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KOLUMNE: Eins, zwei, drei – letzte Chance, vorbei!: Wenn Mülltrennung zur Doktorarbeit wird


Reiter Revue International - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 22.05.2019
Artikelbild für den Artikel "KOLUMNE: Eins, zwei, drei – letzte Chance, vorbei!: Wenn Mülltrennung zur Doktorarbeit wird" aus der Ausgabe 6/2019 von Reiter Revue International. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Reiter Revue International, Ausgabe 6/2019

ILLUSTRATION: M. KARL

Drei Tonnen. Drei Farben – grün, gelb, schwarz. Drei Chancen, es richtig oder falsch zu machen. Ich stehe vor den Mülltonnen, die am Ende der Stallgasse aufgestellt sind. Es war mal Zeit, die Putzkiste auszumisten und sauber zu machen. Das Huföl und das Schweifspray sind leer. Einen rostigen Striegel habe ich in den Untiefen der Kiste gefunden, gebettet in einem zentimeterdicken, wohligen Nest – einer Mischung aus Pferdehaaren, Einflechtgummis, ausgelaufenem Huföl – dekoriert mit Kleksen von zäher Zinksalbe ...

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... und durchzogen von dem Geruch nach Anti-Fliegen-Gel. Als Fundament dient die Pappschachtel, die irgendwann mal weiß war, bevor das Huföl sich eingesogen hat … da war wohl die Zinksalbentube drin… Ich weiß, es wird eine Challenge das Ganze ordnungsgemäß zu entsorgen, immerhin ist der Stallbetreiber so nett und bemüht, uns Einstellern bei der Mülltrennung zu helfen.

Drei Tonnen. Drei Farben. Drei Worte – Papier, Grüner Punkt, Restmüll. Es hätte so einfach sein können. Ich fange mit der Schweifsprayund Hufölflasche an. Die gehören in den Gelben Sack. Aber darin liegt etwas ganz Anderes… Der Karton eines Pferdesportversandhauses, darin die Plastiktüten, in die die einzelnen bestellten Produkte verpackt waren, dazwischen ein Pappbecher mit der Aufschrift „Coffee-togo“, darauf ein Plastikdeckel und daneben ein halb aufgegessenes Croissant mit Schoki. Ich wusste es wird eine Challenge. Ich wollte mich ihr stellen. Und: When the going gets rough, the tough get going. Also zerlege ich den Karton, leg ihn in für die Tonne „Papier“ beiseite, die Plastiktüten und -deckel kommen in „Grüner Punkt“ …der Becher gehört auch in „Papier“, oder? Oder in Grüner Punkt? Aber der Rest geht in den Restmüll, da bin ich mir sicher. Drei Tonnen. Drei Farben. Dreißig Minuten lang habe ich den Müll meiner Stallgenossen sortiert. Vergammelte Bananenschalen aus der Papiertonne gezogen und in den Restmüll geschmissen, war mir nicht sicher, ob die auf den Mist können. Schimmelige Möhren gab es im Gelben Sack, die sind dann auf den Mist gewandert. Aus dem Restmüll habe ich eine Schabracke gezogen, dreckig, ja, aber das muss doch die Kollektion aus dem letzten Jahr von „Ponyparadies“ sein… „also, die behalte ich… einmal gewaschen, ist die wieder top“, mein Lohn für das Gewühle im Müll. Puh, reiten schaff‘ ich jetzt nicht mehr, ich lass‘ laufen. Übrigens, liebe Stallgemeinschaft: Nächstes Mal seid ihr dran!

Am nächsten Morgen komm ich ins Büro. Erster Gang geht in die Küche, Tee machen. Zugegebenermaßen noch nicht ganz wach, will ich den Teebeutel entsorgen. Am liebsten den Tee aus dem Papiersäckchen nehmen, den ich vorher sorgsam vom Faden gelöst haben. Natürlich nicht, ohne das wertvolle Altmetall der Heftklammer zu sichern, die am Schildchen tackert, wo „fünf Minuten ziehen lassen“ draufsteht: Biomüll, Papiermüll, Gelber Sack. Seit gestern Abend bin ich da irgendwie kleinlich. Ich wende mich der Ecke zu, in der die Mülleimer stehen. Es sind drei. In verschiedenen Farben. Wo kommt was rein? Keine Ahnung, in allen herrscht Chaos. Jogurtbecher unter Kaffeefilter über einer halben Stulle in Frischhaltefolie, gehüllt in die Zeitung von letzter Woche. Ich mach‘ heute Überstunden!

Sylvia Sánchez – Die Reiter Revue-Redakteurin hat sich nicht nur für einen Artikel in diesem Heft intensiv mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandergesetzt. In ihrem Stall wollte sie umweltbewusste Mülltrennung vorleben. Gar nicht so leicht, wie sie feststellen musste.