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KOMPRESSION FÜR DIE E-GITARRE


Keys - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 05.09.2019

@@Ich heiße sie herzlich willkommen zum fünften teil der workshop-reihe „top 5 Plug-ins“, diesmal mit dem Fokus auf fünf interessanten kompressoren für e-Gitarren. da das thema kompressor viele Facetten hat, gibt es zunächst eine umfassende einführung. Im Folgenden werden wir Ihnen einige der beliebtesten Plug-ins zum komprimieren und signalfärben des elektrischen saiteninstruments vorstellen. Viel spaß!

TOP 5 PLUG-INS (5)

@@Mit dem Kompressor im Kontext Audiobearbeitung grenzt man die Dynamik eines Signals ein. Praktischer ausgedrückt werden Unterschiede zwischen leisen und lauten Passagen von zum ...

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... Beispiel Sprache oder E-Gitarre verringert. Manchmal sagt man auch „verdichtet“ oder häufiger „komprimiert“. Genau genommen reduziert der Kompressor den Signalanteil, der über den Threshold steigt. Je niedriger der Schwellenwert (Threshold) gesetzt wird, desto größer der Signalanteil, der komprimiert wird. Je höher die Ratio, desto stärker wird zunächst reduziert und verdichtet – und zwar in einem mathematischen Verhältnis 1:1, 2:1, 4:1, 8:1 et cetera. Dieses komprimierte Signal, welches nun zunächst leiser als das Ursprungssignal ist, erhöht man am Ende der Komprimierung in der Lautstärke durch Make-up/Output Gain, damit es wieder mindestens so laut wie das Ursprungssignal wird. Um die Wirkungsweise des Kompressors mit dem Ursprungssignal einigermaßen objektiv vergleichen zu können, sollte man das komprimierte Signal mit Make-up/ Output Gain zunächst auf die gleiche gefühlte/wahrgenommene Lautstärke ziehen wie das Ursprungssignal. Vergleichen Sie nun mal das komprimierte mit dem unkomprimierten Signal und Sie werden den Unterschied hoffentlich feststellen. Das Ergebnis einer kompletten Bearbeitung mit dem Kompressor ist, dass das Signal insgesamt lauter, druckvoller, fetter und durchsetzungsfähiger wird. Bei der E-Gitarre hängt der Einsatz des Kompressors neben dem Spielstil vom Sound des Verstärkers ab. Mit den Grundsounds Clean, Crunch und High-Gain sind viele Amps ausgestattet. Im Prinzip passiert beim Einsatz des Gain-Reglers schon eine Kompression. Bei High-Gain-Sounds findet daher schon im Vorfeld eine stärkere Kompression statt. Die harmonische Verzerrung (Distortion) beim Verstärker verdichtet das Signal ähnlich, wie es bei einem Kompressor passiert. Schließlich sind Kompressoren reine Verstärker, deren Bauteile Signale ebenso zum Zerren bringen können. Dies bezeichnet man dann gern als „Signal färben“. Ganz oberflächlich und pauschal lässt sich also nochmals festhalten, dass ein High-Gain-Sound weniger Kompression benötigt als ein cleaner Sound. Crunch-Sounds liegen in Bezug auf den Kompressionswert dazwischen.

@@Die übersichtliche Oberfläche des Pro-C2 erleichtert das Arbeiten.


IK MULTIMEDIA T-RACKS-WHITE-2A

@@Der White-2A vom Hersteller IK-Multimedia ist ein besonderes Plug-in mit einer eigenständigen Klangfärbung. Nachempfunden wird das Kultgerät für Vocal-Aufnahmen und Drumbus-Mixes: der Teletronix LA-2A. Der optische Kompressor ist seit über 50 Jahren Referenz in den Studios dieser Welt und IK-Multimedia hat es geschafft, die besonderen Eigenschaften dieses besonderen Kompressors einzufangen. Ein Optokompressor, wie der kultige Teletronix LA-2A, reagiert träger als andere Kompressortypen.
Die Funktionsweise einfach erklärt: In Abhängigkeit der Eingangssignalstärke wird eine Lampe zum Leuchten gebracht. Je lauter das Eingangssignal, desto stärker die Leuchtkraft. Dieses Leuchten wird von einem Fototransistor verarbeitet und auf die Elektronik des Kompressors übertragen. Dieser Vorgang braucht etwas Zeit, sodass optische Kompressoren nicht wirklich punchy, sondern eher sanft und seicht klingen – auch bei extremeren Settings.

