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Kraftstoff WASSER


Hörzu Gesundheit - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 13.09.2019

Es ist unser wichtigstes Lebensmittel. Und hat auf uns fast magische Wirkung. Was man darüber wissen sollte, welche Krankheiten es heilen kann – und woran es eigentlich liegt, dass unser Trinkwasser so gesund ist


Der menschliche Körper besteht bis zu 70 Prozent aus Wasser

Artikelbild für den Artikel "Kraftstoff WASSER" aus der Ausgabe 3/2019 von Hörzu Gesundheit. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Hörzu Gesundheit, Ausgabe 3/2019

Dipl.oec.troph. Iris Löhlein

Ernährungswissenschaftlerin und Mitglied im Vorstand desForum Trinkwasser e.V. mit Sitz in Frankfurt am Main. Der Verein will das Bewusstsein für Trinkwasser als wertvolles Lebensmittel stärken

G ewaltige Wassermassen machen unsere Erde zum Blauen Planeten: Ozeane bedecken rund 70 Prozent ihrer Oberfläche, ...

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... dazu kommt Süßwasser aus Seen und Flüssen – von denen 100 über 1000 Kilometer lang sind. Alles Leben stammt aus dem Wasser – und selbst der Mensch besteht bis zu 70 Prozent daraus. „Wasser hat eine unverzichtbare Rolle in unserem Organismus“, so Ernährungswissenschaftlerin Iris Löhlein vom Forum Trinkwasser.

Vielleicht spüren wir deshalb eine besondere Verbindung zum nassen Element. Ein paar Beispiele gefällig? Alle Hochkulturen entstanden am Wasser, an den großen Strömen Euphrat, Nil, Indus oder dem Gelben Fluss. In Nepal gilt der morgendliche Tau als Geschenk der Götter. Von Asien bis Europa wurde die Gestaltung von Brunnen nur den größten Bildhauern anvertraut. Und in Deutschland weisen viele Ortsnamen wie Heilbronn und Paderborn („bronn“ für Brunnen, „born“ für Quelle) auf einen mittelalterlichen Quellenkult hin. Doch warum genau tut Wasser uns eigentlich so gut? Was ist dran am Trend, Wasser zusätzlich zu veredeln und zu beleben? Und wie steht es um die Qualität unseres Trinkwassers?

Nah am Wasser gebaut

Bereits die alten Römer kannten Bäder als Gesundbrunnen und bauten Thermalanlagen, etwa in Baden-Baden. Und der griechische Philosoph Demokrit befand schon im 5. Jahrhundert vor Christus: „Jedes Bad ist eine leibliche Wiedergeburt.“ Pfarrer Kneipp erkannte, dass Wasser äußerlich eingesetzt durch seine Reize Körperfunktionen positiv beeinflussen kann – und entwickelte Methoden wie Waschungen, Wickel oder Kräuterbäder. Die Medizin interessierte sich ohnehin stets für die Heilkraft des Wassers. Und so entdeckte zum Beispiel der französische Biologe René Quinton um 1900 die ähnliche Zusammensetzung von Meerwasser und Blut und entwickelte Meerwasserinjektionen für an Brechdurchfall erkrankte Kinder.

Seither hat die medizinische Forschung immer wieder Erstaunliches über die gesunde Wirkung des Wassers herausgefunden. Nur einige Entdeckungen: Es soll erhöhten Blutdruck senken, einem Schlaganfall, Arteriosklerose und Nierensteinen vorbeugen können, Rückenschmerzen und Magenbeschwerden lindern. „Wer seinem Kreislauf auf die Sprünge helfen will, sollte gleich nach dem Aufwachen zimmerwarmes Wasser trinken“, so Wasser-Expertin Löhlein. Sie zitiert Studien der Charité, die zeigten, dass Trinkwasser beim Abnehmen hilft. „Ein Glas vor jeder Mahlzeit sorgt für Sättigung, liefert aber keine Kalorien“, so die Expertin. Wer ausreichend trinkt, schützt sich sogar vor Blasenkrebs. Das ergab eine große Wasserstudie. Das Wasser soll demnach die gesundheitsgefährdenden freien Radikale im Körper hemmen.

