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Krimi Mord-Spektakel: Das Geiseldrama von Gladbeck


die aktuelle Krimi - epaper ⋅ Ausgabe 11/2020 vom 10.10.2020

Von der Skrupellosigkeit der Täter und der Sensationsgier der Medien ...


Artikelbild für den Artikel "Krimi Mord-Spektakel: Das Geiseldrama von Gladbeck" aus der Ausgabe 11/2020 von die aktuelle Krimi. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: die aktuelle Krimi, Ausgabe 11/2020

Journalisten schreckten nicht davor zurück, die Geiseln zu interviewen. Während des Gesprächs hielt Degowski Silke Bischoff mit seinem Revolver in Schach


In dieser Bank-Filiale nahm das spektakuläre Verbrechen seinen Anfang. Die Polizei griff nicht ein, die Täter flüchteten mit zwei Angestellten – und Reporter rasten hinterher


Als Hans-Jürgen Rösner glaubte, unter den Reportern einen Polizisten erkannt zu haben, wurde er aggressiv und zückte seine Waffe


Ein bildhübsches Mädchen mit langen blonden Haaren starrt aus angstvollen Augen in ...

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... die sensationsgierigen Gesichter der Reporter. Sie sitzt in einem silbergrauen BMW, der belagert wird von Mikrofonen und Kameras. Einer der Geiselnehmer drückt sie auf der Rückbank in die Ecke. Gegen ihren Hals bohrt sich der Lauf eines geladenen Revolvers. Seinen gekrümmten Finger hat Dieter Degowski am Abzug. Die völlig verunsicherte 18-Jährige versucht, tapfer zu sein und zu lächeln. Sie erklärt, es gehe ihr „eigentlich ziemlich gut“. Und dass sie sich nicht vorstellen könne, dass der Mann neben ihr wirklich abdrücken würde. Doch sie irrt sich. Nur wenige Stunden später wird die Auszubildende in einem Kugelhagel auf der Autobahn ihr Leben verlieren …

Das Geiseldrama hielt die Bundesrepublik zu diesem Zeitpunkt bereits 53 Stunden in Atem. Begonnen hatte alles am 16. August 1988. Einem Dienstagmorgen im beschaulichen Gladbeck (Nordrhein-Westfalen), in dem normalerweise nichts Weltbewegendes passiert. Doch dieser Tag sollte alles verändern. Kurz vor acht Uhr stürmten Hans-Jürgen Rösner, damals 31, und Dieter Degowski, 32, bewaffnet in eine Bank. Der Überfall lief schnell aus dem Ruder: Der Filialleiter, der als Einziger den Tresor öffnen konnte, war noch nicht da. Die Täter warteten. Dann bemerkte ein Passant den Banküberfall und alarmierte die Polizei. Zwei Streifenwagen machten sich sofort auf den Weg. Doch anstatt sich im Hintergrund zu halten, fuhren die Beamten direkt an den Fenstern der Bank vorbei. Rösner und Degowski verloren die Nerven. Sie nahmen zwei Angestellte als Geiseln.

Ihre Lösegeldforderungen teilten sie in einem ersten Telefonat nicht der Polizei mit, sondern der Presse. Der Grund: Ein übereifriger Journalist wählte einfach die Telefonnummer der Bank – und plötzlich hatte er einen der Kidnapper an der Strippe. Es sollte nicht das letzte Mal sein, dass die Täter statt mit den Ermittlern lieber mit den Medien sprachen. Ihre Forderungen: 300 000 Mark und einen Fluchtwagen. Am Abend kam es zum großen Showdown. Nach langem Hin und Her wurde endlich das Auto vor die Tür gestellt, ausgestattet mit Wanzen und Peilsendern. Ein Beamter, nur mit einer Unterhose bekleidet, musste das Lösegeld über- bringen. Dann begann bei allen Beteiligten das zermürbende Warten …


54 Stunden To desangst! Und eine Hinrichtung live im TV ...


Unfassbar: Die Gangster luden Reporter in den entführten Bus ein, um von den verängstigten Geiseln Fotos machen zu lassen


Mit der Knarre in der Hand posierte Dieter Degowski für die Presse. Nur wenige Stunden später wurde er zum Mörder eines 14-jährigen Jungen


