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KREATIVER INPUT


digit! - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 21.02.2020

Die Optimierung des digitalen Workflows in der Fotografie und bei Video ist ein ständiger Prozess, nicht nur bei Profis. Jeder möchte seinen Arbeitsablauf standardisieren, verbessern und beschleunigen. Eine Möglichkeit, Letzteres zu tun, ist die Nutzung von auf Bild- oder Videobearbeitung spezialisierten Eingabegeräten. Wir geben einen Überblick über Tablets, Controller und Konsolen.


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Bildquelle: digit!, Ausgabe 2/2020

Die Module von Palette Gear halten magnetisch aneinander, können zu Konsolen kombiniert werden, sind kompatibel zu den Monogram-Produkten und es gibt sie als Sets wie dieses Expert-Kit.


Je nach Arbeitsplatz können die Module ...

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... von Palette Gear in Form und Zusammensetzung auf unterschiedlichste Art kombiniert werden. Hier eine zusammengestellte Konsole für Lightroom, zu erkennen an der Darstellung auf dem Display des Core-Moduls.


Spezielle Eingabegeräte sollen Maus, Touchpad und Tastatur ersetzen oder ergänzen. Zwei unterschiedliche Arten lassen sich erkennen. Zum einen gibt es Controller oder Konsolen, die programmierbare Tasten, Touchfelder und -displays, Drehknöpfe, Schalter etc. haben um damit Tastaturkürzel und Mausbewegungen für die Eingabe über Schieberegler im entsprechenden Programm zu ersetzen, einfacher und schneller zu machen. Damit wird die Eingabe, wie man sie gewohnt ist, allerdings verlagert und im besten Fall beschleunigt.

Zum anderen wird bei Grafik-Tablets, -Displays und -PCs die Maus durch einen Stift ersetzt, der neue Funktionen, wie zum Beispiel Druck- und Neigungssensitivität, mitbringt. Hinzu kommen programmierbare Tasten. Diese Art von Hardware kann den Workflow nicht nur beschleunigen oder vereinfachen, sie kann den User zudem mit zusätzlichen Fähigkeiten ausstatten, die mit Maus & Co. nicht oder nur sehr schwer möglich sind.

CONTROLLER UND KONSOLEN

Das Angebot an professioneller Eingabe-Hardware ist überschaubar. Vier Hersteller, zwei davon sind Tochterunternehmen voneinander, bieten Produkte an, die sowohl für die fotografische Bildbearbeitung als auch für den Videoschnitt gedacht und erschwinglich sind.

Palette Gear

Palette Gear wurde 2013 entwickelt und ist ein modulares System aus einem LED-Screen, Dreh- und Schiebereglern und Knöpfen. Hinter dem LED-Screen, genannt Core, verbirgt sich die Steuerzen- trale. Alle Komponenten werden magnetisch miteinander verbunden und haben eine mehrfarbige LED-Beleuchtung. Die Funktionen können mit der zugehörigen Software programmiert oder vorgefertigte Einstellungen für gängige Programme wie Lightroom, Photoshop, Premiere, After Effects und mehr übernommen werden. Jede Komponente kann auf mehrere Funktionen programmiert und mit den anderen zu einem sogenannten Profil kombiniert werden. Zum Beispiel kann innerhalb von Photoshop ein Profil für die Farb-, ein anderes für die Tonwertbearbeitung gespeichert werden. Ein Knopf kann dann für den Wechsel zwischen den Profilen sorgen. Das Tolle an diesem System ist der modulare Aufbau. Man kauft sich nur genau so viele Komponenten, wie man benötigt. Und hat zusätzlich die Möglichkeit, aufzustocken. Außerdem kann das Layout, also welche Knöpfe, Schalter und Regler wo und wie liegen, selbst bestimmt werden. Palette Gear ersetzt ein Keyboard sicher nicht vollständig, auch wenn kein Text eingegeben werden muss. Aber viele Mauswege, zum Beispiel um Regler in Lightroom zu bewegen, können eingespart werden.

