Lesezeit ca. 4 Min.
arrow_back

Komm und sprich mit mir


Logo von Leben & erziehen
Leben & erziehen - epaper ⋅ Ausgabe 8/2022 vom 28.07.2022

Kinder!

Artikelbild für den Artikel "Komm und sprich mit mir" aus der Ausgabe 8/2022 von Leben & erziehen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Leben & erziehen, Ausgabe 8/2022

So ein Bilderbuch ist spannend ? und eine gute Gelegenheit für Eltern, Fragen zu stellen und die Minis zu animieren, das ebenfalls zu tun

EIN THEMA VOM TITEL

Früh übt sich, wer munter drauflosplappern will. Die meisten Kinder fangen im Alter von zwölf bis 18 Monaten an, die ersten Wörter zu bilden. Um den zweiten Geburtstag herum haben die Kleinen im Normalfall 50 bis 100 Wörter drauf und sprechen Mini-Sätze wie „Auto haben“. Mit drei Jahren sind es bereits 1 000 Wörter. Doch wie schaffen sie das eigentlich – gucken und hören sie sich alles ab?

„Spracherwerb ist mehr als nur Wiedererkennen und Nachahmung“, erklärt Michaela Hopf von der Hochschule Düsseldorf. Das Sprechen ist der Expertin zufolge eine Kombination aus dem, was Kinder mitbringen, und dem, was sie von den Erwachsenen zurückbekommen. Da sind etwa angeborene kognitive Fähigkeiten, wenn Kleinen ganz von alleine anfangen, Lautketten zu brabbeln (da-da-da). Dabei ahmen sie intuitiv die Sprachmelodie der Umgebung nach. Und wir Erwachsenen passen unser Sprachverhalten ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 3,49€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Leben & erziehen. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1050 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 8/2022 von Hallo ihr Lieben,. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Hallo ihr Lieben,
Titelbild der Ausgabe 8/2022 von Pandemie erhöht Gefahr von Sportunfällen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Pandemie erhöht Gefahr von Sportunfällen
Titelbild der Ausgabe 8/2022 von Darüber reden wir. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Darüber reden wir
Titelbild der Ausgabe 8/2022 von Was uns … bewegt. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Was uns … bewegt
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
Wickeln für Anfänger
Vorheriger Artikel
Wickeln für Anfänger
Fahrt ihr ohne eure Kinder in den Urlaub?
Nächster Artikel
Fahrt ihr ohne eure Kinder in den Urlaub?
Mehr Lesetipps

... durch höhere Tonlagen, gedehnte Wörter und übermäßige Betonung an die Bedürfnisse der Kinder an. Denn die Kleinen reagieren auf wechselnde Stimmlagen aktiver als auf gleichbleibende. Eltern, die mit ihren Kindern reden, sind deshalb spannender als das vor sich hin dudelnde Radio. „Wäre Spracherwerb nur Nachahmung, würden Kinder auch durch Fernsehen sprechen lernen. Aber das funktioniert nicht!“, erklärt Michaela Hopf. Viel wichtiger ist das Miteinander-Reden. „Kinder müssen Sprache in ihrer gesamten Komplexität hören, erleben und die Möglichkeit haben, sie selbst anzuwenden,“ weiß die Professorin für Kindheitspädagogik.

Nicht Wau-wau, sondern Hund

Je natürlicher die Eltern beim Sprechen bleiben, umso besser. Mama und Papa sollen in einfachen, normalen Sätzen mit den Minis sprechen – nicht in einer „Babysprache“. Für Einjährige sind Babywörter wie „Wau-wau“ oder „Ham-ham“ eine tolle Leistung. Die Eltern sollten die Dinge aber beim richtigen Namen nennen – und ihren Kleinen damit beim nächsten Lernschritt helfen. Wenn der Nachwuchs beim Sprechen Fehler macht, sollten Eltern nicht korrigieren – das demotiviert die Zwerge nur. Besser ist es, den falschen Satz oder das falsch ausgesprochene Wort aufzugreifen und korrekt zu wiederholen (bei „Papa Gogut“ z. B. entgegnen: „Ja, Papa isst einen Joghurt.“).

Ins Gespräch kommen

Um sprechen zu lernen, brauchen Kinder keinen Sprachtrainer, sondern Eltern, die auf sie eingehen – und ständig mit ihnen kommunizieren. Zum Beispiel Dinge benennen, erklären und beschreiben, was gerade gemacht wird oder passiert. Während ihr zum Beispiel euer Kleines wickelt, könnt ihr jeden Handgriff genau beschreiben („Jetzt ziehen wir den Strampler an. Erst das rechte Bein …“). Auch die eigenen Gedanken können laut ausgesprochen werden („Hm, da muss ich jetzt auch kurz nachdenken. Ich bin gerade unsicher, ob wir bei dem Wind eine wärmere Jacke anziehen sollten …“). Damit zeigt ihr eurem Kind nicht nur, wie Sprache funktioniert, sondern erklärt auch euer Tun. Regt eure Kleinen zum Sprechen an, indem ihr ihnen in einer Alltagssituation Fragen stellt („Was liegt im Kleiderschrank?“, „Was steht alles auf dem Frühstückstisch?“). Offene Fragen („Auf was freust du dich heute in der Kita be-sonders?“), Erinnerungsfragen („Erzähl mal, wie es mit Oma im Zoo war.“) oder auch Fragen nach ihrer Meinung („Was magst du an dem neuen Spiel?“, „Welchen Ball findest du besser?“) sind ein guter Einstieg in ein Gespräch.

