein Arbeitsende buchen. Meine Freundinnen, die in ihrem Job sogar die Kaffeepause von der Arbeitszeit abziehen müssen, waren schockiert. Der russische Arbeitgeber nimmt es, wie man sieht, nicht so genau.

Aber gilt das auch fürs Weltall? Jetzt, wo Alexander Gerst als erster Deutscher das Kommando auf der Internationalen Weltraumstation ISS übernimmt, wird er wohl Ordnung schaffen. Wofür hat er sonst Russisch gepaukt?

Gerst wird schrauben und sägen, auch wenn der Arbeitstag schon lange vorbei ist. Das hat er schon bei seiner ersten Mission auf der ISS getan. Ein Rekord von 80 Stunden Wissenschaft in einer Woche inklusive. Im freien Weltraum war er auch sechs Stunden. Mit Anziehen und Ausziehen des Raumanzuges wäre das genug für einen normalen Arbeitstag. Aber nicht für Alexander Gerst! Er räumte danach auf. Dann twitterte er und machte Fotos: von Polarlichtern, Städten bei Nacht und Sandstürmen über Afrika. Er schaffte es sogar, aus 400 Kilometern Höhe den israelisch-palästinensischen Konflikt auf einem Foto zu zeigen. Auf der Erde angekommen, saß er noch tagelang mit zwei Stiften, einem Löffel und dem Kaffeebecher in der Hand, weil er gedanklich noch schwerelos war und Angst hatte, dass ihm die Gegenstände wegfliegen.

Amerikanische Astronauten lassen die Arbeit an ihrem Nationalfeiertag ruhen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass der Mann aus Künzelsau am 3. Oktober seine russisch-amerikanische Crew die deutsche Einheit feiern lässt. Da gibt es Käsespätzle aus der Dose, fertig. Feiern würde ich an seiner Stelle auch nicht. Wenn die Russen feiern, geht die ganze Mission den Bach runter. Ich weiß, warum Gerst diesmal einen Roboter dabeihat, der sprechen, nicken und Witze erzählen kann. Denn wenn er selbst schläft, soll dieser Cimon den Russen einheizen.

Gerst darf natürlich nicht übertreiben. Die vielen deutschen Betriebsräte werden die Arbeitszeiten im Weltall genau kontrollieren. Die Überstunden, die da entstehen, dürfen nicht zu den Sternen fliegen. Denn eigentlich ist Gersts sechsmonatiger ISS-Aufenthalt eine Dienstreise. Nach deutschen Richtlinien muss er nach seiner Ankunft 24 Stunden ruhen. Denn er harrte auf dem Weg zur ISS mehr als zwei Tage in der engen Sojus-Rakete aus – und das nicht allein, sondern mit einem Russen und einer Amerikanerin. So fingen übrigens zur Sowjetzeit viele Witze an: Ein Russe, ein Deutscher und ein Amerikaner fliegen zu den Sternen … Vielleicht kennt Cimon einen. Und wenn nicht, werden die Russen ihm einen Witz erzählen – während Alexander Gerst Fotos von Vulkanen und Taifunen macht.