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KOLUMNE MANFRED JANSEN: Sinnliches


segeln - epaper ⋅ Ausgabe 70/2018 vom 15.06.2018

segeln -Kolumnist Manfred Jansen erfüllte sich nach zahlreichen Chartertörns 2011 den Traum vom eigenen Schiff. Mit seinerRüm Hart, einer Sirius 310 DS, segelt er in den Niederlanden. In seiner Kolumne berichtet er von dentypischen Erlebnissen eines Fahrtenseglers


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Bildquelle: segeln, Ausgabe 70/2018

Der Segler an sich … …ja auch nur ein Mensch. Und als solcher ein permanent Sinn-Suchender. Nein nein, nicht dass ihm entfallen wäre, warum er sich das antut, oder er gar grüblerisch-quälend nach dem Sinn des Lebens forschen würde (vielleicht beim dritten Grog nach einem Spätherbsttörn mit ...

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... Depri-Wetter, aber das ist hier nicht gemeint). Vielmehr sucht er mit allen ihm zur Verfügung stehenden Sinnen die ganze Bandbreite seines Daseins als Segler zu erfassen. Er fühlt die Bewegungen seines Bootes unter den Füßen und dem eigenen Achtersteven. Er sieht die Böe auf der Wasseroberfläche kommen. Er hört das Wasser unter dem Heck gurgeln. Er schmeckt das Salz im Spritzwasser und er riecht … die Abgasfahne der Motoryacht, die ihn eben in Luv überholt hat.

Tja, manche Sinnlichkeiten haben eben auch Nachteile. Insbesondere solche Wahrnehmungsarten, die man nicht einfach abschalten kann. Wenn die Eierraviolidose im Wasserbad zu heiß geworden ist, muss man sie ja nicht sofort anfassen, man kann das Fühlen auf thermisch angenehmere Zeiten verschieben. Aber einer Dieselfahne kann man olfaktorisch kaum ausweichen, den Partylärm vom Nebenlieger nachts um 12 Uhr akustisch nicht eliminieren. Man kann nur rübergehen und sagen: hört-ma Jungs, ihr überlastet grad meine Sinne. Wahrscheinlich bekommt man dann laut lachend eine Bierdose in die Hand gedrückt, fühlt ihre verführerische Kühle, schmeckt den Hopfen im Voraus, hört I Can Get No Satisfaction ans Mittelohr dringen und ist fortan Teil der Fete – was ja grundsätzlich auch eine Lösung ist.

Segeln ist also eine durch und durch sinnliche Geschichte. Allerdings, die fünf Grundrechenarten der menschlichen Sinnlichkeitslehre allein tun’s auf Dauer nicht. Funktionierendes Hören, Sehen, Fühlen, Riechen und Schmecken sind zwar schon mal eine gute Voraussetzung, aber da fehlt noch was. Dank der modernen Physiologie wissen wir allerdings von der Existenz noch weiterer Sinne. Zum Beispiel vom höchstwahrscheinlich durch die ersten Seefahrer erfundenen Gleichgewichtssinn.

Allein die schiere Anzahl dieser Empfindungsquellen verlangt nach einer leistungsfähigen Zentrale zwischen den Ohren, nach einer Art Flottenadmiralität der Sensorik, die in der Lage ist, die Komplexität der Eindrücke für eine höhere Nautik zu nutzen und das Chaos auf Kurs zu halten. Man findet in der deutschen Sprache so recht keinen Begriff dafür, vielleicht sind Gespür oder Nasenfaktor noch am treffendsten.

Nun schlägt auch an dieser Stelle – also mitten ins sensorische Naturschutzgebiet – die Moderne erbarmungslos zu. Der Segler ist Zeuge und Teilhaber eines epochalen und vor allem spannenden Evolutionsgerangels. In den Hauptrollen: die technikgläubigen Digitalvertreter, die sich sicher sind, dass der nautische Nasenfaktor ohne Weiteres durch künstliche Intelligenz und einen schlauen Algorithmus ersetzt werden kann. Und andererseits die Nasenspitzensegler alter Schule, die sich das überhaupt nicht vorstellen können (oder wollen).

Ist es ein wissenschaftlich noch unbekanntes Gespür, das einen ahnen lässt wie das Gerangel ausgeht? Vielleicht ein Sensus Neptunus, der in die Zukunft blicken kann und dem Segler flüstert, was auf ihn zukommt? Dann allerdings wäre seine Warnung vor den Folgen der spontanen Partyteilnahme auf dem Nachbarschiff überhört worden. Oder er fühlt sich für Kopfschmerzen und Magenverstimmungen nicht zuständig.


Illustration: Michael Hüter