Unsere Expertin

… ist Professorin für Wissenschaft, Theorien und Forschungsmethoden in der Kindheitspädagogik an der Hochschule Düsseldorf.

„Auf was freust du dich heute in der Kita besonders?“

„Was liegt im Kleiderschrank?“

Besonders viel nehmen die Minis beim Anschauen von Bilderbüchern mit. Beim sogenannten dialogischen Lesen können Eltern und Kinder über die Beschreibung der Bilder und Fragen dazu ins Gespräch kommen („Was macht denn der Junge mit der blauen Hose hier?“). Auch das klassische Vorlesen eignet sich laut der Expertin hervorragend, um den Wortschatz zu erweitern: „Kinder lernen schriftsprachliche Formulierungen und Wörter kennen, die im Alltag vielleicht keine oder nur selten eine Rolle spielen, und sind dabei im engen Kontakt zu Erwachsenen, zum Beispiel zusammengekuschelt auf dem Sofa oder vor dem Einschlafen.“

Macht also das Vorlesen zu einem täglichen Ritual – bis hinein in die Grundschulzeit. Denn je größer und vielfältiger der Wortschatz eurer Kids ist, desto leichter tun sie sich später beim Schreiben- und Lesenlernen.

Quasseln in der Kita ist Programm

Ganz klar, dass Sprachförderung Teil des Kita- und Kindergarten-Alltags ist. Im Alter ab zwei Jahren erweitern Kinder ständig ihre Sprachkompetenz, und ihr Wortschatz wächst rasant. Während sie die Welt erkunden, lernen sie neue Wörter und was sie bedeuten. Eltern und Erzieher können das durch spielerische Übungen aktiv unterstützen.

Dazu gehören das Singen von Liedern, Fingerspiele („Zehn kleine Zappelmänner“), das Anschauen von Bilder- und Wimmelbüchern, Rollenspiele oder das wiederholte Üben kleiner Reime oder Sprachlernspiele im Stuhlkreis (z. B. „Ich packe meinen Koffer …“).

Wann braucht mein Kind Hilfe?

Woran merken Eltern, dass ein Sprachfehler vorliegt? Denn schlechte Sprachkenntnisse und eine echte Spracherwerbsstörung sind zwei Paar Stiefel. Michaela Hopf rät zum Besuch beim Kinderarzt oder Logopäden dann, „wenn Eltern unsicher sind oder befürchten, dass es Auffälligkeiten in der Sprachentwicklung ihres Kindes gibt“. Das kann zum Beispiel dann der Fall sein, wenn ein Einjähriger noch kein Wort spricht oder ein Zweijähriger unverständlich brabbelt und keine Zweiwortsätze bilden kann. Neben Verzögerungen der Sprachentwicklung kann auch eine Sprachstörung vorliegen. Zum Beispiel wenn das Kind stark lispelt oder Laute vertauscht („Bogel“ statt „Vogel“). Dann sollten sich Eltern professionelle Hilfe holen.

Natürlich entwickelt sich jedes Kind anders, und nur weil es wenig oder später spricht, muss nicht zwingend ein Problem vorliegen. Dennoch gibt es für die korrekte Aussprache aller Laute ein bestimmtes Alter. Mit vier bis fünf Jahren sollten etwa auch die schwierigeren „r“, „g“, „d“, „k“ und „t“ richtig artikuliert werden, mit fünf das „Sch“ und mit sechs Jahren das „S“.

ANTONIA MÜLLER

Tipps vom Deutschen Bundesverband für Logopädie

• Nehmt euch Zeit für euer Kind

• Nehmt euer Kind ernst und hört ihm zu

• Unterhaltet euch mit eurem Kind und lasst es aussprechen

• Verbessert euer Kind nicht, während es redet

• Lasst euer Kind keine Wörter nachsprechen

• Spielt mit ihm, statt zu üben (z. B. „Ich sehe was, was du nicht siehst“)

• Wiederholt in vollständigen, unkomplizierten Sätzen, was euer Kind gesagt hat (für Verständnis und korrektes Sprachvorbild)

• Habt Spaß, singt und tanzt zusammen mit den Kleinen

• Schaut gemeinsam Bücher an, lest vor, erzählt Geschichten

• Begrenzt die Fernseh- und Internetzeit eurer Kids und sprecht über Sendungen und Computerspiele

Mehr Infos: dbl-ev.de

„Was steht alles auf dem Frühstückstisch?“