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Konnte Jesus lesen und schreiben?


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Welt und Umwelt der Bibel - epaper ⋅ Ausgabe 2/2022 vom 22.04.2022

Die Frage nach der Bildung Jesu, seiner Jünger und Jüngerinnen

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Bildquelle: Welt und Umwelt der Bibel, Ausgabe 2/2022

Thomas R. Blanton IV ist Forscher auf den Gebieten des frühen Christentums und des antiken Judentums in ihrem griechischen und römischen Kontext. Er ist derzeit Associated Fellow am Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt und Autor von A Spiritual Economy: Gift Exchange in the Letters of Paul.

Als der griechische Philosoph Celsus um das Jahr 175 nC ein Buch mit dem Titel Die wahre Lehre schrieb, gehörten zu den verschiedenen Kritikpunkten, die er gegen das Christentum vorbrachte, auch zwei Punkte, die sich auf die Bildung und die Lese-und Schreibfähigkeit von Jesus und seinen ersten Anhängern bezogen: erstens, dass die Familie von Jesus, da sie arm war – seine Mutter sei eine Spinnerin und sein Vater Zimmermann –, es sich nicht leisten konnte, ihn auszubilden; und zweitens, dass seine Jünger, die Fischer und Zöllner waren, nicht einmal „die grundlegendsten Elemente des Lernens“ besaßen (Origenes, Gegen Celsus 1.28-29, 62). In seinem Versuch, die Anschuldigungen des Celsus zu widerlegen, bestritt der christliche Schriftsteller Origenes von Alexandria aus dem 3. Jh. nC nicht, dass die Informationen des Celsus korrekt waren; ...

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... stattdessen argumentierte er, dass ihr Mangel an Ausbildung die Anziehungskraft Jesu und seiner Jünger auf eine große Zahl von Menschen (zumindest zu Origenes’ Zeiten) umso überraschender machte.

Während in vielen heutigen Ländern die Alphabetisierungsrate sehr hoch ist – oft liegt sie bei fast 100 Prozent – und der Staat eine Grundschulausbildung vorschreibt, war die Situation in der griechisch-römischen Antike ganz anders. William Harris, Spezialist für römische Geschichte, schätzt, dass die Alphabetisierungsrate im Römischen Reich nicht mehr als 10 bis 15 Prozent betrug, und die Judaistin

Catherine Hezser vermutet, dass die Rate im antiken Judäa – der Region, in der Jesus und seine ersten Jünger lebten – eher bei 3 Prozent lag. Im Allgemeinen wurden höhere Alphabetisierungsraten mit politisch gut vernetzten, wohlhabenden Eliten und Mitgliedern der staatlichen Bürokratie, einschließlich Schriftgelehrten und erblichen Tempelpriestern, in Verbindung gebracht. Geringere Alphabetisierungsgrade oder Analphabetismus wurden mit Handwerkern, Arbeitern und nicht-elitären Familien in Verbindung gebracht.

Römische Ausbildung

Um den Bildungsstand von Jesus und seinen ersten Anhängern besser beurteilen zu können, müssen wir verstehen, wie die Bildungssysteme in der griechisch-römischen Antike funktionierten. In Griechenland, Rom und Ägypten werden manchmal drei verschiedene Stufen der

Bildung unterschieden: die Primarstufe, in der Schüler lernten, wie man Buchstaben schreibt, die Laute, die mit den Buchstaben verbunden sind, und einige Grundkenntnisse im Rechnen oder Zählen (im Alter von 7 bis 10/11 Jahren); die Sekundarstufe, in der die Schüler lernten, poetische Texte zu lesen und zu interpretieren, kurze Texte wie Briefe an ihre Eltern zu schreiben und vielleicht etwas Geometrie (im Alter von 10/11 bis 14/15 Jahren); und die tertiäre oder rhetorische Bildung, in der die Schüler Prosa lesen und das Verfassen längerer Reden üben, wie z. B. Reden, die sie später in der Öffentlichkeit oder in der Regierung halten könnten (im Alter von 14/15 bis 18 Jahren). Im Allgemeinen erhielten nur die Kinder wohlhabender und politisch gut vernetzter Familien eine Ausbildung auf tertiärem Niveau. In der Praxis waren die drei Stufen nicht immer klar voneinander getrennt, und es konnte zu erheblichen Überschneidungen zwischen ihnen kommen.

Der Mangel an Ausbildung macht die Anziehungskraft Jesu um so überraschender (Origenes)

Der erste Schritt auf der Primarstufe bestand darin, die Buchstaben des Alphabets zu lernen.

