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Kolumne: FRÖHLICHE PFLANZEN


Lust auf Natur - epaper ⋅ Ausgabe 3/2020 vom 21.02.2020
Artikelbild für den Artikel "Kolumne: FRÖHLICHE PFLANZEN" aus der Ausgabe 3/2020 von Lust auf Natur. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Lust auf Natur, Ausgabe 3/2020

Ich lasse mich gerne vom Vortragsthema überraschen.


Nur selten schaffe ich es, an den monatlichen Treffen des Gartenclubs teilzunehmen und ehrlich gesagt, mit dem Brexit-Debakel ist mir auch die Lust vergangen. Diese Krankheit, nur so kann man es beschreiben, dringt in alle Bereiche und Facetten des Lebens auf der Insel ein. Meine Erkenntnis, dass der englische Landleben-Stil, der Touristen auf die Insel lockt, mit ein Grund des Problems ist, hat mir geholfen, die Situation besser einzuordnen. Hier auf dem Lande lebt man für sich, der Blick reicht vielleicht bis zur nächsten Grafschaft, die ...

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... Referenzpunkte sind die Vergangenheit, und die Zukunft ist das nächste Gartenjahr. Europa ist, wie der Planet Mars, weit weg. Diese Erleuchtung kam mir, als ich in der hintersten Reihe unserer Gemeindehalle saß und auf einen Diaprojektor blickte.

Ich lasse mich gerne vom Vortragsthema überraschen, und als Heather, die Vorstandsvorsitzende des Komitees erklärte, dass unser Gast Mary Benger von weither angereist sei, hielt ich es erst für eine Somerset-Redewendung, denn alles außerhalb vom Dorf wird als weit weg angesehen. Aber die Dame mit den silbergrauen Haaren ist samt Pflanzen tatsächlich aus der Ferne gekommen, nämlich aus Devon, was wirklich weit weg ist und nicht nur in West Country – Landstraßen-Meilen gemessen. Thema des Vortrags war „Schattige Ladies und Sonnenanbeter”. Was folgte, war genauso merkwürdig wie der Titel, aber auf sehr englische Art und Weise interessant. Die Dias schienen aus dem vergangenen Jahrhundert zu stammen: alle Bilder waren blass und vergilbt. Die Qualität war unscharf, sodass der Diaprojektor rebellierte und per Hand justiert werden musste. Die „schattigen Ladies”, die vorgestellt wurden, waren unter anderem Berberitzen, Johanniskraut (Hypericum), Forsythien, Azaleen und Hortensien. Es war aber die Art wie sie angesagt wurden, die bestach: Name, lange Pause, dann Kommentar. Ein gleichbleibender Rhythmus, unterlegt mit ungewöhnlichen Formulierungen, die einen wachrüttelten. Ich habe noch nie gehört, dass Pflanzen als fröhlich bezeichnet wurden, aber so wurden sie hier tituliert, insbesondere bezogen auf ihre Wirkung im Frühling.

Zaubernuss bekam das Prädikat „cheerful”, wie auch Stachyurus chinesis mit langen, grün-gelblichen Rispen. Garrya ellipitca, ein immergrüner Strauch mit herabhängenden, olivgrünen Kätzchen wurde als „traurig, aber manche mögen ihn” bezeichnet. (Glücklicherweise ist dieses frostempfindliche Gehölz nicht für deutsche Gärtner und das nordeuropäische Klima geeignet.) Die Dias nahmen kein Ende und als endlich das Licht wieder angeschaltet wurde, fing das Klatschen an. Zu früh, es war nur eine kleine technische Pause. Schließlich mussten die Sonnenanbeter auch vorgestellt werden. Obwohl fast alle Aufnahmen aus Mary Bengers Burrow Hill Garten stammten, hatten wir keine Ahnung wie er aussah. Die weiteren Dias waren auch nicht aufschlussreicher. Als dann ein Dia von einem Feld kam, saßen alle aufrecht, nicht weil das Bild besser war, es war anders: Nach zig Pflanzenportraits ist jede Abwechslung willkommen. Was anschließend kam, war eine wahre Überraschung. Mary wollte den 50. Geburtstag ihres Gartens feiern und zwar mit einem neuen Bereich. Visionen von noch mehr Koniferen und standortungerechten Pflanzen gingen mir durch den Kopf. Man darf nie voreilig sein, denn was die Pflanzenliebhaberin mithilfe ihres Sohnes und einem Traktor geschaffen hat, war das Gegenteil von dem, was ich vermutet hätte. Statt einer steifen Bepflanzung floss alles zusammen. Hier waren die wahren Sonnenanbeter: Stauden und Ziergräser woben sich über die Flächen und fügten sich zu einem harmonischen Gebilde. Die Dias waren genauso schlecht wie vorher, aber die Fröhlichkeit, die die Pflanzen ausstrahlten, war spürbar. Vielleicht sollten wir in Zukunft Pflanzen nicht nur nach Farbe, sondern auch nach Fröhlichkeit bewerten. Diesen Gedanken sollten wir mit in den Frühling nehmen.

Hier waren die wahren Sonnenanbeter: Stauden und Ziergräser woben sich über die Flächen und fügten sich zu einem harmonischen Gebilde.


Heidi Howcroft ist Landschaftsarchitektin, Autorin und Garten - journalistin. Wenn sie nicht mit Lesungen und Vorträgen beschäftigt oder auf Gartenreisen unterwegs ist, pflegt sie ihren Garten in einem Dorf im Südwesten von England.


Foto: © Andrea Haase; Illustrationen: Maryse Forget; Stefan-stock.adobe.com