@@Aufbau & Features

@@Hier haben wir es mit einem übersichtlichen Gerät zu tun. Kernelement sind die vier Regler Gain, Gain Reduction, Peak Reduction und der Wahlschalter zwischen Limit/Compress. Die übersichtliche Oberfl äche des Pro-C2 erleichtert das Arbeiten. Darüber hinaus bietet das Plug-in von IK-Multimedia eine Art Stereomatrix, bei der man Mitte, Seite, Mono und Stereo in unterschiedlichen Weisen bearbeiten kann. Da die einzelnen Gitarren-Tracks mono sein sollten, reicht hier die Auswahl „m“. Mit dem Wahlschalter bei Limit/Compress wählt man schlussendlich die Ratio zwischen zwei festgesetzten Werten. Die Gain Reduction sorgt für die Intensität der Kompression. Je weiter man im Uhrzeigersinn in Richtung +4 dB dreht, desto stärker wird die Kompression. Gain und Peak Reduction sind mit Input und Output gleichzustellen.

@@Der White-2A ist Spezialist für Klangfärbung und sorgt für einen warmen Sound.


@@IK Multimedia T-Racks-White-2A in der E-Gitarren-Praxis

@@Es geht beim 2A-Plug-in um Klangfärbung. Im Vorfeld sollte schon ein moderater Kompressor das Signal auf einen konstanten Pegel bringen, sodass der 2A dem Signal nur noch subtil Klangcharakter hinzugibt. Der Klang dieses Kompressors ist vor allem warm und natürlich; die Kompression ist auch bei stärkerer Anwendung auf der E-Gitarre sanft. Dies ist typisch für optische Kompressoren und, wie anfangs erklärt, eben bauartbedingt. Sie können gern mit stärkeren Settings experimentieren. Ganz wichtig ist auch hier, dass der Pick-Attack durch zu kurze Attack- und zu lange Release-Zeiten nicht verloren gehen sollte. Dies ist die größte Gefahr beim optischen Kompressor. Der White-2A von IK Multimedia funktioniert durchaus in Kombinationen mit einem der folgenden Kompressor-Plug-ins.

PLUGIN-ALLIANCE/BRAINWORX SSL-4000-E-CHANNEL

@@Viele namenhafte Hersteller haben sich an die Emulation der britischen SSL-E-4000-Konsole gewagt. Vor allem Waves, UAD und Brainworx zählen zu den beliebtesten ihrer Art. Aber, unabhängig von jedem Hersteller, muss zwangsläufi g und ganz natürlich jede Emulation eines Hardware-Geräts anders klingen. Dies liegt in der Natur analoger Bauteile und menschlicher Konstruktionen. Keine Lötstellen, keine Kabel etc. sind absolut identisch. Alle Bauteile sind einzigartig. Obwohl in der digitalen Welt dieses „Problem“ nicht vorherrscht und Programme mehrfach absolut identisch produziert werden können, ist es berechtigt, darüber zu diskutieren, ob beispielsweise ein SSL Plug-in von Waves genau so klingt wie von UAD. Jeder Hersteller baut schließlich den/die Channel einer bestimmten Original-SSL-Konsole nach. Darüber hinaus hat jeder Hersteller andere Qualitätsmerkmale und Verfahrensweisen (Algorithmen). Somit klingen auch die Plug-ins letztendlich dezent unterschiedlich. Die Brainworx SSL-Emulation hat unter den Produzenten einen exzellenten Ruf. Mittels patentierter TMT-Sektion hat man die kompletten 72 Kanäle einer analogen Konsole digital nachempfunden. Nutzt man also dieses Plug-in mehrfach in identischen Settings, kann es trotzdem um die 20 Prozent an Klangunterschieden geben (laut Hersteller), wenn man lediglich die Kanäle ändert. Dieses umfassende Feature macht das Tool so besonders und wertvoll. So wie im Analogen ist auch digital also jeder SSL-Kanalzug einzigartig und bringt eine individuelle Färbung mit sich.