Dies geschah durch das Abschreiben von Buchstaben und kurzen Sätzen, die von der Lehrkraft geschrieben wurden. Die dazugehörigen Laute und die Aussprache wurden erst gelehrt, nachdem die Schüler gelernt hatten, die Buchstaben zu schreiben. Als Celsus schrieb, dass die Jünger Jesu „nicht einmal die grundlegendsten Elemente des Lernens“ besaßen, bezog er sich wahrscheinlich auf die Fähigkeit, die Buchstaben des Alphabets zu schreiben (vgl. Petaus, S. 15).

Während in vielen Ländern der Gegenwart Mädchen und Jungen gemeinsam unterrichtet werden, waren in der Antike Mädchen seltener des Lesens und Schreibens kundig als Jungen.

Dennoch weist die Klassizistin Rafaella Cribiore auf Belege für die Alphabetisierung von Frauen in Ägypten hin: 8 von 87 (9 Prozent) der in Papyri erwähnten Lehrer waren Frauen. Und auf römischen Fresken sind manchmal Frauen abgebildet, die einen Griffel in der Hand halten, was darauf hindeutet, dass sie zumindest die Buchstaben des Alphabets schreiben konnten und vielleicht auch das Verfassen schriftlicher Texte beherrschten. Die auf diese Weise abgebildeten Frauen gehörten in der Regel zu wohlhabenderen Haushalten.

Obwohl es wohlhabende und politisch elitäre Haushalte waren, deren Kinder mit größerer Wahrscheinlichkeit ein höheres Bildungsniveau (d. h. bis zur Tertiärstufe) erreichten, bedeutet dies nicht, dass Kinder aus Haushalten mit „mittlerem“ Einkommen nicht ein gewisses Maß an Bildung erlangen konnten. Das Preisedikt von Diokletian aus dem Jahr 301 nC besagt, dass Grundschullehrer bis zu 50 Denare pro Schüler und Monat verlangen können, was dem Tageslohn von Handwerkern wie Tischlern, Steinmetzen und Zimmerleuten entspricht. Auch wenn dafür die Haushaltsausgaben in anderen Bereichen gekürzt werden mussten, war dieser Preis für einige männliche Handwerker wahrscheinlich erschwinglich, vor allem, wenn sie Ehefrauen hatten, die ebenfalls einer Erwerbstätigkeit nachgingen, zum Beispiel als Ammen oder Hebammen (Ersteres ist in den ägyptischen Papyri die häufigste bezahlte Tätigkeit von Frauen außerhalb des Hauses).

Darüber hinaus konnten Kinder in eine Lehre gehen, die in der Regel im Alter von 12 oder 13 Jahren begann und ein bis drei Jahre dauerte, um Berufe wie Weben, Leinenweben, Mattenweben, Bauwesen, Nagelschmieden, Kupferschmieden und das Kardieren von Wolle zu erlernen. Während ihrer Lehrzeit lernten die Jugendlichen nicht nur die für ihr Handwerk erforderlichen Fertigkeiten, sondern manchmal auch rudimentäre Lese-, Schreib-und Rechenkenntnisse: Die Fähigkeit zu zählen, etwas Mathematik zu beherrschen, Namen zu schreiben und zu lesen und vielleicht kurze persönliche oder berufliche Korrespondenz zu führen, konnte für die Geschäftstätigkeit eines Handwerkers von Vorteil sein. Die Ausbildung für diese Zwecke, die auf der Primar-und vielleicht auf der Sekundarstufe erfolgen konnte, wird als „handwerkliche Alphabetisierung“ bezeichnet.

Bildung für die Elite

Die jüdischen Quellen entsprechen im Großen und Ganzen den allgemeinen Mustern, die in den Quellen aus Griechenland, Rom und Ägypten zu finden sind: Der höchste Grad der Alphabetisierung war im Allgemeinen elitären Familien vorbehalten, die in enger Verbindung zu den Regierungsbehörden standen. Jesus Sirach, ein Lehrer, der in Jerusalem ein bēt midrash, ein „Haus der Unterweisung“, unterhielt, schrieb in den 190er-oder 180er-Jahren vC auf Hebräisch, dass „die Weisheit des Schriftgelehrten“