Die Bankräuber verließen schließlich zusammen mit den beiden gefangenen Angestellten das Gebäude und brausten im Fluchtwagen davon. Reporter hielten weiter die Kameras drauf. Es war der Startschuss für eine Horrorfahrt durch halb Deutschland, die später in einem fürchterlichen Blutbad enden würde. Ihr erster Weg führte die Gangster zu einer Wohnung in Gladbeck. Dort holten sie Rösners Freundin, Marion Löblich, damals 34, ab. Danach irrten sie fast die ganze Nacht ziellos durchs Ruhrgebiet. Schließlich fiel die Entscheidung, nach Bremen zu fahren. Marion stammte von dort. Polizei und Journalisten blieben ihnen auf den Fersen. Eingegriffen wurde jedoch nicht. Noch immer gab es die Hoffnung, Rösner und Degowski würden die Geiseln irgendwann laufen lassen. Doch die Irrfahrt ging weiter …

Nach einer kurzen Kaffeepause an einer Tankstelle erreichten sie die Hansestadt. Die Geiseln waren bereits seit knapp 24 Stunden in der Gewalt der skrupellosen Verbrecher. Gegen 14.30 Uhr verließen Rösner und seine Freundin das Auto, um einzukaufen. Völlig unbehelligt schlenderten sie durch die Stadt. Degowski blieb bei den Geiseln im Wagen. Die Gangster fühlten sich anscheinend sicher. Die Beamten konnten sogar beobachten, wie Degowski ausstieg, um auf die Toilette zu gehen. Nie wieder würde die Gelegenheit so günstig sein, die Geiselnahme unblutig zu beenden! Doch die Minuten verstrichen und es passierte nichts. Wieso nutzte die Polizei diese Chance nicht? Niemand gab den Befehl. Die zuständigen Ermittler schienen regelrecht paralysiert. Das sollte nicht ihr einziger Fehler bleiben …

Später setzten die Kidnapper mit der Fähre über die Weser und erpressten in einem Delmenhorster Autoverleih einen neuen Fluchtwagen. Es ging zurück nach Bremen. Ortskundige Polizeikräfte verloren die Flüchtenden zwischenzeitlich aus den Augen. Um 18 Uhr telefonierte Rösner zum ersten und einzigen Mal mit der Polizei. Er drohte damit, dass sein Komplize durchdrehen könnte, wenn man sie weiter verfolgen würde. Außerdem bot er an, eine weibliche Geisel freizulassen und gegen einen Polizisten einzutauschen. Sie verabredeten sich für ein weiteres Telefonat, das aber nie zustande kam, weil anscheinend eine falsche Rufnummer genannt worden war. Die Ermittlungs-Pannen reihten sich weiter aneinander. Und führten zur Eskalation …

Kurz nach dem gescheiterten Telefonat kaperten Rösner und Degowski einen Linienbus, in dem 30 Menschen saßen. Spätestens ab jetzt entwickelte sich aus der Geiselnahme ein öffentliches Spektakel, das Zuschauer live im Fernsehen mitverfolgen konnten. Die Polizei versäumte es, den Tatort weiträumig abzusperren. Somit tummelten sich zahlreiche Schaulustige rund um das kriminelle Geschehen. Insbesondere Fotografen und Fernsehleute hatten praktisch ungehinderten Zugang. Ein kleiner Junge fuhr mit dem Fahrrad vorbei und guckte neugierig in den Bus. Wieder griff keiner ein. Eine lebensgefährliche Situation für das Kind! Das Unglaubliche: Auf Einladung der Gangster spazierten die Reporter sogar in den gekaperten Bus. Mitleiderregende Bilder von zusammengekauerten und verängstigten Geiseln flimmerten zu sämtlichen Nachrichtenzeiten bundesweit über die Bildschirme. Schamlos und ohne jede Rücksicht! Die Täter genossen die öffentliche Aufmerksamkeit. Der bewaffnete Rösner gab vor dem Bus sogar ein Interview. Wie ein Superstar beantwortete er die Fragen der Presse. Prahlte damit, wie gefährlich sein Komplize sei. Und drohte: „Wir werden einige Forderungen stellen – und wenn die nicht erfüllt werden, dann knallt das da drin!“

