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Kontrovers: Schüler anhören bei der Genehmigung vonKlassenarbeiten?


Pädagogik - epaper ⋅ Ausgabe 12/2018 vom 03.12.2018

In Schleswig-Holstein reicht die Genehmigung der Schulleitung allein nicht länger aus, wenn ein Drittel oder mehr der Klassenarbeiten mit schlechter als ausreichend bewertet werden soll. Nun müssen ab Jahrgangsstufe 3 auch Klassensprecher gehört werden, bevor die Arbeit von der Schulleitung genehmigt wird. Der entsprechende Erlass der Bildungsministerin vom Juli 2018 löste eine Kontroverse aus


Eine Verbesserung derUnterrichtsqualität ist tägliche Herausforderung für unsere Lehrkräfte. Auch sie können dabei von einer altersgerechten Feedback-Kultur profitieren. Wir findenes richtig, dass Schüler*innen ...

Artikelbild für den Artikel "Kontrovers: Schüler anhören bei der Genehmigung vonKlassenarbeiten?" aus der Ausgabe 12/2018 von Pädagogik. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Pädagogik, Ausgabe 12/2018

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... angehört werden, wenn eine Klassenarbeit überdurchschnittlich schlecht ausgefallen ist. Ein konkreter Fall: EineKlasse hat eine Klassenarbeit ›verhauen‹, mehr als ein Drittel der Arbeiten sind schlechter als ausreichend. Die Lehrkräfte unddie Schulleitung solltensich fragen: Was sind die Ursachen? Gibt es Handlungs- und Unterstützungsbedarf? Es ist gut und richtig, wenn zu diesen Fragen auch Schüler*innen gehört werden, auchwenn sie noch jung sind: Pädagogen können die altersgemäß vorgetragenenGedankenund Argumente gut verstehen, bewerten und vernünftig einordnen.

Karin Prien ist Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur in Schleswig-Holstein.
Adresse: Brunswiker Str. 16–22, 24105 Kiel
E-Mail: pressestelle@bimi.landsh.de

Wer kennt es nicht aus seiner eigenen Schulzeit: Die Klassenarbeit war schlechter als erwartet gelaufen und man befand sich nun vor seinen Eltern imRechtfertigungszwang. Schuld an der schlechten Note waren immer alle anderen, vor allem der Lehrer. Er hatte den Stoff nicht richtig erklärt, niemand hatte es verstanden, es war immer so laut in der Klasse. Kommentare von Schülern, die damals folgenlos blieben und von den Eltern oft mit einem Schmunzeln bedacht wurden, sollen jetzt in Schleswig-Holstein zur Demokratieerziehung beitragen und der Schulleitung Rückschlüsse geben, ob eine schlecht ausgefallene Klassenarbeit genehmigt werden kann.

Unangenehme Situation für Klassensprecher*innen

Es ist absurd anzunehmen, dass Klassensprecher als Beteiligte, die selbst keine ausreichende Leistung erreicht haben, angemessen das Zustandekommen einer schlechtenKlassenleistung reflektieren können. Noch unangenehmer wird es möglicherweise für den Klassensprecher, wenn er selbst eine der wenigen guten Leistungen erreicht hat und von der Klasse unter Druck gesetzt wird, Aussagen im Sinne der Mehrheit statt der Wahrheit zu treffen. Schülerinnen und Schülern ab dem 3. Schuljahr mit acht Jahren eine solche Verantwortung zu übertragen, ist kein Beitrag zur Demokratieerziehung, sondern grob verantwortungslos.

Demokratieerziehung und Übertragung von Verantwortung müssen behutsam und altersgemäß erfolgen, wie dies die bisherigen Beteiligungsmöglichkeiten von Schülerinnen und Schülern in Klassen- und Schulkonferenzen ab dem 7. Schuljahr vorsehen. Um den Erlass der schleswig-holsteinischenBildungsministerin zu verstehen, ist es wichtig, das bildungspolitische Umfeld in diesemBundesland zu betrachten. Gerade an den Gemeinschaftsschulen haben ein binnendifferenzierter Unterricht und die mühelose Versetzung bis in das 9. Schuljahr unabhängig von der erbrachten Leistung den Wert derNoten und jegliches Leistungsbewusstsein massiv sinken lassen. Esmacht keinen Unterschied, ob sich die Schüler in Schleswig-Holstein anstrengen oder nicht: Auch viele mangelhafte Noten sind für eine Versetzung ausreichend.

Beitrag zur Senkung der Bildungsqualität

Die jetzt neu getroffene Regelung passt in die politisch fahrlässig betriebene Senkung der Bildungsqualität. Statt eines beabsichtigten Beitrages zur Demokratieerziehung ist es sehr viel wahrscheinlicher und vermutlich politisch gewollt, dass Lehrkräfte in vorauseilendem Gehorsam schlechte Noten zukünftig vermeiden, um sich nicht der Gefahr einer unqualifizierten Be- und Verurteilung ihrer Person und ihres Unterrichtes auszusetzen. Der neue Erlass dokumentiert Misstrauen gegenüber Lehrkräften, indem er vorgibt, ein Problem zu lösen, das es nicht gibt. Auch vor der Beteiligung der Klassensprecher gingen die Kollegen in den allermeisten Fällen verantwortungsvoll mit dem Ergebnis einer schlecht ausgefallenen Klassenarbeit um und ließen diese oft neu schreiben. Für die überschaubare Zahl an Fällen, in denen Arbeiten auch mit schlechtem Klassenergebnis gewertet wurden, hatte dies die verantwortliche Lehrkraft vor der Schulleitung zu begründen, die anschließend über die Wertung der Arbeit entschied. Dies funktionierte viele Jahre erfolgreich.

Bisherige Regelung sinnvoll und erfolgreich

Es ist eine nicht zu belegende Unterstellung von Seiten der SPD-Opposition, dass imGespräch zwischen Schulleitung und Fachlehrkraft ›vertuscht‹ worden sei, wenndas schlechte Ergebnis an einer unzureichenden Vorbereitung gelegen habe. Die Ursachen unterschiedlicher Leistungen innerhalb einer Jahrgangsstufe einer Schulart sind vielfältig und liegen nur selten an einer unzureichenden Vorbereitung durch die Lehrerinnen und Lehrer.

Übrigens, wie wenig ernst es den politisch Verantwortlichen ansonsten mit der Gewährung von Beteiligungsrechten und -möglichkeiten ist, kann man auch an der Entstehungsgeschichte dieses Erlasses ablesen. Er wurde im Mai ohne Beteiligung des Hauptpersonalrates erlassen, kurz nach Beginn der Sommerferien im Juli veröffentlicht, ab 1. August in Kraft gesetzt und den verblüfften Kollegien nach der unterrichtsfreien Zeit zu Beginn des neuen Schuljahres von den Schulleitungen verlesen.

Demokratische Beteiligung geht anders.

Grete Rhenius ist Realschullehrerin und Landesvorsitzende der Interessenvertretung der Lehrkräfte in Schleswig-Holstein. Dirk Meußer ist stellvertretender Vorsitzender und Pressesprecher der Interessenvertretung der Lehrkräfte in Schleswig-Holstein.
E- Mail: grete.rhenius@ivl-sh.de; dirk.meusser@ivl-sh.de