Lese-und Schreibfähigkeiten voraussetzt, die nur erworben werden können, wenn man von verschiedenen Arten manueller Arbeit befreit ist. Handwerker, Töpfer, Schmiede und Bauern, so fährt er fort, sind zu sehr mit ihrer Arbeit beschäftigt, um die Fähigkeiten des Schreibers zu erlernen, und folglich „werden sie nicht für den Rat des Volkes gesucht noch erlangen sie Ansehen in der öffentlichen Versammlung. Sie sitzen nicht auf dem Richterstuhl ... und man findet sie nicht unter den Herrschern“ (Sirach 38,32-33 New Revised Standard Version). Von Familien, deren männliche Mitglieder die erbliche Priesterschaft im Jerusalemer Tempel bildeten, konnte man ebenfalls einen hohen Grad an Lese-und Schreibfähigkeit erwarten. Im Testament des Levi, einer im 3. oder 2. Jh. vC in aramäischer Sprache verfassten Schrift, rät der Priester Levi seinen Kindern: „Lehrt eure Kinder Buchstaben, damit sie Verständnis haben ... und lest unaufhörlich das Gesetz Gottes“ (T. Levi 13,2). Sirach und das Testament des Levi offenbaren zwei wichtige Unterschiede zwischen der Bildung in Judäa und in Griechenland, Rom und Ägypten: Erstens waren die Unterrichtssprachen Hebräisch und Aramäisch (im Gegensatz zu Griechisch,

Latein, Koptisch oder Demotisch); und zweitens umfassten die Texte, die die Grundlage des Lehrplans bildeten, Lesungen aus der Hebräischen Bibel – im Gegensatz zu griechischen oder römischen Texten, wie Homer oder Cicero.

Hinweise auf Lesen und Schreiben in den Evangelien

Mk 12,16: Jesus fragt nach Bild und Aufschrift auf der römischen Münze. Ob die Schrift tatsächlich lesbar war oder nur die Abfolge der Schriftzeichen erkannt wurde, ist unklar.

Lk 1,26: Zachäus schreibt den Namen seines Sohnes Johannes auf ein Täfelchen und die Umstehenden können ihn lesen

Lk 4,16-21: Jesus liest in der Synagoge von Nazaret aus dem Propheten Jesaja vor. Statt einer historischen Wiedergabe ist die Szene wohl eher eine lukanische Konstruktion. Die Darstellung Jesu als lesefähiger Lehrer brachte Jesus gebildeteren Schichten im Römischen Reich näher.

Lk 10,26: Jesus sagte zu ihm (= Gesetzeslehrer): „Was steht im Gesetz geschrieben?

Was liest du?“

Joh 8,6-8: Jesus schreibt auf die Erde, als die Ehebrecherin verurteilt werden soll. Ob das auf Schreibfähigkeit weist, ist unklar.

Joh 19,20: Viele Juden lesen den Kreuzestitulus. Er muss erkennbar gewesen sein.

Apg 8: Der Kämmerer liest selbstständig aus dem Propheten Jesaja.

Ob der dazukommende Philippus lesen kann, bleibt unklar.

Apg 15,34: Schreiben der Apostel und Ältesten an Gemeinden in Kilikien und Syrien. Wie viele Personen lesen oder schreiben konnten, ist unbekannt.

Entgegen der historischen Realität hat sich ein Bildtypus herausgebildet, in dem Anna ihre Tochter Maria das Lesen lehrt. Das Buch verweist wohl – wie das Buch, in dem Maria in vielen Verkündigungsszenen liest – auf die prophetischen Schriften des Alten Testaments. Für die Betrachtenden wird Maria so zur Nachahmung empfohlen, sich in die Bibel oder das Stunden-bzw. Gebetbuch zu versenken. Eine gebildete und lesende Maria war – je nach Ort der künstlerischen Darstellung – dabei im Früh-und Hochmittelalter nicht nur für adelige Frauen ein Vorbild, sondern auch für Ordensmänner und -frauen.

Lothringen, Ende 15. Jh.,

Kalkstein mit Resten alter Fassung. Liebighaus, Frankfurt a. M.

Unterschiede in den Evangelien

Die Bibelwissenschaftler sind sich uneinig über den Grad der Alphabetisierung Jesu, und das aus gutem Grund. Da wir keine Schriften haben, die Jesus glaubhaft zugeschrieben werden können, ist es unmöglich, seine Lese-und Schreibfähigkeit direkt zu beurteilen.

Daher müssen wir uns auf

Schlussfolgerungen stützen, die auf allgemeinem „Hintergrundwissen“ über die Alphabetisierung in der Antike sowie auf den ältesten literarischen Quellen beruhen, die auf die Lehre Jesu anspielen – die wichtigsten sind die Evangelien im Neuen Testament. Die Evangelien selbst zeichnen jedoch ein widersprüchliches Bild, sodass es notwendig ist, sie kritisch zu prüfen.