@@Aufbau & Features

@@Im Zuge des Kompressorkontexts dieses Workshops klammern wir die EQ-Sektion des Plug-ins aus. Die Kompressorsektion umfasst die SSL-typischen Parameter Ratio, Threshold und Release. Außerdem lässt sich zwischen Auto-Attack und Fast-Attack wählen. Mit dem Mixregler bestimmt man das Wet-/Dry-Verhältnis.
Des Weiteren kann man mittels eines kleinen Reglers, der dezent mit HPF (High-Pass Frequency) bezeichnet ist, diejenige Frequenz wählen, ab der der Kompressor arbeitet. Mit einem kleinen Regler namens REL2 liegt ein zweiter Release-Zeit-Regler vor, mit dem man stärker komprimierte akustische Tracks vor dem Pumping-Effekt „schützen“ kann. Gemeint ist, dass man eine stärkere Kompression mit dem SSL-Kompressor einstellen kann und mit dem REL2-Regler dem unangenehm klingenden Pumpen entgegenwirken könnte. Auch die Wahl zwischen dem E- und G-Channel birgt dezent unterschiedliche Klangcharakteristiken.

@@Der Plugin-Alliance/Brainworx SSL-4000-E-Channel in der E-Gitarren-Praxis

@@Das Besondere am SSL-Klang ist die analoge Wärme bei gleichzeitig hoher Präsenz und Attack. Nutzen Sie den Mixregler, um Originalsignal (Dry) und Effektsignal (Wet) zu kombinieren. Außerdem können Sie die Gitarre auf diese Weise etwas stärker komprimieren, ohne dass es sofort in überkompression endet. Der Original-Signalanteil bringt dem Gesamtklang hier die nötige Lebendigkeit und Dynamik. Durch die stärkere Kompression im Wet-Signal wird das Ganze schön knackig, Attack-reich und durchsetzungsstark. Auf den Fast-Attack-Switch können Sie vermutlich verzichten, da mit einer zu kurzen Attack-Zeit der Plektrum-Anschlag zu weich wird. Die ersten Transienten kommen beim Auto-Attack durch und ermöglich so einen Attack-reichen Gitarrensound. Eine Ratio von 3:1 bis 8:1 ist bei elektrischen Gitarren üblich. Versuchen Sie es zunächst mit einer eher kürzeren Release-Zeit von 0,1 bis 0,4 Sekunden. Einerseits muss man behutsam mit den Einstellungen bei SSL sein, da schon kleine Parameteränderungen starke Auswirkungen haben. Andererseits kann man sich die exzellenten Analogemulationen aus dem Hause Brainworx/Plugin-Alliance zu Nutze machen und ordentlich Färbung durch extremere Settings ins Signal bringen.

@@Brainworx ist für hochwertige Analogemulationen bekannt.


WAVES API-2500

@@„Punch und Tone“ – so steht es im Manuel des Waves API-2500 geschrieben. Das bezeichnet den Klang dieses Ausnahme-Plug-ins sehr treffend, doch noch nicht allumfassend. Waves bietet ein Bundle hochwertiger Emulationen beliebter EQ- und Kompressormodelle aus dem Hause API an. Die Firma API steht für erstklassige Hardware, dessen Flaggschiffe sich über parametrische und semiparametrische Equalizer, Kompressoren, Pre-Amps und analoge Recording- Mischpulte erstrecken. Das Waves API-2500-Plug-in ist eine herausragende Emulation des gleichnamigen Original- Hardware-Modells. Gemeinsam mit den Herstellern SSL und Neve hat API die Musikproduktions-ära der 70er-Jahre stark beeinflusst und den Sound der amerikanischen Rockmusik entscheidend geprägt.

@@Die Tone-Sektion des API-2500 verleiht der Gitarre eine einzigartige Klangfärbung.


API, Neve und SSL haben gemeinsam den Sound der amerikanischen Rockmusik geprägt.