Monogram

Aus Palette Gear hat sich 2019 ein neues Produkt unter einem neuen Firmennamen entwickelt. Das Prinzip ist das gleiche. Modulare Komponenten werden zu einem individuellen Controller kombiniert. Bei Monogram gibt es auch einen Core für die Steuerung, natürlich mit einem leistungsfähigeren Prozessor sowie zwei Tasten für den Profilwechsel, einen Orbiter mit drucksensitiver Fläche und Drehring, Drehknöpfe, Schieberegler und Tasten. Die drei letzten Komponenten kommen in Dreiergruppen, nicht einzeln wie bei Palette Gear. Wieder sorgen Magneten für die Verbindung der Teile untereinan- der. Und damit kann auch bei Monogram Form, Größe und Funktionsumfang individuell angepasst werden. Der Orbiter steuert zum Beispiel wunderbar das Farbrad von Capture One Pro oder das Color Grading in Premiere Pro. Die Drehregler arbeiten gut als Steuerung von grundlegenden Funktionen wie Belichtung, Farbtemperatur, Schatten und Lichtern in Photoshop oder Camera RAW. Die Slider wiederum sind gut für Einstellungen, die definierte Minima und Maxima haben. Und schließlich werden die Tasten natürlich am besten mit häufig genutzten Tastaturkürzeln belegt. Je nachdem wie viel man in seinem Workflow nutzt, nimmt man einfach drei, sechs, neun oder - und das ist das Tolle an den beiden beschriebenen Systemen - eine einzelne Taste von Palette Gear dazu. Denn beide Produkte sind untereinander kompatibel.

Das Kickstarter-Unternehmen Monogram, entstanden aus dem ebenfalls Controller herstellenden Palette Gear, hat verschiedene Module im Programm, die zu einer Konsole kombiniert werden können. Von links der Core, die Schaltzentrale des Ganzen, …


… Dial, die Drehknöpfe, …


… Orbiter, das Drehrad, …


… und Slider, die Schieberegler.


Zusammen kann das so eine Konsole ergeben wie das als Set erhältliche Traveler Kit.


Ein möglicher Arbeitsplatz mit modularer Monogram-Konsole, Wacom-Intuos-Pro-Grafik-Tablet und Laptop.


Ganz günstig ist der Spaß nicht. Für ein Expert Kit von Palette Gear mit dem Core, zwei Knöpfen, zwei Schiebereglern und drei Drehknöpfen werden ca. 360,00 Euro fällig. Und jede weitere Komponente kostet zwischen 40,00 Euro und 65,00 Euro. Ähnlich sieht es bei Monogram aus. Die zusammengestellten Kits liegen zwischen 330,00 USD und 730,00 USD. Deutsche Preise und Preise für die einzelnen Komponenten gibt es noch nicht, da Monogram erst ab Mai dieses Jahres ausliefert.

Tangent

Ein anderes Konzept verfolgt der englische Hersteller Tangent. Er bietet komplette Konsolen, bei Tangent werden diese Panels genannt, in verschiedenen Größen an. Auf diesen Panels befinden sich wieder Knöpfe, Drehregler, trackballartige Regler und Displays. Daneben gibt es aber auch ein Produkt mit dem Namen Element, welches aus Modulen besteht. Vier verschiedene Module sind erhältlich und lassen sich zu einer Tangent-Konsole kombinieren. Die grundsätzlich unterstützten Programme kommen hier eher aus dem Videobereich, also Softwares wie Premiere oder solche für Blackmagic- und Red-Kameras. Aber auch Capture One wird unterstützt, und für andere Programme wie Photoshop oder Lightroom können mithilfe des Tangent Mapper, der ein Teil der Tangent-Hub-Software ist, eigene Konfigurationen angelegt werden.

Die größte Ausbaustufe nennt sich bei Tangent Arc und sieht aus wie ein Steuerpult eines Raumschiffs. Für die Bildbearbeitung ist dieses Gerät deutlich überdimensioniert. Es besteht eigentlich aus drei Konsolen für Color Grading, Navigation und Funktionen, also für die Videobearbeitung.

Interessanter für Fotografen ist da schon die Konsole Wave 2. Sie hat genug Trackballs, Knöpfe und Drehregler für Einstellungen jeder Art in Photoshop, Lightroom usw. Oder, noch ein wenig kleiner, die Tangent Ripple. Dieses sehr kompakte Gerät mit drei Trackballs, drei Drehreglern und acht Knöpfen wendet sich eigentlich speziell an Videobearbeiter für das Color Grading. Wie beschrieben, kann aber auch diese günstige Konsole mit der Tangent-Mapper-Software an Fotoprogramme angepasst werden.