Trinken ist also eine wichtige Quelle unserer Gesundheit – aber wie viel ist täglich nötig? Viele fühlen sich von den oft geforderten zwei bis drei Litern gestresst. Löhlein gibt Entwarnung: „Der Richtwert der Deutschen Gesellschaft für Ernährung liegt für Erwachsene bei täglich 1,5 Liter Flüssigkeit – hinzu kommt, was wir durch Lebensmittel wie Suppen, Obst und Gemüse an Wasser zu uns nehmen.“ Außerdem hat sie Tipps, wie man das im Alter nachlassende Durstgefühl austrickst: „Regelmäßig trinken. Nach dem Aufstehen, zu jeder Mahlzeit und zu jeder Tasse Kaffee ein Glas. Das muss man sich zur Gewohnheit machen.“

Auf die Inhaltsangabe achten

Wasser ist aber nicht gleich Wasser. Je nachdem, woher das Trinkwasser kommt, enthält es Mineralien in unterschiedlichen Mengen. So ist Wasser reich an Kalzium, wenn es aus Grundwasser stammt und durch Kalkstein gesickert ist. Hartes Wasser enthält viel Kalzium und Magnesium, also wichtige Mineralstoffe. Übrigens trägt sehr kalkhaltiges Wasser nicht zur Arterienverkalkung bei.

Herkunft und Verarbeitung sorgen für eine große Vielfalt unterschiedlicher Wassersorten. Neben Leitungs-und Mineralwasser (siehe Kästen Seite 99 und 101) gibt es auch sogenanntes Heilwasser. Als solches darf Mineralwasser nur dann bezeichnet werden, wenn es eine besondere Kombination oder Menge von Mineralstoffen und Spurenelementen enthält, die nachweislich therapeutisch wirken. Je nach Sorte regt es Magen, Darm, Herz, Kreislauf oder Nieren an. Heilwässer mit viel Hydrogenkarbonat können etwa einer Übersäuerung des Körpers entgegenwirken. Solche mit viel Kalzium einer Osteoporose vorbeugen. Kürzlich haben US-Wissenschaftler aus Boston in einer Studie gezeigt, dass sich vor allem natriumreiche Heilwässer gut bei anstrengenden körperlichen Tätigkeiten eignen. So geht zum Beispiel beim Sport durch den Schweiß viel Natrium verloren. Wer dann bereits während des Trainings natriumreiches Wasser zu sich nimmt, kann seine Leistung steigern und die Erholung beschleunigen. Dazu eignen sich besonders Heilwässer ab etwa 200 mg Natrium pro Liter. Heilwasser gilt übrigens als Arzneimittel und muss staatlich zugelassen sein. Angeboten wird auch sogenanntes belebtes Wasser. Hier sollen Kristalle Schwingungen übertragen, Wasserverwirbler Vitalität zurückgeben, um Leitungswasser die Eigenschaften von frischem Quellwasser zuzuführen. Bekannt ist zum Beispiel das mittels einer speziellen Methode belebte Granderwasser. Wissenschaftlich belegen ließ sich jedoch bislang keines dieser Verfahren. Viele Heilpraktiker schwören zudem auf veredeltes Wasser. Das mit Sauerstoff angereicherte Getränk soll die Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit steigern. Vollmondwasser soll durch seinen höheren elektrischen Leitwert Energieblockaden lösen und Selbstheilungskräfte aktivieren. Auch hier fehlen Beweise für die Wirksamkeit.

Bis zum letzten Tropfen: Zahlen & Fakten rund um Deutschlands Wasser

Deutschland gehört zu den wasserreichsten Ländern der Erde. Jährlich stehen hier188 Milliarden Kubikmeter zur Verfügung, die angezapft werden können. Mehr als86,7 Prozent des Wasserangebots bleiben ungenutzt.10,6 Prozent dienen der nicht öffentlichen Versorgung, etwa in der Industrie oder zur Energieerzeugung. Nur2,7 Prozent werden von den deutschen Haushalten genutzt.

WIE WIR UNSER TRINKWASSER VERBRAUCHEN

Sparen liegt im Trend: Pro Tag nutzte 2018 jeder Deutsche im Privathaushalt durchschnittlich127 Liter, 1990 waren es147 Liter

Die Ruhe selbst Dem Gluckern am Bach zu lauschen – oder den Wellen am Meer – entspannt enorm. Wasser spricht viele Sinne an


Güllereste im Glas?