@@Aufbau & Features

@@Die „Compressor“-Sektion des Plug-ins inmitten des Fensters kommt mit den klassischen Parametern Threshold, Attack, Ratio und Release aus. Alle Settings bis auf Threshold sind auf sieben Werte fest gerastert.
Justiert man den Release-Regler auf den Wert ganz rechts, so kann man auf die rasterlose Release-Zeit zugreifen, die als „Release variable“ bezeichnet ist. Die wohl entscheidenden Steckenpferde, die den 2500er-Compressor so einzigartig machen, sind „thresh Knee“, „detector Thrust“ und „tone Type“.
Je weicher der Knee-Parameter, desto seichter beginnt die Kompression. Mit dem Thrust-Wert lässt sich ein High-Pass- Filter aktivieren. Bei „Norm“ bleibt alles wie bei jedem anderen Kompressor. Bei „Med“ werden Bässe abgesenkt und ab zirka drei kHz beginnt eine steigende Lautstärkeanhebung. Bei „Loud“ werden unterhalb von etwa ein kHz Frequenzen weniger beachtet als oberhalb. Die Settings Med und Loud haben klanglich zur Folge, dass Bassfrequenzen weniger komprimiert werden als der Präsenzbereich oberhalb von circa zwei kHz. Demnach kommt es in diesen beiden Modi zu weniger „pumpenden“ Bässen.
Beim „tone Type“ kann zwischen „New“ und „Old“ gewählt werden. Sie beschreiben die Kompressionsarten Feed- Forward und Feed-Back. Als der API-2500 herauskam, war die Wahl zwischen beiden Kompressorbauweisen noch sein Alleinstellungsmerkmal.
Einen weiteren Einfluss auf das Klangbild des Kompressors haben die Output-Sektion und der Analog-Switch. Durch Auswahl zwischen „On“ oder „Off“ erfährt das Signal das analoge Modeling, oder aber Sie verzichten (Off) auf den analogen Charme.

@@Der Waves API-2500 in der E-Gitarren-Praxis

@@Der API-2500 gehört zu den beliebtesten Kompressoren im Anwendungsbereich der E-Gitarren. Schließlich beabsichtigt man beim Gitarrensound meist Klänge, die gern mit den Attributen punchig, durchsetzungskräftig, klar/deutlich/artikuliert, druckvoll und Attack-reich beschrieben werden. All diese sind Steckenpferde des API-Sounds.
Setzen Sie eine Ratio von 3:1 bis 6:1 ein. Da keine Wet/Dry- Funktion vorliegt, müssten Sie Parallelkompression gegebenenfalls über einen AUX-Channel realisieren. Hier wäre auch eine Ratio von 10:1 vertretbar.
Die Attack-Zeit sollte im Bereich zwischen 0,3 bis 3 ms und die Release-Zeit im Umfang 0,2 bis 1 s liegen. Der Analog- Switch sollte aktiviert sein und der Thrust-Wert sollte sich auf Med oder Loud befinden.

WAVES CLA-76

@@Kaum ein Hersteller bietet ein so umfangreiches Paket an Plug-ins wie Waves. Der CLA-76 ist der digitale Nachbau des berühmten FET-1176er-Kompressors aus dem Hause Universal Audio. Dieser wurde übrigens 1967 auf den Markt gebracht und ist berüchtigt für seine nicht gerade intuitive/ offensichtliche Bedienbarkeit. FET-Kompressoren sind Transistorschaltungen und reagieren bedeutend schneller auf das Eingangssignal als beispielsweise ein optischer Kompressor. Der 1176 ist schon als Hardware-Gerät berühmt dafür gewesen, extrem kurze Attack-und Release-Zeiten im Mikrosekundenbereich realisieren zu können. Die Waves- Plug-in-Emulation ist unter Produzenten sehr beliebt und gibt den Sound des Originals auf sehr authentische Weise wieder.

@@Aufbau & Features

@@Input- und Output-Regler sind eindeutig auffindbar. Der Dry-Regler ermöglicht eine einfache Parallelkompression, bei der Originalsignal und komprimiertes Signal gemischt werden. Wichtig zu beachten ist, dass die Attack-Zeit kürzer wird, wenn man im Uhrzeigersinn dreht. Dies entspricht dem Original! Bemerkenswert ist außerdem die Ratio „All“, die eine besondere und vehemente Kompression erzeugt. Auch bei einer Ratio von 1:1 wird der Klang durch die Klangästhetik des Kompressors verformt. Der Sidechain-Button hat für den Gitarrenbereich eine mindere Anwendungspriorität, kann aber vor allem bei Bass und Drums extrem hilfreich sein.

Der 1176 ist für seine sehr kurzen Attack- und Release-Zeiten im Mikrosekundenbereich bekannt.

@@Der CLA-76 von Waves ist ideal, um vorhergehende Plug-ins mit „Glue“ zu versehen.