Und noch etwas Interessantes zum Schluss. Die Module aus der Element-Reihe gibt es als Emulation auch per App. Alle vier Module können so genutzt werden. Sei es in der kostenfreien Variante zum Ausprobieren oder Üben oder als voll funktionstüchtige Konsole in der Vollversion für ca. 80,00 Euro. Befinden sich das Smartdevice und ein Computer mit einer Hostsoftware, Video- oder Fotobearbei- tung, im gleichen WLAN, wird über den Tangent Mapper eine Verbindung hergestellt, eine Konfiguration ausgesucht oder zusammengestellt und schon hat man ein Touchpanel à la Tangent Element.

Jüngster Spross in der Loupedeck-Familie ist die Konsole mit dem Zusatz CT. In sogenannten Workspaces und darin vielen Ebenen können schier unendlich viele Einstellungen für die Steuerung von Bild- und Videobearbeitungsprogrammen mit den Bedienelementen gespeichert werden.


Die App-Variante ist bei Tangent die günstigste. Danach folgt mit ca. 370,00 Euro die Ripple, und dann geht es über etwa 900,00 Euro für die Wave 2 bis rauf auf 3.300,00 Euro für die komplette Element-Konsole und, was nur für professionelle Produktionsstudios releveant ist, rund 15.000 Dollar für die Arc.

Loupedeck

Ebenfalls komplette Konsolen, allerdings deutlich günstiger und auch mehr an eine fotografische Kundschaft angepasst, gibt es bei Loupedeck. Dieses sehr junge finnische Unternehmen hat zwei Geräte im Programm, das Loupedeck+ und, ganz neu, das Loupedeck CT. Das Loupedeck+ ist eine klassische Konsole in der Größe einer normalen Computertastatur mit Schaltern, Drehknöpfen, Schiebereglern und einem größeren Drehrad. Diese Bedienelemente sind für Programme wie Lightroom, Photoshop, Premiere und Final Cut vorkonfiguriert und beschriftet, lassen sich aber auch, wie übrigens bei allen vorgestellten Geräten, individuell und mehrfach mit der mitgelieferten Software belegen. Die Entwickler haben beim Layout sehr viel Wert auf Ergonomie und die Wünsche der User gelegt. Das sieht man.

Die neueste Entwicklung aus Finnland, das Loupedeck CT, verfolgt eine etwas andere Route. Es ist etwas größer als ein Touchpad, damit aber deutlich kleiner als eine Tastatur. Es gibt Tasten, Knöpfe, Drehregler, ein großes Drehrad mit Touchdisplay darauf und ein größeres Display, welches mit einem fühlbaren Raster in Schaltflächen unterteilt ist, aber auch per Gesten über mehrere Flächen hinweg reagiert. Ein ausführlicher praktischer Test zum Loupedeck CT findet sich in dieser Ausgabe.

Loupedecks wenden sich ganz klar an Fotografen und Videofilmer ohne ein riesiges Produktionsstudio im Hintergrund. Die Konsole Loupedeck+ geht für 239,00 Euro und Loupedeck CT für 499,00 Euro über die Ladentheke.

GRAFIK-TABLETS - DIE KLASSIKER DER ALTERNATIVEN EINGABEGERÄTE

Während sich Controller und Konsolen hauptsächlich an Videobearbeiter und Fotografen richten, sind Grafik-Tablets, -Monitore und -PCs die Lieblinge von Fotografen, Grafikern, Zeichnern und Layoutern. Marktführer ist das japanische Unternehmen Wacom. Die Klassiker sind die Grafik-Tablets: Wacom Intuos für die Einsteiger und Intuos Pro für professionelle Fotografen und ambitionierte Hobbyfotografen.

Im Prinzip ist ein Tablet - den Namen nutzt das Unternehmen übrigens schon seit 1984 - ein Eingabegerät wie eine Maus oder ein Touchpad. Mit dem Stift oder über die Touch-Oberfläche des Geräts wird der Cursor auf dem Display bewegt. Der Clou ist, dass man die Stiftfunktionen hat. Damit werden Eingabebewegungen intuitiver, genauer, flüssiger und zudem ergonomischer.