Bibelwissenschaftler sind sich uneinig über den Grad der Alphabetisierung Jesu

Unter den Evangelien des Neuen Testaments ist das Markusevangelium das älteste, das um 72 nC geschrieben wurde. Nach Mk 6,1-6 arbeitete Jesus als tektōn, „Zimmermann“ oder „Holzarbeiter“, der aus einer unscheinbaren

Familie stammte. Als Jesus in der Synagoge von Nazaret lehrte und dabei „Weisheit“ an den Tag legte, waren die Menschen deshalb beleidigt:

Wie sowohl Celsus als auch Ben Sira zeigen, war „Weisheit“ keine Eigenschaft, die typischerweise mit Handwerkern in Verbindung gebracht wird. Im Vergleich dazu scheint das Matthäus- Evangelium, das einige Zeit nach Markus geschrieben wurde (vielleicht in den 80er-oder 90er-Jahren nC) und dessen Text als Informationsquelle verwendet, Jesus etwas von seinem Beruf zu distanzieren: Matthäus formuliert den Text von Markus um und sagt nicht, dass Jesus selbst Zimmermann war, sondern dass er „der Sohn des Zimmermanns“ war (Mt 13,55). Die entsprechende Stelle im Lukasevangelium, das sich ebenfalls auf das Markusevangelium als Informationsquelle stützt, lässt jeden Hinweis auf den Beruf Jesu oder seines Vaters weg (Lk 4,22).

Obwohl Jesus weder bei Markus noch bei Matthäus lesend oder schreibend dargestellt wird, zeigt er in Lukas 4,16-22 ein sehr hohes Maß an Lese-und Schreibfähigkeit, indem er eine hebräische Schriftrolle des Buches Jesaja in die Hand nimmt, sie entrollt und den Versammelten in der Synagoge von Nazaret den Text vorliest. Das Lukasevangelium schildert Jesus nicht als Zimmermann oder gar als Sohn eines Zimmermanns, sondern als einen hochgebildeten Lehrer der jüdischen Schriften Welches Evangelium trifft es am besten?

Wahrscheinlich kommt die Version von Markus in diesem Punkt der Wahrheit am nächsten. Wie Adela Yarbro Collins (290) anmerkt, kann die Frage „Ist das nicht der Zimmermann?“ „als Beleidigung gelesen werden. Die Kritik an der sozialen Herkunft war in der Antike eine übliche Form der Beschimpfung“. Es scheint unwahrscheinlich, dass der Autor des Markusevangeliums eine Tradition erfinden würde, die als Beleidigung für Jesus, den Protagonisten des Evangeliums, angesehen werden könnte. Umgekehrt ist es leicht zu verstehen, warum Lukas Jesus zu einer respektableren Position als hochgebildeten Ausleger jüdischer Texte erheben wollte.

Trotz Celsus' Ansicht, dass Jesus und seinen Jüngern selbst die grundlegendsten Elemente der Bildung fehlten, ist es möglich, dass zumindest einige von ihnen handwerkliche Fähigkeiten erlangt hatten. Da wir jedoch keine schriftlichen Zeugnisse von Jesus oder seinen ersten Jüngern besitzen, können wir diese Möglichkeit nicht direkt beurteilen. (Die Evangelien zirkulierten ursprünglich als anonyme Dokumente, und der erste und zweite Petrusbrief wurden wahrscheinlich nicht von Simon Petrus ge- schrieben). Zum Vergleich: Paulus von Tarsus war ebenfalls ein Handwerker (1 Thess 2,9; Apg 18,1-3), und er scheint zumindest über Leseund Schreibkenntnisse auf Sekundärniveau verfügt zu haben. Philo, der im ersten Jahrhundert in Alexandria, Ägypten, eine eigene Schule betrieb, verfügte über eine tertiäre Bildung auf Eliteniveau: Er kam sowohl mit der stoischen als auch mit der platonischen Philosophie gut zurecht, zitierte griechische Schriftsteller wie Homer und Hesiod und war ein erfahrener Übersetzer der Septuaginta, d. h. der griechischen Übersetzungen der jüdischen heiligen Texte. Wenn er seine Briefe überhaupt kannte, war Jesu Bildungsniveau mit ziemlicher Sicherheit viel niedriger als das von Philo und vielleicht auch niedriger als das von Paulus.

Und die Jünger?