Rösner erzählte von seinem Leben. Aus seiner Kindheit in den Heimen. 13 Jahre hätte er insgesamt schon hinter Gittern verbracht. Bevor er wieder in den Knast müsste, würde er alle erschießen. Sein Leben sei ihm egal. Medienwirksam steckte er sich den Lauf seiner Pistole in den Mund. Auf die Frage, warum denn all diese unschuldigen Menschen sterben sollten, zuckte er mit den Schultern und murmelte: „Kann ich nichts dafür …“ Immer wieder versuchten die Geiselnehmer, mit der Polizei zu verhandeln, aber alle Versuche schlugen fehl. Niemand bei der Bremer Polizei schien sich zuständig zu fühlen. Mit so einer Situation hatte niemand gerechnet. Entsprechende Notfallpläne existierten nicht. Ein Fotograf schaltete sich als Vermittler zwischen den Gangstern und den Ermittlern ein. Leider erfolglos. Rösner wurde derweil zusehends aggressiver. Seine Wut ließ er an der kleinen Tatiana aus. Immer wieder hielt er der Achtjährigen eine Pistole an den Kopf, drohte damit abzudrücken. Ihr großer Bruder Emanuele tat alles, um sie zu beschützen. Fassungslos saß Papa Aldo vor dem Fernseher und musste diese grausamen Aufnahmen mitverfolgen. Er konnte es kaum ertragen, seine Lieben so leiden zu sehen. Die Machtlosigkeit brachte ihn fast um den Verstand. Noch wusste er nicht, dass er eines seiner geliebten Kinder nie wieder in die Arme nehmen würde …

Journalisten schleiften den schwer verletzten Emanuele aus dem Bus. Wie der Jugendliche um sein Leben kämpfte, wurde live im Fernsehen übertragen ...


In Bremen kaperten die Bankräuber einen Linienbus mit 30 Personen. Stundenlang mussten die Gefangenen dort ausharren


Der Pkw der Geiselnehmer wurde in der Kölner Innenstadt von Schaulustigen und Journalisten umlagert


Welche Schuld trägt die Polizei? Hätte die 18-jährige Silke gerettet werden können?


Hans-Jürgen Rösner stand wie ein Promi im Rampenlicht: Er gab den Medien mehrere Interviews


Mit der Waffe am Hals musste Geisel Silke Bischoff die Fragen der Reporter beantworten


In der Dunkelheit setzte sich der Bus in Bewegung. Verfolgt von einem Tross motorisierter Journalisten und den Einsatzwagen der Polizei. Die Fahrt endete an der Gaststätte Grundbergsee. Dort kam es dann zur Katastrophe …

Als Rösners Freundin Marion mit drei weiblichen Geiseln zur Toilette ging, wurde sie von einem Bremer Einsatzkommando gestellt und festgenommen. Da brannten bei dem Geiselnehmer die Sicherungen durch. Er stellte ein Ultimatum: Wenn Marion nicht in fünf Minuten freigelassen werde, müsse jemand im Bus sterben! Die Polizei gab nach. Doch dann brach der Schlüssel für die Handschellen ab. Die Freilassung verzögerte sich. Als Marion gerade auf dem Weg zurück zum Bus war, knallte es plötzlich. Es war zu spät. Die Geiselnehmer hatten ihre Drohung wahr gemacht. Aus nur zehn Zentimetern Entfernung schoss Dieter Degowski dem 14-jährigen Emanuele vor den Augen seiner kleinen Schwester in den Kopf. Reporter trugen den Schwer- verletzten aus dem Bus. Einer von ihnen leistete sich die Geschmacklosigkeit, den Kopf des Jungen noch in die Kamera zu halten.

Und ein weiterer verhängnisvoller Fehler offenbarte sich: Es befand sich kein Rettungswagen vor Ort! Emanuele verblutete.

Während Degowski der Geisel brutal die Pistole an die Gurgel drückte, stieg in Köln „Express“-Reporter Udo Röbel freiwillig ins Täterfahrzeug, um den gefährlichen Kriminellen den Weg aus der Innenstadt zu zeigen


Der Zugriff auf der Autobahn hinterließ eine Spur der Verwüstung. Die Polizei stoppte die Verbrecher mit Gewalt – und ohne Rücksicht auf die Geiseln!