Es gibt natürlich noch weitere Vorteile: So arbeitet die Kombi Stift plus Tablet drucksensitiv. In den aktuellen Intuos-Pro-Modellen werden über 8.000 Druckstufen von null bis einhundert Prozent erkannt. Über den Druck können Parameter in der Bearbeitungssoftware gesteuert werden. Ein sinnvolles Beispiel ist die Steuerung der Deckkraft von Pinselwerkzeugen in Photoshop, zu denen übrigens auch der Kopierstempel gehört. Wird in den Pinseleinstellungen die Funktion Deckkraftsteuerung per Stifteingabe aktiviert, werden mit so vielen Druckstufen sehr harmonische Übergänge möglich. Was sich wie eine Funktion speziell für Grafiker oder Zeichner anhört, hat durchaus auch einen hohen Nutzwert für Fotografen.

Bei vielen Retuschearbeiten werden der Kopierstempel oder andere Werkzeuge nicht mit der vollen Deckkraft genutzt. Vielmehr wechselt man diese immer wieder, um organische Retuschierbilder zu erzeugen, ohne störende Spuren zu hinterlassen.

Die Grafik-Tablets der Reihe Intuos Pro sind die Klassiker für eine Stifteingabe. Drei Größen sind erhältlich, die richtige Größe für den eigenen Workflow richtet sich nach der Größe des eingesetzten Monitors.


Wie bei Wacom üblich, ist bei allen Intuos-Grafik-Tablets, egal, ob für Einsteiger oder Profis, alles in der Box, um sofort loszulegen. Hier die kleinsten Varianten, das Intuos Pro S und das Intuos S schwarz.


Für Einsteiger oder um zu sehen, ob eine Stifteingabe wirklich hilfreich für den Workflow ist, gibt es die Intuos-Reihe von Wacom. Hier die beiden Größen M und S in der Farbe Pistazie.


Mehr für professionelle User sind die Wacom-Grafik-Tablets der Cintiq-Pro-Reihe gedacht, hier das Cintiq Pro 16.


Um nun nicht immer wieder die Deckkraft per Regler anzupassen, kann sie mit dem Stift einfach durch stärkeren oder schwächeren Druck geregelt werden. Zudem kann die Kraft, die man für die Wirkung aufwenden muss, sehr fein in der Steuerungssoftware eingestellt werden. Auch die Neigung des Stiftes wird erkannt und steuert spezielle Pinselspitzen in Photoshop oder Illustrationssoftwares. Je nach Neigung ändert sich dann die Spitzenform. Und es geht noch weiter. Die Bewegungsauflösung ist beim Intuos Pro mit 5.080 Linien pro Zoll (lpi) sehr hoch, also sehr genau. Herkömmliche Mäuse haben Auflösungen um 1.500 lpi. All das führt dazu, dass man als Anwender schnell vergisst, dass man ein digitales Eingabegerät in der Hand hat.

Eingewöhnung ist trotzdem nötig, da sich der Stift auf dem Tablet „absolut“ bewegt. Das heißt, die aktive Fläche repräsentiert das am Computer angeschlossene Display. Will ich also meinen Mauszeiger in die linke obere Ecke des Monitors bewegen, muss ich mich mit dem Stift in die linke obere Ecke des Tablets bewegen. Was sich zunächst etwas ungelenk anfühlt, ist in der Praxis durchaus sinnvoll. Meist bewegt man sich mit der Maus zum Beispiel bei einer Bildbearbeitung selten diagonal über den ganzen Monitor, das Arbeitsfeld beschränkt sich etwa auf ein Gesicht für eine Beauty-Retusche. Und hier ist die absolute Bewegung schneller als die relative bei Maus oder Touchpad. Es fühlt sich ganz genauso an wie beim Zeichnen auf einem Blatt Papier, welches man ja auch nicht unter dem Pinsel hin und her bewegt.

Der Stift ist aber natürlich nicht die einzige Komponente bei Grafik-Tablets. Das Tablet selbst hat neben der aktiven Fläche für den Stift frei programmierbare Tasten und bei der Intuos-Pro-Reihe zusätzlich einen sogenannten Touch-Ring mit bis zu vier Funktionen, auch diese sind frei wählbar. Alle Einstellungen für den Stift, die Funktionstasten und den Touch-Ring können für jede Anwendung separat vorgenommen werden; der von Wacom so genannte Treiber erkennt, welches Programm läuft, und die entsprechenden Funktionen werden aktiviert (siehe auch „Tipps für Wacom“).