Von den engsten männlichen Jüngern Jesu sollen Simon Petrus, Andreas, Jakobus und Johannes Fischer gewesen sein, eine Gruppe, die im Allgemeinen nicht mit Bildung in Verbindung gebracht wird. Nach Apostelgeschichte 4,13 schlossen die Menschen in Jerusalem, nachdem sie Petrus und Johannes hatten sprechen hören, dass sie beide „Analphabeten und Ungebildete“ waren. Auch wenn es sich bei dieser Episode möglicherweise um eine literarische Fiktion handelt, zeigt sie doch, dass die Schlussfolgerung, Fischer seien Analphabeten, im späten 1. oder frühen 2. Jh. nC, als die Apostelgeschichte geschrieben wurde, leicht zu ziehen war. Im

Gegensatz dazu weisen Mk 2,14 und Lk 5,27 darauf hin, dass Levi, der Sohn des Alphäus, ein lokaler Steuereintreiber war. (In Mt 9,9 wird der Zöllner Matthäus genannt.) Obwohl ich noch keine direkten Belege für die Lese-und Schreibfähigkeit lokaler Steuereintreiber in Judäa gefunden habe, wurde eine Fülle antiker Steuerquittungen veröffentlicht, aus denen ich, wenn auch sehr vorsichtig, schließe, dass lokale Steuereintreiber wie Levi im Allgemeinen des Rechnens mächtig waren und die für das Führen von Aufzeichnungen und das Schreiben von Quittungen erforderliche Lese-und Schreibfähigkeit besaßen, d. h., sie verfügten über eine fortgeschrittene Grund-oder Sekundarschulbildung.

Frauen in der Nachfolge

Die Frauen im Umkreis Jesu, darunter Maria, seine Mutter, Maria Magdalena, Maria, die Mutter von Jakobus und Joses, Salome (Mk 15,40-16,8), Johanna (Lk 24,10) sowie Maria und Marta von Betanien (Joh 11,1-12,3), waren wahrscheinlich nicht des Lesens kundig. Wie Heszer (497) feststellt, versuchten die in den rabbinischen Quellen erwähnten Schulen des 3. Jh. nC, „Jungen auf die Aufgabe vorzubereiten, die Tora in der Öffentlichkeit zu lesen ... Im Gegensatz zu den Grundschulen im römischen Italien, die zumindest manchmal von Mädchen besucht worden zu sein scheinen, schloss das Ziel der jüdischen Schulen, nämlich die Zahl der öffentlichen Tora-Leser zu erhöhen, Mädchen von vornherein aus, da sie nicht als Synagogenleserinnen fungiebeide ren durften“. Im Vergleich zu dem Szenario, das in den rabbinischen Quellen des 3. Jh. beschrieben wird, gab es im Judentum des 1. Jh. wahrscheinlich noch weniger Bildungsmöglichkeiten, sowohl für Mädchen als auch für Jungen. So ist es kein Zufall, dass Maria und Marta zum Beispiel dargestellt werden, wie sie mit Jesus sprechen und ihm zuhören (Joh 11), aber nicht lesen oder schreiben. Darüber hinaus berichten Frauen in den Evangelien als Erste, dass Jesus nicht im Grab

Bildung lässt sich nicht auf das Lesen und Schreiben reduzieren

lag und vom Tod auferweckt worden war; auch diese Berichte kamen in Form von Reden (Mt 28,1-10; Lk 24,1-12; Joh 20).

In Anbetracht der Rolle, die Frauen unter den ersten Anhängern Jesu spielten, ist es wichtig festzustellen, dass Frauen nach den Evangelien für die Angelegenheiten im Haushalt zuständig waren.

In Gesten der Gastfreundschaft nahmen sie Jesus und seine männlichen Jünger während der Wan- derungen oft bei sich auf (Mk 6,10-11), so wie Maria und Marta ihm nach Joh 11,1-6 in Betanien Unterkunft gaben. Die Gastfreundschaft spielte in den frühen christlichen Missionsbemühungen eine wichtige Rolle, da sie den Aktionsradius von Jesus und seinen männlichen Jüngern, die ihn auf seinen Reisen begleiteten, effektiv erweiterte.

Petaus, ein ägyptischer Schreiber, der nicht versteht, was er schreibt

Der amerikanische Papyrologe Herbert Youtie hat nachgewiesen, dass ein „Dorfschreiber“ oder „Stadtschreiber“ (griechisch: kōmogrammateus) aus dem 2. Jh. nC in der Stadt Ptolemais Hormou in der ägyptischen Oase Faiyum nicht mehr schreiben konnte als seinen Namen, seine Berufsbezeichnung und ein einziges griechisches Verb, das anzeigt, dass er ein bestimmtes Dokument ordnungsgemäß eingereicht hatte. Der Schreiber Petaus hatte das Übungsblatt aufbewahrt, auf dem er diese Formel akribisch abgeschrieben hatte, nachdem jemand anderes sie für ihn geschrieben hatte. An einem Punkt der Übung vergaß er, einen Buchstaben abzuschreiben, und in allen folgenden Zeilen ließ er denselben Buchstaben aus – etwas, das nicht passiert wäre, wenn er hätte lesen können, was er selbst schrieb!