Waves CLA-76 in der E-Gitarren-Praxis

@@Wer es fett und punchy braucht, der darf auf die 1176-Emulation nicht verzichten. Die E-Gitarren werden heller und klarer klingen, sodass sie sich noch besser im Mix durchsetzen. Jedoch können die kurzen Attack-Zeiten dazu führen, dass der Plektrumanschlag zu stark komprimiert und damit klanglich zerstört wird. Hierauf unbedingt achten! Das Plug-in funktioniert für alle Grundsounds der Gitarre wie Clean, Crunch und High-Gain, sodass es ein wahrer Garant auf der Gitarrenspur ist. Als Ausgangspunkt der Settings für die E-Gitarre eignen sich die Attack zwischen 2 und 3, Release zwischen 5 und 6 sowie eine Ratio von 4:1. Je höher Sie den Input drehen, desto stärker wird komprimiert. Der Input agiert indirekt als Threshold. Der Threshold ist festgelegt und kann nicht beeinfl usst werden. Dieser Kompressor ist wohl am besten am Ende der Signalkette aufgehoben, um den im Vorfeld geschalteten Plug-ins (EQ, Kompressoren etc.) den gewissen „Glue“ zu verleihen.

ABSCHLUSS

@@Der Umgang mit Kompression in Bezug auf die E-Gitarre und auch auf alle anderen Signale benötigt viel Feingefühl. Generell ist die Signalverdichtung ein herausforderndes Thema, da der Grad zwischen gewünschter Durchsetzungskraft und ungewollter überkompression sehr schmal ist.
Wichtig für einen durchsetzungsstarken Gitarrensound ist, dass Sie vor allem Attack- und Release-Zeiten im Auge behalten, damit der Plektrumanschlag und die daraus resultierende Brillanz und Punch der Gitarre nicht verloren gehen.

KEYS INFO: DIE WICHTIGSTEN KOMPRESSOR-PARAMETER: EINFACH ERKLÄRT

@@Threshold – „Schwellenwert“: Der Threshold-Wert gibt an, ab welcher Lautstärke des Signals überhaupt komprimiert wird. Die digitale Pegelspitze liegt bei 0 dB. Daher sind die Dezibel-Angaben immer im Minusbereich und somit mit einem Minus angegeben (z.B. –6 dB).
Ist der Threshold-Wert beispielsweise –10 dB, wird nur der Signalanteil komprimiert, der zwischen null und –10 dB liegt. Alles Leisere bleibt unkomprimiert.
Ratio – „Kompressionsverhältnis“: Der Wert gibt an, wie intensiv komprimiert wird. Eine Ratio von 2:1 bedeutet beispielsweise, dass der Signalanteil, der über den Threshold steigt, um die Hälfte komprimiert wird: –4 dB wird zu –2 dB. Die Ratio 1:1 verändert nichts, eine Ratio von unendlich:1 ist ein Limiter, da das Signal nicht über den Threshold steigen kann.
Input Gain – Mit dem Input beeinflusst man die Signallautstärke, die in den Kompressor gelangt.
Make-up /Output Gain – Mit diesem Regler beeinflusst man die Signallautstärke, die aus dem Kompressor herausgeht, und gleicht den durch die Kompression verursachten Lautstärkeverlust wieder aus.
Knee – Das Knee bestimmt den Übergang der Signalkurve am Threshold-Punkt. Je weicher („softer“), desto angenehmer und seichter der Übergang in die Kompression.
Attack – Die Attack-Zeit ist die Zeitspanne, die verstreicht, bis der Kompressor vollständig arbeitet. Bei längerer Attack-Zeit bleiben die ersten Transienten erhalten, bei kürzerer Attack-Zeit arbeitet der Kompressor unverzüglich.
Release – Die Release-Zeit ist die Zeitspanne, die der Kompressor braucht, bis er vollkommen „Standby“ ist beziehungsweise nicht mehr arbeitet.

@@Im Folgenden werden wir Ihnen einige besondere Kompressor- Plug-ins vorstellen, die durch ihren eigenständigen Klangcharakter speziell für die E-Gitarre interessant sein können. Teilweise sind sie sogar Nachbauten analoger Urgesteine, die längst ihre unumstößliche Daseinsberechtigung durch Anwendung in unzähligen Musikproduktionen bewiesen haben.

