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Komm mit ins Abenteuerland


Leben & erziehen - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 04.12.2019

Vorlesen schafft Beziehung, hilft Kindern, Erlebtes besser zu verarbeiten, und erleichtert ihnen später das Lernen in der Schule. Seid schlau, Eltern, und lest!


Artikelbild für den Artikel "Komm mit ins Abenteuerland" aus der Ausgabe 1/2020 von Leben & erziehen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Leben & erziehen, Ausgabe 1/2020

Vorlesen? Auch wenn wir manchmal viel zu müde sind, wir sollten es tun: je öfter, desto besser. 15 Minuten täglich können langfristig Zeit und Geld sparen und überdies die Nerven schonen. Kinder, denen die Eltern viel vorlesen, fällt das Lesenlernen leichter, und sie werden eher zu Viellesern, was man ihnen nur wünschen kann. Lesen gilt als Schlüsselkompetenz und Erfolgsgarant für Schule und Beruf. Außerdem behaupten wir: (Vor-)Lesen macht ...

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... einfach glücklich. Die Vorteile im Einzelnen:

Vorlesen verbindet

Beim Vorlesen nimmt man sich Zeit für das Kind. Am besten liest es sich in einer ruhigen Atmosphäre. Auf dem Sofa, eingekuschelt in eine Decke. Oder abends im Kinderbett vor dem Schlafen. Der Klang der Stimme und die körperliche Nähe vermitteln dem Kind Geborgenheit und Vertrauen, und das Kind bekommt dazu ungeteilte Aufmerksamkeit. Es wird Vorlesen immer mit Zuwendung und Geborgenheit verbinden. Was gibt es Schöneres für ein Kind?

Vorlesen fördert die Konzentration und Lernfähigkeit

Auch wilde Kinder brauchen mal eine Verschnaufpause. Eine gemeinsame Lesezeit hilft ihnen, zur Ruhe zu kommen und ihre Konzentrationsfähigkeit zu schulen. Die Bilder anschauen, genau zuhören, sich Dinge merken, sich in die Figuren hineinversetzen – da läuft eine ganze Menge gleichzeitig ab. Und man darf sich dabei nicht ablenken lassen, sonst verpasst man einen Teil der Geschichte und kommt nicht mehr mit. Eine Herausforderung für ein Kind, die es gut bewältigt, wenn es damit vertraut ist. Daher sollte man auch regelmäßig vorlesen und möglichst anschaulich und unterhaltend lesen, mit verschiedenen Tonhöhen und Betonungen.

Geschichten machen kreativ

Bücher beflügeln die Fantasie. Zu den gehörten Worten bilden sich im Kopf ganz eigene Bilder, schöpfend aus dem Erfahrungsschatz des Kindes. In solche, ganz eigene Welten einzutauchen fördert die Vorstellungskraft und übt die innere Anschauung.

Vorlesen ist gut für den Erwerb von Lese- und Schreibkompetenz

Kinder, denen schon früh und regelmäßig vorgelesen wird, bekommen ein Gefühl für die Melodie, den Rhythmus der Sprache und ihren Aufbau – so fangen sie häufig früher an zu sprechen. Sie lernen neue Ausdrücke und prägen sich anspruchsvollere Satzmuster ein als die, die wir in unserer Umgangssprache verwenden. Wie Studien zeigen, können sich diese Kinder besser ausdrücken, da sie über einen signifikant größeren Wortschatz verfügen. Wem schon früh vorgelesen wird, der entwickelt außerdem später eine bessere Leseund Schreibkompetenz – die wichtigste Grundlage für das Lernen. Auch zeigen Kinder, denen viel vorgelesen wird, ein größeres Interesse am Lesen als andere Kinder. Lesen und Schreiben fallen ihnen leichter.

Hilfsmittel für die emotionale Entwicklung

Kinder lernen nicht nur neue Wörter durch das Vorlesen, sondern sie beschäftigen sich so auch mit neuen Themen. Eltern können Bücher auch gezielt so auswählen, dass sie thematisch zur aktuellen Situation der Familie passen. Ein neues Geschwisterchen kommt? Die Einschulung steht bevor? Bücher zum Thema sind nützlich, um mit Kindern ins Gespräch zu kommen. Sie erleichtern es Kindern, Fragen zu stellen, die sie bewegen. Geschichten oder Märchen helfen Kindern, ihre Wünsche und auch Ängste zu verarbeiten. Sie können innere Konflikte bewältigen oder lernen auch ganz neue Themen spielerisch kennen. Anhand von Bilderbüchern können Eltern ihrem Kind Dinge zeigen und erklären, die es im Alltag so nicht zu sehen bekäme.

Vorlesen fördert die Sozialkompetenz

Taucht das Kind in Geschichten ein, lernt es automatisch, sich in andere hineinzuversetzen. Es lernt, Verhaltensweisen einzuschätzen und sie sich sogar anzueignen. So ist Einfühlungsvermögen eine wichtige soziale Kompetenz, die Kinder über das Vorlesen schneller erwerben. Jedes Kinderbuch hat darüber hinaus eine Botschaft oder Moral, die sich Kinder zu eigen machen.