Die Evangelien spiegeln hier mit dem Muster der reisenden Männer und der gastgebenden Frauen stark geschlechtsspezifischen Rollen und Erwartungen der mediterranen Antike wider.

Angesichts der Bedeutung, die Jesus und seine ersten männlichen und weiblichen Anhänger der Mündlichkeit beimaßen, wäre es natürlich ein Fehler, anzunehmen, dass das Lesen die einzige Möglichkeit war, sich Wissen über religiöse Traditionen und Lehren anzueignen. Der erste und wohl wichtigste Kontext, in dem die jüdischen religiösen Traditionen an Jesus weitergegeben wurden, war das Elternhaus. Bereits als Säugling wurde Jesus wohl nach dem jüdischen Ritual beschnitten, was in einigen Quellen als „Zeichen des Bundes“ zwischen Gott und Israel gedeutet wird (Gen 17,9-14). Jährliche Feste wie die Wochenund Laubhüttenfeste wurden wahrscheinlich im Kreis der Familie und der örtlichen Gemeinschaft gefeiert, und einige Familien außerhalb Judäas reisten nach Jerusalem, um das Paschafest zu feiern. Jeder dieser Anlässe hätte reichlich Gelegenheit geboten, über die Traditionen der Vorfahren nachzudenken. Darüber hinaus besuchte Jesus wahrscheinlich Versammlungen in der örtlichen Synagoge, wo er zuhörte, wenn maßgebliche jüdische Texte vorgelesen und interpretiert wurden. Es ist bemerkenswert, dass Jesus nach den Evangelienüberlieferungen Bezüge auf Zitate aus den Heiligen Schriften, etwa bei der Bergpredigt (Mt 5,21-48), mit der Formel einleitet: „Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: ‚Auge um Auge und Zahn um Zahn‘“. Offensichtlich ging er davon aus, dass seine Zuhörer die biblischen Texte nicht vom Lesen, sondern vom Vorlesen durch einen Synagogenlektor kannten.

Netzwerke des Lernens

Darüber hinaus dürfte Jesus auf seinen Reisen viel über jüdische und andere religiöse Traditionen gelernt haben. Als Zimmermann reiste er wahrscheinlich, um in Sepphoris, etwa 6 Kilometer von Nazaret entfernt, und in anderen nahe gelegenen Dörfern, die durch ein Netz von Straßen und Fußwegen miteinander verbunden waren, Arbeit zu finden oder Waren zu kaufen.

Auf seinen Reisen lernte er verschiedene religiöse Praktiken kennen und knüpfte berufliche und soziale Kontakte in den von ihm besuchten Gebieten.

Außerhalb seiner Heimatstadt Nazaret sollten wir die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass Jesus Zeit damit verbrachte, von Johannes zu lernen, dem Lehrer, der ihn im Jordan taufte (z. B. Mk 1,9).

Jesus war ein Experte in der mündlichen Kommunikation

Wie das Johannesevangelium deutlich macht, standen informelle Netzwerke von Lehrern und ihren Anhängern in engem Kontakt, und dabei beeinflussten sie sich wahrscheinlich gegenseitig (Joh 1,29-42). Die apokalyptischen Lehren des Täufers fanden ihren Widerhall in den Gleichnissen und Reden Jesu über das Reich Gottes (Mt 3,1-2.7-10; Mk 1,15; 4,26-32). Johannes und Jesus waren jedoch nicht die einzigen Lehrer, die einer apokalyptischen Zeit entgegensahen, in der Israel (oder Judäa) die vorherrschende Macht im Mittelmeerraum werden und dabei die römische Herrschaft stürzen würde: Ähnliche Ansichten vertraten die Mitglieder der Gemeinschaft vom Toten Meer, deren Hauptversammlungsort sich in Qumran am Westufer des Toten Meeres befand (z. B. Kriegsrolle; 11QMelchizedek). Man muss nicht annehmen, dass Jesus oder Johannes Zeit in Qumran verbracht haben, um die Ähnlichkeiten zu erkennen: Außerhalb des Kontextes organisierter Gruppentreffen können sowohl formelle als auch informelle Netzwerke weit verstreut sein; und wie Soziologen festgestellt haben, sind es oft solche „schwachen Verbindungen“ zwischen Gruppen, die für die Verbreitung von Ideen am folgenreichsten sind.