Weiter verfügt die Intuos-Pro-Reihe über Bluetooth der neuesten Version und damit auch über einen Akku sowie einen eigenen Speicher. Der wird für eine zusätzliche Funktion mit dem Namen Paper-Funktion genutzt. Ohne angeschlossenen Computer kann ein Intuos Pro mit einem speziellen Stift auf einem aufgelegten Stück Papier angefertigte Zeichnungen, Skizzen, Mitschriften etc. aufzeichnen, mehrere Hundert Seiten. Jede Seite wird mit einem Klick auf den Touch-Ring gespeichert. Klickt man dagegen doppelt, so wird jedes Mal eine separate Ebene angelegt, die zum Beispiel in Photoshop nutzbar ist.

Die Intuos-Einsteigervariante der Wacom-Grafik-Tablets kann bis auf die Paper-Funktion alles, was die Pro-Variante auch kann, bloß in abgespeckter Form. So werden nur halb so viele Druckstufen unterstützt, die Bewegungsauflösung ist halb so hoch und es gibt keine Neigungserkennung. Auch gibt es nur eine Sorte Stift, bei den Pro-Varianten gibt es aktuell zwei zusätzliche zum Standardstift.

Neuestes Produkt bei Wacom ist das One, ein Grafik-Display der 13-Zoll-Klasse für Einsteiger mit begrenztem Budget.


Wer seinen ganzen Workflow mobil immer dabei haben möchte, greift zu einem Mobile Studio Pro von Wacom. Der Grafik-PC auf Windows-10-Basis vereinigt alle Wacom-Eigenschaften in einem leistungsfähigen Gerät.


Die Intuos-Reihe beginnt bei rund 80,00 Euro, es gibt zwei Größen. Bei der Intuos-Pro-Reihe bewegen sich die Preise zwischen 229,00 Euro für die kleinste und 529,00 Euro für die größte Variante.

Die Wacom-Grafik-Monitore heißen Cintiq für Einsteiger und Cintiq Pro für Profis. Die Grafik-PCs tragen die Bezeichnung Mobile Studio Pro. Diese integrierten Geräte können einen Mac oder PC in fotografischen Workflows oder Video-Workflows ersetzen.

ALTERNATIVEN ZU DEN ALTERNATIVEN

Zu den Grafik-Produkten von Wacom gibt es als Alternative nur mehr oder weniger gute Nachbauten aus China. So hat die Firma Huion ein ähnliches Portfolio. Mit den Einsteigervarianten kann Wacom mittlerweile preislich gut mithalten und hat dabei noch die höhere Qualität. Auch Aldi Medion bietet immer mal wieder Grafik-Tablets an. Von professionellen Ansprüchen sind diese aber weit entfernt.

Bei den Controllern oder Konsolen gibt es eine Alternative für Fotografen oder Videobearbeiter, die sich nicht vor Tüftelei scheuen.

So können MIDI-Audiocontroller oder Mischpulte mit speziellen MIDI-Treibern dazu gebracht werden, ihre Regler und Knöpfe in den Dienst von Bild- und Videobearbeitungssoftware zu stellen. Zugegeben, diese Herangehensweise erfordert eine gewisse Einarbeitung. Aber kleine Audiokonsolen oder Mixer sind für sehr kleines Geld zu haben, und besonders für die Steuerung von Lightroom findet man im Netz genug Software für die Einrichtung eines MIDI-Controllers. Und wenn es dann läuft … super.

FAZIT

Alternative Eingabegeräte vereinfachen, beschleunigen, erweitern und „ergonomisieren“ den Workflow für die Foto- und Videobearbeitung. Sind Controller und Konsolen klar für die Beschleunigung von Videoschnitt und zum Beispiel das Color Grading von Videos gedacht, so erfährt der Fotograf mit einem Grafik-Tablet einen Funktionszuwachs, zum Beispiel wenn man an das Erstellen von Masken in Photoshop denkt, was mit einer Stifteingabe deutlich einfacher und genauer möglich ist. In jedem Fall gilt es, vor der Wahl eines Gerätes genau zu klären, was man mit der Eingabe-Hardware anstellen will und was das neue Eingabegerät mitbringen muss.

TABLET-SERVICE

digit! Autor Michael Marczok ist Spezialist und Trainer für Wacom-Eingabegeräte. Hier seine Tipps für Anwender.