Entspannt Kinder – und Eltern!

Ja, richtig gelesen: Vorlesen tut gut – auch oder vielleicht besonders den Eltern. Pädiater aus den USA fanden in einer großen Studie heraus: Vorlesende Eltern sind entspannte Eltern, und das wirkt sich selbstverständlich auch positiv auf die Kinder aus.

Macht schon die Babys schlau

45 Prozent aller Eltern beginnen ihren Kindern im Alter von ca. zehn Monaten vorzulesen – viel zu spät, wenn es nach Bildungsforschern geht. Sie empfehlen, Kindern ab drei Monaten vorzulesen. Für Babys in diesem Alter eignen sich robuste Stoffbücher, die sich mit allen Sinnen erkunden lassen. Einige davon haben Knisterfolien, Knöpfe und weitere spannende Elemente. Babys ab dem neunten Monat können vertraute Gegenstände auch auf Bildern erkennen. Für dieses Alter gibt es Bücher mit dicken Pappseiten, auf denen jeweils ein Auto, ein Ball, ein Fläschchen usw. zu sehen ist. Interaktive Bücher halten das Interesse des Kleinkindes an Büchern wach: Klappen, Laschen und andere bewegliche Elemente helfen, die Abbildungen auch haptisch zu erleben und im wahrsten Sinne des Wortes zu begreifen.

Unsere Tipps zum richtigen Vorlesen

Feste Vorlesezeiten sind beliebt, denn Kinder lieben Rituale. So wissen sie verlässlich, dass zu einer bestimmten Zeit am Tag Geschichtenkuschelzeit ist. Wann man vorliest, spielt dagegen grundsätzlich keine Rolle. Nach dem Mittagessen, vor dem Schlafengehen – richtig ist, wann immer es am besten passt. Wichtig ist nur, dass man sich beim gemeinsamen Lesen richtig Zeit und Ruhe dafür nimmt, sich auf das Kind einzulassen, und geduldig seine Fragen beantwortet.

Am besten liest es sich auf der Couch, im Bett, auf einer gemeinsam gebauten Kissenburg oder in einer Spielhöhle. Hauptsache, gemütlich! Das Vorlesen darf auch mal unterbrochen werden. Durch Fragen oder einfach mal gemeinsames Lachen. Toll, wenn Erwachsene kleine Späße einbauen. Etwa, wenn sie den Namen des Kindes einsetzen, besonders merkwürdig betonen oder den Figuren sehr lustige Stimmen verleihen.

Welches Buch gelesen wird, sollte das Kind bestimmen dürfen. Auch wenn es immer dasselbe Buch ist. Kinder lieben es, tief in eine Geschichte einzudringen. Wie wäre es mit einem gemeinsamen Ausflug in die Bücherei? So ein Haus voller Geschichten ist toll – dort kann man gemeinsam stöbern und beobachten, welche Bücher das Kind anspricht.

Digitale Helfer?

Hörspiele und Hörbücher können das Vorlesen nicht ersetzen, da dort die persönliche Bindung durch das gemeinsame Lesen fehlt. Zudem kann man beim Vorlesen das Tempo, in dem die Inhalte aufgenommen und verstanden werden, selbst bestimmen, bzw. das Kind bestimmen lassen. Auch für Fragen kann das Lesen jederzeit unterbrochen werden. In einem hektischen Alltag führt das Vorlesen von Mama oder Papa zu einem Moment der Ruhe und Entspannung.

Tatsächlich aber lassen sich auch digitale Medien für das Vorlesen nutzen: Einige Apps bieten eine Art digitale Bibliothek, wie das kostenlose „Einfach Vorlesen!“ der Stiftung Lesen (Download: einfachvorlesen.de). Ist die passende Geschichte nicht gleich zur Hand, findet man in diesem digitalen Bücherschrank nach Alter geordnet eine große Auswahl, und jede Woche kommen drei neue Geschichten hinzu. Praktisch auch für unterwegs, wenn man gerade kein Buch zur Hand hat.

Digitale Vorlesestifte wie Tiptoi oder BOOKii ermöglichen dem Kind, Bücher auf eigene Faust zu erkunden. Das trifft auch auf die Vorlese-Eule „Luka“ zu. Sie verfügt über eine gespeicherte Bibliothek von Hunderten Büchern. Das Kind benötigt diese Bücher real, um die Eule zu aktivieren. Schlägt es eines dieser Bücher auf, erkennt die Eule das Buch und beginnt genau auf der aufgeschlagenen Seite vorzulesen. Auf der dazugehörigen App können Eltern die Leseaktivität nachverfolgen. Und wenn Eltern mal wirklich keine Zeit zum Selbervorlesen haben, ist die Eule sicher ein besserer Ersatz als der Fernseher.


FOTOS/ILLUSTRATIONEN: GETTY IMAGES