Während seiner Reisen durch Galiläa galt Jesus als Lehrer – er wird beispielsweise in Mt 26,25, Mk 9,5 und Joh 1,38 als „Rabbi“, dem hebräischen Wort für Lehrer, bezeichnet; und die Evangelien titulieren seine engsten Anhänger als mathētai, dem griechischen Begriff für „Schüler“ oder „Studenten“. Wenn Jesus sich sowohl an seine „Schüler“ als auch an ein größeres Publikum wandte, las und interpretierte er normalerweise keine Texte (abgesehen von der Geschichte des Lukas). Vielmehr erzählte er Gleichnisse (z. B. Mk 4,26-32), gab Ratschläge für das tägliche Leben in der Tradition der „Weisheit“, die mit den Sprüchen verwandt ist (z.

B. Mt 5,1-16), und machte einprägsame, prägnante Aussagen (z. B. Mt 6,24; 7,6). Im Thomasevangelium aus dem 2. Jh. nC werden den Logien oder Sprüchen Jesu die Worte „Jesus sagt …“ vorangestellt.

Jesus ist nicht in erster Linie als Leser und Schreiber in Erinnerung geblieben, sondern als Redner, der die religiösen Lehren auslegte, die er im Laufe seines Lebens durch das Zuhören in der Synagoge, das Erlernen religiöser Traditionen zu Hause, auf der Straße und in der Gesellschaft anderer Lehrer wie Johannes dem Täufer gesammelt hatte. Jesus war ein Experte in der mündlichen Kommunikation, und es war seine Rede, nicht seine Fähigkeit zu lesen oder zu schreiben, die eine bedeutende Wirkung auf die Menschen um ihn herum gehabt zu haben scheint. (Nach allem, was man hört, hat er auffallend nonverbal gehandelt, indem er Menschen heilte und Dämonen austrieb – aber das ist ein ganz anderes Thema!)

Abschließend können wir die Frage, die im Titel dieses Artikels gestellt wird, noch einmal überdenken: „Wie gebildet war Jesus?“ Bildung, das sollte jetzt klar sein, lässt sich nicht auf das Lesen und Schreiben reduzieren; die Lehre, die Jesus vermittelte, war in erster Linie mündlich. Bildung nahm viele Formen an, von Ritualen und Unterricht im Haus bis hin zu Festen und dem Besuch der Synagoge. Darüber hinaus sind Jesus und seine ersten Anhänger nicht als Leser und Schriftsteller in Erinnerung geblieben, sondern als Reisende und Redner, die die religiösen und sozialen Netzwerke, zu denen sie Zugang hatten, in vollem Umfang nutzten und durch ihre Wanderpredigten neue schufen, Netzwerke, die konzeptionell durch gemeinsame Ideen und Verpflichtungen und materiell durch die Gastfreundschaft, die sie in den Häusern entlang des Weges erhielten, zusammengehalten wurden.

Zusätzliche Lektüre

• Weitere Informationen zum Thema Bildung im frühen Christentum von Thomas R. Blanton IV auf YouTube: https://www. youtube.com/watch?v=Ouw_OR6Aj8E.

• Cribiore, Raffaella. Gymnastics of the Mind: Greek Education in Hellenistic and Roman Egypt. Princeton, NJ 2001.

• Harris, William V. Ancient Literacy. Cambridge, MA 1989.

• Hezser, Catherine. Jewish Literacy in Roman Palestine. Tübingen 2001.

• Keith, Chris. Jesus’ Literacy: Scribal Culture and the Teacher from Galilee.

London 2011.

• Sterling, Gregory E. The School of Sacred Laws: The Social Setting of Philo’s Treatises. (Vigiliae Christianae 53, Nr. 2) (1999), 148–164.

• Youtie, Herbert C. Βραδέως γράφων:

Between Literacy and Illiteracy. Greek,

Roman, and Byzantine Studies 12, No. 2 (1971), 239–261.

QUELLEN TEXT

Immer klüger als seine Lehrer – Jesus als Schüler. Aus den Kindheitserzählungen des Thomas

Die geschilderte Weisheit Jesu in den apokryphen Kindheitserzählungen lässt an die lukanische Episode vom 12-jährigen Jesus im Tempel denken.

In den Kindheitserzählungen offenbart Jesus jedoch kein Wissen über die Tora, sondern übernatürliche Macht und Weisheit, die möglicherweise gnostisch beeinflusst ist.

