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KOLUMNE: ASKES WELT


tennisMAGAZIN - epaper ⋅ Ausgabe 120/2018 vom 19.10.2018

Auf der Tour spielte unser Kolumnist zweimal gegenRafael Nadal . Bilanz: 1:1. Viel wichtiger als das: Waske predigt seinen Schülern, den Spanier als leuchtendes Vorbild zu nehmen


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Bildquelle: tennisMAGAZIN, Ausgabe 120/2018

JUNGENHAFTER CHARME: Rafael Nadal bei den Gerry Weber Open 2005 nach der Niederlage gegen Alexander Waske.


INSIDER: Alexander Waske (43), ehemaliger Davis Cup-Spieler, leitet heute die Tennis-University in Offenbach.


Meine erste Begegnung mit Rafael Nadal fand beim Challengerturnier in Heilbronn statt. Er spielte damals in der Quali auf einem Nebenplatz gegen den Italiener Filippo Volandri – und verlor. Ich hatte mich gewundert, ...

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... warum es sich dieser 16-Jährige antat, in der Halle zu spielen. Sein Spiel passte überhaupt nicht zu schnellen Belägen. Nachdem ich seine Karriere ein bisschen verfolgt hatte, war mir klar, dass er für Höheres berufen war. Ich war schwer beeindruckt: von seiner Art zu spielen, aber auch davon, dass er einen komplett neuen Stil in die Szene brachte. Ärmellose Shirts, dreiviertellange Shorts. Es war ein kleines bisschen vergleichbar mit Andre Agassi, als der Ende der 80er-Jahre auf die Tour stürmte. Bei Rafa kam dazu, dass er nach kurzer Zeit als Profi diesen unglaublichen Bizeps hatte – der Umfang wurde später kleiner – und dass er die Vorhand mit maximalem Drall spielte.

Was mich aber am meisten fasziniert, und das war seit der ersten Begegnung spürbar: Er hat dieses unbändige Kämpferherz. Egal, wie es steht, er fightet. Er gibt alles. Er lamentiert nie, sucht nie nach Ausreden. Es gibt eine Statistik, die diese Mentalität unterstreicht. Es geht darum, wie das Spiel endet, wenn der jeweilige Spieler 15:40 zurückliegt. Der Wert von Rafa ist überragend. Zu 57 Prozent gewinnt er noch das Spiel.

Den Menschen Nadal habe ich nie richtig kennengelernt, obwohl ich zweimal gegen ihn gespielt habe und ihn häufig in den Umkleidekabinen sah. Das liegt vielleicht daran, dass er in sich gekehrt ist. Die Zeit außerhalb des Platzes verbringt er mit seinen spanischen Landsleuten oder plaudert mit den Südamerikanern in seiner Sprache. Bei Fremden guckt er eher weg, wirkt fast ein bisschen verschämt. Das steht in einem krassen Kontrast zu dem, wie er auf dem Platz agiert, sich die Faust gibt.

Wer ihn vor Matches erlebt, würde nicht vermuten, was später auf dem Court passiert. Er ist eigentlich immer zu spät, rennt dreimal aufs Klo, bevor er raus in die Arena muss. Ich weiß nicht, wieviele Offizielle, die die Aufgabe haben, die Spieler abzuholen, schon dran verzweifelt sind.

Die Unruhe bekämpft er mit seinen Ritualen, die jeder kennt, und mit dem Beistand durch sein Team. Das ist überlebenswichtig für ihn. Der Physio ist immer dabei, mit ihm spielt er Karten oder würfelt. Onkel Toni war eine feste Konstante, aber auch der langjährige Tourcoach Francisco Roig oder später Carlos Moya, sein Förderer in der Jugend.

Ich bin oft darauf angesprochen worden, wie ich es geschafft habe, ihn zu besiegen. Die Antwort: Ich war schon eine Woche bei den Gerry Weber Open in Halle und hatte mich intensiv vorbereitet. Er kam als frischgebackener French Open-Sieger, hatte zum ersten Mal den Titel in Paris geholt.

Für mich war das Match wie gemalt. Der 18-jährige Rafa war damals noch limitiert beim Rückhand-Passierball. Er spielte ihn zu 90 Prozent cross. Auch der Aufschlag war viel schwächer. Acht von zehn Bällen servierte er per Slice nach außen. Darauf konnte man sich bestens einstellen. Der Rasen hat ihm nicht gelegen, er konnte seine Stärken nicht ausspielen. Ich spielte, wann immer es möglich war, Serve-and-Volley und gewann in drei Sätzen. Lustig war, dass ich vor der Partie meine Mutter angerufen hatte und ihr von der Auslosung erzählte. Sie sagte: „Junge, komm’ am besten nach Hause. Du musst nicht gegen den spanischen Bullen spielen.“

Ich habe vor Nadal den größten Respekt. Er hat sein Spiel im Laufe der Jahre immer weiterentwickelt. Er hat den Aufschlag umgestellt und die Rückhand verbessert. Er nimmt heute eine viel bessere Platzposition ein. Es kann sein, dass er den Return am Zaun spielt, aber dann steht er blitzartig auf oder sogar vor der Grundlinie und nimmt den Ball extrem früh. Für meine Spieler nenne ich ihn immer als leuchtendes Beispiel. Für mich ist er eine Galionsfigur, ein fabelhafter Sportsmann.


FOTO: GETTY IMAGES