Leider liest man immer öfter auch negative Schlagzeilen über unser Trinkwasser. Mal finden Experten Spuren von Medikamenten, mal Nitrate, dann sogar Pestizide. In meist unbedenklichen Mengen, doch natürlich gehören sie nicht dort hinein. Hat unser Wasser seinen guten Ruf überhaupt noch verdient? Das Umweltbundesamt (UBA) zumindest vermeldet auf seiner Homepage (umweltbundesamt.de), das Trinkwasser größerer Trinkwasserversorger besitze eine gute bis sehr gute Qualität: Die Messungen zeigten, dass nahezu alle mikrobiologischen und chemischen Qualitätsparameter mit Ausnahme weniger Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffe zu mehr als 99 Prozent eingehalten wurden. Grenzwerte wurden nur vereinzelt überschritten.

Selbst dieses eingeschränkte Lob ist nur die halbe Wahrheit: Denn Leitungswasser stammt in Deutschland meist aus Grundwasser. Und da herrschen nicht ganz so klare Verhältnisse. So ist das Grundwasser laut UBA etwa besonders dort, wo Landwirtschaft betrieben wird, mit zu viel Nitrat belastet. Demnach liegen 18 Prozent des Grundwassers in Deutschland über dem geltenden Schwellenwert von 50 Milligramm Nitrat je Liter. Erst die Wasserversorger bewirken, dass deutsches Trinkwasser dennoch fast allerorten unbelastet ist.

Die Ergebnisse werden durch aktuelle Untersuchungen der Stiftung Warentest bestätigt. Die Verbraucherorganisation hat in 20 Orten Wasser gezapft und auf 126 Stoffe geprüft. Das Ergebnis: Kein Wasser ist gesundheitlich bedenklich. Dennoch gelangen viele Schadstoffe weiter in die Böden, werden zu Zeitbomben. Aufgrund der Nitratbelastungen im Grundwasser ist es offenbar vielen Wasserversorgern zunehmend nur durch Notlösungen möglich, die Einhaltung des Grenzwertes zu gewährleisten. Notlösungen – das heißt in der Praxis: Mischen von belastetem mit unbelastetem Wasser oder aber das Bohren neuer Brunnen.

Immerhin muss bislang kein Wasserwerk in Deutschland Nitrat in einem zusätzlichen Aufbereitungsschritt entfernen. Was ziemlich kostenintensiv wäre. Aber wie kommt überhaupt so viel Nitrat ins Grundwasser? Hauptverursacher ist die Massentierhaltung. Vor allem in der Schweine-und Rindermast fällt Gülle als natürlicher Wirtschaftsdünger an, der auf die Felder ausgebracht wird – oft über den eigentlichen Bedarf hinaus. Die Nährstoffe versickern und landen im Grundwasser.

Eine Gefahr für unsere Gesundheit besteht derzeit nicht. Die zusätzlichen Investitionen zur Wasseraufbereitung werden aber auf den Kubikmeterpreis umgelegt. Und diese Zusatzkosten können sich einer UBA-Studie zufolge auf bis zu 767 Millionen Euro im Jahr belaufen. Die Verbraucher zahlen so indirekt für diese Düngung. Weil der Staat offenbar zu wenig gegen das Nitrat-Problem tut, hat der Europäische Gerichtshof Deutschland bereits verurteilt. Die EU-Kommission fordert bis 2020 Nachbesserungen. Das angebliche Umweltvorbild Deutschland steht also am Pranger.

Auch falsch entsorgte Arzneimittel gelten seit Jahren als Umweltrisiko. Laut UBA haben Forscherteams in Oberflächengewässern, Grundwasser und Böden bislang rund 150 verschiedene Arzneimittelwirkstoffe nach gewiesen. Vor allem Antibiotika, hormonell wirksame Stoffe und Schmerzmittel könnten im Abwasser Probleme bereiten. Umweltverbände fordern daher strengere Richtlinien zur Entsorgung.