„Ein Lehrer namens Zachaeus aber, der in irgendeiner Angelegenheit (dort) stand, hörte Jesus dies zu seinem Vater sagen und wunderte sich sehr, daß er solche Dinge äußerte, obwohl er (noch) ein Kind war. Und wenige Tage später trat er an Joseph heran und sagte ihm: „Du hast einen klugen Jungen. Er hat Verstand. Überlaß ihn mir doch, damit er Lesen und Schreiben lernt! Ich werde ihm zusammen mit den Buchstaben (auch) alles (weitere) Wissen beibringen und alle älteren Menschen zu grüßen und sie zu achten wie (die eigenen) Großväter und Väter und die Gleichaltrigen freundlich zu behandeln. “

[...] Also nahm Joseph ihn an der Hand und brachte ihn in die Schule. Und der Lehrer schrieb ihm ein Alphabet auf und begann zu üben und sagte das Alphabet immer wieder. Der Junge aber schwieg und antwortete ihm viele Stunden nicht.

Da wurde der Lehrer zornig und schlug ihn auf den Kopf. Der Junge aber, der entsprechend(e) (Schmerzen) litt, sagte zu ihm: „Ich lehre dich mehr, als ich von dir lerne, denn ich kann (bereits) Lesen und Schreiben, was du mir (erst) beibringen willst, und deine Strafe ist heftig. Diese (Fähigkeiten des Lesens und Schreibens) sind für dich nämlich wie eine erzene Kanne, wie eine gellende Zimbel, die durch ihren Ton keinen Ruhm und keine Weisheit hervorbringen. Auch <begreift> keine Seele (durch sie) die Kraft meiner Weisheit.“ Und er nannte ihm deutlich alle Buchstaben vom Alpha bis zum Omega in langer Aufzählung. Er (sc. Jesus) aber blickte den Lehrer Zachaeus an und sagte zu ihm: „Du, der du nicht einmal das Alpha seiner Gestalt nach kennst –, wie willst du andere das Beta lehren? Heuchler! Lehre zuerst das Alpha, wenn du kannst, dann wollen wir dir auch, was das Beta angeht, glauben.“ Dann begann er, den Lehrer über den ersten Buchstaben auszufragen, dieser vermochte aber nicht, mit ihm zu disputieren. (Kap. 6, griech. Version des KThom)

[In der Folge bittet der Lehrer Joseph, das Kind wieder zu sich zu nehmen, da er ihm nicht gewachsen sei. In Kap. 14 wird eine fast identische Geschichte nochmals erzählt – mit dem Unterschied, dass Jesus nach dem Schlag auf den Kopf den Lehrer verflucht, sodass dieser ohnmächtig zu Boden fällt.]

Nach einiger Zeit aber sagte wieder ein anderer Lehrer, ein enger Freund Josephs, zu ihm: „Bring mir den Jungen in die Schule. Vielleicht kann ich ihm ja mit Überredungskunst Lesen und Schreiben beibringen.“ Joseph entgegnete: „Wenn du dich traust, Bruder, nimm ihn mit!“ Und voller Furcht und mit vielem Zweifel nahm er ihn mit sich, der Junge aber folgte freudig.

Und als er keck die Schule betrat, fand er ein Buch, das auf dem Lesepult lag.

Das nahm er, las aber die Buchstaben, die darin waren, nicht, sondern öffnete seinen Mund und redete im Heiligen Geist und lehrte die Umstehenden das Gesetz.

Viele Menschen aber strömten zusammen, die standen dabei und hörten ihm zu. Und sie waren alle erstaunt über die Reife seiner Lehre und die Geläufigkeit seiner Worte, daß er als Kind (schon) so redete. Als Joseph davon hörte, fürchtete er Schlimmes und lief schnell zur Schule, denn er dachte, auch dieser Lehrer könne ungeschickt sein. Der Lehrer aber sagte zu Joseph: „Damit du es weißt, Bruder: Ich habe den Jungen zwar als Schüler mitgenommen, er aber ist (bereits) voller Anmut und Weisheit. Und so bitte ich dich, Bruder, nimm ihn wieder mit in dein Haus!“ (Kap. 15, griech. Version des KThom)

(Antike christliche Apokryphen in deutscher Übersetzung I. Band in zwei Teilbänden:

Evangelien und Verwandtes. Hrsg. v. Christoph Markschies u. Jens Schröter in Verb. m.

Andreas Heiser, 7. Auflage. Tübingen: Mohr Siebeck, 2012)