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Kraft voraus für die Ernährungs-wende!


Slow Food Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 4/2021 vom 27.07.2021

Ursula Hudson Preis

Jeder Einzelne«, sagte die SFD-Vorsitzende Nina Wolff am Ende einer stimmungsvollen Zeremonie, »hat die Kraft, etwas zu verändern«. Das sei die wichtigste Botschaft des am 14. Juni zum ersten Mal verliehenen Ursula Hudson Preises in Gedenken an die viel zu früh verstorbene Vorsitzende von Slow Food Deutschland. Die Trägerin des Ursula Hudson Preises, Elisabeth Schmelzer, Gründerin und Inspiratorin von »Greenfair- Planet«, verkörpert dieses Potenzial jedes Einzelnen, etwas Positives zu bewegen. Schmelzer versetzt andere in Bewegung – und verursacht damit wiederum Bewegung.

80 Bewerbungen für die Erstvergabe des Preises

Tatsächlich ist genau das der Sinn dieses Preises: Zu zeigen und zu ermutigen, wie schon das Engagement Einzelner die Ernährungswende vorantreiben kann. Ursula Hudson galt national wie international als Vordenkerin für diese Transformation. Ihr Credo: Nur gemeinsam können wir etwas bewegen. Daran knüpft der nach ihr benannte Preis an und ehrt Einzelpersonen, Initiativen oder Gruppierungen.

»Hinter den Bewerbungen stehen inspirierende Persönlichkeiten und Initiativen, deren Gestaltungskraft unsere Wertschätzung und Hochachtung gebühren«, so Nina Wolff. »Die Bewerbungen zeichnen sich durch eine beeindruckende Vielfalt und Qualität aus, und sie machen Mut: Die Veränderung unserer Ernährungswelt ist möglich, vorausgesetzt wir haben ausreichend Motivation und Kreativität, Geschick und Ausdauer im Gepäck.«

80 Bewerbungen landeten auf dem Tisch des Kuratoriums, bestehend aus Ursula Hudsons langjähriger Wegbegleiterin Barbara Assheuer, der Journalistin Tanja Busse, Misereor-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel, der Vorsitzenden der Freien Bäcker Anke Kähler und dem Winzer und Lebensmittelaktivisten Sebastian John auf dem Tisch. Neben der »Qual der Wahl« hatten sie auch die schöne Aufgabe, nach außen zu tragen, wie viele Menschen sich für eine saubere, gute und faire Ernährungswelt einsetzen, in der das Lebensmittelhandwerk und die planetenfreundliche Landwirtschaft über die industrialisierte Agrarwirtschaft gewinnen werden.

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Bildquelle: Slow Food Magazin, Ausgabe 4/2021

(1). Die Vorsitzende von Slow Food Deutschland, Nina Wolff, freute sich über die beeindruckende Vielfalt der Bewerbungen
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(2). Klaus Töpfer, ehemaliger Bundesumweltminister
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(3). Die drei anderen Finalisten: Judith Busch für den Ernährungsrat Oldenburg
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(4) Julia Hartkemeyer, SoLaWi Hof Pente
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(5), Benedikt Haerlin
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(6).

Elisabeth Schmelzer, Gründerin des Vereins »GreenfairPlanet« und Gewinnerin des Ursula Hudson Preises

Klaus Töpfer ermutigte zu Visionen

Ermutigung und Aufforderung zugleich ist dieser Preis, das wurde auf der hybriden Verleihung in der Landesvertretung Baden-Württembergs in Berlin deutlich. Etwa als Professor Klaus Töpfer seine Keynote sprach. Der ehemalige Bundesumweltminister und Umweltschützer im Auftrag der Vereinten Nationen zitierte Ernst Bloch: »Nur das Erinnern ist fruchtbar, wenn es daran erinnert, was noch zu tun ist.« Und zu tun sei in der Ernährungswelt trotz all der guten, Mut machenden Initiativen einiges. »Sind wir schon dort, wo wir hin wollen?«, fragte Töpfer und verneinte natürlich. Das aber so, dass er Mut spendete, nicht Enttäuschung. Es gehe darum, auf dem Weg zu einer nachhaltigen Welt wagemutig zu sein. »Alternativen auch dann aufzeigen, wenn sie von Anfang an möglicherweise als unrealistisch gewertet werden«, wie Töpfer sagte. In dieser Disziplin sind die vier Finalisten, die das Kuratorium für die Nominierung des Preises ausgewählt hatte, wahre Meister. Von der Demokratiebewegung bis zum Bauernhof decken sie ein breites Spektrum ab.