Trinkwasser gehört in Deutschland zu den am besten überwachten Lebensmitteln. Werden dennoch Grenzwerte überschritten, liegt das häufig an den Leitungen in den Häusern. Dagegen sind die Wasserwerke machtlos. So wurde zum Dezember 2013 der Grenzwert für Blei von 0,025 auf 0,01 Milligramm pro Liter gesenkt. Der kann aber nur verlässlich eingehalten werden, wenn das Trinkwasser nicht mit Bleileitungen in Kontakt kommt. Was nützt einwandfreie Qualität im Verteilungsnetz, wenn Hausanschluss oder Armaturen nicht bleifrei sind? Immerhin wurden solche Rohre noch bis in die 1970er-Jahre verbaut.

Leitungs- und Mineralwasser

Die über 6000 Wasserversorger in Deutschland sind dafür verantwortlich, dass man Leitungswasser überall in Deutschland ohne Bedenken trinken kann. Wer wissen will, wie gut sein Wasser ist, kann beim Wasserversorger direkt anfragen. Der ist verpflichtet, Analysedaten, etwa zu Nitrat, preiszugeben.Mineralwasser stammt aus einem unterirdischen, vor Verunreinigungen geschützten Wasservorkommen und muss direkt am Quellort abgefüllt werden. Damit es als solches verkauft werden darf, muss es rund 200 geologische, chemische und mikrobiologischeUntersuchungen durchlaufen.

Mineralwasser: So viel trinken wir

Pro-Kopf-Verbrauch in Liter pro Jahr


Knapp200 deutsche Mineralbrunnen bieten über500 verschiedene Mineral-und 35 Heilwässer an. Am beliebtesten sind mit80 Prozent Marktanteil vor allem klassischer Sprudel und Mineralwasser mit wenig Kohlensäure. Solche ohne Kohlensäure werden mit einem Anteil von17,8 Prozent gekauft.

Braune Brühe Gülle wird als Dünger auf die Felder gesprüht. Wirksam ist vor allem der enthaltene Stickstoff. Er gelangt jedoch als Nitrat ins Grundwasser


Balsam für die Seele

H2O ist unser wohl wichtigstes Lebensmittel, eine Art Gebrauchsartikel. Aber eben noch viel mehr. Es ist ein Stoff mit Heilkraft und Magie. So zieht uns etwa die Energie von Bergseen an, Wasserfälle lassen uns staunend innehalten, das Murmeln eines Baches belebt. Tourismusverbände bieten immer mehr Wanderungen zu Kraftplätzen in der Natur – meist haben sie mit Wasser zu tun. So führt am Tauernhöhenweg in Österreich ein Themenpfad „Kraft der stillen Wasser“ vorbei an fünf Seen, an denen man deren ganze Power spüren soll. Naturwissenschaftlich messen lässt sich immerhin, wie das endlose Blau und Wellenrauschen des Meeres uns beruhigt. Zur Erholung suchen zwei Drittel der Deutschen die Nähe des Wassers. Klar, denn jeder hat es schon erlebt: Wasser erfrischt Ohr, Seele, Auge. Und wer reinspringt, spürt: Es trägt mich. Solche Urerfahrungen geben dem Element Wasser in der Mythologie aller Kulturen eine zentrale Bedeutung. Dazu kommt eine gewaltige schöpferische Kraft des Wassers: Es hat die Landschaften unserer Erde geprägt. Kein Zufall, dass viele Maler es als Metapher für Kreativität sahen, wie Sibylle Selbmann im Buch „Mythos Wasser. Symbolik und Kulturgeschichte“ (Badenia Verlag) beschreibt. Auch der Wunsch nach klaren Gedanken, der Durst nach Wissen, die Sehnsucht nach tiefen Erkenntnissen führte ihr zufolge oft zum Wasser, denn: „Was ist klarer und lebendiger als ein Quell? Was tiefer als das Meer?“

Steter Tropfen für Körper und Geist

Wasser bildet einen perfekten Kreislauf, hat eine faszinierende Kraft, es verhält sich vollkommen frei. Lebensnotwendig ist es sowieso. Aber eben auch höchst anziehend in jeder anderen Hinsicht. Gut, dass Meere und Seen sich nicht so leicht verbauen lassen. Wäre nur schön, wenn man sie noch besser gegen Verschmutzung schützen könnte


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