Treiber-Update
Beim Verwenden eines Wacom-Grafik-Tablets gibt es drei „Mitspieler“: Das Betriebssystem des Computers, den Treiber des Grafik-Tablets und das Bild- oder Videobearbeitungsprogramm - da kann es durchaus zu Problemen bei der Zusammenarbeit kommen. Grundsätzlich gilt es, den Treiber der Wacom-Produkte spätestens dann auf den neuesten Stand zu bringen, wenn das Betriebssystem oder das Anwendungsprogramm aktualisiert wurde.

Damit dies möglichst reibungslos und ohne die Weitergabe von eventuell versteckten Fehlern geschieht, sollte das Update des Treibers „clean“ sein. Dazu wird der Treiber im ersten Schritt vollständig vom Rechner entfernt.

Unter MacOS ist das einfach: Bei der Installation des Wacom-Treibers wird im Wacom-Ordner (in „Programme“) das Wacom-Dienstprogramm abgelegt. Hier gibt es die Option, die installierte Wacom-Software vollständig zu entfernen.

Unter Windows 10 geht der Weg über die Windows-Einstellungen, zu finden über das Windows-Menü und dort weiter über den Punkt Apps. Auch hier kann die Software vollständig entfernt werden.

Wichtig: Ohne den Treiber funktionieren die Wacom-Geräte nicht mehr: Es sollte also eine Maus griffbereit installiert sein.

Ein Neustart nach diesem Prozess ist bei beiden Betriebssystemen sinnvoll. Erst danach wird die aktuellste Version von der Wacom-Internetseite heruntergeladen und installiert. Wieder schadet ein Neustart nicht. Danach sollte alles wieder schön mit aktuellen Komponenten funktionieren.

Diese Prozedur empfiehlt sich übrigens auch, wenn über die Zeit Probleme bei der Nutzung von Wacom-Geräten auftreten. Allerdings sollte man vorab genau recherchieren, am besten auf der Support-Seite von Wacom, ob und inwiefern das vielleicht schon betagte Gerät mit neuesten Treibern und Betriebssystemen arbeitet. Ab einem gewissen Alter funktioniert ein Treiber nicht mehr mit dem Computersystem und ein neuer Treiber nicht mit dem alten Gerät. In diesem Fall muss tatsächlich über eine Neuanschaffung nachgedacht werden.

Voreinstellungen
Die Bedienung eines Wacom-Grafik-Tablets ist einfach und intuitiv. Dennoch kann die individuelle Einrichtung von programmspezifischen Einstellungen der Tasten, des Touch-Rings und des Stiftes einige Zeit in Anspruch nehmen. Wenn man beginnt, mit einem Grafik-Tablet von Wacom zu arbeiten, hilft es, den Treiber, der bei MacOS in den Systemeinstellungen und bei Windows in der App-Liste unter der Windows-Taste zu finden ist, im Hintergrund offen zu halten. Bei der Arbeit mit der Anwendungssoftware, zum Beispiel Photoshop, werden sich dann zwangsläufig Tastaturkürzel etc. finden, die man gern auf die Bedienungselemente des Tablets legen möchte. Dann wechselt man einfach zum Treiber, stellt dort für das entsprechende Programm den Shortcut auf eine Taste und kann die Funktionsweise sofort ausprobieren. Das „Anlernen“ kann ein längerer Prozess sein. Und diesen Aufwand möchte man nicht bei Updates von Betriebssystem, Programmen oder anderen Problemen verlieren.

Hier hilft wieder das Wacom-Tablet-Dienstprogramm. In diesem kleinen Helferlein können die Voreinstellungen gesichert werden, zum Beispiel auf einem USB-Stick zum Transport oder auf einer externen Festplatte zur Sicherheit. Damit kann man nicht nur auf Nummer sicher gehen, sondern die persönlichen Preferences auch auf ein fremdes Wacom-Gerät übertragen, eine erneute Einrichtung an einem anderen Arbeitsplatz entfällt.

Leider gibt es auch die Möglichkeit, dass sich Fehler in die Voreinstellungen einschleichen. Dann hilft auch kein cleanes Treiberupdate - mit dem Zurückspielen der eigenen, fehlerhaften Voreinstellungen kommt das Problem zurück.

Tipp: Um herauszufinden, ob ein Fehler in falschen Voreinstellungen liegt, bietet das Wacom-Dienstprogramm auch die Möglichkeit, nur die Voreinstellungen zu entfernen. Danach sind alle mühsam angelegten Tastenbelegungen futsch - also nur im Notfall benutzen und die Einstellungen vorher wie oben beschrieben sichern.