KEYS INFO: FEED-FORWARD/FEED-BACK-KOMPRESSION

@@Ein Kompressor funktioniert ja so, dass das Signal um einen gewissen Anteil reduziert wird. Dieser Anteil wird als Ratio beschrieben. Das Bauelement eines Hardware-Kompressors, das für diese Senkung der Lautstärke zuständig ist, ist häufig ein sogenannter VCA (Voltage Controlled Amplifier). Einfacher ausgedrückt ist dieses Bauteil dafür zuständig, dass der Kompressoreffekt passiert. Spezielle Kompressortypen wie Opto, FET und so weiter lassen wir nun mal kurz außer Acht. Es gibt aber noch mindestens einen weiteren VCA (Sidechain), der quasi das Signal analysiert und dann dem anderen Kompressor den Befehl gibt. Dieser wird als Detector bezeichnet und gibt dann Befehl an den „Haupt-VCA“, ob dieser arbeiten soll. Die meisten kennen den Sidechain-Eingang für die Nutzung externer Signale, wenn zum Beispiel die Kickdrum in den Basskompressor geführt wird, um den E-Bass bei jedem Kickdrumschlag abzusenken. Sidechain wird aber eben auch benötigt, um das interne Signal zu erkennen.

@@Wenn dieser Sidechain/Detector vor dem eigentlichen VCA-Kompressor positioniert ist, dann nennt man das einen Feed-Forward-Kompressor. Liegt dieser Sidechain hinter dem VCA-Kompressor, so spricht man von einem Feed-Back-Kompressor. Frühere Kompressoren („Old“ beim API-2500) hatten immer die Feed-Back-Art, wohingegen modernere Kompressoren mit Feed-Forward („New“ beim API-2500) ausgestattet waren. Schlussendlich sind es natürlich die klanglichen Unterschiede, die Sie in der Wahl zwischen diesen „Modi“ beeinflussen sollten. Es mag etwas unlogisch erscheinen, dass beim Feed-Back-Kompressor der Detector hinter dem Kompressions-VCA liegt. Doch aus komplexeren physikalischen Gründen und wegen dem schnellen Elektronenfluss funktioniert das Ganze. Allerdings sind Attack- und Release-Zeit weniger präzise und träger als bei einem Feed-Forward-Kompressor. Andererseits ist die Wirkung der Kompression dadurch als „smoother“ und „natürlicher“ zu beschreiben.

@@Die übrigen Kompressorbauarten wie Opto, Tube sowie FET sind meist im Feed-Back-Style, wohingegen VCA-Kompressoren seit den späten 80er-Jahren vorwiegend in der Feed-Forward-Bauweise produziert werden. Ein sehr beliebter Kompressor im Feed-Forward-Style ist der dbx 160. Der Universal 1176 ist zum Beispiel, trotz extrem schneller Regelzeiten (Attack und Release), ein Feed-Back-Kompressor. Die FET-Bauweise ermöglicht die fixen Attack- und Release-Zeiten. Doch typisch für die Bauweise eines Feed-Back-Kompressors variieren diese beiden Parameter dezent in Abhängigkeit von der Intensität des Eingangssignal.

KEYS AUTOR: TOBIAS MERTENS

@@Tobias Mertens arbeitet als Musiker, Dozent, Tontechniker und Songwriter. Er ist als multi-instrumentaler Autor sowohl für DrumHeads!!, das guitar-, Keys-, Soundcheck und Recording-Magazin des PPV-Medien-Verlags aktiv. Tobias ist Endorser für Meinl, Tama, Evans, Audix, Rohema, Ibanez, Roland, Boss und D’Addario. Als Live-und Studiomusiker, Audio-Engineer und Songwriter arbeitete er mit Künstlern und Bands wie Stahlzeit, Thomas Lang, Lord Of The Lost, Subway To Sally, Nachtsucher und vielen weiteren zusammen. Als Musiker und Audio-Engineer arbeitet(e) er für die Studios Blue Moon Studio, Bishop-Audio-Productions, Chameleon-Studio und Braindead-Studio.
Er ist als Clinician in ganz Europa unterwegs und Dozent an verschiedenen Institutionen in Hamburg.

@@Youtube: tobiasmertens1991
Instagram/Facebook: tobiasmertensmusic
Website: tobias-mertens.de