Die vier Nominierten

Etwa der Ernährungsrat Oldenburg. Den gründeten Aktive in der niedersächsischen Stadt bereits vor vier Jahren, es war der erst fünfte Ernährungsrat in Deutschland überhaupt. Hier versammeln sich Menschen, die eine nachhaltige Ernährung in ihrer Stadt vorantreiben und die Politik entsprechend bewegen wollen. »Der Ernährungsrat Oldenburg zeigt vorbildlich die große Bedeutung von Ernährungsräten bei der Ernährungswende«, hieß es in der Begründung für den Hudson Preis. Oder wie Laudator Pirmin Spiegel sagte: »Es scheint, dass das Wissen um Artenvielfalt, gutes Essen und Landwirtschaft durch die industrialisierte Landwirtschaft verloren geht. Gleichzeitig bestimmt unser Konsum Klima und Klimakrise mit. Darauf macht der Ernährungsrat aufmerksam.«

Vielfältige Akteure und der Kampf gegen eine industrielle Landwirtschaft prägen auch das Leben auf dem Hof Pente. Die solidarische Landwirtschaft mit Hof-Kindergarten und Schule arbeitet beispielhaft an der Verbindung von fairer und ökologischer Lebensmittelproduktion mit Bildung für alle Altersstufen. »Für die Zukunft ist es wichtig, dass wir alle die Ernährungswelt bewusst mitgestalten«, sagte Mit-Antreiberin und Landwirtin Julia Hartkemeyer. »Ich kann jeden Landwirt nur ermutigen, seinen Hof zu öffnen. Es gibt viele Leute, die sich einbringen wollen.« Das fand auch Preis-Kurator Sebastian John: »Wir brauchen dringend mehr Betriebe, die solche zukunftsfähigen Wege einschlagen.«

Einziger Einzel-Nominierter in der Finalrunde des Preises war Benedikt Haerlin. Und das ist naheliegend. Nicht nur, weil er dem ebenso empathischen wie durchsetzungsstarken Engagement der Namensgeberin des Preises durchaus ähnelt, sondern auch, weil Haerlin seit Jahren zu den prägenden Köpfen der Ernährungswende in Deutschland gehört. Er treibt die Agrarwende mit innovativen Ideen voran, theoretisch und praktisch. »Und er ist ein führender Kopf beim Bekanntmachen des Weltagrarberichts in Deutschland, des Weltackers und der Wir-haben-es-satt-Demo«, hieß es in der Begründung. »Das Motto, das für Benny gilt: Nicht über die Verhältnisse klagen, sondern gucken, was sich verändern lässt«, so Laudatorin Anke Kähler, »ich bin mir sicher, Du bleibst im Denken radikal – und das ist gut so.« Und dass daran kein Zweifel besteht, verdeutlichte Haerlin selbst in seiner Dankesbotschaft: »Was sich dringend verändern muss, ist die Kontrolle einiger weniger internationaler Konzerne über die Grundlagen unserer Ernährung. Wir brauchen Ernährungssouveränität.« Und dafür will er weiter streiten.

Das gilt auch für die Gewinnerin des Ursula Hudson Preises, Elisabeth Schmelzer von »GreenfairPlanet«. Barbara Assheuer in ihrer Laudatio an Elisabeth Schmelzer: »Alles, was Sie machen, machen Sie mit Leichtigkeit und Freude!« Und sie macht sehr viel: Seit dem Jahr 2000 setzt sich »GreenfairPlanet« für gutes Essen, gute Landwirtschaft für alle sowie für die Bewahrung der biologischen Vielfalt und einen lebendigen Planeten ein. »GreenfairPlanet« steht als Verein für die kritische Auseinandersetzung mit Ernährung, Armut und Gesundheit, Nahrungsproduktion weltweit sowie der Vernichtung von Nahrungsmitteln als Teil des Wirtschaftssystems. »Ein Preis, den ich stellvertretend für alle Initiativen hier heute entgegennehme«, betonte Schmelzer. Sie zeigte somit, was Tanja Busse über die Gesamtheit der Finalisten zu Beginn sagte: »Wir verleihen heute einen Preis, bei dem es auch darum geht, zu zeigen, dass wir in einer Demokratie alle mitwirken und gestalten können.«

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