Maskierte Beamte des Sondereinsatzkommandos untersuchten den gestoppten Fluchtwagen der Geiselnehmer. Es musste herausgefunden werden, aus welcher Waffe der tödliche Schuss auf Silke Bischoff kam


Entschlossen: Rösner hatte nichts mehr zu verlieren. Er drohte damit, sich selbst zu erschießen


Und sein Tod wurde live im Fernsehen übertragen …

Nach dem kaltblütigen Mord tauschten die Verbrecher den Bus gegen einen BMW und ließen die meisten Geiseln gehen. Zwei Mädchen, Silke Bischoff und ihre Freundin Ines Voitle, blieben jedoch in ihrer Gewalt. In Wuppertal besorgten sich Rösner und Degowski Aufputschmittel in einer Apotheke. Dort wurde das Fahrzeug der Entführer von Reportern belagert. Hemmungslos und ohne Rücksicht auf Verluste suchten sie die Nähe der Mörder. Für manche zählte nur das dramatischste Foto und die spannendste Story. An die Opfer dachte kaum einer. Die Berichterstatter führten Live-Interviews mit den Tätern. Ein Reporter bat sogar, die Waffe noch mal fürs Foto an den Kopf der Geisel zu halten. Ein anderer Journalist setzte sich in den Fluchtwagen und dirigierte Rösner und Degowski aus der Kölner Fußgängerzone zur nächsten Autobahn. An der Raststätte Siegburg durfte er aussteigen und vermarktete danach seine exklusive Erfahrung mit den Geiselnehmern. Nicht umsonst bezeichnete der deutsche Presserat die Ereignisse später als journalistischen Sündenfall …

Als Rösner kurz nach eins immer noch auf der A3 fuhr, entschloss sich der Einsatzleiter der Polizei plötzlich zum Zugriff. Vermutlich auch deshalb, weil die Gangster sonst die Grenze des Bundeslandes überschritten hätten. Das tödliche Finale nahm seinen Lauf: Ein SEK-Auto rammte das Täterfahrzeug. Das kam zum Stehen. Degowski eröffnete sofort das Feuer. Über den Kopf von Silke Bischoff hinweg. Es begann ein erbitterter Schusswechsel. Eine Kugel erwischte Ines Voitle am Rücken. Sie schrie vor Schmerzen. In diesem Moment packte Marion Löblich Silke Bischoff und zerrte deren Oberkörper als Schutz gegen die Polizeikugeln nach vorne. Verzweifelt flehte Silke um ihr Leben. Ines öffnete die Autotür und ließ sich in einen Graben fallen. Das rettete sie vor dem sicheren Tod. Immer mehr Kugeln der Polizei durchlöcherten den Fluchtwagen. Am Ende hatten die Beamten in drei Minuten 62 Schüsse abgefeuert. Auch Rösner fing sich eine Kugel ein. Die Täter mussten aufgeben. Als ein Beamter die hintere linke Wagentür aufmachte, glitt ihm der leblose Körper von Silke in die Arme. Eine Kugel hatte sie tödlich getroffen. Angeblich aus Rösners Waffe. Dieser bestreitet diesen Schuss bis heute. Immer wieder gab es Gerüchte, dass vielleicht eine Kugel der Polizisten Silke Bischoff getroffen haben könnte. Dazu passt ein denkwürdiger Satz von Kripo-Chef Armin Mätzler: „Ein Lebensrisiko für die Geiselnsei letztlich hinzunehmen …“

Gangster-Freundin Marion Löblich überlebte die Schießerei und wurde festgenommen. Nach sechs Jahren wurde sie in die Freiheit entlassen


Dieter Degowskis lebenslange Haftstrafe wurde 2017 zur Bewährung ausgesetzt. Rösner sitzt immer noch hinter Gittern. Marion kam nach sechs Jahren wieder raus. Geisel Ines Voitle leidet bis heute unter den traumatischen Erlebnissen. Den Geruch von Blut, Schweiß und Urin aus dem Bus konnte sie nie vergessen. Die Schüsse klingen immer noch in ihren Ohren. Für sie gehören auch die Reporter zu den Schuldigen: „Ich weiß, dass es ihr Job ist. Aber die Menschenwürde war nicht mehr da. Sie waren alle sensationsgeil. Ich fühlte mich wie ein Schlachtvieh …“

Gewitzter Promi-Anwalt: Der berühmte Strafverteidiger Rolf Bossi vertrat den Gladbecker Geiselnehmer Dieter Degowski


Fotos: action press, BILD/Privat, BILD/Stefan Hesse, imago, picture-alliance/dpa/AP, ullstein bild/dpa, United Archives/ZIK Images